Die Arbeit thematisiert Actionserien unter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der Hauptfiguren. Anhand der Actionserien "Alarm für Cobra 11" und "24" werden medienpsychologisch die Intensität der parasozialen Interaktion (PSI) der Rezipienten zu den Hauptfiguren, die Bewertung einer Wesensveränderung dieser Figuren und das Verhältnis ihrer Bedeutung zur Darstellung „Gut gegen Böse“ untersucht. Daneben wird das Spannungserleben in Episoden- bzw. Fortsetzungsserien beleuchtet und anhand von Online-Fragebogen werden Angaben einer zufälligen Stichprobe erhoben.
Sieht man mit mehreren Personen gemeinsam Filme bzw. Fernsehserien an, stellt man fest, dass sie auf die erzählte Geschichte, die handelnden Personen und die Darstellungsweisen ganz unterschiedlich reagieren. Die einen wählen Film und Fernsehen eher wegen der Inhalte und der Geschichte, die anderen eher wegen der handelnden Medienfiguren oder der Darstellungsweisen. In Actionfilmen/-serien kommt als Attraktivitätsfaktor das Erleben von Spannung durch spektakuläre Aktionen hinzu. Und insbesondere bei Fernsehserien, in denen der Zuschauer immer wieder mit den gleichen Figuren konfrontiert wird, können Beziehungen unterschiedlicher Art und Intensität zu diesen Figuren entstehen. Es wird erkennbar, dass das Dargebotene von unterschiedlichen Zuschauern unterschiedlich aufgenommen und bewertet wird. Diesen Vorgang der Aneignung von Medieninhalten bezeichnet die Wissenschaft als Rezeption.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Rezeption und Bewertung
2.1.1 Rezipient
2.1.2 Entwicklung der Mediennutzung von Rezipienten
2.2 Mediennutzungstheorien
2.2.1 Uses-and-Gratifications-Ansatz
2.2.2 Mood-Management-Theorie
2.3 Charakteristika einer Fernsehserie
2.3.1 Merkmale einer Fernsehserie
2.3.1.2 Merkmale einer Actionserie
2.3.2 Beschreibung der Handlung und Hauptfiguren der untersuchten Serien
2.3.2.1 24
2.3.2.2 Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei
2.4 Beschreibung darstellerischer Mittel und deren Einfluss auf die Rezeption am Beispiel von 24 und Cobra 11
2.4.1 Dramaturgie
2.4.2 Spannung
2.5 Beschreibung der Hauptfiguren aus 24 und Cobra 11
2.5.1 Jack Bauer
2.5.2 Semir Gerkan
2.6 Beziehungen zu Medienfiguren
2.6.1 Identifikation
2.6.2 Medienempathie
2.6.3 Sozialer Vergleich
2.6.4 Parasoziale Interaktion und Beziehung
2.7 Charakteristika der Actionserien Cobra 11 und 24
2.8 Fragestellung und Hypothesen
3 Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Versuchsmaterial
3.3 Versuchsablauf
4 Ergebnisse
4.1 Vorbereitende Datenanalyse
4.2 Beschreibung der erfassten Variablen
4.3 Befunde zu den Hypothesen und weiterführende Analysen
5 Diskussion
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht medienpsychologische Faktoren, die die Attraktivität von Actionserien für den Zuschauer bestimmen, mit besonderem Fokus auf die Rolle der Hauptfiguren und die Intensität parasozialer Interaktionen. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Warum konsumieren Rezipienten Actionserien und welche Bedeutung wird der Hauptfigur zugeschrieben?
- Identifikation von Attraktivitätsfaktoren in Actionserien
- Bedeutung der Hauptfiguren für die Bindung des Zuschauers
- Untersuchung parasozialer Interaktionen (PSI)
- Vergleich von episodenbasierten und fortsetzungsbasierten Serien
- Analyse des Spannungs- und Erlebenspotenzials bei Actionproduktionen
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Dramaturgie
Grundsätzlich sind die Filmhandlungen (von Actionserien) straff inszeniert und führen klar auf ein Ziel zu (Müller, 1962). Unterschiedlich ist dabei die Struktur. So sind Episodenserien auf eine vertikale Dramaturgie (abgeschlossene bzw. episodische), Fortsetzungsserien auf eine horizontale also fortlaufende Dramaturgie ausgelegt (Lang & Dreher 2015; Mikos 2015).
