Für den Übergang von der späten römischen Republik hin zum Prinzipat ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, auch die Rolle der plebs urbana in Bezug auf deren politische Einflussnahme zu beleuchten. Für den Ausgang der Bürgerkriege, die schließlich zum Ende des aristokratischen Herrschaftssystems führten, spielt die plebs urbana eine untergeordnete Rolle. Für die Legitimation der Herrschaft, die sich in der Hauptstadt entschied, blieb sie trotz ihrer marginalen Rolle für den Ausgang des Bürgerkrieges jedoch weit mehr als nur ein passives Element.
Was die plebs urbana definiert und inwieweit sie Einfluss auf die Politik der herrschenden Klasse und deren Machtkämpfe nehmen konnte, dabei eigene Interessen und Ziele verfolgte, ob sie solcherlei überhaupt besaß, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Außerdem wird in diesem Zusammenhang zu klären sein, ob die städtische Bevölkerung über Möglichkeiten verfügte, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Dabei wird zu klären sein, ob es ihr möglich war sich zu organisieren und ob es dafür speziell geschaffene Institutionen gab.
Um über die Interessessen und Ziele der plebs urbana schreiben zu können, wird zudem eine Untersuchung der Politik der sog. populares in der späten römischen Republik notwendig sein. Da das niedere Volk Roms über keine Stimme verfügte, um sich wie Cicero der Nachwelt mitzuteilen, ist der Nachweis etwaiger politischer Forderungen erst Mittels der Darstellung popularer Politik möglich.
Hierbei soll geklärt werden, welche persönlichen Ziele die populares verfolgten, ob sich in diesen Zielen Forderungen der plebs urbana wiedererkennen lassen und ob man dann von einer Politik sprechen kann, die selbstlos, auf die Verbesserung der plebejischen Lebensverhältnisse abzielte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die plebs urbana - Begriffsbestimmung und soziale Stellung in der späten römischen Republik
3. Zu den politischen Handlungsmöglichkeiten der plebs urbana
3.1. Die Volksversammlung
3.2. Kollegien
4. Ziele und Interessen der städtischen plebs
5. Die plebs urbana und populare Politik
6. Schlussbemerkungen
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die politische Rolle, die Handlungsmöglichkeiten sowie die spezifischen Interessen der plebs urbana während der späten römischen Republik. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit das niedere Volk Roms aktiv politischen Einfluss nehmen konnte und ob die Politik der sogenannten populares tatsächlich eine Verbesserung der plebejischen Lebensverhältnisse anstrebte.
- Soziale Struktur und Definition der plebs urbana im spät-republikanischen Rom.
- Politische Teilhabe durch Volksversammlungen und Vereine (Kollegien).
- Die Rolle der Getreideversorgung und die Bedeutung von Sonderprivilegien.
- Das politische Programm des Clodius Pulcher und seine Auswirkungen auf die städtische Masse.
- Die Interaktion zwischen populares und der städtischen Bevölkerung als Mittel zur Machtausweitung.
Auszug aus dem Buch
Die plebs urbana und populare Politik
Wenn man die Politik der so genannten populares klassifizieren will, diese von der Politik der Optimaten, folglich des Senates, trennen möchte, muss man sich darüber bewusst sein, dass beide Parteien das gleiche Ziel verfolgten. Die Trennung von populares und optimates ist eine Erfindung der modernen Geschichtsschreibung. Nach Sullas Tod tobte der Kampf verschiedener nobiles um die Macht im Staat. Die Optimaten und Populares trennte dabei nur die Methode ihrer Politik. Die Optimaten suchten sich des Senates unter dem Vorwand zu bedienen, seine Autorität zu stärken. Die Popularen mühten sich mit dem Versprechen besserer Lebensbedingungen um die Stimmen der breiten Bevölkerung in den Komitien.
