Diese Arbeit beschäftigt sich mit sprachlichen Charakteristika der Kommunikation in sozialen Netzwerken anhand von fünf Kommentarverläufen zu Videoclips auf der Plattform "TikTok". Im Fokus dieser empirischen Masterarbeit stehen die linguistischen Aspekte der schriftlichen internetbasierten Kommunikation, die auf Social-Media-Plattformen stattfindet. Es stellen sich die Fragen, welche einzigartigen sprachlichen Besonderheiten der Kommunikation sich in sozialen Netzwerken im Vergleich zu konventionellen Kommunikationsmethoden ergeben, welche Sprachformen in der Online-Kommunikation am häufigsten vorkommen und welche unterschiedlichen Funktionen verschiedene sprachliche Merkmale internetbasierter Kommunikation haben.
In den fast zwei Jahrzehnten nach dem Aufbruch ins 21. Jahrhundert hat sich die Netzwerktechnologie rasant entwickelt und den menschlichen Informationsaustausch und täglichen Lebensstil verändert. Das Internet ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Alltagslebens der Menschen geworden. Neben traditionellen Kommunikationsmethoden wie mündlicher Face-to-Face-Kommunikation und schriftlicher Korrespondenz nutzen die Menschen heute häufiger das Internet, um per Webcam in Videochats zu kommunizieren und um schriftliche Nachrichten zu senden und zu empfangen. Die Entwicklung schriftlicher Kommunikation in sozialen Netzwerken im Internet fördert den Prozess des Sprachwandels und die Vielfalt sprachlicher Varietäten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretische Fundierung von digitaler Kommunikation
2.1 Konventionelle und digitale Kommunikation
2.2 Internetbasierte Kommunikation
2.3 Soziale Medien und soziale Netzwerke
III. Linguistischer Hintergrund zum Thema digitale Kommunikation
3.1 Mündlichkeit und Schriftlichkeit
3.2 Sprachliche Besonderheiten in der digitalen Kommunikation
3.3 Linguistische Merkmale der Kommunikation in sozialen Netzwerke
3.3.1 Schreibphänomene mit ökonomischen Funktionen
3.3.1.1 Lexikalische Kurzformen
3.3.1.2 Syntaktische Kurzformen
3.3.1.3 Tippfehler
3.3.1.4 Groß- und Kleinschreibung
3.3.1.5 Interpunktion
3.3.2 Schreibphänomene mit hohem Grad an konzeptioneller Mündlichkeit
3.3.2.1 Wortfinale und wortinitiale Tilgungen
3.3.2.2 Reduktionen
3.3.2.3 Enklisen
3.3.2.4 Interjektionen
3.3.2.5 Nicht-Standard-Ausdrücke
3.3.3 Graphostilistische Mittel
3.3.3.1 Emoticons und Emojis
3.3.3.2 Iterationen
3.3.3.3 Majuskeln
3.3.3.4 Adressierungen
IV. Korpus und Methodik
V. Auswertung
5.1 #Bottlecapchallenge
5.2 #Pranks
5.3 #Ballonfisch
5.4 #Miasanmia
5.5 #Politik
VI. Fazit
VII. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die linguistischen Besonderheiten der schriftlichen, internetbasierten Kommunikation auf der Social-Media-Plattform TikTok. Ziel ist es, durch eine korpuslinguistische Analyse der Kommentarbereiche zu identifizieren, welche sprachlichen Phänomene bei der Online-Kommunikation dominieren und welche Funktionen diese in der digitalen Interaktion erfüllen.
- Analyse der Unterschiede zwischen konventioneller und digitaler Kommunikation
- Identifikation von Schreibphänomenen mit ökonomischen Funktionen (z.B. Kurzformen, Tippfehler)
- Untersuchung von Schreibphänomenen mit hohem Grad an konzeptioneller Mündlichkeit
- Evaluation graphostilistischer Mittel wie Emojis und Iterationen als Ersatz für Nonverbales
- Vergleich der sprachlichen Ausdrucksweisen über verschiedene Themenfelder hinweg
Auszug aus dem Buch
3.3.1.1 Lexikalische Kurzformen
Lexikalische Kurzformen spielen bei der Zeitersparnis für die Informationseingabe eine bedeutende Rolle. Es sollte jedoch beachtet werden, dass die Verkürzung eines Wortes das Verständnis des Lesers für das Wort und die ganze Nachricht nicht beeinträchtigen soll. (Schnitzer 2013: 76, Schmidt 2006: 327) Das bedeutet, dass die Kurzform eines Wortes entweder den Teil der Wortwurzel behalten muss, der die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ausdrücken kann, oder schon häufig in digitaler Kommunikation verwendet und weitverbreitet von den Internetnutzern akzeptiert wird. Als die typischen Formen von lexikalischen Kurzformen gelten die Abkürzung und das Akronym.
