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Freiheit und Übermensch in Nietzsches Philosophie und Dostojewskis "Der Großinquisitor". Wie steht der Mensch zur Freiheit?

Titel: Freiheit und Übermensch in Nietzsches Philosophie und Dostojewskis "Der Großinquisitor". Wie steht der Mensch zur Freiheit?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 29 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Veronika Spleiß (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Entscheidend für diese Arbeit ist die metaphysische Ausgangslage der Autoren Nietzsche und Dostojewski bezüglich der Freiheit und des Übermenschen: Wie ist der Mensch zur Freiheit beschaffen? Wie geht er mit der "drohenden" Freiheit von Sinn um? Welche Lösung wird für die mangelnde Freiheitsfähigkeit des Menschen geschaffen? Sowohl Friedrich Nietzsche als auch Fjodor Dostojewski befassten sich unabhängig voneinander mit der Beschaffenheit von Freiheit und der Beziehung des Menschen zu ihr, ein damals wie heute brisantes Thema. Wenn der Mensch immer Ziel und Ordnung benötigt, was einer illusorischen bequemen Unfreiheit gleichkommt, ist er überhaupt in der Lage, mit wahrhaftiger Freiheit umzugehen? Schließlich bedeutet diese das Anzweifeln einer bestehenden Ordnung und der daraus folgenden Selbstständigkeit, -tätigkeit und -verantwortung. Denn nach der Befreiung von philosophischen und religiösen Grundgerüsten steht der Mensch vor einem signifikanten Problem: dem Nihilismus, kurz dem "Nichts". Beide Denker finden unterschiedliche Lösungen für den Zustand von Sinnfreiheit.

Für Dostojewski liegt die Lösung im Christentum als Wegweiser einer allumfassenden Liebe, die sich im Protagonisten Alexej in "Die Brüder Karamasov" widerspiegelt. Sein Widerpart, der Protagonist Iwan Karamasov stellt dabei die Denkströmung des Nihilismus dar. Inmitten des Romans eröffnet er das für die Argumentation entscheidende Poem "Der Großinquisitor", das die Schwächen der menschlichen Natur und ihren Mangel an Mündigkeit offenlegt.

Friedrich Nietzsche kommt in der Destruktion alles Vorherigen zu seiner eigenen Idee: Dem Übermenschen als Lösung aus dem Nihilismus. Letztendlich lässt sich genau diese Philosophie für ihn als eine "Bejahung des Lebens" verstehen. Anhand seiner Schriften "Die unzeitgemäßen Betrachtungen", "Der tolle Mensch" und "Also sprach Zarathustra" wird seine Philosophie bezüglich der Freiheit, der daraus folgenden Negation Gottes und der Lösung im Übermenschen skizziert. Zugleich wird das Poem "Der Großinquisitor" in seinen Vergleich gestellt und untersucht, ob nicht selbst der Großinquisitor nach Nietzsche die Verkörperung des Übermenschen darstellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. DIE SCHAFFENDE PARALLELE ZWISCHEN NIETZSCHE UND DOSTOJEWSKI

