Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern. Förderung am Beispiel einer Mitmachgeschichte


Unterrichtsentwurf, 2017

43 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Lernausgangslage

2 Lernziele

3 Didaktische Begründung

4 Verlaufsplanung

5 Literaturverzeichnis

6 Anlagen

Anmerkung der Redaktion: Große Teile des Anhangs wurden aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

1 Lernausgangslage

Die geplante Unterrichtseinheit umfasst eine aktivierende Wiederholung der Sinnesorgane und deren Funktion sowie eine praktischen Übung mit Beobachtungsauftrag, die es er­möglicht den Begriff der sensorischen Integration einzuführen und dadurch die Bedeutung für die Praxis abzuleiten. Anschließend bearbeiten die Lernenden in Partnerarbeit die Aufgabenstellung, unterteilt in verschiedene Schwierigkeitsgrade, eine eigene Mitmach­geschichte zu erstellen und abschließend exemplarische Arbeitsergebnisse zu präsentie­ren und die Unterrichtseinheit zu reflektieren.

Besonderheiten der Lerngruppe

Die Unterrichtsstunde wird im Gruppenunterricht in der Klasse SAR 16a durchgeführt. Dieser findet einmal wöchentlich in einer 90-minütigen Einheit statt. Die Klasse befindet sich im 2. Ausbildungsjahr. Die Gruppe 2 besteht aus 11 Schülern und Schülerinnen (6 weiblich, 5 männlich) im Alter von 17 bis 21 Jahren. Die SuS haben einen Realschulab­schluss.

S. (w) benutzt aufgrund einer Operation am Bein vor drei Wochen aktuell Krücken. Bei der Übung im Stehen wird ihr daher ein Stuhl angeboten bzw. das Anlehnen an einen Herz­körper gestattet.

R. (m) stammt aus Rumänien, hat mehrere Jahre in Spanien gelebt, bevor er vor zwei Jahren nach Deutschland kam und in einer DAZ Klasse unterrichtet wurde. Er ist sprach­lich begabt, hat oft ein Wörterbuch dabei und einen leichten Akzent.

In den vergangenen gemeinsamen Unterrichtseinheiten traten alle Schüler dieser Klasse sehr aufgeschlossen und freundlich auf und zeigten jeweils eine befriedigende bis gute Mitarbeit. Zurzeit herrscht in der Klasse ein sehr hoher Krankheitsstand, daher müssen Sozialformen und Methoden bei Bedarf entsprechend der Schülerzahl angepasst werden.

Die Gruppe ist geübt in Partner- und Gruppenarbeit und Präsentationen von Arbeitser­gebnissen. Berufliche Handlungssituationen, Akten von fiktiven Klienten und Satellitensi­tuationen sind vielfach verwendete und trainierte Bestandteile des Unterrichts in der SAR 16a.

Seit der Rückkehr aus dem Kinder- und Jugendhilfepraktikum Anfang November ein Kon­zentrations- und Motivationsabfall zu beobachten.

Indikatoren dafür sind, dass die Schüler oftmals zu Beginn des Unterrichts unaufgefordert über ihre eigenen negativen Befindlichkeiten und unerfüllten Bedürfnisse sprechen (z.B. Müdigkeit, Hunger, Kopfschmerzen, viele Hausaufgaben, Bewegungsarmut u.ä.).

Desweiteren drückt sich die abnehmende Leistungsfähigkeit- und Bereitschaft auch durch vielfältige verbale und nonverbale Signale aus (z.B. mangelnde Körperspannung, Ablegen des Kopfes auf den Tisch, unterrichtsfremde Themen in Partner- und Gruppenarbeiten, langsameres Arbeitstempo und qualitativ ungenügende Arbeitsergebnisse). Es wurden daher meinerseits schon mehrere beziehungspflegende Gespräche geführt sowie an die bestehenden Regeln und Konsequenzen im Schulalltag erinnert. Zurzeit besteht ein höhe­rer Bedarf seitens der Lehrkraft die Lernenden zu motivieren und vermehrt in der Bear­beitung von Aufgaben zu unterstützen.

