Die Arbeit beschreibt das Problem der Systematik, dass Begriffe über die Wirklichkeit gemacht werden, während diese Begriffe nicht der Wirklichkeit entsprechen. Ein erzeugtes System zerstört die kosmische Verbindung von Mensch und Natur. Anhand von künstlerischen Methoden von Heinrich Reinhold, Cy Twombly und Anselm Kiefer wird eine Verbindung zu Rainer Maria Rilkes romantischen Versuch, den Mensch wieder als Teil der Natur zu erkennen, hergestellt.
Warum haben Menschen ihre Nähe zur Natur verloren und wie kann mit der Kunst eine Sicht auf die wahre Wirklichkeit restituiert werden? Der Blick auf die Natur ist verfremdet, zum einen durch die „Erfahrung“ und zum anderen durch die „Begriffe“. Die Erfahrung ist eine Reise zu einem Ort oder Gedanken. Erfahrungen können nach ihrem Erfahren übertragen werden, sie wechseln die Person, ohne dass der neue Besitzer diese selbst physisch erfahren muss. Das Leben ist pragmatisch geworden, der Sinn des Lebens bleibt unbeachtet, ebenso die Verbundenheit zur Natur. Die Kunst kann beim Wechsel vom pragmatischen zum deutlicheren und zu einem wertzuschätzenden Leben helfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Erfahrung der Natur durch das Rätsel der Kunst
2. Die Erhabenheit der Natur
3. Die platonische Begrifflichkeit der Welt
4. Heinrich Reinhold: Die Pflicht zum Detail
5. Cy Twombly: Die Begrifflichkeit
5.1. Das innere Sehen
5.2. Die Begrifflichkeit durchbrechen
5.3. Die Systeme als Abbildungen von Wahrscheinlichkeiten
5.4. Die Wiedervereinigung ohne System
6. Anselm Kiefer: Die absolute Kraft der Natur
7. Die Vereinigung zur „Ein“-samkeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur durch wissenschaftliche Begriffs- und Kategoriensysteme. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kunst als Methode dienen kann, das Rätsel der Natur jenseits verfestigter Begriffe neu zu erfahren und eine tiefere Einheit von Mensch und Natur zu restituieren.
- Kritik an der wissenschaftlichen Katalogisierung der Wirklichkeit
- Die Rolle der Kunst bei der Befreiung der Wahrnehmung
- Vergleichende Analyse der künstlerischen Methoden bei Rilke, Reinhold, Twombly und Kiefer
- Die Bedeutung von Fantasie gegenüber reinem Nachdenken
- Überwindung der Dualität von Subjekt und Objekt im Kontext des kosmischen Ganzen
Auszug aus dem Buch
5.2. Die Begrifflichkeit durchbrechen
Eine Bildserie von Twombly heißt „Sunset Series“ und ein Bild trägt den Titel „Bay of Naples“. Dieser suggerierte pittoreske Ausblick auf die Bucht von Neapel bleibt trotz der Betrachtung ungesehen, obwohl das Sujet benannt ist.
Twombly arbeitete wiederholt mit dieser Methode, es gibt Bilder, in die er den lateinischen Begriff für Rotbuche setzte, er schrieb den Namen eines Tals in Südtirol auf die Leinwand oder er zeichnete Zickzacklinien als offensichtliches Äquivalent für Berge. Damit machte er genau das, was Ramdohr ironisch Runge vorschlug, um sein Bild „Der Morgen“ eindeutiger zu machen: Runge hätte „Hier ist Morgen!“ über das Bild schreiben sollen. Denn oberhalb des Rahmens ist ein silberner Stern, dieser steht für den Morgenstern. Ramdohrs meinte, dass der Rahmen als Katalysator für die Bedeutung des Bildes fungierte und es war für ihn nicht eindeutig dargestellt, ob es sich um ein Bild einer Abend- oder Morgendämmerung handelt. Deshalb hätte Runge den Schriftzug einfügen sollen. Doch bei Twombly wirkt genau diese Methode konträr zur Verdeutlichung. Seine Bilder werden durch das Einfügen von Begriffen undeutlicher. Denn die Begriffe stehen irgendwie und ohne Zusammenhang im Raum der Leinwand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Erfahrung der Natur durch das Rätsel der Kunst: Die Einleitung beleuchtet, wie Begriffe und Erfahrung die Sicht auf die wahre Wirklichkeit verfremden und schlägt Kunst als Mittel zur Befreiung vor.
