Exegese Römer 5,1-11


Quellenexegese, 2016

22 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Textfindung und Übersetzung
1.1. Textfindung
1.2. Römer 5, 1-11 nach der Übersetzung von U. Wilckens

2. Textkritik
2.1. Die Echtheit des Römerbriefes
2.2. Entstehungsgeschichte des Römerbriefes

3. Literarkritik
3.1. Stellung des Römerbriefes im Neuen Testament
3.2. Stellung des Textabschnittes im Kontext des Römerbriefes
3.2.1. Besonderheiten des Textabschnittes
3.2.2. Auffällige Wortwahl, Stilelemente

4. Formgeschichte
4.1. Gattung
4.2. Sitz im Leben
4.2.1. Die Situation in Rom
4.2.2. Die Situation des Paulus

5. Redaktionsgeschichte

6. Motivgeschichte
6.1. Glaube
6.2. Gerechtigkeit Gottes
6.3. Rechtfertigung und Gnade
6.4. Sühne und Versöhnung

7. Einzelversexegese

8. Gesamtexegese

9. Literaturverzeichnis

1. Textfindung und Übersetzung

1.1. Textfindung

Ich habe für meine Exegese die Übersetzung von Ulrich Wilckens gewählt.

Schon seit meiner Konfirmation benutze ich zum Lesen neutestamentlicher Texte fast ausschließlich das Neue Testament in dieser Übersetzung.

Wilckens schreibt in seinem Vorwort, dass keine Bibelübersetzung in der Lage sei, für alle Zeit die verbindliche Sprache der neutestamentlichen Schriften hörbar zu machen. Seit geraumer Zeit ist die Sprache Luthers den Menschen fremd geworden und muss bereits selber wieder übersetzt werden. Zudem wissen wir heute mehr über das Urchristentum und unser Verhältnis zur Bibel hat sich geändert.

Laut Wilckens sollte eine moderne Bibelübersetzung größtmögliche Nähe zum griechischen Originaltext haben, Fach- und Gelehrtensprache vermeiden und Verständlichkeit nicht auf Kosten von Richtigkeit versagen.1

Meiner Meinung nach ist dies Wilckens hervorragend gelungen. Seine Übersetzung liest sich leicht, flüssig und verständlich. Ebenso spricht mich ihre Gliederung und die Übersicht an.

1.2. Römer 5, 1-11 nach der Übersetzung von U. Wilckens

1 Sind wir also aus Glauben gerecht geworden,so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.2

2 Durch ihn haben wir im Glauben den Zugang zu dieser Gnade Gottes gewonnen, in der wir unseren Stand haben. So rühmen wir uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.

3 Doch nicht nur das, Wir rühmen uns auch inmitten von Bedrängnissen. Denn wir wissen, Bedrängnis erbringt Geduld,

4 Geduld Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.

5 Und diese Hoffnung lässt nicht zuschanden werden , denn die Liebe Gottes ist durch den heiligen Geist, in unsere Herzen ausgegossen der uns gegeben ist,

6 Ist doch Christus, zur rechten Zeit für uns Frevler gestorben. noch als wir schwach waren,

7 Kaum wird sonst jemand für einen Gerechten sein Leben hingeben Allenfalls für das Gute zu sterben, nimmt vielleicht jemand auf sich.

8 Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass, Christus für uns gestorben ist, noch als wir Sünder waren.

9 Um wie viel mehr werden wir jetzt, durch ihn vor Gottes Zorn gerettet werden durch sein Blut gerechtgeworden,

10 denn wenn wir als Gottes Feinde, durch den Tod seines Sohnes mit Gott die wir waren, versöhnt worden sind, um wie viel mehr werden wir, durch sein Leben Heil erfahren. als Versöhnte,

11 Doch nicht allein das, wir dürfen uns auch Gottes selbst rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

2. Textkritik

2.1. Die Echtheit des Römerbriefes

Der Römerbrief ist als authentische Quelle für die Theologie des Paulus wissenschaftlich anerkannt. Allerdings ist durch Beobachtung terminologischer und inhaltlicher Differenzen innerhalb des Briefes darauf zu achten, ob fremde Traditionen verarbeitet wurden oder es sich bei einzelnen Teilen um später eingefügte Bemerkungen handelt.3

