Gutachten eines Schülers einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung


Akademische Arbeit, 2019

25 Seiten, Note: 14 Punkte (1,0)


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Angaben zur Person

2. Anlass der Untersuchung und Fragestellungen

3. Vorgehen bei der Untersuchung

4. Anamnese
4.1 Frühkindliche und kindliche Entwicklung
4.2 Zusammenfassung der bisherigen schulischen und außerschulischen
Beteiligungen und Förderungen
4.3 Aktuelle Situation

5. Untersuchungsbericht
5.1 Durchgeführte Testungen
5.2 Verhalten während der Testungen
5.3 Darstellung der Testergebnisse
5.3.1 ELFE II (Test 1)
5.3.2 HSP1+ (Test 2)
5.3.3 HRT (Test 3)

6. Zusammenfassung und Interpretation

7. Pädagogische Vorschläge
7.1 Empfehlungen über Art, Umfang und Organisation der weiteren Förderung
7.2 Didaktisch-methodische Vorschläge zur Förderung

8. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhang

1. Angaben zur Person

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Anlass der Untersuchung und Fragestellungen

D. befindet1 sich derzeit im dritten2 Schulbesuchsjahr im Stoff der zweiten und dritten Klasse und wird zielgleich mit dem Curriculum der zweiten und dritten Klasse unterrichtet. Es soll eine erneute Überprüfung des bereits vorhandenen sonderpädagogischen Förderbedarfs mit dem Förderschwerpunkt Lernen stattfinden. Insbesondere vermutet3 die Klassenlehrerin, dass D. im Fach Deutsch eine Lese-Rechtschreibschwäche aufweisen könnte und bittet dies nun zu überprüfen.

Die Begutachtung soll die Frage beantworten, ob und welche zusätzlichen Maßnahmen für D. notwendig werden, um sowohl eine Verbesserung seiner schriftlichen Leistungen als auch seiner Leseverständnisfähigkeiten zu erreichen und ihm Sicherheit im Umgang in Wort und Schrift zu geben.

Insgesamt werden die Lernstände in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Rechnen überprüft und eventuelle Fördermöglichkeiten in diesem Gutachten vorgeschlagen.

Fragestellungen:

- Auf welchem schulischen Lernstand befindet sich D. in den Bereichen Rechtschrei- bung, Leseverständnis und Rechnen?
- Entsprechen diese den Anforderungen des Curriculums?
- Welche zusätzlichen Fördermöglichkeiten eignen sich, um D. in seiner Entwicklung zu unterstützen?

3. Vorgehen bei der Untersuchung

Die Ergebnisse folgender Verfahren wurden zur Begutachtung herangezogen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Anamnese

4.1 Frühkindliche und kindliche Entwicklung

Ein Bild zur Anamnese ergibt sich sowohl aus der Schulakte und einzelner Berichte (A1) als auch aus Gesprächen (A3) mit der Jugendwohngruppe und der Großmutter Dominiks.

D. lebte bis 2011 bei seinen Eltern. Die Beziehung der Eltern war sowohl durch massiven Alkoholkonsum als auch durch Gewalt seitens des Kindsvaters (KV) insbesondere gegen- über der Kindsmutter (KM) geprägt. Seit der Trennung der KM vom KV besteht zu diesem keinen Kontakt mehr. Die KM ist psychisch erkrankt und wurde bereits mehrfach stationär behandelt (A1, A3).

Der Familienalltag wurde von D. bestimmt. Ab Dezember 2011 besuchte er den ortsansässi- gen Kindergarten. Einen Großteil des Freizeitverhaltens verbrachte die Familie damit, den Nachhauseweg zu gestalten, welcher sich oftmals über mehrere Stunden hinweg zog. Jim bestimmte wo es lang ging oder wo er etwas gekauft haben wollte. D. konnte sich im Alltag nicht auf Regeln einlassen und die KM war selten in der Lage ihm Grenzen zu setzen (A1).

D. zeigte vermehrt aggressive Wutausbrüche, die oft mit massiven Sachbeschädigungen, Drohungen oder auch Tätlichkeiten gegenüber Erwachsenen einhergingen. Zudem entwi- ckelte er keinerlei Gefahrenbewusstsein im Straßenverkehr, vielmehr konnten von ihm aus- gehende gefährdende Gefahrensituationen beobachtet werden. Die KM bat Ende 2013 das hiesige Jugendamt um familienbegleitende und –unterstützende Maßnahmen. Zusätzlich bat die KM im April 2015 um eine stationäre Aufnahme in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) in Marburg. Diese Bitte wurde sowohl durch die im familiären Alltag bestehenden emo- tional immer massiver eskalierenden Situationen als auch durch die eigen- und fremdgefähr- denden Verhaltensweisen D.s im Kindergarten, begründet. Bis zur viermonatigen Aufnahme in die KJP in Marburg, kam D. in einer Notfallpflegestelle unter. In der Klinik wurden vollum- fängliche Untersuchungen veranlasst. Diese bezogen sich auf die Bereiche: Sprache, Kogni- tion, Arbeitsverhalten/Konzentration/Wahrnehmung, Motorik und auf die emotionale und so- ziale Situation (A1, A3).

