Die Geschichte des deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation


Seminararbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALT

1 EINLEITUNG

2 DER WORLD SERVICE DER BBC
2.1 Vom Morsesystem zur ersten britischen Rundfunksendung
2.2 Der BBC World Service zwischen Neutralität und Einflussnahme
2.3 Erste Sendungen des BBC World Service

3 DER DEUTSCHE DIENST DER BBC AB 1933
3.1 Rundfunk als politisches Instrument
3.2 Propaganda Broadcasting
3.3 Beispiele von Sendungen
3.4 Die BBC und deutsche Einzelpersonen
3.5 Die BBC im Nachkriegsdeutschland
3.6 Die Einstellung des Dienstes der Deutschen BBC

4 A SKY FULL OF FREEDOM

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATUR

1 EINLEITUNG

Bereits eingangs muss festgestellt werden, dass eine Hausarbeit dem Thema „Die Geschichte des deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation“ keinesfalls gerecht werden kann. Zu umfangreich ist das Material zur BBC und zum deutschen Dienst, das allein im Written Archives Centre der BBC in Reading[1] selbst eingesehen werden kann. Nahezu jede ausgestrahlte und auch nicht ausgestrahlte Sendung wird dort seit der Gründung der BBC im Jahre 1922 aufbewahrt, ebenso wie Statistiken, Jahrbücher, Bild- und Tonmaterial und vieles mehr. Schon bei der Betrachtung der Bibliographie der Werke von Briggs und Rawnsley[2] wird diese Vielfalt deutlich. Zwar geht es in den meisten dieser Bücher um mehr als den deutschen Dienst der BBC, dennoch wird die vorliegende Arbeit nur eine Kurzfassung der verschiedenen Ereignisse zur Geschichte des Deutschen Dienstes der britischen Rundfunkgesellschaft wiedergeben können. Im Mittelpunkt soll die Betrachtung verschiedener ausgewählter Daten, Ereignisse und Personen liegen, die aufgrund ihrer Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Dienstes der BBC herausgegriffen werden.

Hierbei ist zu bemerken, dass eine derartige Darstellung in aller Regel auch einer gewissen Wertung unterliegt. Diese ergibt sich aus der Problematik der Frage, aus welchem Grund eine normalerweise politisch, kulturell und besonders auch sprachlich an ihre heimatliche Umgebung gebundene Mediengesellschaft fremdsprachige Kommunikation betreibt. Ging und geht es diesem Rundfunkunternehmen um bloße Mitteilung und weltweite Nachrichtenvermittlung, oder doch eher um Erziehung oder gar um die Infiltration fremder Kulturen durch die eigene, die womöglich als die bessere angesehen wird? Welchen Stellenwert hat die Sprache bei einem vor allem verbal vermittelnden Medium und welche Hemmnisse können hier durch Fremdsprachen entstehen, wenn davon ausgegangen wird, dass Sprache, Gesellschaft und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind?

In geradezu beispielhafter Weise ist hier der Titel des Buches von Andrew Walker[3] anzuführen. Für seinen Abriss über 60 Jahre des weltweiten Dienstes der BBC, der als eine Art von Jubiläumsband zu verstehen ist, wählt er mit voller Absicht die ambiguose Überschrift: „A Skyful of Freedeom“. Allerdings beschreibt er damit eben gerade nicht den „Himmel voller Freiheit“, was tatsächlich „A Sky full of Freedom“ heißen müsste, sondern nennt die nicht näher zu wägende Größe und Menge an Freiheit, die durch die Arbeit der BBC für andere Länder, Nationen und in anderen Sprachen geleistet worden ist.

Für den Auslandsdienst der BBC steht stets der Hörer des anderen, des fernen Landes im Mittelpunkt. Während der Hörer dies zwar auch im eigenen Land tut, sind die Bedingungen für inländische und ausländische Sendungen grundverschieden. Ein Unternehmen, das Informationen transportiert, kann keine vollkommene Neutralität gewährleisten. Ebenso wie Fakten werden auch Meinungen, Berichte und Kommentare, Erlebtes und Erfundenes über das Medium Rundfunk verbreitet – und im Falle des Auslandsrundfunks geschieht dies in eine andere Welt hinein. Dies kann wie etwa während des II. Weltkrieges zu gefährlichen Konflikten führen, andererseits aber auch das einzige Mittel zur Information über tatsächliche Verhältnisse im Lande sein.

In der vorliegenden Arbeit soll zunächst ein Überblick über die allgemeine Bedeutung, sowie über den Sinn und die Absichten des BBC World Service gegeben werden, gefolgt von einer näheren Betrachtung des deutschen Dienstes. Kapitel 3 erläutert die Ereignisse der Jahre vor und während des II. Weltkrieges sowie der Zeit im Nachkriegsdeutschland, die die Geschichte des deutschen Dienstes der BBC unmittelbar beeinflusst haben. Das Kapitel 4 widmet sich der Frage, wie viel (Informations-) freiheit der Dienst der deutschen BBC vermittelt, und wie sich der Dienst im Laufe der Jahre den sich verändernden Gegebenheiten angepasst hat. Die Schlussbetrachtung fasst schließlich noch einmal die Erkenntnisse der Hausarbeit zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das BBC Broadcasting House in London

Quelle: http://www.bbc.co.uk/heritage/

2 DER WORLD SERVICE DER BBC

Das folgende Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Entstehung des Rundfunkwesens und der BBC und den Beginn des World Service. Darüber hinaus sollen die unterschiedlichen Meinungen widergespiegelt werden, die sich im Laufe der Zeit über die britische Rundfunkanstalt gebildet haben.

