Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser


Hausarbeit, 2004
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person: Bernhard von Clairvaux
2.1 Das weltliche Leben
2.1.1 Kindheit (1090-1098)
2.1.2 Jugend (1098-1111)
2.2 Klosterleben

3. Die Zisterzienser
3.1.Die Gründung
3.2. Die Gottesliebe als höchstes Ziel
3.3. Kloster, Liturgie und Leben
3.3.1. Das Zisterzienserkloster
3.3.2. Liturgie und Leben
3.3.3. Verbreitung, Verfall und Erneuerung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rückblickend auf das von mir im Sommersemester 2004 besuchte Seminar „Im Namen der Rose“ – Das Christliche Mönchtum – Ein Durchblick, beschäftigt sich diese Arbeit mit Bernhard von Clairvaux und dem Zisterzienserorden.

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Vorstellung der Person Bernhard von Clairvaux bei der zwischen seinem weltlichen und seinem klösterlichen Leben unterschieden wird. Diese Unterscheidung habe ich bewusst gewählt, um die Hintergründe seiner Entscheidung für das Klosterleben besser nachvollziehen zu können. Es wird auch nur auf seine wichtigsten Lebensstationen eingegangen, da einige andere Punkte im Kapitel des Ordens genannt und erläutert werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der Auseinandersetzung mit dem Zisterzienserorden, in dem erst die Gründung, dann das geistliche Ziel in Verbindung mit Bernhard von Clairvaux und danach das Leben innerhalb des Klosters beschrieben wird. Dabei wird zunächst das Kloster als Ort und Bauwerk vorgestellt und anschließend ein Überblick über den Alltag der Mönche zu geben versucht. Zum Schluss folgt noch ein kleiner Überblick über die Verbreitung, den Verfall und den Wiederaufbau des Ordens.

Abschließen werde ich mit einem kurzen Fazit.

2. Zur Person: Bernhard von Clairvaux

2.1 Das weltliche Leben

2.1.1 Kindheit (1090-1098)

Bernhard von Clairvaux wurde im Jahre 1090 in der Burg seiner Eltern in Fontaines-lès-Dijon im Burgund geboren. Sein Vater, Tescelin le Saur, Vasall des Herzogs von Burgund und seine Mutter, Aleth de Montbard stammten beide aus burgundischem Adel und waren sehr fromm.[1] Seine Mutter Aleth sah vor seiner Geburt im Traum ein weißes Hündlein mit rotem Rücken und hörte es laut bellen. Der Traum wurde ihr von einem ihr vertrauten Mönch in Anknüpfung an Isaias 56,10 so gedeutet, dass der Sohn, den sie bekommen werde, als großer Prediger Gottes Haus bewachen und seine Stimme laut gegen die Feinde der Kirche erheben werde.[2] „Ein ausgezeichneter Prediger wird aus Dir geboren werden, nicht zu vergleichen mit den vielen Hunden, die nicht bellen können.“[3] Die Mutter gebar insgesamt sechs Söhne und eine Tochter, „die sie am liebsten für das Kloster bestimmt hätte.“[4] Dies spiegelte sich in Bernhards sowie der Erziehung seiner Geschwister, die sehr fromm, spartanisch und sehr nah am Klosterleben orientiert zu sein schien, wieder.[5] Sein Vater wird ebenfalls als fromm, adelig und reich geschildert. Zudem wird ihm eine besondere Neigung zur Gerechtigkeit zu gesprochen, die wohl auch Bernhard erfahren haben durfte.[6] Über die eigentliche Kindheit von Bernard ist nicht viel bekannt. Man kann nur vermuten womit er gespielt hat oder was er lernen musste und durfte. Eins jedoch gilt als sicher, nämlich dass seine Mutter ihm gründliche und bleibende Inhalte ihrer Religion vermittelte und er sehr früh mit dem Lesen begann, um eben diese Inhalte im Eigenstudium zu vertiefen.[7]

Umso mehr stellt sich hier die Frage warum seine Eltern diese fromme und „klosterartige“ Erziehung gewählt haben und Bernhard nicht direkt als Kind in ein Kloster abgegeben haben, da er als Kind die totale Reinheit und Vollkommenheit für ein geistliches Leben besaß und zusätzlich auf dieses Leben verpflichtet wurde.

