Achills Umerziehung im "Trojanerkrieg" Konrads von Würzburg. Wird der Wolf zum Lamm?


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Achills Doppelerziehung
2.1 Achill auf dem Berg Pelion
2.2 Achill auf der Mädcheninsel

3 Konrads erzählerische Leistungen

4 Wird der Wolf zum Lamm?

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

dem wolfe tet er vil gel îch
der blicket zuo dem lambe hin,
sô man ze schoule setzet in
und man diu buoch in lêren sol.
(Konrad von Würzburg „Trojanerkrieg“, V. 14882-85)

HACKENSBERGER1 lässt in seinem Artikel in der WELT zwei Brüder aus Syrien, die in den Fängen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in einem geheimen Spezialtrainingscamp in Syrien und in Irak zu Killern ausgebildet worden sind, über ihre Erlebnisse erzählen. Salem (zehn Jahre alt) musste für zehn Wochen zusammen mit etwa 150 Kindern im Alter zwischen sieben und 15 Jahren aus Ländern wie China, Usbekistan, Irak, Frankreich und noch vielen anderen europäischen Ländern abgeschottet von der Außenwelt2 das grausame Handwerk des Tötens lernen3. Salems Bruder Halit (acht Jahre alt) ging in eine Schule der Extremisten in Syrien und wurde von der Terrormiliz im Rezitieren des Korans, im Kampftraining und in der Durchführung der Exekutionen unterrichtet. Die Kinder in den Camps sollten verinnerlichen, dass das Morden die normalste Sache der Welt ist4. Darüber hinaus sollten sie zu wahren „Gotteskriegern“ erzogen werden und als „Märtyrer“ sterben.

Vor über 700 Jahren beschreibt der mittelalterliche Dichter Konrad von Würzburg5 in seinem „Trojanerkrieg“ ausführlich die extrem harte militärische Erziehung des sagenumwobenen griechischen Helden Achill. Auch er sollte nach seiner speziellen Ausbildung einen Heldentod vor Troja erleiden. Es scheint, trotz der zeitlichen und räumlichen Entfernung, Parallelen zwischen den beiden Geschichten zu geben. Ich möchte mich in der vorliegenden Arbeit im Rahmen des Seminars „Geschlechteridentität und Gendertrouble: Entwürfe von Männlichkeit und Weiblichkeit in der volkssprachigen Literatur des Mittelalters“ mit der doppelten Sozialisation Achills im „Trojanerkrieg“ Konrads von Würzburg näher auseinandersetzen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in der Analyse der „versuchten Umerziehung“ des tollkühnen griechischen Helden Achills durch seine Mutter Thetis, die sich auf der Mädcheninsel Scyros abspielt. Achill soll, dem Wunsch seiner Mutter Thetis nach, die hovel î che zuht erhalten, nachdem dieser beim halbwilden Zentaurier Schyron6 eine äußerst harte, spartanische Erziehung durchlaufen hat. Hieraus ergeben sich folgende Fragestellungen: Was bedeutete hovel î che zuht bzw. „höfische Erziehung“ generell im Mittelalter? Wird Achill durch die hovel î che zuht während seines vierjährigen Inselaufenthalts durch die Einflüsse seiner Mutter Thetis und vor allem seiner Geliebten Deidamie wirklich umerzogen? Darüber hinaus ist es interessant, wie Konrad Achills Erziehung thematisiert und welche Wirkungen dies auf seine Rezipienten ausgeübt hat. BARTON7 spricht von einer „Veredelung“ des Charakters Achills durch Deidamies minne während SIEBER8 Achill eine angeborene Disposition zur wildekeit attestiert und von der guten Erziehung durch Schyron schwärmt. Was war wohl Konrads Intention, die Achillgeschichte so zu erzählen, wie man sie vorfindet?