2.1 Vom Morsesystem zur ersten britischen Rundfunksendung

Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurden in verschiedenen Ländern die Möglichkeiten der Übertragung von Sprache und Musik auf drahtlosem Weg unternommen. Es kann daher nicht verwundern, dass bereits einige Monate nach dem Ende des I. Weltkriegs die Stimme eines englischen Nachrichtensprechers über fünftausend Kilometer entfernt in den Vereinigten Staaten gehört werden konnte. Heute nimmt man an, dass dieses Ereignis im März 1919 die erste Sendung ins Ausland gewesen ist. Obschon man genau genommen feststellen muss, dass der Sender in Ballybunion in Irland stand, waren derartige Versuche noch in der Nachfolge der Erfindung des italienischen Wissenschaftlers Guglielmo Marconi zu verstehen. Marconi war nach Großbritannien gekommen, um die Machbarkeit einer echten Übertragung zu entwickeln.[4] Denn, was zunächst nur ähnlich wie bei einem Morsesystem in der Übertragung von Punkten und Strichen technisch zu bewerkstelligen war, führte – auch durch die Erfahrungen, die man auf militärischem Nachrichtengebiet während des I. Weltkriegs gemacht hatte – schnell zu rundfunkähnlichen Übertragungen.

Im Jahr 1920 organisierte die Zeitung „Daily Mail“ eine halbstündige Übertragung von Gesangstücken der berühmten australischen Sängerin Nellie Melba, die man nicht nur in ganz Europa, sondern bis Neufundland vernehmen konnte. Durch den Einspruch des Militärs mussten zunächst in Großbritannien weitere Versuche eingestellt werden. Da aber andere Länder weiterhin experimentierten, wurde auf dem Umweg des Radio-Booms in den Vereinigten Staaten indirekt die Gründung der BBC vorangetrieben. Denn die damals bestehenden Lokalsender – 1924 waren es in den U.S.A etwa 530 – zwangen sogar die Militärs nachzugeben. Und 1922 autorisierte die britische Post die Marconi Gesellschaft, mit den Übertragungen zu beginnen. Der Postminister sagte im April jenen Jahres im Unterhaus: „It would be impossible to have a large number of firms broadcasting. It would result only in a sort of chaos, …”[5].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf diese Weise entstand die British Broadcasting Company mit John Reith als ihrem Direktor. Als weitsichtiger Mann, der zu unterstreichen wusste, dass mit dieser Art von „company“ kein Geld zu machen sei, wickelte man jene Einrichtung ab und gründete die BBC als British Broadcasting Corporation unter dem Namen, den sie bis heute trägt.[6] John Reith plante sein Werk als regierungsunabhängig ebenso wie als frei von kommerziellen Zwängen. Nachdenklich allerdings muss folgender Satz des erfolgreichen Mannes stimmen: „It was the brute force of monopoly that enabled the BBC to become what it did; that made possible a policy in which moral responsibility – moral in the broadest way, intellectual and ethical – ranked high. If there is to be competition it will be of cheapness, not goodness”[7]. Es war ein unerhörter Anspruch, der seinerzeit von John Reith nicht nur formuliert, sondern auch gefordert wurde. Denn nicht nur von den Printmedien wurde die BBC als Konkurrent betrachtet, auch die unterschiedlichsten Gruppierungen und politischen Fraktionen versuchten Einfluss zu nehmen. Und obwohl sogar das Königshaus – man nehme als Beispiel die Weihnachtsansprache von König George V., die von Schloß Sandringham kam – sich des Mediums „Radio“ bediente, waren die von Reith formulierten Ideale auf Dauer nicht zu realisieren. Daher war es letzten Endes weniger ein technisches Problem, einen weltweiten Rundfunkdienst aufzubauen, denn dies hatten einige Länder mit ihrem Know-How schon gelöst. Es wurde in den kommenden Jahren immer mehr zur Frage des „was“. Und wenn es in den Gründerjahren noch die noble Idee der zwar unsichtbaren doch aber lebendigen, unmittelbaren Verbindung der Briten in Übersee mit dem United Kingdom daheim war, ging es bald schon nicht mehr um „sentimental reasons“. Die Trennung etwa von kultureller Verbindung und politischer Einflussnahme wurde zur Illusion. Was in den Anfangsjahren der BBC begonnen hatte, wurde bis weit nach dem II. Weltkrieg mit immer besserer Technik und in immer größerem Umfang fortgeführt. Die in den späten 40er Jahren etablierten Soldatensender waren im Grunde genommen vorprogrammiert durch die Absicht, alle britischen Staatsbürger, die sogenannten „British subjects“, durch das zu Beginn des 20. Jahrhunderts neu entwickelte Medium zu erreichen.

