Die vorliegende Arbeit möchte einen tiefergehenden Einblick in die ressourcenorientierte Betrachtungsweise bieten, indem zu Beginn grundlegende ressourcenbasierte Theorien und Ansätze samt dazugehöriger Studienergebnisse dargestellt und in Bezug auf ihren Erkenntniswert für die pädagogische Praxis hinterfragt werden. Wegweisend sind hierbei das Konzept der Salutogenese von Aaron Antonovsky und die Resilienzforschung, sowie die Konsistenztheorie von Klaus Grawe, die Grundeinstellung der Positiven Psychologie und der Empowerment-Ansatz.
Im zweiten Teil wird zunächst analysiert, hinsichtlich welcher Aspekte sich Präventionsprogramme grundsätzlich unterscheiden und welche Kriterien sich Studien zufolge als wirksam erwiesen haben. Auf Basis dessen werden konzeptuelle und inhaltliche Anforderungskriterien an ressourcenstärkende Präventionsprogramme abgeleitet. Anschließend werden bereits existierende Präventionsprogramme für die Grundschule in Form von Steckbriefen vorgestellt und hinsichtlich dieser Kriterien kritisch miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
I Grundlegende Theorien der ressourcenorientierten Gesundheitsförderung
2 Das Konzept der Salutogenese
2.1 Entstehung der salutogenetischen Fragestellung
2.2 Von der Pathogenese zur Salutogenese – Das Verständnis Antonovskys als Abgrenzung und Erweiterung zur Pathogenese
2.3 Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
2.4 Generalisierte Widerstandsressourcen
2.5 Stressorenverständnis
2.6 Das Kohärenzgefühl
3 Resilienz
3.1 Begriffliche Annäherung und Definition
3.2 Risikofaktorenkonzept versus Schutzfaktorenkonzept
3.3 Empirische Studien der Resilienzforschung
4 Konsistenztheorie
5 Positive Psychologie
6 Empowerment
II Ressourcenorientierte Präventionsprogramme
7 Prävention
7.1 Klassifikation von Präventionsprogrammen
7.2 Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen
7.3 Anforderungen an Präventionsprogramme
8 Kritische Betrachtung bereits existierender Präventionsprogramme
Steckbrief 1: Klasse 2000
Steckbrief 2: Fit und stark fürs Leben
Steckbrief 3: Ich bin ich – Gesundheitsförderung durch Selbstwertstärkung
Steckbrief 4: Grundschule macht stark – Resilienzförderung in Grundschulen
Steckbrief 5: Lubo aus dem All
Steckbrief 6: Verhaltenstraining für Schulanfänger1 / Verhaltenstraining in der Grundschule2
Steckbrief 7: Faustlos
Steckbrief 8: Komm, wir finden eine Lösung!
Steckbrief 9: Bleib locker
Steckbrief 10: Freunde für Kinder
III Das „Stark!“-Programm
9 „Stark!“
9.1 Ziele des Präventionsprogramms „Stark!“
9.2 Konzeption und Aufbau des Curriculums
9.3 Die Bausteine
9.4 Aufbau der Einheiten
9.5 Elternkooperation
9.6 Potenzial und Grenzen des Curriculums
IV Lehrergesundheit
10 Lehrergesundheit fördern – Schulen stärken
10.1 Gesundheit und Lehrerberuf – ein Widerspruch?
10.2 Risikofaktoren für die Gesundheit von Lehrkräften
10.3 Gesundheitsressourcen im Lehrerberuf
10.4 Präventionsprogramme zur Ressourcenstärkung von Lehrkräften
11 Diskussion
12 Zusammenfassung mit Abschlussreflexion und Ausblick
14 Quellenverzeichnis
14.1 Literaturquellen
14.2 Internetquellen
14.3 Zeitschriften
15 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten einer ressourcenorientierten Gesundheitsförderung in der Grundschule durch den Einsatz von "Life Skills Education"-Programmen. Ziel ist es, auf Basis theoretischer Grundlagen wie Salutogenese, Resilienz und der Konsistenztheorie die Anforderungen an wirksame Präventionsprogramme zu definieren, existierende Angebote kritisch zu evaluieren und das neu entwickelte Curriculum "Stark!" als ganzheitlichen Ansatz zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Schülern vorzustellen.