Im weiteren Sinne umfasst der Begriff von Abkürzung alle verkürzten Formen von Wörtern und Wortgruppen. Das Akronym gilt als eine der sprachlichen Formen von Abkürzung. In der linguistischen Untersuchung zur digitalen Kommunikation beschränkt sich der Begriff von Abkürzung allerdings ausschließlich auf die Verkürzung von Wörtern. Eine übliche Form der Abkürzung in der alltäglichen digitalen Kommunikation besteht darin, nur einige Buchstaben in einem Wort zu belassen und am Ende einen Punkt hinzuzufügen, z. B. ‚Mo.‘ für Montag oder ‚Dr.‘ für Doktor zu schreiben. In manchen Fällen kann auch der Punkt am Ende weggelassen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der digitalen Kommunikation im Alltag ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Untersuchung sprachlicher Besonderheiten auf Social-Media-Plattformen.
II. Theoretische Fundierung von digitaler Kommunikation: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Kommunikationsmodelle und grenzt die Begriffe internetbasierte Kommunikation, soziale Medien und soziale Netzwerke voneinander ab.
III. Linguistischer Hintergrund zum Thema digitale Kommunikation: Hier werden die Begriffe Mündlichkeit und Schriftlichkeit theoretisch hergeleitet und die spezifischen Schreibphänomene der digitalen Kommunikation detailliert klassifiziert.
IV. Korpus und Methodik: Dieses Kapitel stellt TikTok als Datenquelle vor und beschreibt das methodische Vorgehen bei der korpuslinguistischen Untersuchung der Kurzkommentare.
V. Auswertung: In diesem Kapitel werden die gesammelten Daten aus fünf verschiedenen Teilkorpora systematisch nach verschiedenen Schreibphänomenen analysiert und die Ergebnisse vergleichend dargestellt.
VI. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und reflektiert die Auswirkungen der digitalen Kommunikation auf die deutsche Schriftsprache.
Schlüsselwörter
Digitale Kommunikation, Internetbasierte Kommunikation, Soziale Netzwerke, TikTok, Korpuslinguistik, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Schreibphänomene, Sprachökonomie, Emojis, Graphostilistik, Sprachwandel, Konzeptionelle Mündlichkeit, Interaktion, Online-Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachlichen Merkmale schriftlicher Online-Kommunikation auf der Plattform TikTok und deren Entwicklung im Vergleich zur konventionellen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sprachökonomie, der konzeptionellen Mündlichkeit in schriftlichen Texten sowie der Verwendung nonverbaler Ausdrucksmittel wie Emojis.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche sprachlichen Besonderheiten sich in der Kommunikation in sozialen Netzwerken ergeben, welche Formen am häufigsten vorkommen und welche Funktionen diese erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein korpuslinguistischer Ansatz gewählt, bei dem 200 Kurzkommentare zu fünf verschiedenen Videothemen systematisch nach kategorialen Schreibphänomenen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine linguistische Einordnung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie die detaillierte empirische Auswertung des Korpus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Digitale Kommunikation, Sprachökonomie, Konzeptionelle Mündlichkeit, Graphostilistik und Soziale Netzwerke.
Wie unterscheidet sich die Kommunikation auf TikTok von klassischer internetbasierter Kommunikation?
Die Studie zeigt, dass TikTok durch einen sehr hohen Anteil an graphostilistischen Mitteln (Emojis) und eine Tendenz zum interaktionsorientierten Schreiben bei gleichzeitigem Auftreten von Schnellschreibfehlern geprägt ist.
Warum spielen Emojis in der Untersuchung eine so große Rolle?
Emojis fungieren als Ersatz für nonverbale Signale wie Mimik und Gestik, die in der räumlich distanzierten digitalen Kommunikation fehlen, und dienen teils sogar als Symbole für komplexe Inhalte.
Welche Rolle spielen Fehler in der Groß- und Kleinschreibung?
Diese Fehler sind im untersuchten Korpus sehr präsent und werden meist als Mittel zur Sprachökonomie interpretiert, um die Geschwindigkeit der Informationsübertragung zu erhöhen.
Was ist das Ergebnis bezüglich der "Sprache der Distanz"?
Trotz der rein medial schriftlichen Form weist die digitale Kommunikation auf TikTok durch ihre informelle Natur einen überraschend hohen Grad an konzeptioneller Mündlichkeit auf.
- Arbeit zitieren
- Boxin Zhou (Autor:in), 2019, Linguistische Aspekte der Kommunikation in Sozialen Netzwerken. Schreibphänomene mit ökonomischen Funktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506775