Ich begleite die Klasse seit deren Ausbildungsbeginn und unterrichte die SuS sowohl im Klassen- als auch Gruppenunterricht in drei verschiedenen Lernfeldern. Daher herrscht in unseren Unterrichtseinheiten eine offene, kritische und humorvolle Atmosphäre.

Berufspraktische Ausbildung

Die SuS haben bereits alle Arbeitsfelder eines Sozialassistenten kenngelernt. Im 1. Aus­bildungsjahr haben sie ein Pflegepraktikum in einem städtischen Altenpflegeheim absol­viert und in der Behindertenhilfe (Praktikumsplätze in Wohnheimen, Werkstätten und Schulen) gearbeitet.

Am Anfang des neuen Schuljahres befanden sich die SuS im Kinder- und Jugendhilfe­praktikum in Kindertagesstätten und Horten. Nach diesem letzten Praktikum entschieden sie sich, in welchem der drei Bereiche sie ihr Wahlpflicht- und Prüfungspraktikum absol­vieren möchten. Der Großteil der SuS möchte in der Kinder- und Jugendhilfe geprüft wer­den und ein kleinerer Anteil in der Behindertenhilfe. Bisher entschied sich kein Schüler für die Altenpflege.

Stand der Kompetenzentwicklung

Im zweiten Ausbildungsjahr erhält die Klasse SAR 16a im Lernfeld 2 jeweils wöchentlich eine 45-minütige Klassenstunde und 90 Minuten Gruppenunterricht.

Im ersten, zurückliegenden Ausbildungsjahr haben wir gemeinsam einmal wöchentlich in 90 Minuten Klassenunterricht und im 14-tägigen Rhythmus im Gruppenunterricht an den im Folgenden beschriebenen Zielstellungen gearbeitet, jedoch nicht vollständig, teilweise auch in nur unbefriedigendem Grad erreicht.

Die SuS….

- benennen die Sinnesorgane sowie deren Aufgaben und kennen den Prozess sowie die Bedeutung der Wahrnehmung in der sozialen Arbeit
- planen adressatengerechte alltagsnahe Beschäftigungen, kurze Aktivierungen oder Angebote für die Wahrnehmungsförderung ihrer Klienten
- können im Austausch mit anderen deren Wahrnehmung nachvollziehen sowie sich selbst und andere Menschen bewusst wahrnehmen und ihre Wahrnehmung sowohl mitteilen als auch reflektieren[1]
- ordnen den Begriff der Beobachtung in die Psychologie ein und nehmen zur Bedeutung der Beobachtung in der sozialen Arbeit Stellung
- benennen und erläutern Formen der Beobachtung sowie den Aufbau einer fachlichen Beobachtung und wählen zielgruppenspezifisch und individuell Ziele, Themen, Methoden und Instrumente der Beobachtung aus und kombinieren diese einzelnen Elemente sinnvoll
- kennen die verschiedenen Fehlerquellen der menschlichen Wahrnehmung und/oder Beobachtung
- dokumentieren ihre Beobachtungen wertfrei und nutzen diese für ihre weitere pädagogische und/oder pflegerische Arbeit

Im Schuljahr 2017/18 haben sich die SuS über die Besonderheiten der kindlichen Wahr­nehmung informiert. Sie haben ein beispielhaftes Kimspiel mit Naturmaterialien kennen­gelernt und die Grundlagen der fachlichen Beobachtung auf die Kinder- und Jugendhilfe übertragen. Ein Schwerpunkt stellte die Erkundung verschiedener Beobachtungsinstru­mente für den Einsatz in der Kindertagesstätte oder im Hort dar. Die drei Beobachtungs­ebenen nach Leu wurden beispielhaften Beobachtungsinstrumenten zugeordnet. Beo­bachtungsübungen u.a. mit Hilfe von Videomaterial, zu verschiedenen Entwicklungsberei­chen wie Motorik oder sprachliches Verhalten, war Teil der Vorbereitung auf das Kinder- und Jugendhilfepraktikum. An diesen Stellen wurde nochmals die wertfreie Beschreibung und anschließende Deutung kindlichen Verhaltens trainiert.

Nach der Rückkehr aus dem Praktikum folgten verschiedene Reflexionsübungen unter Beachtung der Zielstellungen des Lernfeldes 2. Aktuell wird im Klassenunterricht noch­mals die fachliche Beobachtung sowie mögliche Beobachtungsfehler wiederholt und ver­tieft.