2.1.2 Jugend (1098-1111)

Seit seinem siebten oder achten Lebensjahr besuchte Bernhard eine von Kanonikern geleitete Klosterschule. Zwar ist nicht bekannt was er im Detail gelernt hat, es ist jedoch allgemein bekannt und überliefert, dass diese Schulen den Schülern Lesen, Schreiben, Auswendiglernen und Singen, vor allem an Hand der lateinischen Psalmen beibrachten.[8] Zudem wurden die Schüler mit Rhetorik, Grammatik und Dialektik vertraut gemacht und erlernten die klassische Sprache. Ein Freund beschreibt Bernhard innerhalb seiner Schulzeit wie folgt: „Erstaunlich nachdenklich, weiters ruhig, gehorsam und ganz versessen darauf, die Heilige Schrift zu studieren: ein katholischer Musterknabe.“[9] Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren starb seine Mutter, was in Bernhard einen tiefen Sinneswandel hervor rief. Anfangs begann Bernhard „nach seiner Weise und auf seine Verantwortung zu leben“[10], was nicht der Vorstellung seiner Mutter entsprach, da er sich nun mehr dem weltlichen Leben zuwandte. In dieser Zeit bemerkte er, dass diese Welt voller Sünde und Verdammnis ist und er zudem dem Wunsch seiner Mutter vernachlässigt hat. Dies bewegte ihn nach „Möglichkeiten eines Rückzugs aus der Welt zu sondieren.“[11]

So entschied sich Bernhard für ein strenges Klosterleben. Dabei verzichtete der Rittersohn auf ein Wohlleben in einem adeligen Traditionskloster, wo er sogar bereits Verwandte hatte, und suchte sich unter den in der Umgebung gelegenen Mönchsgemeinschaften jene aus, die für ihre strenge Lebensführung besonders berühmt geworden waren: das 1098 gegründete „neue Kloster“ Cîteaux.[12]

2.2 Klosterleben

Im Jahre 1112 trat Bernhard mit dreißig seiner Gefährten in das Kloster in Cîteaux ein. Im Kloster selbst, fiel er durch seine asketische Lebensweise, durch die er sich eine dauerhafte Schwächung seiner Gesundheit zuzog und die Vertiefung seiner Bibelkenntnis durch das Studium der Kirchenväter, auf.[13] „Bibel und Väter blieben stets die Grundpfeiler seiner Lehr- und Predigtätigkeit.“[14] Im Jahre 1115 sandte ihn Abt Stephan mit zwölf weiteren Mönchen aus, um in der Champagne das Kloster Clairvaux zu gründen.[15] 1118 wurde er zum Leiter des Zisterzienserordens gewählt. Das faszinierende Wesen des Bernhard von Clairvaux, zog so viele Novizen an, dass beinahe in jedem Jahr zwei neue Tochterklöster von Clairvaux aus errichtet wurden. Insgesamt hat er 70 Konvente gegründet und 164 Monasterien unter seiner geistlichen Führung geeinigt.[16] Sein Charisma erleichterte ihm auch vorteilhafte Verbindungen im gesamtkirchlichen sowie politischen Bereich zu knüpfen und beizubehalten.[17]

„Die Ausstrahlung seiner Persönlichkeit lässt sich an den Reisen durch alle Teile Europas, an seiner Predigt, Korrespondenz und seiner literarischen Tätigkeit ablesen“[18], da er Ratgeber in geistlichen Fragen nicht nur bei den Zisterziensern war.

Seine spirituelle Entwicklung vollzog sich „in Spannung zwischen dem Verlangen nach Einsamkeit und der wachsenden in Anspruchnahme durch vielfältige ihm anvertraute Aufgaben.“[19] Zwei Werke seiner Lehrtätigkeit sind bis heute aktuell geblieben: „De gradibus humilitatis et superbiae“ und „ De diligendo Deo“, die Liebe Gottes . [20] Man bekommt durch sie einen Einblick in die Spiritualität der Zisterzienser in Europa während der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und erkennt Bernhards Charisma wieder. Sanft und radikal, zerbrechlich und stark, aktiv und kontemplativ zugleich, mystisch begabt, mit hohen spirituellen Gnaden (Prophetie und Wunder) ausgestattet, empfänglich für Freundschaft und stets fordernd, besonders für die Freiheit der Meinung.[21] Bernhard vertrat die zisterziensischen Vorstellungen nicht hinter den Mauern seines Klosters, sondern als Reisender in Sachen Kirchereform sowie als Autor von Briefen, Traktaten und Predigen.[22] „Gerade seine Schriften stießen, insbesondere in der moanstischen Welt, auf große Resonanz, wie sich aus der Vielzahl der mittelalterlichen Abschriften erkennen lässt.“[23]