2. Die Erhabenheit der Natur: Das Kapitel differenziert zwischen dem absoluten, unbeeinflussbaren Charakter der Natur und der kultivierten Landschaft.
3. Die platonische Begrifflichkeit der Welt: Es wird erörtert, wie intellektuelle Konzepte und falsche Wahrnehmungen den Blick auf die Welt verstellen, ähnlich Platons Höhlengleichnis.
4. Heinrich Reinhold: Die Pflicht zum Detail: Am Beispiel Reinholds wird die Spannung zwischen akribischer Beobachtung und der Notwendigkeit individueller Erfahrung analysiert.
5. Cy Twombly: Die Begrifflichkeit: Dieser Abschnitt untersucht Twomblys Methode, Begriffe durch Abstraktion und Krakelierung zu dekonstruieren, um den Betrachter zu einem inneren Sehprozess anzuregen.
6. Anselm Kiefer: Die absolute Kraft der Natur: Kiefer wird betrachtet als ein Künstler, dessen Werk durch ständigen Zerfall und Werden die Einheit von Mensch und Natur verkörpert.
7. Die Vereinigung zur „Ein“-samkeit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Rückkehr zu einer ganzheitlichen Weltsicht eine Abkehr von fixierten Begriffssystemen erfordert.
Schlüsselwörter
Natur, Kunst, Begrifflichkeit, Erfahrung, Wirklichkeit, Mensch, Landschaftsmalerei, Cy Twombly, Anselm Kiefer, Heinrich Reinhold, Wissenschaft, Fantasie, Einheit, System, Romantik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophische und künstlerische Problematik der menschlichen Entfremdung von der Natur durch wissenschaftliche Begriffsbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle von Philosophie, Erkenntnistheorie und zeitgenössischer Kunst sowie der Kritik an einer rein pragmatischen Sicht auf die Welt.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, warum der Mensch seine Nähe zur Natur verloren hat und wie die Kunst dabei helfen kann, eine Sicht auf die wahre Wirklichkeit zu restituieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische, kunsttheoretische Untersuchung, die den Fokus auf die nähere, wortwörtliche Betrachtung von Begriffen und das Studium künstlerischer Methoden legt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird anhand der Werke von Heinrich Reinhold, Cy Twombly und Anselm Kiefer dargelegt, wie verschiedene Künstler versuchen, Begriffe aufzulösen und die Natur in den Vordergrund zu rücken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Natur, Begrifflichkeit, Erfahrung, Kunst, Einheit, Fantasie und Wirklichkeit.
Inwiefern spielt das Kindliche bei Twombly eine Rolle?
Das Kindliche steht bei Twombly für eine unvoreingenommene, direkte Verbindung zur Natur, die frei von der starren Ordnung erwachsener wissenschaftlicher Konzepte ist.
Was bedeutet der Begriff „Ein“-samkeit im Kontext von Anselm Kiefer?
Sie beschreibt nicht das Alleinsein, sondern das Verschmelzen und Versammeln von Mensch und Natur in einem kosmischen Ganzen.
Warum ist das Sprachverständnis des Autors so wichtig für diese Arbeit?
Der Autor fordert dazu auf, Worte wortwörtlich zu nehmen, um zu erkennen, wie Begriffe unsere Sicht einschränken und eine vorgefertigte, falsche Realität erzeugen.
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- Florian Danker (Autor), 2019, Die Erfahrung der Natur durch das Rätsel der Kunst, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506965