Inszenierungsanalyse von Peter Steins Inszenierung der Komödie "Wie es euch gefällt" von William Shakespeare


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1.0 Regiebuch Akt 5, Szene

2.0 Einleitung

3.0 Inszenierungsanalyse
3.1 Der Text
3.2 Umstellung der Szenenfolge
3.3 Der Raum
3.3.1 Der Raum und die Inszenierung
3.3.2 Der Raum und die Schauspieler
3.3.3 Der Raum und das Publikum
3.4 Die Kostüme
3.5 Die Schauspieler
3.5.1 Rosalind und Celia
3.5.2 Rosalind und Orlando
3.5.3 Phoebe und Silvius
3.5.4 Weitere schauspielerische Auffälligkeiten
3.6 Symbole

4.0 Fazit

5.0 Bibliografie

6.0 Filmografie

1.0 Regiebuch Akt 5, Szene 2

Orlando: [1] Ich kann nicht länger von Einbildung leben.

Rosalind: [2] So will ich dich auch nicht länger mit unnützen Reden plagen. [3] Wissen Sie also, denn jetzt rede ich ganz ernst, [4] dass ich wunderbare Dinge tun kann. [5] Seit meinem vierten Lebensjahr habe ich Umgang mit einem Magier gepflegt, ich habe Ihnen davon [6] erzählt, der in seiner Wissenschaft ungemein groß war, ohne jedoch schwarze Magie zu betreiben.

[7] Lieben Sie Rosalind wirklich so heftig wie es Ihr Äußeres förmlich herausschreit, so sollen Sie sie in eben dem Augenblick heiraten, in dem Ihr Bruder [8] meine Schwester heiratet.

[9] Ich weiß, dass Rosalind sich in großer Bedrängnis befindet, [10] doch wenn Sie es sich nicht anders überlegt haben, oder noch überlegen [11] sollten, so ist es mir unmöglich [12] sie Ihnen dann vor Augen zu stellen.

Orlando: Bist du betrunken?

Rosalind: [13] In Fleisch und Blut – ohne jegliche Gefahr.

Orlando: Meinst du das ernst?

Rosalind: [14] Bei meinem Leben, ich meine es ernst. Und ich liebe mein Leben sehr.

Auftritt Phoebe und Silvius

Rosalind: [15] Ah, [16] da [17] kommt meine Geliebte und ihr Liebhaber, [18] sehen Sie.

Phoebe: [19] Das war sehr hässlich [20] von dir, Ganymed, meinen Brief überall herumzuzeigen.

Rosalind: Ich bin zu dir mit voller Absicht hässlich. [21] Da, [22] dieser Schäfer. Sieh ihn an! Lieb ihn! [23] Er betet dich an.

Phoebe: [24] Nein! Nein! [25] Sprich du [26] für mich, wie du es versprochen hast, [27] und sage ihm, was lieben heißt. Geh!

Silvius: Es heißt aus Seufzern ganz bestehen [28] und Tränen. Es heißt aus [29] Treue ganz bestehen und Eifer, wie ich [30] für Phoebe.

Phoebe: [31] Und ich für Ganymed.

Orlando: [32] Und ich für Rosalind.

Rosalind: Und ich [33] für keine Frau.

R: w. Hemd, ob. 4 Knöpfe offen, Ärmel 2x hochgeschlagen, w. Hose, Hosenbeine bis unters Knie hochgeschl., br. Hut unter dem die dkl. Langen Haare zusammengebunden sind, barfuß, sitzt a. Boden, br. Decke ü. re. Bein hlb. i. Schneidersitz, li. Bein leicht angewinkelt, Hände v. Bauch übereinander gelegt, Blick zu O.

O: wgr. knöchellanger Mantel, w. Hemd, offene hlblange bl. Haare, li. Arm n. i. Mantelärmel, li. Hand hält li. Seite Mantelrevers, re. Arm ü. li. verschränkt, steht m. Blickrchtg. See m. Rücken zu R, Blick a. Boden.

