Grundbegriffe der Pädagogik und Erziehungswissenschaften


Ausarbeitung, 2019
10 Seiten, Note: unbenotet

Leseprobe

1. Einleitung

Die Pädagogik und damit eingehergehend auch die Erziehungs wissenschaft unterliegen einem stetigen Wandel – dazu kommt, dass kaum eine Wissenschaft existiert, die so weitreichende öffentliche Diskurse bezüglich ihrer eigenen Legitimation provoziert. Während der Entstehung des Begriffes Pädagogik meinte dieser die Führung der Knaben, welche überhaupt den Zugang zu Bildung hatten und von Sklaven erzogen und geführt wurden. Dass dieses Wissenschaftsverständnis nicht mehr so angenommen wird, liegt auf der Hand. Auch der hohe Stellenwert von Erziehung hat gesellschaftlich Anerkennung erhalten; trotzdem existieren unheimlich viele Vorurteile der Erziehungswissenschaft gegenüber. Wo steigt man überhaupt ein, um die Erziehungswissenschaft kennzeichnen zu können? Wo liegen die Kernthemen und Herausforderungen? Welchen Zugang und welche Kernbereiche finden wir vor, was macht Pädagogik also aus? Mit diesen Fragestellungen hat sich das Seminar „Erziehungswissenschaftliche Theoriebildung“ beschäftigt – die hier dargelegten Ausführungen sollen eine Annäherung an diese Fragen darstellen. Sie sollen also einen groben Überblick über die Thematiken geben, die im Seminar „Erziehungswissenschaftliche Theoriebildung“ besprochen wurden. Um überhaupt auf die grundlegenden Themenbereiche eingehen zu können, sollen diese zunächst aufgezeigt werden. Die fünf Themenkreise, die in dem hier bereits erwähnten Seminar behandelt wurden, lassen sich wie folgt benennen: Grundfragen und Grundprobleme; Grundbegriffe; Theorie und Praxis; erziehungswissenschaftliche Konzepte und Methoden und abschließend die Bildungstheorie und Bildungsforschung. Die hier vorliegenden Ausführungen beinhalten diese stark zusammengefasst; demnach ist die aufgeführte Struktur des Seminars nicht für diese Zusammenfassung zu übertragen. Damit ist der fehlende Anspruch auf Vollständigkeit der Arbeit zu betonen; vielmehr sollen hier aber alle Themenkreise kurz skizziert und in einen Zusammenhang miteinander gebracht werden.

2. Kernthemen und Grundproblematiken von Pädagogik

Um sich überhaupt der Frage annähern zu können, was die Pädagogik als Wissenschaft ausmacht, ist im Folgenden zunächst auf den Begriff der pädagogischen Handlungskompetenz einzugehen.

Dieser ist, so Koller, nicht als eine Art Wissensvorrat zu begreifen; es handelt sich bei der genannten Kompetenz also nicht um „rezeptartiges“ Anwenden bloßer Wissensbestände (vgl. Koller, S. 11). Um diese These stützen zu können, nennt er drei Gründe, die gleichzeitig auch als Kernbestandteile der pädagogischen Handlungskompetenz verstanden werden können. Der erste Grund ist die Umstrittenheit des pädagogischen Wissens (vgl. Koller, S. 11-12), welcher besagt, dass eine Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theorien zwar als Voraussetzung und somit als unbedingt notwendig zu erachten ist, gleichzeitig aber nicht ausreicht, um professionell in pädagogischen Kontexten agieren zu können. Es bedarf also einer eigenen Urteilskompetenz, um der Einzigartigkeit der Situationen und der Menschen (zweiter Grund nach Koller, vgl. S. 12) vergleichend, prüfend und kritisch beurteilend gerecht werden zu können. Damit ist auch die zweite Fertigkeit, die die pädagogische Handlungskompetenz involviert, zu benennen. Diese bezeichnet Koller als hermeneutische Kompetenz, welche besagt, dass ein in der pädagogischen Praxis Handelnder in der Lage dazu sein sollte, „das relevante Fach – und Methodenwissen, das ja stets in allgemeinen Formulierungen vorliegt, auf je besondere, ja einzigartige Situationen und Menschen zu beziehen“ (ebd., S. 12). Zuletzt ist, so Koller, auch das lebenslange Weiterdenken Bestandteil der pädagogischen Handlungskompetenz. Ohne einen Zukunftsbezug und die Fähigkeit, anhand neu aufkommender Lebenslagen bestehende Theorien kritisch zu überprüfen und bei Bedarf kreativ weiterzuentwickeln, sei es nach ihm nicht möglich, die reflektierende, pädagogische Handlungskompetenz zu definieren (vgl. ebd., S. 12-14). Damit ist auch entsprechend verdeutlicht, an welchem Punkt die hier zu behandelnde Kompetenz verortet werden kann – sie lässt sich innerhalb der Schnittstelle von Theorie und Praxis wiederfinden (vgl. S.13-14). Die Thematik rund um das Verhältnis von Theorie und Praxis wurde bereits in der Einleitung dieser Zusammenfassung erwähnt und kann in den nachfolgenden Ausführungen aufgrund des vorgegebenen Umfangs nicht ausschöpfend dargestellt werden. Dennoch soll dieses Kapitel mit einigen Worten zum Theorie-Praxis-Verhältnis abgeschlossen werden: Theorie1 als ein möglicher Blickwinkel kann immer nur auch einen Teil der Praxis abdecken.

