Gehörlosigkeit muss nicht soziale Isolation bedeuten. Deshalb werde ich mich in dieser Arbeit damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten es gibt die Gebärdensprache für hörende Menschen präsenter zu machen.
Schon Paul Watzlawick sagte "Man kann nicht nicht kommunizieren." Demzufolge gibt es viele Möglichkeiten der Kommunikationen. Nicht nur verbal, sondern auch nonverbal, durch Mimik, Gestik, Körperhaltung. In Deutschland ist es vor allem die Lautsprache, die verwendet wird. Doch es gibt einige Menschen, die die Lautsprache nicht wahrnehmen können. Diese Menschen sind gehörlos. Einige von ihnen sind von Geburt an gehörlos, andere verlieren ihr Gehör im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter.
Viele gehörlose Menschen verwenden die Gebärdensprache um sich (untereinander) zu verständigen. "Die Gebärdensprache ermöglicht Gehörlosen eine entspannte und verlässliche Kommunikation. Diese Sprache ist aber noch mehr: Sie bildet die Grundlage einer eigenen Sprachgemeinschaft und Kultur, zu der sich auch Hörende, die die Gebärdensprache beherrschen, zugehörig fühlen."
Gegenwärtig sind in Deutschland nur wenig hörende Menschen in der Lage die Gebärdensprache anzuwenden. Die Gehörlosengemeinschaft erscheint meines Erachtens dadurch relativ isoliert. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Hörende meist kaum Kontakt mit Gehörlosen haben. Außerdem entsteht der Eindruck, dass Hörende wenig Wissen über die Gehörlosen, ihre Kultur und vor allem die Gebärdensprache haben. Seit ich an dieser Hochschule studiere und den Gebärdensprachkurs besuche, habe ich zunehmend ein großes Interesse an der Gebärdensprache entwickelt. Während dieser drei Jahre und vor allem jetzt in der Zeit des Schreibens dieser Bachelorarbeit habe ich mit vielen Freunden, Kollegen, und Bekannten gesprochen, die kaum etwas über die Gebärdensprache wussten.
Dabei rückte insbesondere die Fragestellung, ob die Gebärdensprache international gültig sei, in den Fokus. Dieser Fragestellung werde ich mich im Laufe dieser Arbeit noch widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gehörlosigkeit und Hörschädigungen
3. Gebärdensprache
3.1 Definition
3.2 Geschichte
3.3 Verbreitung
4. Aufbau und Struktur von Gebärden
5. Bedingungen des Gebärdenspracherwerbs
6. Gebärdensprache im deutschen Schulsystem
6.1 Gebärdensprache als Unterrichtsfach
6.1.1 Inhalte im Gebärdensprachunterricht
6.1.2 Leistungsbeurteilung im Unterricht
6.2 Gebärdensprache als Fremdsprache
6.3 Bilingualer Unterricht und Chancengleichheit in Erziehung und Bildung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Deutschen Gebärdensprache als Unterrichtsfach an Schulen, um die Inklusion gehörloser Menschen in die Gesellschaft zu fördern und die bestehenden Kommunikationsbarrieren zwischen Hörenden und Gehörlosen abzubauen.
- Historische Entwicklung und soziokulturelle Grundlagen der Gebärdensprache
- Struktur und Grammatik der Gebärdensprache sowie Bedingungen des Spracherwerbs
- Implementierungsmöglichkeiten der Gebärdensprache im deutschen Schulsystem
- Fremdsprachendidaktische Ansätze und Leistungsbeurteilung im Unterricht
- Bilingualer Unterricht als Wegbereiter für Chancengleichheit und soziale Integration
Auszug aus dem Buch
Aufbau und Struktur von Gebärden
Zunächst fallen die Aktivitäten der Hände auf. Ein Großteil der gebärdensprachlichen Lexeme wird mit Hilfe der Hände artikuliert, diese Bewegungen werden Gebärden genannt. Einen wesentlichen Anteil bei der Kommunikation mit Gebärdensprache haben aber auch die Bewegungen des Oberkörpers, des Kopfes, die Blickrichtung und die Mundbewegungen. „Mit der Orientierung des Oberkörpers wird zum Beispiel angezeigt, wer zu wem spricht. Ein leicht geneigter Kopf mit gleichzeitig erhobenen Augenbrauen signalisiert, dass es sich bei einer entsprechend begleiteten Phrase um einen Konditionalsatz handelt. Die Mimik verrät je nach Stellung der Augenbrauen, ob der Gebärdensprachnutzer gerade eine genuine oder doch eher eine rhetorische Frage stellt. Adverbiale Informationen lassen sich an den Lippen oder an der Mimik ablesen. Allein diese grobe Skizzierung zeigt auf: Gebärdensprache ist weit mehr als nur Handzeichen.“
Vorgreifend sollte an dieser Stelle der Begriff „Gebärdenraum“ erläutert werden. Der Gebärdenraum ist der physische Raum vor dem Oberkörper des Gebärdensprachnutzenden. Wie auf einer dreidimensionalen Bühne werden hier die einzelnen Gebärdenzeichen platziert, um sinnvoll zueinander in Bezug gesetzt werden zu können.