1

2 R zieht m. bd. Händen Decke zu sich, schlägt D. ü. re. Hd, lässt li. Arm sinken.

3 R li Hd an li Wange, Blick auf Boden, li Hd kratzt leicht an Wange

4 R li Zeigefinger an Oberlippe, Blick hoch zu O, O Schritt vor, linksum zu R

5 R setzt sich langs. Stck weiter vor, spielt verlegen m. Fingerspitzen, Blick auf Boden

6 R flüchtiger Blick zu O, O wendet s stöhnend ab, O Rücken zu R geht langs 3 Schritte Richtung See

7 R steht auf, m. re Hd Decke zu Boden, 4 krz Schritte zu O

8 O linksum zu R, Blick zu R

9 R kratzt m re Hd unter li Hdfläche, Arme vor Körp, Blick zu Boden

10 R spielt m Fingerspitzen

11 R flchtg Blick zu O, kurz verlegen Kopf n. li neigen

12 R Hde hi Rücken, leicht schwankender Kopf

13 R re Hd auf Rücken, li Hd anbietend leicht vor, Blick zu O

14 R Arme hängen vo. Körper, spielt m. Fingerspitzen, Kopf leicht links geneigt

15 R re Arm vor, re Zeigefinger deutet leicht auf re vor, Blick leicht re

16 O wendet Kopf ü li Schulter, halbe Drehung li

17 S: wadenlg weiter schw Schäferumhang, roter Schlapphut, schw Schnäuzer, trägt Kornhalme i li Hd, geht vor P auf R & O zu

P: wadenlg weiter grüner Umhang, Blumenkranz auf Rücken, roter Rock, auf Hinterkopf zusammengeflochtene dkl Haare, trägt kl Weidenkorb m w Tuch überdeckt vor sich, schubst S vor sich her Richtung R & O

18 R re v auf gl Höhe wie O, O verfolgt R m Blick ü re Schulter, O Blick auf S & P

19 S bleibt krz stehen, Blick ü re Schulter zu P, P schubst ihn weiter vor, S schmeißt Kornhalme v R Füße, R steckt Hde i Hosentaschen, R Blick zu Boden, S wendet sich ü li z Wald u entfernt sich einige Schritte

P kniet v R auf Boden, stellt Korb auf Boden, entfaltet w Tuch, i Korb sind div. Früchte, P legt Korn auf Korb u Blick auf zu R, regungsloses Tableau, R zuckt Schultern u tritt Korb nach li vorne, O & P verfolgen Korb m Blick, P Blick hoch zu R u re Hd umfasst li Hd auf li Knie

20 P reibt m re Hd an li Hdgelenk

21 R li Arm hlbli hoch, li Zeigefinger weist auf S

22 S wendet sich ü re Schulter krz zu R,O &P, S wendet sich sofort zurück m Rücken zu R; O & P

23 R schlägt P m re Hd gegen re Schulter, P fängt s m re Hd a Boden ab

24 P steht ruckartig auf, reißt bd Arme hoch u schlägt m bd Fäusten re u li auf Oberschenkel, P kurz drohend bd Fäuste vor Richtung R

25 P läuft m Armen vorgestreckt zu S, umfasst S Schultern v vorn u wendet ihn Richtung R & O

26 P schiebt S Richtung R & O, S wendet sich krz i Gehen zu P um

27 S nimmt m li Hd Hut ab u hält ihn vor seine Brust, S & P halten krz inne dann bis auf 3 Schritte vor zu R, R li Zeigefinger am Mund