II. DIE BÜRDE DER MENSCHLICHEN FREIHEIT IN UNZEITGEMÄßE BETRACHTUNGEN III UND „DER GROßINQUISITOR“

1. NIETZSCHES KRITIK AM UNFREIEN „SCHEINMENSCHEN“ DES ABENDLANDES

2. DES GROßINQUISITORS ANERKENNUNG DER MENSCHLICHEN SCHWÄCHE

3. DIE DREI „VERSUCHUNGEN“ DES MENSCHEN LAUT DEM GROßINQUISITOR

III. DAS VERHÄLTNIS ZU GOTT ALS SEINE NEGATION

1. BEFREIUNG DES MENSCHEN DURCH DEN TOD GOTTES IN DER TOLLE MENSCH

2. ABKEHR VON GOTT ZUM TEUFEL FÜR DAS IRDISCHE WOHL DES MENSCHEN

IV. NIETZSCHES ÜBERMENSCH UND DER GROßINQUISITOR ALS SEIN EBENBILD

1. NIETZSCHES ÜBERMENSCH IN ALSO SPRACH ZARATHUSTRA

2. IWANS GROßINQUISITOR ALS VERKÖRPERUNG DES ÜBERMENSCHEN UND DES LETZTEN MENSCHEN

V. VOM CHRISTLICHEN GEMEINSCHAFTSGLAUBEN ZUM INDIVIDUALISMUS DER MODERNE

VI. LITERATURLISTE

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das metaphysische Spannungsfeld von Freiheit, Sinnverlust und der Rolle des Übermenschen, indem sie die philosophischen Ansätze Friedrich Nietzsches mit Fjodor M. Dostojewskis Erzählung „Der Großinquisitor“ vergleicht und analysiert.

  • Der Umgang des Menschen mit der Last und Angst vor wahrhaftiger Freiheit.
  • Die Analyse des Nihilismus als Sinnvakuum nach dem „Tod Gottes“.
  • Die Gegenüberstellung von Nietzsches Ideal des Übermenschen und der Figur des Großinquisitors.
  • Die Kritik an der Bequemlichkeit und der Flucht in konventionelle Ordnungen (Letzter Mensch).

Auszug aus dem Buch

I. Die schaffende Parallele zwischen Nietzsche und Dostojewski

Es mag auf den ersten Blick überraschen, die Philosophie Friedrich Nietzsches mit dem Werkausschnitt „Der Großinquisitor“ aus Die Brüder Karamazow von Fjodor M. Dostojewski in Vergleich zu setzen. Zumal Nietzsche Dostojewskis Werke erst sehr spät für sich entdeckte, ein Jahr vor seinem Zusammenbruch, der sogleich auch das Ende für seinen Schaffensprozess bedeutete. Die Brüder Karamazow hat Nietzsche erst gar nicht gelesen. Doch finden sich viele Parallelen nicht nur in ihren Werken, sondern auch im Lebensweg. Dostojewskis Leben war von Schmerz, physisch als auch seelisch geprägt. Er litt unter Epilepsie, Spielsucht, entkam kurz vor seiner Hinrichtung dem Tode und lebte daraufhin ein Jahrzehnt in Gefangenschaft in Sibirien. Wie der Philosoph Christian Thies ihn beschreibt: „ein körperliches Wrack“, dessen Werk „der Krankheit abgerungen werden“ musste. So ist es mit Nietzsche kaum anders. Er schreibt: „In allen Lebensaltern war der Überschuß des Leidens ungeheuer bei mir.“

Auch er krankte an Gebrechen wie chronischen Kopfschmerzen, die ihn allzu oft nicht arbeiten ließen, in ständiger Einsamkeit lebend. Und so erholte sich letztendlich bis zum Tode nicht mehr von seinem geistigen Zusammenbruch um 1889, der seinen Anfang mit der Umarmung eines Pferdes zum Schutz vor der Erniedrigung des Droschkenbesitzers auf den Straßen von Turin genommen hat. Auch hier findet sich erstaunlicherweise eine sehr ähnliche Romanszene aus Dostojewskis Die Brüder Karamasow, in der Iwan, die im Folgenden wichtige Figur, die Sinnlosigkeit des Leidens der Tiere anprangert, und als Beispiel das Peitschen eines Pferdes „auf seine sanften Augen“ nimmt. Das Leiden ist somit Ursprung und Katalysator für das Schaffen beider Denker. Denn alles gelebte Leben findet auch in ihren Büchern Eingang. Und so verarbeiten beide Philosophen ein signifikantes Problem, das Thomas Mann auch als „geistesbrüderliche Koinzidenz“ aufgrund seiner Übereinstimmungen bezeichnet: Den Nihilismus und im zweiten Schritt seine Lösung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. DIE SCHAFFENDE PARALLELE ZWISCHEN NIETZSCHE UND DOSTOJEWSKI: Das Kapitel stellt die biografischen und philosophischen Gemeinsamkeiten von Nietzsche und Dostojewski im Hinblick auf Leid und Nihilismus dar.