Dies impliziert, dass Theorie auch keine unmittelbaren Anleitungen für die Praxis geben kann. Somit ist keine Theorie direkt operationalisierbar und darf auch nicht diesen Anspruch erheben. Vielmehr kann sie zu einer intersubjektiven Nachvollziehbarkeit führen, die für die professionalisierte Praxis von Nöten ist. Somit ist festzuhalten, dass ein auf theoretisch fundierten Erkenntnissen aufgebautes Wissensgerüst zu der in der Praxis benötigen Flexibilität beitragen kann – und das ohne, dass die Gefahr der Willkür zu groß wird.

Nach Koller befasst sich die Erziehungswissenschaft mit komplexen Gegenständen und Sachverhalten, die nicht starr, sondern veränderlich sind. Demnach sind keine festgelegten Konzepte zu fassen, aber Theorien der Erziehungswissenschaft sind als absolut notwendig zu erachten, um Pädagogik eben wissenschaftlich fundieren und dadurch legitimieren zu können. Folgt man Zirfas, sind Theorie und Praxis immer wechselseitig aufeinander verwiesen.2 In Bezug auf die unterschiedlichen erziehungswissenschaftlichen Theorien ist zu betonen, dass theoretische Pluralität niemals theoretische Beliebigkeit bedeuten darf – Theorien sind, so Dörpinghaus und Uphoff, „nur“ als Möglichkeiten des Weltzugangs zu sehen. Für (wissenschaftliches) Beobachten von Realität sind sie allerdings absolut unverzichtbar (vgl. Chalmers). Die Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft lassen sich folgendermaßen benennen: Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen.

Da diese Begriffe allerdings nicht ausschließlich im Kontext der pädagogischen Wissenschaft verwendet werden und darüber hinaus - je nach Wissenschaft oder wissenschaftlicher Disziplin - unterschiedliche Zugänge in sich tragen, bedarf es an dieser Stelle eines erziehungswissenschaftlichen Definitionsversuches. Eine Möglichkeit zur Begriffsbestimmung wäre, jedem der Leitbegriffe einen spezifischen Gegenstand zuzuweisen. Diese Vorgangsweise ist in der gängigen Literatur allerdings nicht zu finden, da sie für die Erziehungswissenschaft nicht als haltbar zu deklarieren ist. Die Erziehungswissenschaft und ihre Grundbegriffe lassen sich nicht simpel bloß nebeneinanderstellen; es bedarf zwingend einer Veranschaulichung der Dependenzen der Begrifflichkeiten untereinander, welche die hier erwähnte, stark vereinfachte Vorgangsweise nicht leisten kann.Eine weitere Möglichkeit der Begriffsbestimmung wäre deshalb, einzelne Felder für die Begriffe und vor allem die Schnittstellen der Begriffe untereinander herauszuarbeiten. Auf diese Weise kann man den Grundbegriffen entweder eine Hierarchie zuschreiben – oder sie eben in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander und in Verbindung miteinander betrachten. Möchte man sich auf letztere Möglichkeit fokussieren, wird schnell deutlich, dass die verschiedenen Grundbegriffe der Erziehungswissenschaft einen ähnlichen Gegenstand betrachten – allerdings aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Zugängen. Die Begrifflichkeiten konstituieren verschiedene Realitäten, sie sind nicht greifbar oder gar sichtbar. Demnach lassen sie sich nie vollständig bestimmen – also lassen sich auch an dieser Stelle keine eindeutigen Definitionen formulieren. Dennoch sollen im Folgenden einige Aspekte zu den jeweiligen Begriffen festgehalten werden, die in ihren Grundzügen von (fast) allen Erziehungswissenschaftlern und Erziehungswissenschaftlerinnen geteilt werden. In der vorliegenden Darstellung der vier Grundbegriffe, die eingeführt werden sollen, geht es um die Unterteilung in der deskriptiven und normativen Theorie. Die Forschung in der Pädagogik ist immer an Normen gehaftet, sich davon loszusprechen ist beinahe unmöglich und demnach immer mitzulesen und zu berücksichtigen.

[...]


1 Die Unterscheidung von Alltagstheorien, subjektiven und wissenschaftlichen Theorien kann hier nicht weiter erläutert werden. Dennoch ist darauf zu verweisen, dass Bedingungen wie die Systematik, Reflexion, Subjektivität und Methodik eine Rolle für die Unterscheidung spielen. Insgesamt ist allerdings immer die Subjekt-Objekt-Relation zu beachten.

2 Zirfas wird hier nur beispielhaft genannt.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Grundbegriffe der Pädagogik und Erziehungswissenschaften
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V505981
ISBN (eBook)
9783346069863
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundbegriffe der Pädagogik, Erziehung, Bildung, Sozialisation
Arbeit zitieren
Isabel Pilger (Autor), 2019, Grundbegriffe der Pädagogik und Erziehungswissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505981

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