Auseinandersetzung mit der Fragestellung, ob man Kuba als Führungsmacht in den Internationalen Beziehungen bezeichnen kann. Die Analyse fokussiert sich auf den Zeitraum von 1959 bis 1990. Aufbauend auf einer Operationalisierung des Terminus Führungsmacht wird die Entwicklung Kubas als regionale wie globale Führungsmacht, anhand von Machtressourcen im Bereich der Hart- und Softpower nachgezeichnet.
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Kuba zumindest in den untersuchten Bereichen der Hart- und Softpower über Führungsmachtstatus verfügte. Ausgehend von der Initialphase des kubanischen Strebens nach Führungsmacht in den Jahren 1959 bis 1967, über die dann folgende Verbreiterung des Wirkens als Führungsmacht bis zur endgültigen Etablierung Kubas als globale Führungsmacht ab dem Jahre 1975, wurde die Entwicklung Kubas zur Führungsmacht aufgezeigt sowie die Benennung als solche begründet und belegt, inklusive der Beweisführung, dass Kuba als autonomer Akteur in den internationalen Beziehungen zu bewerten ist. Während man in der Anfangsphase lediglich im Bereich der Ausbreitung des kubanischen Revolutionskonzeptes sowie eingeschränkt im Hartpowerbereich von einem Führungsmachtstatus sprechen konnte, steigerte sich das kubanische Führungsmachtpotenzial von 1968 bis 1975 und er erstreckte sich bereits auf Hartpower wie ein Großteil der Softpowerelemente und rechtfertigt die Benennung Kubas als Führungsmacht innerhalb der Entwicklungsländer. Von 1975 bis 1990 dienten mehr als 300.000 kubanische Soldaten und Militärberater in drei Kontinenten, sowie abhängig vom jeweiligen Jahr zwischen 11 000 bis 23 000 kubanische Entwicklungshelfer in 45 Ländern. Mittels der militärischen wie zivilen Präsenz wurde Einfluss genommen, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, auf die politische wie auch sozioökonomische Entwicklung von 45 Ländern. Man kann folglich sowohl in quantitativen wie auch qualitativen Maßstäben Kuba in dieser Epoche im Hart- wie auch Softpowerbereich als eine Führungsmacht bezeichnen, denn, wie schon der Harvard Professors Jorge I. Domínguez, in seiner Einführung zu seinem 1989 verfassten Standardwerk über die kubanische Außenpolitik schrieb, „Cuba is a small country, but it has [had] the foreign policy of a big power“ (Dominguez 1989: 7).
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Initial-Periode der kubanischen Führungsmacht: 1959-1967
1.1. Der Weg zur staatlichen Souveränität
1.2. Hartpower
1.2.1 In Lateinamerika
1.2.2. Im internationalen Umfeld
1.3. Softpower
1.3.1. Entwicklungshilfe
1.3.2. Revolutionskonzepte
1.3.3 Einfluss und Macht in internationalen Organisationen
2. Die aufsteigende Führungsmacht: 1968-1974
2.1. Hartpower
2.2. Softpower
2.2.1. Entwicklungshilfe
2.2.2. Einfluss und Macht in internationalen Organisationen
3. Kuba auf dem Höhepunkt seiner Führungsmacht: 1975-90
3.1. Hartpower
3.1.1. Zeitraum 1975-1987
3.1.2. Zeitraum 1987-1991
3.2. Softpower 1975-1987
3.2.1. Entwicklungshilfe
3.2.2. Einfluss und Macht in internationalen Organisationen
3.3. Softpower 1987-1990
4. Ende der Führungsmacht: 1990 bis heute
5. Kuba als Befehlsempfänger Moskaus?
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit Kuba zwischen 1959 und 1991 als internationale Führungsmacht bezeichnet werden konnte, indem sie ein eigenes, operationalisierbares Führungsmacht-Modell auf Basis von Hartpower und Softpower auf verschiedene Zeitabschnitte anwendet.
- Entwicklung einer eigenständigen Definition von Führungsmacht.
- Analyse des kubanischen militärischen Einflusses (Hartpower) in globaler Perspektive.
- Untersuchung der zivilen Einflussnahme (Softpower) durch Entwicklungszusammenarbeit.
- Bewertung der Rolle Kubas in internationalen Organisationen und der Blockfreienbewegung.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der rein sowjetischen Abhängigkeit.