II. DIE BÜRDE DER MENSCHLICHEN FREIHEIT IN UNZEITGEMÄßE BETRACHTUNGEN III UND „DER GROßINQUISITOR“: Hier wird die Kritik an der menschlichen Bequemlichkeit, Furchtsamkeit und der daraus resultierenden Unfreiheit bei Nietzsche und Dostojewski analysiert.

III. DAS VERHÄLTNIS ZU GOTT ALS SEINE NEGATION: Das Kapitel befasst sich mit der Abkehr vom Jenseits und der Konsequenz des „Todes Gottes“ für die menschliche Orientierung.

IV. NIETZSCHES ÜBERMENSCH UND DER GROßINQUISITOR ALS SEIN EBENBILD: Hier wird untersucht, inwieweit der Großinquisitor als Übermensch oder als Letzter Mensch im nietzscheanischen Sinne eingeordnet werden kann.

V. VOM CHRISTLICHEN GEMEINSCHAFTSGLAUBEN ZUM INDIVIDUALISMUS DER MODERNE: Das Fazit fasst die Plädoyers für die individuelle Selbstverantwortung gegenüber der kollektiven Unterwerfung zusammen.

VI. LITERATURLISTE: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Nietzsche, Dostojewski, Freiheit, Nihilismus, Übermensch, Letzter Mensch, Großinquisitor, Gott, Christentum, Wille zur Macht, Leid, Selbstverantwortung, Existenz, Sinnvakuum, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die philosophische Auseinandersetzung mit menschlicher Freiheit und dem Nihilismus durch den Vergleich von Friedrich Nietzsches Schriften und Dostojewskis Legende vom Großinquisitor.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der metaphysische Sinnverlust durch den Tod Gottes, die Unfähigkeit des Menschen, Freiheit zu ertragen, und die Entwicklung zum Übermenschen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie beide Autoren auf das Problem der menschlichen Sinnsuche reagieren und ob der Großinquisitor als verkörperter Übermensch oder als bloßer Verwalter menschlicher Schwäche fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literarisch-philosophische Analyse, die zentrale Texte beider Denker zueinander in Bezug setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Freiheitsangst, die Bedeutung der Gottes-Negation und die kritische Würdigung des Übermenschen-Ideals im Kontext des Großinquisitors.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Freiheit, Nihilismus, Übermensch, Sinnsuche, individuelle Verantwortung und das Verhältnis zwischen Individuum und kollektiver Ordnung.

Inwiefern beeinflusst das Leiden die Argumentation im Buch?

Das Leiden wird bei Nietzsche als notwendiger Katalysator für Schöpfung und Selbstüberwindung gesehen, während der Großinquisitor das Leid durch instrumentalisierte Lüge und soziale Sicherheit zu minimieren versucht.

Kann der Großinquisitor als ein „Übermensch“ bezeichnet werden?

Das ist ein zentraler Diskussionspunkt: Er zeigt zwar Stärke und Willensformung, verfällt jedoch aufgrund seines Strebens nach Stillstand und kollektiver Glücksoptimierung letztlich in die Rolle des Letzten Menschen.

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Details

Titel
Freiheit und Übermensch in Nietzsches Philosophie und Dostojewskis "Der Großinquisitor". Wie steht der Mensch zur Freiheit?
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Philosophie und Politik bei Friedrich Nietzsche
Note
1,0
Autor
Veronika Spleiß (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V507081
ISBN (eBook)
9783346059741
ISBN (Buch)
9783346059758
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie Nietzsche Dostojewski Politische Theorie Der Großinquisitor Die Brüder Karamasov Christentum Nihilismus Gewissen Gott Gott ist tot Der tolle Mensch Unzeitgemäße Betrachtungen Also sprach Zarathustra Dostojevski Fjodor Michailowitsch Dostojewski Metaphysik Freiheit Übermensch Letzte Mensch
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Veronika Spleiß (Autor:in), 2018, Freiheit und Übermensch in Nietzsches Philosophie und Dostojewskis "Der Großinquisitor". Wie steht der Mensch zur Freiheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507081
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Leseprobe aus  29  Seiten
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