Meines Erachtens problematisiert Konrad die Erziehung Achills durch Schyron und somit das Konzept der Männlichkeit als Heldentum. Im Folgenden werde ich meine These durch die Analyse des mittelalterlichen Romans „Trojanerkrieg“ von Konrad und des antiken Epos „Achilleis“ von Statius im Kontrast versuchen zu belegen. Statius´ „Achilleis“ entstand wahrscheinlich um das Ende des 1. Jh. nach Chr. und blieb auf Grund seines Todes unvollendet. Statius9 erzählt in seinem Epos über Achills Jugend, seine Entdeckung durch Ulixes und die Fahrt zum Kampf vor Troja. Konrad von Würzburg verfasste im Auftrag des Basler Domherrn Dietrich an dem Orte zwischen 1281 und 1287 seinen Roman „Trojanerkrieg“, basierend auf mehreren antiken und frühmittelalterlichen Quellen, u.a. auch auf Statius´ „Achilleis“. Allerdings konnte auch er sein Werk nicht vollenden, so dass es nach 40424 Versen zu Beginn der 4. Schlacht um Troja abbricht und von einem unbekannten Autor zu Ende geschrieben werden musste10. In meiner Arbeit werde ich ausschließlich auf Konrads Text Bezug nehmen.

2 Achills Doppelerziehung

Der Seher Proteus prophezeit in der Hochzeitsnacht von Peleus und Thetis, ihr noch in der derselben Nacht gezeugter Sohn werde zwar ein wunderschöner und tapferer Held sein, aber er werde einen Heldentod vor Troja erleiden (V.4570-4593). Allerdings könne er diesem Schicksal entgehen, wenn es ihm gelingt, dem Krieg fernzubleiben (V. 4606-4611). Damit diese unheilsame Weissagung nicht in Erfüllung geht, bringt Thetis, Göttin des Meeres, ihren Sohn Achill als Säugling zum Zentauren Schyron, der auf dem Berg Pelion am tobenden Meer zurückgezogen lebt.

2.1 Achill auf dem Berg Pelion

Achill soll bei seinem halbwilden Meister eine kämpferisch-höfische Erziehung bekommen, so dass er jedem Kampf gewachsen ist, falls er doch nach Troja kommen sollte (V. 5834-35). Schyrons Erziehungsprogramm beinhaltet vor allem ein auf einer heroischen Kampfkultur basierendes, außergewöhnlich hartes und spartanisches Kampftraining. Als ein Mischwesen mit einer wilden Erscheinung, das auf die menschliche Kultur weitgehend verzichtet, projiziert Schyron den Antagonismus von Mensch und Tier11. Achill kämpft und trotzt der belebten und unbelebten Natur und im Prozess der Erziehung durch Schyron eignet er sich tierische Eigenschaften an, mit dem Ziel, die Herrschaft über die Tiere auszuüben12. Bei dieser animalisch-militärischen Bildung geht die körperliche Abhärtung weit über die äußersten physischen und psychischen Grenzen hinaus, die ein Mensch je zu überwinden vermag. Als Prinzenerzieher nimmt Schyron viele junge Herrn in seine Obhut, aber sie sind nicht so eifrig und folgen seiner Lehre nicht immer (V. 6372-75). Einzig bei Achill gelingt ihm diese Erziehung perfekt, da die Lehre des Meisters in sein Herz „fließen“ kann (V. 6383). Warum dies bei ihm außerordentlich gut gelingt, beschreibt Konrad mit der „Siegel-Wachs-Metapher“.

vür sîn gemüete niht enschôz
der unbescheidenheite rigel.
alsam daz wahs ein ingesigel
formieret nâch dem bilde sîn,
swenn ez gedrücket wirt dar în,
seht, alsô wart vil sêre
nâch sînes meisters lêre
geschepfet des juncherren muot ( V. 6384-91)

Der muot des jungen Achills wird ganz nach Schyrons Willen geschöpft und aus einem jungen Menschen, der besonders formbar ist, wird eine perfekte „Kampfmaschine“ ohne jegliche Emotionen „geschaffen“. Er besitzt keinen inneren Widerstand („Vor das Tor seines Denkens und Wollens war kein Schloss der Uneinsichtigkeit angebracht“), hinterfragt bzw. reflektiert sein Handeln nicht. Er überwindet eigene Emotionen wie Angst und Mitleid, indem er nach Schyrons Befehl Bären- und Greifenjungen aus ihrer Höhle bzw. aus ihrem Nest raubt und diese grausam quält (V. 6130-35 und V. 6148-61). Nach Schyrons Willen nimmt er auch an Kriegen zwischen Lapithen und Zentauren teil (V. 6286-97). Der tollkühne Achill entvölkert den Wald, kämpft gegen Drachen bzw. giftige Echsen und muss dabei seinen Kummer für lächerlich halten. Er muss schneller sein als abgeschossene Pfeile, muss mit Leoparden um die Wette laufen, Wildschweine töten, kranke und schwache Tiere aber unversehrt zurücklassen. Kommt Achill voller Blut nach Hause, freut sich sein Meister Schyron und belohnt ihn durch Küsse auf seine Wunden und wenn er dagegen nicht zerkratzt aus dem Wald zurückkommt, sieht er ihn böse an (V. 6136-47). Seine Identitätslosigkeit, gepaart mit adeliger Veranlagung13 und Begabung, gilt als perfekte Voraussetzung für Schyrons Erziehung, die Wunder hervorbringt14. Achill übertrifft sogar seinen Meister, so dass er als einziger vür sînes meisters lêre schiet / wan der juncherre baz geriet, / dann er gelêret würde. (V. 6444-47).