Hierzu schreibt Prof. Dr. Rose, dass es sich bei Röm7,25b vermutlich um eine Randbemerkung handelt, die ein späterer Leser hinzufügte. Bei Röm16, 24 handelt es sich um einen später zugefügten Vers, der wörtlich im 2.Thess3,18 zu finden ist. Ebenso ist Röm16, 25-27 nicht von Paulus. Dieser Schlusslobpreis stammt nach Wortwahl, die nicht für Paulus typisch ist, aus der Paulusschule. Alle anderen Teile des Briefes sind Paulus zu zuordnen.4

2.2. Entstehungsgeschichte des Römerbriefes

Paulus hat seinen Brief an die römische Gemeinde vermutlich im Frühjahr 56 oder 57 n.Chr.5 geschrieben, kurz bevor er nach Jerusalem aufbrach, um die Geldsammlung seinen heidenchristlichen Gemeinden für die dortige judenchristliche Gemeinde zu überbringen. Er schreibt ihn in Korinth[6][4], wo er den Winter verbracht hat (1.Kor16,5f; Röm16,1f.22). Geplant ist, nach der Geldübergabe von Jerusalem aus nach Rom zu reisen, um von dort aus zu neuer Missionsarbeit Richtung Spanien aufzubrechen. Seine bisherige Missionsarbeit im Osten des römischen Reiches ist abgeschlossen.

Dies ist zugleich der Anlass des Briefes an die Römer: Paulus will seine Ankunft in Rom vorbereiten. Er will sich als Apostel vorstellen, seine Theologie deutlich machen. Die römischen Christengemeinden sollen ihm für die geplanten missionarischen Unternehmungen im Westen die Ausgangsbasis bieten und ihn aus ihren finanziellen und personellen Ressourcen unterstützen (Röm15,24).6

3. Literarkritik

3.1. Stellung des Römerbriefes im Neuen Testament

Im Gesamtkontext des neutestamentarischen Kanons wurde der Römerbrief des Apostels Paulus direkt nach den vier Evangelien und der von Lukas verfassten Apostelgeschichte eingefügt. In der Apostelgeschichte wird erstmals über das Leben und Wirken des Saulus/Paulus aus Tarsus berichtet, in den Folgebriefen steht seine Theologie, sein „Evangelium – Frohe Botschaft“ im Mittelpunkt. Zeitgeschichtlich ist diese Einordnung nicht richtig, denn ginge man nach der Entstehungszeit, so müsste zuerst der 1. Thessalonicherbrief, dann die beiden Korintherbriefe, der Galaterbrief und dann erst der Römerbrief aufgeführt werden.7

So aber bildet der Römerbrief sowohl von seiner Stellung her als auch von den Inhalten die Mitte des Neuen Testaments.

3.2. Stellung des Textabschnittes im Kontext des Römerbriefes

Der Römerbrief kann folgendermaßen gegliedert werden:

1,1-7 Briefeingang

1,19-8,39 Erster Hauptteil : Gottes Gerechtigkeit für Juden und Heiden

9,1-11,36 Zweiter Hauptteil: Gottes Gerechtigkeit für Israel

12,1-15,13 D ritter Hauptteil: Die Bezeugung der Gottesgerechtigkeit im Leben der Gemeinde

15,14-16,27 Briefschluss8

Im ersten Hauptteil des Römerbriefes geht es um die Lehre der Rechtfertigung im Allgemeinen. Es geht um Gottes Gerechtigkeit, die dem Menschen durch das Geschenk des Glaubens an Jesus Christus und dessen Sühnopfer zuteil wird.

Die Verse 1-11 von Kapitel 5 erläutern im ersten Hauptteil den Stand in der Versöhnung.Der Textabschnitt ist fest mit dem Thema von Sühne und Versöhnung der Kapitel 3 und 4 verbunden. Dies will ich mit Wilckens begründen.