Auszug aus dem Buch
1.2.1 In Lateinamerika
Kubas militärisches Engagement in dieser Periode war vor allem geprägt durch den Versuch im Sinne Ché Guevaras „eins, zwei, drei – viele Vietnams“ zu erschaffen, um so das Modell der kubanischen Revolution in die Länder der Dritten Welt zu exportieren. (vgl. Zeuske 2000: 102)
Dies begann im Juni 1959 mit dem verunglückten Versuch mittels einer in Kuba trainierten Rebellengruppe in der Dominikanischen Republik zu landen, um das Regime von Trujillo zu stürzen. Dem schlossen sich weitere Umsturzversuche an, so zum Beispiel der des Duvalier Regimes in Haiti, des Weiteren wurden Guerilla-Bewegungen in beinahe allen lateinamerikanischen Ländern unterstützt. (vgl. Fernandez 1988: 89) Paradoxerweise waren Kubas Bemühungen die Revolution nach Lateinamerika zu tragen eher von defensiven Überlegungen gesteuert, denn „Cuba’s promotion of revolution in Latin America was primarily an attempt to break out of out of isolation by helping to create other revolutionary governments in the hemisphere.” (Erisman 1985: 22)
Auf Grund des beschränkten Umfangs der gewährten militärischen Unterstützung sowie dem Entlastungskonzept das hinter diesem Engagement stand, muss der Führungsmachtdefinition folgend zumindest für den Umfang und die Wirkung der ausgeübten Macht im Bereich der Hartpower eine Führungsmachtrolle in Lateinamerika der 60er Jahre negiert werden. Im gleichen Kontext ist sicherlich auch die Niederschlagung der von den USA initiierten Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht zu bewerten. Zwar wurde die von einer Supermacht unterstützte Invasion zerschlagen, doch lässt sich daraus noch keine Führungsmacht ableiten. Auch wenn dies einen ideologischen Sieg darstellte, so ist die Niederlage der Exilkubaner eher auf interne Fehlplanungen zurückzuführen, als auf die militärische Potenz einer kubanischen Militärmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage aufgeworfen, ob Kuba zwischen 1959 und 1991 als Führungsmacht bezeichnet werden kann, wofür eine eigene Definition von Hart- und Softpower herangezogen wird.
1. Die Initial-Periode der kubanischen Führungsmacht: 1959-1967: Der Beginn der revolutionären Außenpolitik wird analysiert, wobei Kuba primär durch Revolutionsmodelle Einfluss ausübt, während die materielle Kapazität für eine Führungsmachtrolle noch begrenzt ist.
2. Die aufsteigende Führungsmacht: 1968-1974: Kuba schwenkt auf die sowjetische Linie ein, professionalisiert jedoch gleichzeitig durch militärische Unterstützung in Afrika und dem Nahen Osten sowie zivile Hilfsprogramme sein diplomatisches Gewicht.
3. Kuba auf dem Höhepunkt seiner Führungsmacht: 1975-90: In diesem Zeitraum etabliert sich Kuba durch massive militärische Präsenz in Afrika und umfangreiche Entwicklungszusammenarbeit als globale Führungsmacht und zentrale Kraft in der Blockfreienbewegung.
4. Ende der Führungsmacht: 1990 bis heute: Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks verliert Kuba seine ökonomische und militärische Basis und damit seinen Status als internationale Führungsmacht.
5. Kuba als Befehlsempfänger Moskaus?: Es wird argumentiert, dass Kuba trotz massiver finanzieller Abhängigkeit eigenständige, oft von sowjetischen Interessen abweichende außenpolitische Ziele verfolgte.
Schlüsselwörter
Kuba, Führungsmacht, Außenpolitik, Hartpower, Softpower, Sowjetunion, Blockfreienbewegung, Angola, Revolutionsexport, Entwicklungshilfe, Dritte Welt, Internationale Organisationen, Militärintervention, Autonomie, Geopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob der kubanische Staat im Zeitraum von 1959 bis 1991 als Führungsmacht agierte und welche Faktoren diese These stützen oder widerlegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung gliedert sich in die Bereiche Hartpower (militärische Interventionen/Beratung) und Softpower (zivile Entwicklungshilfe, ideologischer Einfluss und Diplomatie).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Verifizierung oder Falsifizierung der These, dass Kuba trotz seiner begrenzten Ressourcen als autonome Führungsmacht auf globaler Bühne agierte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein selbst entwickeltes Definitionsmodell angewandt, das mittels einer chronologischen Analyse über vier Zeitabschnitte hinweg auf die kubanische Außenpolitik übertragen wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Entwicklungsphasen Kubas, von der Initialphase bis zum Höhepunkt des Einflusses und dem anschließenden Ende der Führungsmachtrolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Führungsmacht", "Hartpower", "Softpower", "Blockfreienbewegung" und "außenpolitische Autonomie" geprägt.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zur Sowjetunion?
Der Autor argumentiert, dass Kuba zwar wirtschaftlich stark von der UdSSR abhängig war, aber in seiner Außenpolitik eine eigenständige Akteursrolle wahrnahm, die oft über die sowjetischen Interessen hinausging.
Warum wird der Zeitraum 1975-1990 als Höhepunkt bezeichnet?
Aufgrund der militärischen Erfolge, wie in Angola, und des massiven Ausbaus der zivilen Entwicklungshilfe in über 45 Ländern konnte Kuba in dieser Zeit ein globaler Einflussfaktor werden.
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- Florian Warweg (Author), 2003, Kuba als Führungsmacht? Eine These, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50732