2.2 Achill auf der Mädcheninsel

Nach der ersten Zerstörung und dem Wiederaufbau Trojas bekommt Thetis Angst um ihren Sohn, denn daz er ze TROIE würde erslagen / daz hete man ir vor geseit (V. 13412-13). Sie reist erneut in die Wildnis in Thessaliam, wo Achill bei Schyron lebt: sîn leben dâhte si bewarn / und sînen wunneclichen lîp (V. 13480-81) . Thetis stellt mit Entsetzen fest, dass ihr Sohn durch den Einfluss von Schyron völlig verroht ist.15 Ohne, dass Achill es bemerkt, entführt sie ihn in einer Riesenkugel aus durchsichtiger Fischhaut über das Meer, die von Delphinen gezogen wird. Bei dem während der Überfahrt auf dem Meer wach gewordenen Achill löst diese Reise ein Identitätsproblem aus und er gerät für einen kurzen Augenblick in einen inneren Konflikt (Kapitel 3). Achill führt mit seiner Mutter einen heftigen Streit, als Thetis ihm erklärt, warum sie ihn entführt hat: Er soll auf der Mädcheninsel in Frauenkleidern versteckt werden, damit er nicht vor Troja kämpfen muss. Zudem soll er die hovelî che zuht lernen, d.h er soll seine Wildheit und Kampflust ablegen, indem er sich die Kunst aneignet, wie man die Gunst einer Frau gewinnt und so gezähmt werden kann (V. 14192-14218). Der mittlerweile gefasste Achill widerspricht dem heftig und behauptet seine eigene Identität: Ihm, dem sog. Achill, dem Löwenbezwinger und dem Drachentöter, ist ein ander muot gegeben, als Jupiter und Herkules, die sich in Frauenkleidern verstecken mussten, als sie in Lebensgefahr waren (V. 14516-25). Der gerade noch 12-jährige Achill gibt seiner Mutter zu verstehen, dass seine Erziehung unter Schyron nun abgeschlossen ist. Er ändert jedoch seine Meinung überraschend schnell: Als Achill Deidamie, die Tochter von König Licomedes, zum ersten Mal erblickt, ist er von ihrer Schönheit überwältigt, und mit ir minne stricke / gebunden und gefangen (V. 14664-65) unz s în gemüete wilde / wart von ir kl ârheite zam. (V. 14670-71). Der als Mädchen verkleidete Achill genießt zwar die Nähe zu Deidamie, leidet gleichzeitig besonders unter Liebesschmerz, da er sich als Mann sehr zurückhalten muss, um nicht entdeckt zu werden. Konrad beschreibt Achills Liebe zu Deidamie in der Metapher „Kampferfahrung – Wolf zu Lamm“.

ACHILLES zuo dem mâle,
er was von senender quâle
verstumbet unde sorgen r îch.
dem wolfe tet er vil gel îch
der blicket zuo dem lambe hin,
sô man ze schuole setzet in
und man diu buoch in lêren sol. (V. 14879-85)