Erwartungen für die Unterrichtssequenz

Für die Unterrichtseinheit möchte ich meine Erwartungen schildern. Die SuS benennen mindestens vier Sinnesorgane und benötigen Hilfestellungen dabei, die richtigen Fachbe­griffe für die Wahrnehmungssysteme zu formulieren. Der Transfer in die Praxis wird von vielfältigen Erfahrungen aus dem Praktikum genährt. Bisher fanden sich in vorangegan­genen Stunden immer Freiwillige für praktische Übungen. Die Beobachtung wird nur stichwortartig aufgeschrieben und viele Informationen werden aufgrund der fehlenden Wiederholung verloren gehen und nicht aufgezeichnet. Die anschließende Partnerarbeit wird ohne Schwierigkeiten verlaufen. Problematisch könnte sich an dieser Stelle im Unter­richtsgeschehen nur die geringe Schülerzahl auswirken und zu einer geänderten Sozial­form oder Zeiteinteilung führen aufgrund der mangelnden Beteiligung oder zusätzlichen Bedarf an Erklärungen seitens der Lehrkraft während des Unterrichts.

Die Auswahl des Schwierigkeitsgrades ist den Schülern in dieser besonderen Form noch nicht bekannt. Ich erwarte, dass maximal ein Paar die anspruchsvollste Aufgabe auswählt und sich die Mehrzahl für die einfache oder die Aufgabe mittleren Schweregrades ent­scheidet. In der abschließenden Reflexion ordnen die Schüler die angesprochenen Sin­nesorgane fachlich begründet zu.

2 Lernziele

Die übergreifende Zielstellung des Ausbildungsganges ergibt sich aus der Kurzcharakte­ristik des Rahmenlehrplans. SozialassistentInnen müssen die Fähigkeit besitzen, die ei­gene Wahrnehmung als bedeutungsvoll für die berufliche Tätigkeit einzuordnen. Darüber hinaus sollen SozialassistentInnen diese Erkenntnis auf die Ebene der Klienten übertra­gen, indem sie die Aufgabe annehmen, kindliche Wahrnehmung und deren störungsfreie Entwicklung zu fördern. Eine enge Verzahnung der Zielstellung liegt durch die Arbeit im Lernfeldkonzept mit den Lernfeldern 3, 4, 5 und 7 vor. Für die geplante Unterrichtsstunde möchte ich folgende Kompetenzen trainieren:

Übergeordnete Ausbildungsziele[2]

Die Schüler und Schülerinnen…

- planen verschiedene Aktivitäten situationsgerecht
- sind fähig eigenes Handeln über verschiedene Zeiträume zu planen und dessen Realisierung zu reflektieren

Die Unterrichtssequenz soll die Zielerreichung der oben formulierten übergeordneten Ausbildungsziele unterstützen, indem die SuS eine exemplarische Übung zur Wahrneh­mungsförderung planen.

Die Kompetenzen des Lernfeldes 2 “Beobachtung als Grundlage sozialen Handelns nut­zen” umfassen:

Kompetenzbasierte Ziele des Lernfeldes[3]

Die Schüler und Schülerinnen…

- leiten aus Bedürfnissen und Kompetenzen angemessene Handlungen ab
- nehmen sich selbst und andere Menschen vielsinnig wahr
- reflektieren ihre Wahrnehmungen
- wenden Beobachtungen zielgerichtet an

Die zu Beginn durchgeführte Abfrage der Sinnesorgane durch die Wollknäuel-Methode zwingt die SuS ihren derzeitigen Kenntnisstand zu reflektieren und die visualisierte Ver­netzung der einzelnen Sinnesorgane zu erkennen. Die anschließende praktische Übung dient dazu das eigene Handeln in Bezug auf die Sinnesleistungen zu reflektieren und da­raus die Bedeutung für die kindliche Wahrnehmungsentwicklung abzuleiten. Die SuS er­halten hierzu einen Beobachtungsauftrag. Dadurch erhalten die Lernenden die Möglich­keit praxisnah das Zusammenspiel der einzelnen Sinnesorgane zu begreifen und die be­sonderen Bedürfnisse von Kindern für die Reize ihrer Umwelt zu erkennen.