- Theoretische Fundierung der Ressourcenorientierung (Salutogenese, Resilienz, Positive Psychologie).
- Kriterien für eine effektive Gestaltung und Implementierung von Präventionsprogrammen im Setting Grundschule.
- Kritische Analyse und Vergleich bestehender Präventionsansätze anhand definierter Qualitätsmerkmale.
- Konzeption des neuen Curriculums "Stark!" unter Berücksichtigung systemischer Aspekte.
- Betrachtung der Lehrergesundheit als wesentliche Voraussetzung für eine gelingende schulische Gesundheitsförderung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffliche Annäherung und Definition
Der Begriff „Resilienz“ leitet sich aus dem Englischen von „resilience“ („Spannkraft, Elastizität, Strapazierfähigkeit“) ab und bezeichnet die Fähigkeit eines Organismus, nach einer äußeren Einwirkung zu seinem ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Abstrakt wird Resilienz heute als die Fähigkeit eines Individuums beschrieben, „erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Stressfolgen“ (Wustmann 2004, S. 18 zit. n. Fröhlich-Gildhoff/ Rönnau-Böse 2009, S. 9) umgehen zu können.
In der Fachwelt gibt es eine Reihe verschiedener Definitionsansätze, die zum Teil stark variieren. Dennoch lassen sich die heutigen Definitionen von den früheren klar abgrenzen. In den Anfängen der Resilienzforschung wurde bei Kindern das Phänomen beobachtet, dass sie sich trotz hoher Belastungen positiv entwickelten. Dieses Phänomen wurde damals als Invulnerabilität bezeichnet, als Unverletzbarkeit gegenüber Risiken. Doch die Annahme, dass es so genannte „superkids“ gebe, die über eine angeborene Immunität gegenüber negativen Lebensereignissen verfügen, wurde schon bald widerlegt und verworfen (vgl. Laucht/Esser/ Schmidt 1997, S. 262).
In der deutschsprachigen Literatur wird heute meist die Definition von Corina Wustmann verwendet. Sie definiert Resilienz als „die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken“ (Wustmann 2004, S. 18). Resilienz ist nicht, wie zu Beginn der Resilienzforschung angenommen, ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, sondern sie wird im Verlauf der Entwicklung in einem dynamischen, transaktionalen Prozess zwischen Kind und Umwelt erworben (vgl. Lösel/Bender 2008; Luthar/ Cicchetti/Becker 2000).
Die Fähigkeit, Risikobedingungen erfolgreich zu bewältigen, kann in der Entwicklung des Kindes sehr variieren. Resilienz ist daher ein „dynamischer Anpassungs- und Entwicklungs-prozess“ (Wustmann 2004, S. 28). Je nach Erfahrungen und bewältigten Situationen können sich im Verlauf der kindlichen Entwicklung immer wieder neue Ressourcen und Vulnerabilitäten herausbilden. Unter Resilienz wird also, entwicklungspsychologisch betrachtet, die Fähigkeit verstanden, „Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen“ (Welter-Enderlein 2016, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Gesundheit als zentrales Element für ein erfülltes Leben und stellt die Notwendigkeit einer ressourcenorientierten Gesundheitsförderung in der Grundschule heraus.
2 Das Konzept der Salutogenese: Dieses Kapitel erläutert Antonovskys Modell, welches den Fokus von krankheitsverursachenden Einflüssen auf die Faktoren lenkt, die Menschen trotz Belastungen gesund bleiben lassen.
3 Resilienz: Der Abschnitt diskutiert die psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern, ihre Entwicklung durch Schutzfaktoren und die Ergebnisse zentraler Resilienzstudien.