Der Wolf wird also erneut zur Schule geschickt, damit man ihn lehren kann. Das eigentliche Ziel der Schule ist Wissensbildung und Sozialisation. Verändert sich Achill? Was bewirkt diese neue Erfahrung? Er versucht sich, vor dem Hintergrund des Bekannten, der neuen Situation so gut es geht anzupassen. Ein als Mädchen getarnter Junge unter Mädchen – ein Wolf im Schafspelz? Der Wolf geht zur Schule, nur um zu jagen? Eine Liebeserfahrung macht er wohl gerne, aber keinen Identitätswechsel! Seine harte, archaische Erziehung unter Schyron ist irreversibel. In einem langen inneren Monolog will sich Achill als Mann zu erkennen geben (V. 16608-16704), damit er Deidamie „beschlafen“ kann: des dinges, des ich nie began, / des wil ich nû beginnen, / besl âfen unde minnen / muoz ich DÊÎDAMÎEN (V. 16676-16679). Hier findet eine Analogiebildung statt: „Liebeskampf“. Er will mit ihr körperlich nicht „eins“, im Sinne der hohen Minne, werden. Es ist eher der Trieb und kein höfischer Minnedienst, der ihn dazu bringt16. Nach einem langen „Kampf“ erbeutet der Wolf das Lämmchen, Achill vergewaltigt Deidamie17.

[...]


1 ALFRED HACKENSBERGER: Wie der Islamische Staat aus Kindern Killer macht. In: WELT (online Zeitung)

2 Ebd.: Der IS versuchte mit allen Tricks Kontrolle über Kinder und Jugendliche zu gewinnen. Sie werden völlig isoliert. Es wurde ihnen gesagt, als Gotteskrieger wären sie ganz besondere Menschen und würden ihre Eltern nicht mehr brauchen, da der Islam ihr Zuhause sei.

3 Ebd.: Zu dem militärischen Ausbildungsprogramm des IS gehörten u.a. mit Gewichten laufen (damit sie das schneller tun, wurde scharf auf sie geschossen), Waffenkunde mit Gewehren und Pistolen, Zielschießen auf längere Distanz, Handhabung von Sprengstoffgürteln, das Töten einer Wache mit einem Messerstich in den Hals, das Abhacken von Hand und Fuß, die Enthauptung mit Messer und Schwert Durchführung der Hinrichtungen etc. Jeden Handgriff wiederholten sie hunderte Male, bis er perfekt saß.

4 Ebd.: Jeden Tag wurden den Kindern Videos vorgeführt, in denen Morde gezeigt wurden und diese mussten sie dann nachspielen. Mit der Alltäglichkeit von Gewalt sollte die Hemmschwelle gegen die Anwendung von Gewalt senken und alle Ressentiments dagegen ausgeschaltet werden. Das Morden wurde glorifiziert und kollektiv eingeübt.

5 Vgl. RÜDIGER BRANDT: Konrad von Würzburg. S. 64-66. Konrad wurde wahrscheinlich zwischen 1215 und 1230 in Würzburg geboren und starb um 1287 in Basel. Er war zwar kein Adeliger, aber ein hochgebildeter Kleriker mit umfangreichen Literaturkenntnissen.

6 Vgl. HEINZ THOELEN und BIANCA HÄBERLEIN (Hrsg.): Konrad von Würzburg „Trojanerkrieg“ und die anonym überlieferte Fortsetzung (Wissensliteratur im Mittelalter 51). [im Folgenden als Versangabe im Fließtext zitiert]. Es handelt sich bei Schyron um eine verwilderte mythische Gestalt, deren oberer Körperteil wie bei einem Mann und unterer Körperteil wie bei einem Pferd aussieht. Schyron ist der beste Meister seinerzeit und erzieht Kinder hochangesehener Leute, wie der Könige, zu einem Krieger. Er ist stärker als alle Tiere, bezwingt Greifen, Löwen, Drachen und Bestien, ist der beste Schütze und kann mit Schwertern und Schilden hervorragend umgehen. Darüber hinaus verfügt er über höfische Fähigkeiten wie: rotten, harpfen, singen / und aller hande zabelspiel, / daz kunde er unde treip s în vil (V. 5850-57 und 5974-76).

7 Vgl. ULRICH BARTON: Manheit und minne. Achills zweifache Erziehung bei Konrad von Würzburg. Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters.

8 ANDREA SIEBER: Konfusion der Geschlechter? Zur Sozialisation Achills im „Trojanerkrieg“ Konrads von Würzburg. In: Themenheft „Erziehung und Bildung im Mittelalter“.

9 Vgl. BEATE BAIER: Bildung der Helden. Erziehung und Ausbildung in mittelhochdeutschen Antikenromanen und ihren Vorlagen. Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium. Bd. 68. S. 292. P. Papinius Statius stammte aus Neapel und lebte von ca. 40 bis 95/96 nach Chr. Die Besonderheit seines Epos liegt darin, dass er dabei nicht nur die Taten des erwachsenen Helden, sondern auch die Jugend ausführlich behandelt.