Wie einzelne Wörter in der Lautsprache, lassen sich auch in der Gebärdensprache die einzelnen Gebärdenzeichen in unterschiedliche Bausteine zerlegen. Damit verfügen sie über eine sublexikalische Struktur. Bei der Durchführung der Gebärdenzeichen mit den Händen kommt es auf folgende Elemente an: die Handform, die Handstellung, die Ausführungsstelle und die Bewegung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Kommunikation und stellt die isolierte Stellung der Gehörlosen in Deutschland dar, die durch die fehlende Kenntnis der Gebärdensprache bei Hörenden verstärkt wird.
2. Gehörlosigkeit und Hörschädigungen: Dieses Kapitel definiert Gehörlosigkeit sowie verschiedene Formen der Hörschädigung und thematisiert das Cochlea-Implantat als technologische Hilfestellung.
3. Gebärdensprache: Hier werden Definition, Geschichte und die aktuelle Verbreitung der Gebärdensprache behandelt, wobei sie als eigenständige und vollwertige Sprache etabliert wird.
4. Aufbau und Struktur von Gebärden: Das Kapitel erläutert die linguistischen Grundlagen der Gebärdensprache, inklusive Handformen, Mundbildern, dem Gebärdenraum und der grammatikalischen Funktion der Mimik.
5. Bedingungen des Gebärdenspracherwerbs: Es werden die verschiedenen Erwerbskontexte (primär, gesteuert, ungesteuert) bei gehörlosen und hörenden Kindern sowie bei Erwachsenen unterschieden.
6. Gebärdensprache im deutschen Schulsystem: Dieses Hauptkapitel analysiert die Möglichkeiten und Herausforderungen der Einführung der Gebärdensprache als Unterrichtsfach, inklusiven bilingualen Unterrichts sowie die Anerkennung als Fremdsprache.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Gebärdensprache für die gesellschaftliche Integration zusammen und plädiert für eine stärkere Verankerung im Bildungssystem zur Schaffung von Chancengleichheit.
Schlüsselwörter
Gebärdensprache, Gehörlosigkeit, Inklusion, Schulsystem, Bilingualer Unterricht, Fremdsprachenunterricht, Gehörlosenkultur, Gebärdenraum, Kommunikation, Sprachgemeinschaft, Deutsche Gebärdensprache, Barrierefreiheit, Hörschädigung, Bildungsstandard, Gebärdensprachdolmetscher
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Status der Deutschen Gebärdensprache im Bildungssystem und der Notwendigkeit, diese als Unterrichtsfach an Schulen einzuführen, um eine bessere Integration gehörloser Menschen zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die soziokulturellen Hintergründe der Gehörlosengemeinschaft, die linguistische Struktur der Gebärdensprache, die Herausforderungen des Spracherwerbs sowie die bildungspolitische Situation in Deutschland.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch die Etablierung der Gebärdensprache als Unterrichtsfach Barrieren abgebaut und Chancengleichheit für gehörlose Kinder in Erziehung und Bildung gefördert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Heranziehen von Experten-Interviews sowie der Auswertung aktueller pädagogischer Konzepte und bildungspolitischer Rahmenlehrpläne.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Spracheigenschaften, die Analyse der Erwerbsbedingungen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der aktuellen Implementierung der Gebärdensprache an Regelschulen und Förderschulen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Inklusion, bilingualer Unterricht, Gebärdensprachkompetenz, Chancengleichheit und die Anerkennung als Fremdsprache.
Welche Bedeutung hat der „Gebärdenraum“ in der Gebärdensprache?
Der Gebärdenraum ist der physikalische Bereich vor dem Oberkörper, in dem Gebärdenzeichen dreidimensional platziert werden, um grammatikalische Beziehungen zwischen Subjekten und Objekten sowie zeitliche Bezüge darzustellen.
Warum wird die Anerkennung als Fremdsprache im Abitur diskutiert?
Die Anerkennung als Fremdsprache würde hörgeschädigten Schülern den Nachteilsausgleich erleichtern, da sie ansonsten neben Deutsch und Gebärdensprache zusätzlich zwei weitere Fremdsprachen erlernen müssten, um das Abitur zu erlangen.
Welche Rolle spielt die Mimik in der Kommunikation?
Die Mimik ist ein integraler Bestandteil der Grammatik; sie übermittelt adverbiale Informationen, unterscheidet Satzarten wie Ja/Nein-Fragen von Befehlen und dient der emotionalen Kontextualisierung.
- Arbeit zitieren
- Sarah Dargel (Autor:in), 2019, Die deutsche Gebärdensprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506220