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Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap

Titel: Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap

Hausarbeit , 2019 , 30 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christoph Germann (Autor:in)

Soziologie - Soziales System und Sozialstruktur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Bundesrepublik Deutschland ist insbesondere seit der Wiedervereinigung eine zunehmende Erosion und Segmentation des Tarifsystems zu beobachten. Der Rückgang der Tarifbindung betrifft vor allem frauendominierte Dienstleistungsbranchen wie den Einzelhandel, während männerdominierte Branchen nach wie vor eine vergleichsweise hohe Tarifbindung aufweisen. Dies hat zur Folge, dass Frauen weitaus häufiger von Niedriglöhnen betroffen sind als Männer. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 ist in diesem Kontext gleich in mehrfacher Hinsicht bedeutsam. Denn die Mindestlohneinführung zielte primär darauf ab, die Erosion des Tarifsystems zu stoppen und die Ausbreitung von unangemessen niedrigen Löhne zu unterbinden. Darüber hinaus bestand die Hoffnung, dass der Mindestlohn einen wichtigen Beitrag leisten könnte, „um strukturelle Benachteiligungen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu reduzieren und mehr Dynamik in Richtung einer Verringerung des Gender Pay Gaps auszulösen“ (Weinkopf 2015).
Mindestlöhne gelten in der Forschung als ein wirksames Mittel zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede, da Frauen überdurchschnittlich häufig von Niedriglöhnen betroffen sind. Ausgehend davon wird in der vorliegenden Arbeit folgende Frage untersucht: Wie wirkt sich die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf die Beschäftigung im Niedriglohnbereich, die Tarifpolitik und die geschlechtsspezifische Lohnlücke aus?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

2.1 Wechselwirkungen zwischen Mindestlohn und Tarifpolitik

2.2 Wechselwirkungen zwischen Mindestlohn und Gender Pay Gap

3. Erosion und Segmentation des deutschen Tarifsystems

4. Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap

4.1 Auswirkungen auf die Beschäftigung im Niedriglohnbereich

4.2 Auswirkungen auf die Tarifpolitik

4.3 Auswirkungen auf den Gender Pay Gap

4.4 Einfluss des Haushaltskontextes

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland auf die Niedriglohnbeschäftigung, das Tarifsystem sowie den Gender Pay Gap, wobei insbesondere die Rolle des Haushaltskontextes bei der Prekarisierung von Erwerbsarbeit analysiert wird.

  • Erosion und Segmentation des deutschen Tarifsystems
  • Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte des Mindestlohns
  • Entwicklung des Gender Pay Gaps im unteren Lohnsegment
  • Bedeutung von Haushaltsstrukturen für das Armutsrisiko
  • Typologien der Wechselwirkung zwischen Mindestlohn und Tarifpolitik

Auszug aus dem Buch

4.4 Einfluss des Haushaltskontextes

Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass weibliche Erwerbsarbeit trotz der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns nach wie vor mit einem erhöhten Niedriglohnrisiko verbunden ist (siehe Kapitel 4.3). In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit die geschlechtsspezifische Prekarisierung von Erwerbsarbeit auf der Haushaltsebene aufgefangen wird.

Die Dualisierungsthese impliziert, dass die zunehmende institutionelle Dualisierung eine soziale Spaltung bzw. soziale Dualisierung zwischen (männlichen) Normalarbeitnehmern und (weiblichen) flexibel Beschäftigten fördert (Dingeldey 2015, S. 102). Dingeldey (2015) entkräftet diese Argumentation. Sie zeigt auf, dass in Paarhaushalten vermehrt eine Art Marriage of Flexibility and Security zu beobachten ist, d. h. eine Kombination aus (männlicher) Vollzeiterwerbstätigkeit und (weiblicher) Teilzeiterwerbstätigkeit (ebd., S. 119). Das (männliche) Normalarbeitsverhältnis in Verbindung mit einem tarifgebundenen (Familien-)Lohn fungiert weiterhin als Ankerpunkt der sozialen Sicherung, wird aber immer häufiger durch (weibliche) Teilzeitarbeit ergänzt. Aufgrund der geringen Defamiliarisierung von Erziehungs- und Sorgearbeit haben Frauen oft nur die Möglichkeit, eine flexible Beschäftigung anzustreben. So sind es besonders Mütter, die Teilzeitarbeit nutzen, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen (ebd.).