Die Auswahl des Schwierigkeitsgrades der Aufgabe dient der Ausbildung von selbstrefle­xiven Fähigkeiten.

Daraus ergeben sich folgende auszubildende Teilkompetenzen für die Unterrichtsstunde:

Ziele der Unterrichtssequenz

Die Schüler und Schülerinnen…

- benennen die 7 Sinnesorgane, ordnen die Wahrnehmungssysteme zu und übertragen die Bedeutung der Sinnesorgane verbal auf eine Situation in der Praxis
- protokollieren und reflektieren die praktische Übung und erklären das Zusammenspiel von mehreren Sinnesorganen
- entscheiden sich für einen Schwierigkeitsgrad sowie für eine Übung und ein Thema für ihre eigene Mitmachgeschichte

Nach der Unterrichtseinheit haben die SuS die Bedeutung der Wahrnehmung für kindliche Lern- und Entwicklungsprozesse wiederholt und vertieft. Die SuS kennen die Mitmachge­schichte als einfache und effektive Methode, Sinne von Kindern zu fördern und somit ei­nen Beitrag zur ganzheitlichen, gesunden Entwicklung zu leisten. Darüber hinaus wird die Beobachtungsfähigkeit der SuS trainiert. Das Anliegen des Lernfeldes 2 Beobachtungsin­strumente anzuwenden, entspricht der Aufforderung unter einer bestimmten Ziel- bzw. Aufgabenstellung zu beobachten und den Fokus auf ein Beobachtungsthema, in diesem Fall die Koordination der Sinnesorgane, zu richten.

Insgesamt wird durch die Unterrichtseinheit das Bewusstsein dafür erweitert, dass Sin­nesorgane auch abseits von Wahrnehmungsspielen eine Bedeutung haben und jeden Tag für einen Sozialassistenten relevant sind.

3 Didaktische Begründung

Bedeutung der Thematik

Die aktuelle Bedeutung der Thematik für die Schüler ist vorrangig darin zu sehen, dass die Klasse am 06.11.2017 aus dem Kinder- und Jugendhilfepraktikum zurück kehrte und ab dem 05.03.2018 das Wahlpflichtpraktikum absolviert.

Die Lernenden sollen für die besondere Wahrnehmung dieser Zielgruppe erneut sensibili­siert werden und ihre Verantwortung als SozialassistentIn für die gesunde Entwicklung der Klienten, in diesem Fall von Kindern, erkennen.

Inhaltliche Schwerpunkte des Lernfeldes sind die eigene Wahrnehmung und die anderer Menschen. Die Gestltung einer selbst erstellten Mitmachgeschichte habe ich gewählt, da sie die Möglichkeit bietet, das Wissen über Sinnesreize auf Kinder anzuwenden. Die Ein­bettung von Angeboten soll in einer für die Zielgruppe angemessenen Form erfolgen und die Schüler und Schülerinnen für die Kommunikation auf einer sprachlichen und sinnes­basierten Ebene befähigen. Das Vorlesen bzw. Vortragen einer Geschichte wird so ebenfalls trainiert.

Die Wahl dieses Themas liegt weiterhin in der Arbeit im Lernfeldkonzept an der Ruth-Pfau-Schule begründet. Im Lernfeld 4, das ich gemeinsam mit zwei weiteren Kolleginnen unterrichte, liegt eine große Herausforderung darin die angehenden SozialassistentInnen zu befähigen pädagogische Angebote zu planen. Dabei konnte unser Lernfeldteam be­obachten, dass es den SuS noch schwer fällt geeignete, motivierende Einstiege zu formu­lieren. Daher sollen die SuS am Beispiel einer Mitmachgeschichte eine weitere Möglich­keit kennenlernen ein Angebot kindgerecht einzuleiten oder durchzuführen.

Weiterhin wird im Lernfeld 7, Bereich Medien, aktuell von mir das Medium Buch in der Kinder- und Jugendhilfe bearbeitet. Dazu konnten die SuS bereits Bilderbücher mit Hilfe einer Checkliste einschätzen und den geeigneten Altersstufen zuordnen. Anschließend war das dialogische Lesen als sprachfördernde Methode Inhalt meines Unterrichts im Lernfeld 7, Medien.