Das angestrebte Ziel der einzelnen boni indes blieb immer gleich. Es bestand darin, ihre persönliche Macht zu sichern oder aber auszuweiten. Die Politik der populares verfügte weder über ein einheitliches Programm, noch beinhaltete es demokratische Bestrebungen. Die angestrebten Reformen dienten neben dem persönlichen Machtzuwachs der Stabilisierung des vorherrschenden aristokratischen Systems. Seit den Gracchen blieb das Prinzip einer am Senat vorbeigehenden Gesetzgebung und gegen dessen Willen agierenden Politik einziges gemeinsames Muster der popularen Politik. Für die Popularen war es, wie für die Optimaten, von enormer Bedeutung, dass sich an den gesellschaftlichen Verhältnissen nichts änderte. Die funktionierende aristokratische Ordnung war schließlich Garant für die eigene soziale Stellung. Die Verbesserung der städtischen Lebensbedingungen spielte für die Popularen ebenso wie für die Optimaten nur eine marginale Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der politischen Relevanz der plebs urbana und deren Einflussmöglichkeiten im Kontext des Übergangs vom aristokratischen Herrschaftssystem zum Prinzipat.
2. Die plebs urbana - Begriffsbestimmung und soziale Stellung in der späten römischen Republik: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Unschärfe des Plebs-Begriffs und analysiert das heterogene Sozialgefüge sowie die rechtliche Stellung der städtischen Bevölkerung.
3. Zu den politischen Handlungsmöglichkeiten der plebs urbana: Hier werden die organisatorischen Rahmenbedingungen untersucht, insbesondere die Beteiligung in Volksversammlungen sowie die Rolle religiöser und beruflicher Kollegien als politische Instrumente.
4. Ziele und Interessen der städtischen plebs: Das Kapitel befasst sich mit den konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung, wie etwa der staatlich subventionierten Getreideversorgung, und beleuchtet die Rolle von Clodius Pulcher als Interessenvertreter.
5. Die plebs urbana und populare Politik: Diese Sektion hinterfragt das Verhältnis zwischen den populares und der plebs urbana und stellt fest, dass beide Seiten vor allem ihre eigenen Machtinteressen innerhalb der aristokratischen Ordnung verfolgten.
6. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine emanzipatorische Politik der Plebs gab, diese jedoch durch gezielte Politisierung ein bislang unerreichtes innenpolitisches Gewicht erlangte, das zur Destabilisierung der Republik beitrug.
7. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die zur Erstellung der Arbeit herangezogene Forschungsliteratur und Quelleneditionen auf.
Schlüsselwörter
plebs urbana, späte römische Republik, populares, optimates, Clodius Pulcher, Volksversammlung, Kollegien, Getreidegesetz, lex frumentaria, politische Einflussnahme, Klientelwesen, römische Politik, Aristokratie, soziale Konflikte, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle, das politische Gewicht und die tatsächlichen Einflussmöglichkeiten der plebs urbana im spät-republikanischen Rom.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die soziale Definition der Plebs, ihre organisatorischen Möglichkeiten in Versammlungen und Vereinen sowie ihre Rolle als Klientel innerhalb der Machtkämpfe der populares.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit klärt, ob die städtische Bevölkerung tatsächlich eigene politische Ziele verfolgte und inwieweit sie durch populare Politiker instrumentalisiert oder politisch handlungsfähig wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die antike Quellen sowie moderne Forschungsliteratur auswertet, um die politische Bedeutung der plebs urbana kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Stellung, die Versammlungsformen, die Funktion der Kollegien sowie die gezielte Gesetzgebung (z.B. durch Clodius Pulcher) zur Sicherung der Getreideversorgung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind plebs urbana, populares, politische Mobilisierung, Getreidegesetzgebung, Klientelwesen und das Ende der römischen Republik.
Welche Rolle spielte Clodius Pulcher für die städtische Plebs?
Clodius Pulcher gilt als Ausnahmefigur, die das politische Potenzial der Masse erkannte und durch gezielte Gesetze (wie die lex frumentaria) den politischen Einfluss der Plebs massiv stärkte.
Existierte eine eigenständige politische Emanzipation der Plebs?
Nein, laut Fazit gab es keine geschlossene Bewegung zur politischen Emanzipation der untersten Schichten; der Machtzuwachs blieb meist an individuelle Führungspersonen gebunden.
- Arbeit zitieren
- Daniel Böhme (Autor:in), 2005, Interessen und politische Einflussmöglichkeiten der plebs urbana, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50760