4 Konsistenztheorie: Es wird Grawes Modell des normalen seelischen Funktionierens vorgestellt, das die Erfüllung von vier psychischen Grundbedürfnissen für eine gesunde Entwicklung hervorhebt.
5 Positive Psychologie: Dieses Kapitel beschreibt den Paradigmenwechsel hin zur Erforschung von Stärken, Lebensfreude und Wohlbefinden sowie das PERMA-Schema nach Seligman.
6 Empowerment: Der Empowerment-Ansatz wird als Strategie zur Stärkung von Selbstbestimmung und Autonomie bei Individuen in Notsituationen analysiert.
7 Prävention: Hier erfolgt eine Klassifizierung von Präventionsprogrammen und die Ableitung von Qualitätskriterien für deren Wirksamkeit in der pädagogischen Praxis.
8 Kritische Betrachtung bereits existierender Präventionsprogramme: In diesem Kapitel werden zehn ausgewählte Programme anhand von Steckbriefen analysiert und in ihren Potenzialen sowie Grenzen verglichen.
9 „Stark!“: Das Kapitel stellt das im Rahmen der Arbeit entwickelte Curriculum vor, welches auf Basis der vorangegangenen Analyse eine optimierte Ressourcenstärkung für Grundschüler anstrebt.
10 Lehrergesundheit fördern – Schulen stärken: Diese Sektion widmet sich der Belastungssituation von Lehrkräften, identifiziert Risiko- und Schutzfaktoren im Lehrerberuf und stellt Unterstützungsmöglichkeiten vor.
11 Diskussion: Kritische Reflexion der zentralen Themen der Arbeit, insbesondere zur Standardisierung vs. Flexibilität von Programmen und der Integration in den Schulalltag.
12 Zusammenfassung mit Abschlussreflexion und Ausblick: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Lehrer- und Schülergesundheit.
Schlüsselwörter
Gesundheitsförderung, Grundschule, Salutogenese, Resilienz, Konsistenztheorie, Positive Psychologie, Empowerment, Präventionsprogramme, Life Skills, Lehrergesundheit, Curriculum, Ressourcenorientierung, Prävention, Lebenskompetenzen, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung der psychischen Gesundheit und Widerstandsfähigkeit von Grundschulkindern sowie Lehrkräften durch ressourcenorientierte Präventionsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Ansätzen zur Gesundheitsförderung (Salutogenese, Resilienz), der Evaluierung bestehender Präventionsprogramme und der Konzeption eines neuen Curriculums.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis wissenschaftlicher Theorien ein zukunftsträchtiges Programm ("Stark!") für die Grundschule zu entwickeln, das vorhandene Potenziale bündelt und Defizite aktueller Ansätze minimiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine systematische Sichtung und kritische Evaluation bestehender Präventionsmanuale und Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Analyse und den Vergleich von zehn existierenden Präventionsprogrammen sowie die detaillierte Vorstellung und Begründung des neuen Curriculums "Stark!".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Gesundheitsförderung, Resilienz, Salutogenese, Ressourcenorientierung, Prävention und Lehrergesundheit.
Was unterscheidet das Curriculum "Stark!" von bereits existierenden Programmen?
Es bündelt Erkenntnisse aus mehreren Theorien (Salutogenese, Resilienz, Konsistenztheorie), nutzt ein Spiralcurriculum mit drei Kompetenzstufen und fördert sowohl personale als auch soziale Ressourcen ganzheitlich unter Einbeziehung der Umwelt.
Warum ist die Lehrergesundheit ein wichtiger Bestandteil der Arbeit?
Gesunde Lehrkräfte sind die Grundvoraussetzung, um den Schülern glaubhaft Wege zu einer selbstbestimmten und gesundheitsförderlichen Lebensweise aufzuzeigen, weshalb Ressourcenstärkung auch für dieses Kollegium essenziell ist.
- Arbeit zitieren
- Heike Fuhrmann (Autor:in), 2019, Life Skills Education als Maßnahme zur ressourcenorientierten Gesundheitsförderung in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507531