Ablauf der Unterrichtssequenz

Der Ablauf des Unterrichts gliedert sich in eine kurze Vorstellung der Abfolgen, einer an­schließenden körperlichen und kognitiven Aktivierung mit Tafelbild sowie der Einführung des Themas durch eine praktische Übung mit Beobachtungsauftrag und einer beruflichen Handlungssituation. Die Erarbeitungsphase erfolgt in Partnerarbeit mit selbstständiger Auswahl der Niveaustufe sowie des Austausches der SuS über den aktuellen Arbeits­stand oder einer kurzen Präsentation ausgewählter Arbeitsergebnisse mit abschließender Reflexion.

Einstieg:

Aktivierung durch die „Wollknäuel-Methode“

Zu Beginn der Stunde erfolgt eine Darstellung des Ablaufes durch die Lehrkraft, damit die SuS sich zunächst in der Unterrichtsstunde orientieren können. Im Sinne des Lernfeld­konzeptes dient ein kleines Rätsel zu den didaktischen Prinzipien der Entwicklung einer ganzheitlichen Sichtweise. Während der gesamten Unterrichtszeit benutze ich eine Klangschale, die als akustisches Signal dazu dient, die Aufmerksamkeit der SuS bei Be­darf zu erzielen. Die Visualisierung der Stundenziele an der Tafel bietet die Möglichkeit die Ziele der Stunde farbig und zentral allen Schülern aufzuzeigen. Die Einstimmung auf das Stundenthema erfolgt durch eine Aktivierung in Form der Wollknäuel-Methode, die darauf abzielt die Lernenden körperlich nach der Mittagspause zu aktivieren und Vorwis­sen über die Sinnesorgane, deren Aufgaben und zugehöriger Fachbegriffe zu generieren. Der kinästhetische und visuelle Sinn wird während dieser Übung stark angesprochen und dient der Anschaulichkeit und ganzheitlichen Lernerfahrung. Die SuS sollen sich kreisför­mig auf dem Teppich aufstellen und ein Wollknäuel in den Händen halten. Sie benennen ein Sinnesorgan und/oder ein Wahrnehmungssystem sowie deren Aufgabe, halten den Faden fest und werfen den Faden weiter, sodass am Ende ein Netz entsteht. Der Transfer dieses Bildes auf eine Praxissituation sichert den Bedeutungsgehalt für die Lernenden ab. Die Aufgabenstellungen für die Bildung des Netzes und die Reflexion werden jeweils durch Karten an einer Pinnwand visualisiert (s. Anlage).

Das Stundenthema knüpft an Vorwissen aus vergangenen Unterrichtsstunden an. Ziel ist, die verschiedenen Sinnesorgane zu benennen und entsprechend die Fachbegriffe der Wahrnehmungssysteme zuzuordnen. Dies ist erforderlich, da in der Praxis die eigene Wahrnehmung und die der Klienten eine große Rolle spielt. Aus diesem Grund werden durch diese Abfrage alle SuS beauftragt, Beispiele zu benennen.

Mit Hilfe dieser Methode ist es möglich, den Lernerfolg der letzten Stunden aufzuzeigen. Sollten die gegebenen Antworten abweichen, kann auf die SuS durch Wiederholung oder erneute Hinweise eingegangen werden. Weiterhin erfolgt der Einstieg in Form der Woll­knäuel-Methode, weil diese vernetzte Darstellung einen Bezug zu der sensorischen Integ­ration als Grundlage für die Wahrnehmungsförderung darstellt. Auch die körperorientierte Form greift die sinnesorientierte Thematik auf. Die Abfrage der Sinnesorgane dient wei­terhin als Vorbereitung für die anschließende Übung und den darauf folgenden Arbeits­auftrag. Die Zusammenfassung der Ergebnisse erfolgt in Form eines vorbereiteten Tafel­bildes an der Pinnwand. Dort werden um ein Kinderbild herum die verbildlichten Sinnes­organe und deren Begrifflichkeiten zugeordnet und der Begriff der sensorischen Integra­tion eingeführt.