2.2 Der BBC World Service zwischen Neutralität und Einflussnahme

In den zwei, seinem Buch vorangestellten, Zitaten weist Andrew Walker auf das grundlegende Dilemma des weltweiten Dienstes der BBC hin. Zum einen nennt er die Bemerkungen eines unbekannten Hörers aus Burma, der im Jahre 1990 gesagt hatte: „Tuning in to the BBC is like sharing a bit of its freedom as our own“[8]. Ebenso wie die BBC gewiss dieser positiven Meinung eines Adressaten zustimmen würde, wären andererseits die für die Sendungen Verantwortlichen über die offizielle Beschreibung der burmesischen Regierung wenig erfreut: „A Skyful of lies“[9]. Aber diese beiden Meinungen, fast 60 Jahre nach Beginn des weltweiten Dienstes der BBC geäußert, drücken die sich widersprechenden Ansichten über ein etabliertes Instrumentarium des weltweiten Rundfunkdienstes aus.

In den Anfängen war davon noch wenig zu spüren. Als im Jahre 1932 die Sendungen in ein paar provisorischen Gebäuden von Daventry begannen, stand eines jedoch bereits als unausgesprochenes Motto fest: Ziel war es, eine wahrheitsgetreue und genau recherchierte Sendung zu produzieren. Durch die Jahrzehnte der Arbeit hindurch ist dieses Motto bestehen geblieben. Allerdings bedeutete dies, dass durch das anfangs so kleine Unternehmen die Kosten für den britischen Steuerzahler bereits in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf die nicht unbeträchtliche Summe von mehr als 169 Millionen Pfund Sterling angestiegen waren. Das United Kingdom besitzt mit der BBC allerdings auch ein Informationsinstrument, das, gemessen an der Zahl der Übertragungsstunden, das viertgrößte weltweit ist. Zum Vergleich kann man an dieser Stelle die „Deutsche Welle“ heranziehen, die mit ihren Sendungen und mit nur geringfügig weniger Sprachen an fünfter Stelle liegt und mit 800 Wochenstunden auf Sendung ist.

Welche Bedeutung dem World Service der BBC zukommt, hat einmal ein amerikanischer Journalist mit dem Vergleich beschrieben, in dem er den Dienst als ebenso lebenswichtig für den freien Geist bezeichnet, wie es etwa „Brot für die Welt“ für die hungrigen Menschen ist: „ [It is] for the free mind what Oxfam is for the hungry“[10].

Für Menschen, die in einem Land leben, in dem zumindest die Freiheit der Information – ob aktiv oder passiv – gegeben ist, mag der letzte Satz wie eine Selbstverständlichkeit klingen. Kurz nach der Gründung der BBC in den 30er Jahren war dies in vielen Ländern der Welt allerdings noch lange nicht der Fall. Insbesondere in Deutschland war unter Hitler an eine freie Meinungsäußerung oder Informationsbeschaffung nicht zu denken. Der Anspruch, die Wahrheit zu verbreiten, bedeutete für die in Großbritannien arbeitenden Redakteure und Nachrichtensprecher im Gegensatz zu vielen Hörern der BBC nicht notwendigerweise eine gefährliche Arbeit zu tun. Das United Kingdom als politische Weltmacht und damit auch die BBC mussten sich jedoch im Verlauf des Krieges entscheiden, welchem der beiden Blöcke es angehören wollte. Diese Entscheidung nahm ohne Zweifel auch einen Großteil der Neutralität und Unbefangenheit von der Berichterstattung der BBC.

Zu Recht kann gesagt werden, dass von Beginn an der World Service nicht, und schon gar nicht in erster Linie, zum Ziel hatte, durch Kultur und Gesellschaftsereignisse an die Mitgliedsstaaten des Commonwealth etwas weiterzugeben. Im Gegenteil, Sinn und Zweck war es, im weltweiten Netz der ehemals oder auch noch mit dem britischen Mutterland verbundenen Nationen Einfluss zu nehmen.

[...]


[1] Das Written Archives Centre der BBC befindet sich in der Peppard Road, Caversham Park, in Reading und ist öffentlich zugänglich.

[2] Zum Beispiel Briggs, Asa (1985); Rawnsley, Gary D. (1996).

[3] Vgl. Walker, Andrew (1992).

[4] Vgl. http://www.bbc.co.uk/heritage/story/pre_bbc.shtml, History of the BBC, “Pre BBC”.

[5] Walker, Andrew (1992), S. 16.

[6] Vgl. http://www.library.ucsf.edu/db/britannica.html u.a. Quellen.

[7] Walker, Andrew (1992), S. 18.

[8] Walker, Andrew (1992), Vorwort.

[9] Vgl. ebenda

[10] Walker, Andrew (1992), S. 13.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Medienseminar Rundfunk
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V50598
ISBN (eBook)
9783638467926
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Dienstes, British, Broadcasting, Corporation, Medienseminar, Rundfunk
Arbeit zitieren
Nina Butzke (Autor), 2005, Die Geschichte des deutschen Dienstes der British Broadcasting Corporation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50598

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