10 Vgl. HARTMUT KOKOTT: Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. S. 258.

11 Vgl. UDO FRIEDRICH: Menschentier und Tiermensch. Diskurse der Grenzziehung und Grenzüberschreitung im Mittelalter. S. 264-65. „Er haust in einer Höhle, ernährt sich von rohem Fleisch, trägt nur zusammengebundene, nicht genähte Tierhäute. Überdies besitzt er nicht nur Tiereigenschaften, sondern übt selbst Gewaltherrschaft über die Tiere aus.“

12 Vgl. ebd., S. 266. Achill wird von einer Löwin gesäugt, isst das Mark von Löwen und Bären, trägt ausschließlich Tierhäute wie sein Meister und schläft auf Stein.

13 Vgl. BAIER Bildung (wie Anm. 9), S. 47 und 416. „Konrad vertritt in den Kindheitsgeschichten von Paris und Achill eine konservative Adelsethik, indem er betont, dass für eine gelungene Erziehung die angeborenen Anlagen der Schüler unerlässlich sind […] Die Abstammung bestimmt die individuelle Entwicklung: Adel (Schönheit, Tapferkeit, Treue, Fähigkeit zu edler Liebe, Geschicklichkeit, Renommee, Gefühl für angemessenes Benehmen) wird vererbt. So ist die Natur („art“) der Familie bestimmend für den individuellen Charakter, der ebenfalls als „art“ bezeichnet werden kann.“

14 Hierzu ausführlicher: JAN-DIRK MÜLLER Höfische Kompromisse. Acht Kapitel zur höfischen Epik. S. 60. Zuht braucht wie organisches Wachstum der regelmäßigen Bewässerung, die wiederum mit der „formenden Kultur“ im modernen Sinne verglichen werden kann. Diese greift nicht in den natürlichen Prozess ein, sondern fördert nur die Meisterschaft.; Vgl. «Trojanerkrieg» (wie Anm. 6), V. 6459-67: Lêr unde meisterschaft sint guot, / swer aber sinnerîchen muot / von angeborner tugent hât, / des witze gât vür allen rât, / der von meisterschefte kumet. / guot lêre dâ ze nihte frumet, / swâ man niht grundes findet, / der sanfte si gelindet / mit süezer tugende fiuhtekeit.

15 Vgl. «Trojanerkrieg» (wie Anm. 6): Achill kommt von der Jagd zurück und bietet seiner Mutter eine verwilderte Erscheinung: daz under sînen ougen lac / stoup unde sweizes wunder / ouch was sîn kleit dar under / mit bluote gar betroufet. / ûz sîner hût gesloufet / het er ein jungez löuwelîn, / daz dans er ûf dem rücke sîn / und brâht ez bî den stunden, / verhouwen und beschunden / truoc ez der jungelinc derhein / und warf ez nider in den stein. (V. 13684-95).

16 Vgl. ELISABETH LIENERT: Geschichte und Erzählen. Studien zu Konrads von Würzburg ´Trojanerkrieg´. S. 90-91. Bei Statius erscheint Deidamie bei der Liebesvereinigung als Objekt von Achills gewalttätiger Begierde.

17 Vgl. «Trojanerkrieg» (wie Anm. 6), V. 16998-17003: er wart von ir hin unde her / gestôzen und gedrungen, / si fâhten unde rungen / mit ein ander ûf dem grase / sô lange, biz der grüene wase / wart ir zweiger bettewât; Ebd., V.1708-09: ir kiuscheite bluome / wart ir mit fröuden ab genomen

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Details

Titel
Achills Umerziehung im "Trojanerkrieg" Konrads von Würzburg. Wird der Wolf zum Lamm?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V507556
ISBN (eBook)
9783346064448
ISBN (Buch)
9783346064455
Sprache
Deutsch
Schlagworte
achills, umerziehung, trojanerkrieg, konrads, würzburg, wird, wolf, lamm
Arbeit zitieren
Oyungerel Lunke (Autor), 2019, Achills Umerziehung im "Trojanerkrieg" Konrads von Würzburg. Wird der Wolf zum Lamm?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507556

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