Die SuS erhalten die Erlaubnis das Bild am Ende abzufotografieren und sich ggf. in den Hefter zu übernehmen. Diese Vorgehensweise kennen sie bereits aus anderen Lernfel­dern. Möglich wäre auch, dass die Lehrkraft fotografiert und den SuS einen Ausdruck in der folgenden Stunde zur Verfügung stellt.

Das Stundenthema wird an der Tafel eingeleitet, indem die gesammelten Sinnesorgane und Fachbegriffe als laminierte Karten rings um ein Kinderbild angeordnet werden (s. An­lage). Diese Visualisierung als punktuelle Ergebnissicherung unterstützt später die Be­obachter in Ihrer Rolle.

Erarbeitungsphase 1:

Anwendungsbezogenes Experiment mit Beobachtungsauftrag

Die Weiterarbeit erfolgt nach der Rückkehr der SuS zu ihren Sitzplätzen. Anschließend werden zwei Freiwillige für eine Übung erfragt. Sollte sich keiner bereit erklären, wird durch Zufall (blindes Tippen ins Klassenbuch) der Freiwillige jeweils festgelegt. Die an­schließende praktische Übung vertieft mit einem Beobachtungsauftrag (s. Anlage) das vorher wiederholte Fachwissen und leitet die berufliche Handlungssituation praxisnah ein. Das Experiment soll erste Kenntnisse über Mitmachgeschichten und die sensorische In­tegration liefern und praxisnah vermitteln. Eine weitere Chance liegt darin, die Beobachter in ihrer Rolle weiter zu befähigen das beobachtbare Verhalten zu beschreiben und Schlüsse in Bezug auf das Zusammenspiel der einzelnen Sinnesorgane zu ziehen. Der Beobachtungsauftrag stellt ein Beobachtungsinstrument dar und dient als Anknüpfungs­punkt die Beobachtungsmethoden zu erfragen. Der Arbeitsauftrag für den ersten Proban­den (s. Anlage) und die Mitmachgeschichte (s. Anlage) erleichtern den Transfer zum Ar­beitsauftrag eine eigene Mitmachgeschichte zu erstellen und dient gleichsam als Ergeb­nissicherung, weil Sie allen Paaren als Kopie später zur Verfügung gestellt wird. Der Beo­bachtungsauftrag wird auch den Probanden als Ergebnissicherung für Ihren Hefter zur Verfügung gestellt. An der Tafel werden die Antworten zur Visualisierung stichpunktartig gesammelt. Die Materialien zum Experiment orientieren sich an der Jahreszeit und dem Weihnachtsfest. Die Mandarinen wurden gewählt, um den Geschmackssinn ggf. be­obachten zu können. Die Weihnachtskugeln sind bruchsicher, um bei kleinen Missgeschi­cken keine Aufräumarbeiten zu provozieren.

Erarbeitungsphase 2:

Berufliche Handlungssituation mit Aufgabenstellung und Ziel

Die im Anschluss auszuteilende berufliche Handlungssituation leitet die Partnerarbeits­phase ein (s. Anlage).

Um die Schüler in eine für das Stundenthema passende Situation zu versetzen, erfolgt nach der Einführung und Erläuterung des Begriffs der sensorischen Integration an der Tafel die Ausgabe einer beruflichen Handlungssituation (s. Anlage). Damit neben visuel­len Lerntypen auch auditive Lerntypen den Inhalt besser erfassen können, wird die Prob­lemstellung zusätzlich von einem Schüler laut vorgelesen. Im Plenum werden ein bis zwei Zielstellungen gesammelt und anschließend trägt jeder Schüler sein persönliches Ziel auf dem Arbeitsblatt ein. Die Aufforderung, selbstständig einen Schwierigkeitsgrad zu wählen, ermöglicht den SuS zu üben, eigene Grenzen und Möglichkeiten des Handelns einzu­schätzen oder auch sich bisher nicht gestellten Herausforderungen zu stellen. Die SuS wählen selbst einen Partner, um sich leichter in einer vertrauensvollen Beziehung auf ein Anforderungsniveau zu einigen. Die Arbeit an einer beruflichen Handlungssituation stellt eine praxisnahe Motivationshilfe dar. Die Einteilung in unterschiedliche Anforderungsstu­fen (s. Anlage) in Form von beschrifteten Briefumschlägen (für Bequeme, für Mutige, für Waghalsige) lädt dazu ein, das eigene Können einzuschätzen und entsprechend der ei­genen Leistungsfähigkeit und -Bereitschaft zu agieren bzw. die vorliegende Herausforde­rung als Apell wahrzunehmen. Die Sozialform in selbst erstellten Zweierteams wähle ich, um bei dieser sehr kreativ geprägten Aufgabe die Beziehungsebene als Grundlage für eine Einigung auf einen Arbeitsauftrag zu schaffen und in einer angenehmen, von Sym­pathie geprägten Interaktion ein Arbeitsergebnis zu erzielen.