In horizontal erzählten Serien wie 24 werden mehrere Handlungsstränge auf unterschiedliche Art verflochten und in verschiedenen Zeiträumen fortgeführt (Schlütz, 2016). Die unterschiedlichen Handlungsstränge werden in 24 videografisch dargestellt (Chamberlain, & Ruston, 2007). “Right from the start, 24 impressed audiences and reviewers with the foregrounding of video effects such as digital clocks, on-screen text, split-screens, and especially three, four, and five-images screens” (ebda., 2007, pp. 16-17). Durch den Einsatz dieser und auch narrativer Spannungselemente entsteht eine außerordentlich spannungsreiche und packende Erzählung, unterstützt durch das Bewusstsein der permanenten Gefahr (Mikos, 2015). Innovativ ist der Echtzeitcharakter der Serie, d.h. „24 Stunden im Leben des Protagonisten Jack Bauer entsprechen genau 24 Stunden im Leben des Zuschauers“ (ebda. 2015, S. 337; Peacock 2007) und damit 24 Episoden einer Staffel. “Viewers cannot escape the emphasis on real-time, whether from the intertitle and voiceover, the ticking digital clock before commercial breaks, or the metronymic sound effect that accompanies the clock” (Chamberlain, & Ruston, 2007, p. 19). Dieser dicht dargestellte Zeitmangel legt einen Ausnahmezustand nahe, in dem das Überschreiten gesetzlicher und moralischer Grenzen mehr legitimiert erscheint (Heinen & Gaus 2006; Hagener 2013). “… 24's split-screen bombards the viewer with information and carries a similar sense of hyperactivity” (Chamberlain, & Ruston, 2007, p. 17). Splitscreens geben dem Rezipienten auch einen Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge und erzeugen in ihm die Illusion, Augenzeuge zu sein (E. Birk, & H. Birk, 2005). Handlungsstränge und das Zeitmoment werden am Ende einer Episode durch Cliffhanger aufgegriffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Medienrezeption ein und definiert das Ziel der Untersuchung, Attraktivitätsfaktoren von Actionserien und die Bedeutung von Hauptfiguren zu identifizieren.
2 Theoretischer und empirischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert die wissenschaftliche Basis, indem es Mediennutzungstheorien und die spezifischen Charakteristika sowie Dramaturgien von Actionserien erläutert.
3 Methode: Hier wird das Design der Online-Befragung dargelegt, einschließlich der Stichprobenbeschreibung und der Erläuterung der verwendeten Messinstrumente (PSI-Prozess-Skalen).
4 Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die statistische Auswertung der erhobenen Daten und prüft die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der parasozialen Interaktion und Wahrnehmung der Charaktere.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, in den Kontext bestehender Literatur eingeordnet und auf ihre theoretische sowie praktische Relevanz hin geprüft.
6 Ausblick: Der abschließende Ausblick fasst den wissenschaftlichen Mehrwert der Studie zusammen und gibt Hinweise für künftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Actionserien, Medienrezeption, Parasoziale Interaktion, Hauptfiguren, Spannungserleben, Dramaturgie, 24, Alarm für Cobra 11, Medienpsychologie, Serienrezeption, Nutzerverhalten, Charakterbindung, Identifikation, Unterhaltungsmedien, Zuschaueranalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert medienpsychologische Aspekte der Rezeption von Actionserien und untersucht, welche Faktoren diese Serien für Zuschauer attraktiv machen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Medienrezeption, die parasoziale Interaktion mit Serienfiguren, die Bedeutung der Dramaturgie und die Unterschiede zwischen Episoden- und Fortsetzungsserien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die Rezeption von Actionserien zu identifizieren und die spezifische Bedeutung zu verstehen, die Zuschauer den dort handelnden Hauptfiguren beimessen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 182 Probanden, deren Daten mittels statistischer Verfahren (SPSS) ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Beschreibung der untersuchten Serien (24 und Cobra 11), eine Darstellung der verwendeten Analysemethoden sowie die Präsentation und Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Besonders relevant sind die Begriffe Parasoziale Interaktion (PSI), Identifikation, Spannungserleben, horizontale versus vertikale Dramaturgie sowie das Konzept der Hauptfigur als Ankerpunkt für Zuschauer.
Welche Rolle spielt die Hauptfigur für die Attraktivität einer Serie?
Die Ergebnisse legen nahe, dass die konstante Persönlichkeit der Hauptfigur als wesentlicher Attraktivitätsfaktor fungiert, anstatt eine ständige Charakterveränderung zu fordern.
Wie unterscheidet sich die Wirkung von Fortsetzungsserien von Episodenserien?
Die Studie zeigt, dass das Spannungserleben bei Fortsetzungsserien wie 24 deutlich höher ausgeprägt ist als bei episodenhaften Formaten wie Cobra 11.
- Arbeit zitieren
- Max Jundt (Autor:in), 2017, Rezeption und Bewertung von Actionserien am Beispiel von "Alarm für Cobra 11" und "24", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507175