Die vorliegende Arbeit widmet sich einer Region, die seit Jahrzehnten durch ihr enormes Konfliktpotenzial gekennzeichnet ist: Der Golfregion. Im Mittelpunkt steht dabei eine kriegerische Auseinandersetzung, die besonders durch die Länge des Konfliktaustrags und durch vielfältige Interessenskollisionen charakterisiert war: Der Erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak.
Von besonderem Erkenntnisinteresse ist hierbei, welche Ursachen zum Ausbruch dieser blutigen Auseinandersetzung führten und welcher innen- und außenpolitische Entstehungskontext zugrunde lag. Vor allem die unterschiedlichen Phasen des Konfliktverlaufs bzw. Arten der Kriegführung werden analysiert und es wird hinterfragt, inwieweit der iranisch- irakische Krieg zwischen regionaler und internationaler Systemebene verortet werden muss. Durch die Einbeziehung der Interessenlage auf internationaler Ebene kann analysiert werden, inwiefern zwischen beiden Systemebenen Interdependenzen bestanden und welche Bedeutung diese wechselseitigen Abhängigkeiten für eine zügige institutionelle Konfliktregulierung hatten.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung und Erkenntnisziele
II Hauptteil
1. Konflikteinordnung
2. Konfliktgegenstände/ -dimensionen
2.1. Langfristig angelegte Ursachen des Krieges
2.2. Mittelfristig angelegte konkrete Ursachen
2.3. Kurzfristig wirkende Anlässe bzw. Auslöser
3. Der Kriegsverlauf und die Zielsetzungen der Kriegsakteure
3.1. Irak
3.2. Iran
4. Internationale Akteure
4.1. Die Interessenlage und das Verhalten der Supermächte
4.2. Die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens
4.3. Die Staaten der Europäischen Gemeinschaft
5. Institutionelle Konfliktregulierung
5.1. Die Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen
5.2. Die Vermittlungsbemühungen der Islamischen Konferenz Organisation
5.3. Die Vermittlungsbemühungen der Arabischen Liga (AL)
III Fazit
IV Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Ersten Golfkrieg zwischen Iran und Irak (1980–1988) mit dem Ziel, die komplexen Ursachen, den Kriegsverlauf sowie die Rolle internationaler Akteure und institutioneller Konfliktregulierung zu analysieren. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit es sich um einen isolierten Regionalkonflikt oder einen durch internationale Interessen beeinflussten Konflikt handelte.
- Multidimensionale Ursachenanalyse (historisch, religiös, ideologisch)
- Rolle der Supermächte USA und Sowjetunion im Konfliktverlauf
- Interessen und Verhalten regionaler Staaten (Golfanrainer und Ablehnungsfront)
- Untersuchung der Wirksamkeit institutioneller Vermittlungsbemühungen
- Verbindung von regionaler Konfliktebene und internationalem System
Auszug aus dem Buch
2.1. Langfristig angelegte Ursachen des Krieges
Die langfristig angelegten Ursachen des iranisch- irakischen Krieges lassen sich in drei Konfliktpotentiale unterscheiden: Erstens der ideologische Gegensatz zwischen arabischen und persischen Nationalismus. Zweitens die religiösen Differenzen zwischen Sunniten und Schiiten und drittens die Grenz- und Territorialkonflikte, also der Disput um die Grenzziehung an der Wasserstrasse Schatt el-Arab und die Zugehörigkeit der Provinz Khuzistan bzw. Arabistan.
Der arabisch- persische Dualismus geht auf das Jahr 637 n. Chr. zurück, als das persische Sassanidenreich in der Schlacht von Qadisiyyah von den Arabern erobert wurde. In Folge der arabischen Eroberungswelle konnte der Iran zwar islamisiert werden, die ursprünglich persische Sprache und Tradition konnte jedoch nicht verdrängt werden. Eine Arabisierung und die Herstellung der für Araber natürlichen Einheit von Islam und Arabertum wurde nicht erreicht. Im Iran war deshalb stets ein „Nebeneinander von Iran und Islam“ anzutreffen, aber keineswegs dessen Einheit. Ein weiterer Grund für die Manifestierung des arabisch- persischen Gegensatzes war der Triumph der Abbasiden im Jahre 750 und das sich anschließende Abbasidenkalifat (750- 1258), das zwar sunnitisch- arabischen Ursprungs war, in dessen Verlauf sich aber persische Dynastien die eigentliche Macht sichern konnten und dem Kalifat eine persische Prägung verliehen. Seit diesem Zeitpunkt stehen sich arabischer (Irak) und persischer (Iran) Nationalismus konfrontativ gegenüber. Beide Nationalismen betonen dabei die Einzigartigkeit und Überlegenheit der jeweils eigenen Nation und lehnen die jeweils andere kategorisch ab. In Verbindung mit dem beiderseitigen Vormachtstreben am Golf schlägt Gorawantschy für beide Nationalismen die sehr treffende Bezeichnung „Hegemonialnationalismus“ vor.