Die SuS werden aufgefordert die Wahl ihres Schwierigkeitsgrades per Hochhalten des entsprechenden Briefumschlages anzuzeigen. Somit erhält die Lehrkraft einen schnellen Überblick über die Auswahltendenz der Lerngruppe.

Die unterschiedlichen Arbeitsaufträge ergeben auch eine unterschiedliche Auswahl an Arbeitsmaterialien. Insgesamt befinden sich Bücher mit Sinnesspielen, ein Gruppensatz über Mitmachgeschichten und verschiedene sinnesanregende Materialien im Raum, die bei der Erklärung des Arbeitsauftrages vorgestellt und gezeigt werden.

Aufgrund der mangelnden Erfahrung der SuS wird die Geschichte nicht in Einzelarbeit erarbeitet. Die Kompetenz geeignete Angebote zu erstellen und in der Praxis anzuwen­den, kann nur durch Übung erlangt werden. Nur durch selbstständiges Arbeiten werden die SuS in die Lage versetzt jeden Arbeitsschritt zu durchdenken, die zu fördernden Sin­nesorgane festzulegen und entsprechend ihre Geschichte zu gestalten.

Die Erarbeitung erfolgt unter einer festgesetzten Zeitvorgabe. Die Zeit wird während der Bearbeitung mit Hilfe einer TimeTex-Uhr an der Tafel angezeigt, um den Schülern den Zeitverlauf aufzuzeigen. Die Festlegung einer Zeit für die Bearbeitung der Aufgabe leitet sich aus der Praxis ab. Ein Sozialassistent muss Aufgaben in einer festgelegten Zeit er­füllen. Um diese Fähigkeit zu erlangen, wird die dafür notwendige Kompetenz von Beginn an entwickelt.

Im Falle einer sehr schnellen Bearbeitung einzelner SuS wird eine Zusatzaufgabe gege­ben, so dass diese SuS ebenso die gesamte Zeit als Lernzeit nutzen können,

Der Lernfortschritt wird durch den Lehrer anhand Sichtung der bisherigen Arbeitsergeb­nisse während der Bearbeitung beobachtet, so dass eine eventuelle erforderliche Unter­stützung zeitnah erfolgen kann.

Präsentation der Arbeitsergebnisse und Abschluss

In welcher Form die Präsentation der Arbeitsergebnisse erfolgt, ergibt sich aus dem Ar­beitsstand der SuS. Die SuS beschreiben entweder paarweise kurz ihre Übung und das Thema und Setting ihrer Geschichte oder präsentieren fertig ausformulierte Teile von ein bis zwei Mitmachgeschichten, die in Ansätzen rollenspielähnlich durchgeführt werden. Weitere Mitmachgeschichten werden im Lernfeld 7 weiter bearbeitet bzw. durchgeführt, da aktuell das Thema „richtig vorlesen“ bearbeitet wird.

[...]


[1] Badel, 2016, S.W 1

[2] Vgl. Sächsisches Staatsministerium für Kultus, 2005, S. 6

[3] Ebd. S. 16

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern. Förderung am Beispiel einer Mitmachgeschichte
Hochschule
Sächsische Bildungsagentur Dresden  (Sächsische Bildungsagentur)
Veranstaltung
Ausbildungsstätte für das Höhere Lehramt an berufsbildenden Schulen im Freistaat Sachsen
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
43
Katalognummer
V507407
ISBN (eBook)
9783346103208
ISBN (Buch)
9783346103215
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrnehmung Beobachtung Kinder Lehramt Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Maria Widera (Autor), 2017, Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern. Förderung am Beispiel einer Mitmachgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507407

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