1124/25 formulierte der in der Apologia seinen „Angriff gegen das cluniazensische Mönchtum.“[24] Er warf ihm unter anderem „Verweltlichung in allem Tun und Wirken vor, die Verselbständigung von künstlerischen Tun, das nicht mehr zu Ehre Gottes eingesetzt werde, sondern zu Befriedigung ausschweifender Phantasie, das Spiel mit bizarren Bauformen und das Schwelgen in immer pompöseren, dafür aber sinnentleerten Zeremonien.“[25]

1130-45 sind die Jahre seiner intensivsten kirchlichen und kirchenpolitischen Tätigkeit.

Die prägnantesten waren:

„Verteidigung Papst Innozenz II. gegen Anaklet II. nach dem Schisma von 1130:

Bei dieser Kirchenspaltung hatten sich die Kardinäle nicht auf einen gemeinsamen Nachfolger für die Position des Papstes einigen können.[26] Zur Auswahl standen Innozenz II. (1130-1143), der die Forderung nach strikter kirchlicher Unabhängigkeit unterstützte und Anaklet II. (1130-1138), der als Parteiträger des deutschen Königs Konrad III. (1138-1152), angesehen wurde.[27] Durch die Parteinahme von Bernhard von Clairvaux setzte sich der Reformpapst Innozenz II. durch.[28]

Reisen nach Lothringen, Italien, Aquitanien und Deutschland

1135 auf dem Konzil von Pisa

1137 Reise nach Italien

Interventionen bei Bischofsernennungen, insbesondere in Langres (1138) und York (1141)

Predigten in Aquitanien und Languedoc gegen die Katharer

1140 Teilnahme an der Verurteilung Abaelards in Sens:

Pierre Abaelard (1079-1142), der als Dialektiker und Theologe großen Zulauf von Studierenten hatte, wurde von Bernhard von Clairvaux aufgrund seiner Lehrsätze, die ihm als ketzerisch erschienen nicht nur kritisiert, sondern auch bekämpft.[29] Eine erste Verurteilung geschah bereits 1121 auf der Synode von Soissons. Die zweite betrieb Bernhard vehement und erreichte sie 1140. Abaelard hatte ursprünglich gebeten, seine Lehren in einer öffentlichen Diskussion mit Bernhard verteidigen zu dürfen, dies wurde ihm jedoch verweigert. Bernhard erreichte zudem noch eine weitergehende Verurteilung, so dass Abaelard gezwungen war, Teile seiner Lehren zu widerrufen.[30]

[...]


[1] Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2. Freiburg: Herder 1994, Sp. 268.

[2] Vgl. Dinzelbacher P.: Bernhard von Clairvaux. Leben und Werk des berühmten Zisterziensers.

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998, S. 3 ff.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Ebd.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Ebd., S. 6 ff.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Ebd., S.14.

[13] Vgl. Grégoire, R.: Bernhard von Clairvaux. In: Lexikon des Mittelalters. 1. Auflage. Band 1. München, Zürich: Artemis 1980, Sp. 1992.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Leclercq, J., Sp. 268.

[16] Vgl. Grégoire, R., Sp. 1992.

[17] Vgl. Ebd.

[18] Ebd.

[19] Ebd.

[20] Ebd., Sp. 1993.

[21] Ebd.

[22] Vgl. Gleba, G.: Klöster und Orden im Mittelalter. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, S. 81.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] Ebd., S. 82.

[26] Vgl. Ebd.

[27] Vgl. Ebd.

[28] Vgl. Grégoire, R., Sp. 1993.

[29] Vgl. Gleba, G., S. 82.

[30] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V50690
ISBN (eBook)
9783638468657
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernhard, Clairvaux, Zisterzienser
Arbeit zitieren
Katharina Wagemann (Autor), 2004, Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50690

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