Eine weitere Konfliktlinie im iranisch- irakischen Konfliktsystem stellen die religiösen Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten dar. Sowohl im Iran als auch im Irak bilden die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit.
Zusammenfassung der Kapitel
Konflikteinordnung: Definition der Begriffe Konflikt und Krieg zur theoretischen Fundierung der Arbeit auf Basis wissenschaftlicher Kriegsdefinitionen.
Konfliktgegenstände/ -dimensionen: Detaillierte Untersuchung der langfristigen historischen, religiösen und territorialen Ursachen sowie der mittelfristigen Hegemonialpolitik und der unmittelbaren Auslöser des Krieges.
Der Kriegsverlauf und die Zielsetzungen der Kriegsakteure: Analyse der Phasen des achtjährigen Krieges sowie des Wandels der Kriegsziele beider Kontrahenten vom Beginn bis zur Endphase.
Internationale Akteure: Untersuchung der Interessenlagen der Supermächte USA und Sowjetunion sowie der Rolle regionaler Staaten und der Europäischen Gemeinschaft.
Institutionelle Konfliktregulierung: Bewertung der verschiedenen Vermittlungsbemühungen durch UN, IKO und Arabische Liga sowie die Analyse der Faktoren, die letztlich zur Resolution 598 führten.
Schlüsselwörter
Erster Golfkrieg, Iran-Irak-Krieg, Hegemonialkonflikt, Schatt el-Arab, Islamische Revolution, Supermachtrivalität, Regionalkonflikt, Resolution 598, Vermittlungsbemühungen, Vereinte Nationen, Grenzkrieg, Nationalismus, Religionskonflikte, Energiepolitik, Geopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Ersten Golfkrieg (1980–1988) zwischen Iran und Irak unter Berücksichtigung der regionalen Konfliktstruktur und deren Verbindung zum internationalen System.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historischen Konfliktursachen, den Kriegsverlauf, die Interessen der Weltmächte, das Verhalten regionaler Akteure und die Wirksamkeit diplomatischer Vermittlungsversuche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ausbruchsgründe des Krieges zu identifizieren, den Verlauf einzuordnen und zu klären, warum eine institutionelle Beilegung durch Organisationen wie die UN über acht Jahre lang schwierig blieb.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine strukturierte, multidimensionale Konfliktanalyse, die zwischen verschiedenen Ursachenebenen (langfristig, mittelfristig, kurzfristig) sowie regionalen und internationalen Ebenen unterscheidet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Konflikteinordnung, die Analyse der Konfliktdimensionen, die Betrachtung der Kriegsverläufe und Zielsetzungen der Akteure sowie die Rolle internationaler Mächte und die institutionelle Regulierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Erster Golfkrieg, Hegemonialkonflikt, Schatt el-Arab, Islamische Revolution, Supermachtrivalität und internationale Konfliktregulierung.
Warum war die Resolution 598 letztlich erfolgreich?
Der Erfolg beruhte auf der Kombination aus der militärischen Erschöpfung beider Seiten, dem diplomatischen Druck des UN-Generalsekretärs und der indirekten Androhung eines Waffenembargos durch das Zwangskapitel VII der UN-Charta.
Inwiefern spielte der arabisch-persische Dualismus eine Rolle?
Dieser Dualismus, oft als „Hegemonialnationalismus“ bezeichnet, bildet eine langfristige historische Konfliktlinie, die auf den Gegensatz zwischen arabischen und persischen Identitäten sowie auf Machtansprüche seit dem 7. Jahrhundert zurückgeht.
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- Stephan Fischer (Author), 2003, Der Erste Golfkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50609