28 P spielt m Fingerspitzen, Arme vor Brust

29 S Blick re zu P, Lautenspiel setzt ein

30 S deutet m Hut i li Hd nach re auf P

31 P neigt Oberkörper leicht vor, bd Arme vor, Hde offen, Hdflächen nach oben weisen auf R

32 O Blick stur geradeaus

33 R li Hd m Hdfläche auf Brust, Kopf leicht re, Augen zu

2.0 Einleitung

Peter Stein eröffnete am 20. September 1977 mit seinem Schauspielensemble der Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin die Spielzeit 1977/78, in dem er die Komödie WIE ES EUCH GEFÄLLT von William Shakespeare inszenierte. Damit stellte er erneut ein Gegenstück zu Peter Zadeks Regiearbeit auf die Bühne, denn von eben dem war nahezu zeitgleich eine Inszenierung von Shakespeares HAMLET in Bochum zu sehen.[1] Im Gegensatz zu Zadek war das Theater für Stein ein Laboratorium, das als Mittel zur Gesellschaftskritik und politischer Aktion diente, und das nicht als Spielplatz gedacht war.[2] Damit bewies Stein nicht nur, dass er bei Kortner seine ihn formenden Lehrjahre verbracht hat, sondern auch, dass er ganz zu Recht als Antipode zu Zadeks Konzepten im Regietheater der BRD gehandelt wurde.[3] Anders als Zadek, der seinen HAMLET einer extremen Dekonstruktion unterwarf, versuchte Peter Stein eine vorsichtige Rekonstruktion dem Publikum präsentieren zu können und stellte sich somit auch bewusst dem Dilemma der kritischen Regie damaliger und auch heutiger Zeit. Was sollte man mit dem klassischen Erbe tun?[4] Dieser Frage begegnete Stein nicht allein, sondern teilte sie mit seinem Schauspielensemble der Schaubühne. Dies zeugte von einem ungeheuren Teamgeist und der Bereitschaft zu einer tiefgehenden konzeptionellen Arbeit, der bereits eine erfolgreiche gemeinschaftliche Zeit vorangegangen war.

1970 zog der Regisseur mit seinem schon bestehenden Ensemble in die Schaubühne am Halleschen Ufer Berlin um und begründete dort mit der gelungenen Inszenierung von Ibsens PEER GYNT (1971) den außergewöhnlichen Ruf des Theaters. Es folgten Aufführungen von Kleists DER PRINZ VON HOMBURG (1972), Gorkis SOMMERGÄSTE (1974) und das groß angelegte ANTIKENPROJEKT (1974).[5] Zu diesem Zeitpunkt war die Truppe um Stein für ihre recht ungewöhnliche Interpretationsarbeit bekannt, waren doch vertiefende Recherchen zum Stück, dem Dramatiker und dessen Zeit nahezu immer obligat. So verwundert es nicht, dass sie sich beinahe fünf Jahre in intensiven Renaissancestudien unter der Leitung von Peter Stein, Botho Strauss, Dieter Sturm und anderen Dramatikern und Dramaturgen vertieften. Es war die bis dahin anspruchvollste und langwierigste Vorbereitungszeit auf Shakespeare, die je unternommen wurde. Die Entfesselung dieses Wissens schlug sich dann in dem von Stein selbst konzeptionierten Werk SHAKESPEARE`S MEMORY (1976) nieder. Ein siebenstündiger Bilderbogen und Raritätenkasten, der an zwei aufeinander folgenden Abenden Shakespeares Welt, sein Bild von selbiger und die besonderen Zeitumstände, in der er lebte, dem Publikum näher bringen sollte.[6] Platz des Geschehens war diesmal nicht die Schaubühne, sondern die C.C.C. Filmstudios, da man dort einen ausreichenden Raum für die Konstruktion und die verschiedenen Spielorte des Werkes fand.

Natürlich stellt sich die Frage, ob soviel geballtes Wissen nötig war um Shakespeare verstehen und aufführen zu können, aber es steht außer Frage, dass die Inszenierung Steins von WIE ES EUCH GEFÄLLT besonders von der „Renaissance-Monster-Show“[7] SHAKESPEARE`S MEMORY profitierte und durch die Mischung eines intelligenten Regiekonzeptes, einer superben Darstellung und einer atemberaubenden Raumkunst Theatergeschichte machte.[8]

[...]


[1] Vgl. Hotmann, Wilhelm: Shakespeare und das Deutsche Theater im XX. Jahrhundert. Berlin: Henschel 2001. S.286

[2] Vgl. ebenda S.287

[3] Vgl. ebenda S.286

[4] Vgl. ebenda S.289

[5] Vgl. ebenda

[6] Vgl. ebenda S.290

[7] Ebenda S.291

[8] Vgl. ebenda S.289/291

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Inszenierungsanalyse von Peter Steins Inszenierung der Komödie "Wie es euch gefällt" von William Shakespeare
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Einführung in die Aufführungsanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V50648
ISBN (eBook)
9783638468343
ISBN (Buch)
9783640203758
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inszenierungsanalyse, Peter, Steins, Inszenierung, Komödie, EUCH, GEFÄLLT, William, Shakespeare, Einführung, Aufführungsanalyse
Arbeit zitieren
Nicole Korzonnek (Autor), 2005, Inszenierungsanalyse von Peter Steins Inszenierung der Komödie "Wie es euch gefällt" von William Shakespeare, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50648

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