Die Kombination aus (männlicher) Vollzeiterwerbstätigkeit und (weiblicher) Teilzeiterwerbstätigkeit hat sich ab Mitte der 2000er Jahre zum dominanten familialen Erwerbsmuster entwickelt. Im Jahr 2013 war diese Kombination in 39,5 Prozent aller Paarhausalte mit Kindern unter 14 Jahren anzutreffen. Das traditionelle Ernährermodell, also eine alleinige (männliche) Vollzeittätigkeit, fand sich hingegen nur in 28,9 Prozent und eine Vollzeittätigkeit beider Partner sogar nur in 22,2 Prozent der Paarhaushalte (OECD 2016).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Erosion des deutschen Tarifsystems ein und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Auswirkungen des Mindestlohns auf Beschäftigung und Lohnlücke.

2. Forschungsstand: Das Kapitel bietet einen Überblick über den wissenschaftlichen Diskurs zu Ripple-Effekten von Mindestlöhnen sowie deren Einfluss auf die geschlechtsspezifische Lohndiskriminierung.

3. Erosion und Segmentation des deutschen Tarifsystems: Hier wird der historische Rückgang der Tarifbindung analysiert und die zunehmende institutionelle Dualisierung des deutschen Arbeitsmarktes dargelegt.

4. Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap: In diesem Hauptteil werden die empirischen Folgen der Mindestlohneinführung unterteilt in Beschäftigungseffekte, tarifpolitische Entwicklungen, geschlechtsspezifische Lohneffekte und Haushaltseinflüsse analysiert.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Mindestlohn zwar positive Lohneffekte im unteren Bereich erzielte, aber die Segmentation und den Gender Pay Gap nur begrenzt reduzieren konnte.

Schlüsselwörter

Mindestlohn, Tarifbindung, Erosion, Niedriglohnbeschäftigung, Gender Pay Gap, Tarifpolitik, Ripple-Effekt, Dualisierung, Marriage of Flexibility and Security, Erwerbskonstellation, Deutschland, Arbeitsmarktsegmentierung, Lohnverteilung, Haushaltskontext, Lohndiskriminierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Effekte des seit 2015 bestehenden gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland im Kontext eines sich wandelnden Tarifsystems und geschlechtsspezifischer Ungleichheiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Beschäftigung im Niedriglohnbereich, die Stabilität des Tarifsystems sowie die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Lohnlücke (Gender Pay Gap).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu analysieren, wie sich der Mindestlohn auf die Beschäftigungssituation, die Tarifpolitik und den Gender Pay Gap auswirkt und inwieweit soziale Risiken durch Haushaltskonstellationen kompensiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische und empirische Analyse, die bestehende Studien und Datenquellen wie das SOEP und die Verdienststrukturerhebung auswertet, um die Wirkungsweisen des Mindestlohns zu skizzieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Beschäftigungseffekte, der tarifpolitischen Reaktionen, der Auswirkungen auf den Gender Pay Gap sowie eine Untersuchung der Rolle des Haushaltskontextes bei der Prekarisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mindestlohn, Tarifbindung, Gender Pay Gap, Niedriglohnbeschäftigung und die "Marriage of Flexibility and Security".

Was besagt die "Dualisierungsthese" im Kontext dieser Arbeit?

Sie beschreibt die Spaltung des Arbeitsmarktes zwischen gesicherten Normalarbeitsverhältnissen und flexiblen, prekäreren Beschäftigungsformen, wobei die Autorin dies um die Ebene der Haushaltssolidarität erweitert.

Warum konnte der Mindestlohn den Gender Pay Gap bisher kaum schließen?

Die Arbeit stellt fest, dass der Mindestlohn zwar am unteren Ende der Lohnverteilung positive Wirkungen zeigt, die Lohnunterschiede in höheren Segmenten jedoch unberührt lässt und das Lohnniveau insgesamt oft unter der Niedriglohnschwelle bleibt.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Wohlfahrtskapitalismus: regulierte Ungleichheit?
Note
1,3
Autor
Christoph Germann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
30
Katalognummer
V505841
ISBN (eBook)
9783346051837
ISBN (Buch)
9783346051844
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesetzlicher Mindestlohn Niedriglohnbeschäftigung Tarifpolitik Gender Pay Gap Tarifsystem Geschlechtsspezifische Lohnlücke Institutionelle Dualisierung Geschlechtsspezifische Segregration
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Germann (Autor:in), 2019, Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Niedriglohnbeschäftigung, Tarifpolitik und Gender Pay Gap, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505841
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Leseprobe aus  30  Seiten
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