Aus diesen Untersuchungen konnte zusammenfassend festgestellt werden, dass D. in der frühkindlichen Entwicklung stark durch Gewalt, Alkoholkonsum, Trennung und psychische Erkrankungen der Eltern, insbesondere der KM, geprägt worden ist. Es konnten Entwick- lungsstörungen in allen Bereichen beobachtet werden. Es ergaben sich leichte koordinative Bewegungsauffälligkeiten in Verbindung mit motorischer Unruhe sowie sprachliche Auffällig- keiten, die sich zunächst bei der Bildung der /s/ Laute zeigte. Eine fachärztlich diagnostizier- te auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung kam erschwerend hinzu (A1, A2, A3).

Dieser wurde seit Januar 2016 mit Logopädie gegengesteuert (A1, A3). Es wurde jedoch davon ausgegangen, dass die Probleme im Bereich der auditiven Wahrnehmungs- und Ver- arbeitungsstörung besonders im schulischen Kontext den Schriftspracherwerb massiv be- einträchtigen würde. Hier ist ein langsam voranschreitender Leselehrgang, der auf diese Be- sonderheiten Rücksicht nimmt, angeraten. Es ist, aufgrund D.s Misserfolgs- und Frustrations- toleranz, ein besonders behutsames Vorgehen erforderlich (A2). Weitere Maßnahmen, die ein Arbeiten positiv beeinflussen könnten, seien gezielte Reizausschaltungen, z.B. durch einen zusätzlichen Differenzierungs- und Rückzugsraum. Die ausgeprägtesten Probleme sind bei D. im sozio-emotionalen Bereich zu verorten. Hier sind neben den genetischen Be- lastungen der Eltern besonders die fehlende Sozialisation D.s mit kaum Regel- und Grenzer- fahrungen die ausschlaggebenden Faktoren. Entsprechend heftig sind seine Rektionen ge- wesen, wenn er mit solchen konfrontiert wurde. Es wurde ein Setting notwendig, dass einer- seits eine große Konstanz bzgl. des Bezugspersonal und der Institution erforderte, damit er überhaupt lernt Vertrauen aufzubauen. Andererseits brauchte er ein sehr klares, konsequen- tes und für ihn überschaubares Regelwerk, das ihm perspektivisch mehr Sicherheit und Ver- trauen ermöglichte. Er bezog nach dem Aufenthalt in der KJP eine Jugendwohngruppe (A1, A3) in der er aktuell immer noch lebt.

D. wurde, sowohl mit ausdrücklichem Wunsch der Mutter, als auch auf die Empfehlungen der KJP hin, zum Schuljahr 2016/2017 an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung aufgenommen (A1). Er wurde medikamentös auf Medikinet eingestellt und be- kam auch in der Schule eine ½ Tablette nach dem Mittagessen. Sowohl in der Wohngruppe (A3) als auch in der Schule zeigte er eine extrem geringe Frustrationstoleranz. Er traute sich zudem grundsätzlich sehr wenig zu und neigte in Überforderungssituationen zu massiven Abwehrreaktionen. Es fiel ihm zunächst sehr schwer, sich in Strukturen einzufinden und An- weisungen umzusetzen. Ihm war es zu Beginn seiner Einschulung möglich, sich in den ers- ten beiden Schulstunden über einen Zeitraum von ca. 20 Minuten zu konzentrieren. Im Ver- lauf der ersten beiden Schulbesuchsjahre konnte sich D. auf die Rahmenbedingungen und Strukturen sowohl von der Wohngruppe als auch auf die der Schule einlassen.

4.2 Zusammenfassung der bisherigen schulischen und außerschuli- schen Beteiligungen und Förderungen

Zur übersichtlichen Veranschaulichung wird die GA die bisherige Beteiligung und Förderungen der (vor-)schulischen und außerschulischen Institutionen in tabellari- scher Form aufführen (Quellen A1, A2 und A3):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Schulbeginn:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Aktuelle Situation>

Zur Erfassung der aktuellen Situation berichtet das Klassenlehrer (KL-) Team, bestehend aus einer weiblichen Lehrkraft (Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin) und einem männlichen Kollegen (Erzieher) unter anderem aus Beobachtungen im Unterricht, aus der unterrichts- freien Zeit sowie aus dem aktuellen Förderplan und Gesprächen mit beteiligten Perso- nen/Institutionen.

[...]


1 Name geändert

2 wird im Folgenden mit D. abgekürzt

3 Das vorliegende Gutachten verzichtet im Dienste der Lesefreundlichkeit, auf die Nennung beider Geschlechts- formen. So sind die Bezeichnungen nicht ausschließlich als männliche Form zu verstehen.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Gutachten eines Schülers einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Förderpädagogik und Inklusive Bildung)
Veranstaltung
Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung
Note
14 Punkte (1,0)
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V506476
ISBN (eBook)
9783346061102
ISBN (Buch)
9783346061119
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Kurs "Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung" hat das Ziel, durch die Aneignung weiterer Kompetenzen in der Fort- u. Weiterbildung, den Anforderungen der UN Behindertenrechtskonvention und dem sich daraus ergebenen rechtlichen Anspruch, der Inklusion gewachsen zu sein. Der Inhalt umfasst alle im Studiengang Förderschullehramt mit dem Schwerpunkt Beeinträchtigung der emotionalen u. sozialen Entwicklung relevanten Themen. https://www.uni-giessen.de/fbz/fb03/institutefb03/foerderpaedagogik/professuren/emotionale_entwicklung/zefikeh/zefigrund
Schlagworte
Förderdiagnostik, emotionale und soziale Entwicklung, Gutachten, Erziehungshilfe, Förderdiagnostisches Gutachten, Diagnostik, Pädagogik, Beeinträchtigungen
Arbeit zitieren
Diana Volkmer (Autor), 2019, Gutachten eines Schülers einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506476

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