- Erstens knüpft Vers 1 mit der These der Rechtfertigung durch den Auferstandenen direkt an Röm4,25 an. Zudem nimmt er eben diese These von Röm1,17 wieder auf.
- Zweitens tritt in Vers 2 wieder die Gnade aus 4,4.16 und auch 3,24 auf. Diesmal allerdings in einer viel grundsätzlicheren Funktion, nämlich als Fundament für den Glaubenden. Neu ist der Aspekt des Zutritts und Standes der durch Gnade Gerechtfertigten.
- Drittens wird das Stichwort des Rühmens in einer deutlichen Antithese zum Rühmen der Juden in Römer 2,17 und 3,27 verwendet.
- Viertens wiederholt Vers 6-8 die grundlegenden Aussagen von 3,23-26 und vertieft diese im Blick auf Gottes Liebe.
- Fünftens greifen die Verse 9f das Stichwort der Rettung aus 1,16f wieder auf, indem die dort ausgesprochene Heilswirkung der Gerechtigkeit Gottes jetzt zweimal als eschatologische Konsequenz der Rechtfertigung des Gottlosen herausgestellt wird.9

Die Kapitel 5, 1-11 nachfolgenden Abschnitte des Römerbriefes beschäftigen sich mit Gottes Gnade und Gerechtigkeit, die dem Gerechtfertigten Grund und Kraft für sein neues Leben geben.

3.2.1. Besonderheiten des Textabschnittes

Der Anschnitt teilt sich deutlich in zwei Gesprächsgänge: Vers 1-5 und Vers 6-11.
Paulus schlägt im ersten Gespräch eine Richtung von der in der Gegenwart erlangten Gerechtigkeit in die Zukunft ein, die er jedoch sogleich abbricht, um im zweiten Gedankengang auf die zentrale christologische Grundaussage aus Kapitel 3 zurückzulenken. Versteht man diesen Bruch nicht, so ist das Verständnis des ganzen Kapitels fraglich.

Hier eine genauere Auflistung der Besonderheiten des Textabschnittes:

- In Vers 1- 2a stellt Paulus eine These auf, aus der er in Vers 2b eine weitere These folgert.
- Die Verse 3ff entfalten die vorausgegangenen Thesen durch einen rhetorischen Kettenschluss, der in Vers 5 begründet wird.
- Paulus erläutert in Vers 6-8 das in Vers 5 genannte zentrale Stichwort der Liebe Gottes. In Vers 9 legt er in einem Schlussfolgerungsverfahren vom „Kleineren zum Größeren“ den Gedanken der eschatologischen Rettung dar. Die Verse 6-9 bilden also eine Einheit.
- In Vers 10 wiederholt Paulus den Schluss noch einmal
- Vers 11 bildet den Abschluss

Das Stilelement des rhetorischen Kettenschlusses, das bei Paulus öfter zu finden ist (vgl. Röm8,28-30; 10,12-17), stammt aus der griechisch-hellenistischen Tradition, während das bei Paulus häufige Schlussfolgerungsverfahren (vgl. 2.Kor3,7-9; Phil2,12) eher ein Merkmal der rabbinischen Schriftauslegung ist.10

3.2.2. Auffällige Wortwahl, Stilelemente

Als erstes fiel mir die Häufung des Wortes „durch“ auf. Es erscheint neunmal in diesem Textabschnitt. Paulus will meiner Meinung nach hier das Unvermögen des Menschen herausheben. Er macht dies mit der Begründung „ durch... “. Der Mensch allein vermag nichts, nur durch Christus, durch den Heiligen Geist, durch sein Blut, durch seinen Tod kann er gerettet werden.

Dann das Verb „rühmen“, das dreimal vorkommt. Während das Wort „ durch“ die Machtlosigkeit des Menschen aufzeigt, will Paulus mit „rühmen“ meines Erachtens die Möglichkeit des Menschen hervorheben, die einzige, die er hat: Gott rühmen.

In Vers 1b und 2a erscheint die Wendung “durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir ... „. Dieselbe Wortwahl erscheint wieder am Ende des Textes in Vers 11: „durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt ...“. Meiner Ansicht nach bilden diese Formulierungen den Rahmen um den Textabschnitt. „..durch unseren Herrn Jesus Christus“ ist eine ursprünglich wohl liturgische Formel, mit der in diesem Abschnitt christologisch begründet wird, dass wir Frieden haben mit Gott.11

Ebenso wiederholt sich die Aussage aus Vers 3: „Doch nicht nur das, wir rühmen uns...“ in Vers 11: „Doch nicht allein das, wir dürfen uns...rühmen“. Diese sich gleichenden Worte bilden einen zweiten Rahmen.

Als Stilelemente sind zu nennen der in 3.2.1. erläuterte Kettenschluss in Vers 5 und das Schlussfolgerungsverfahren vom „Geringeren zum Größeren“ in Vers 9 und 10.

4. Formgeschichte

4.1. Gattung

Beim Römerbrief handelt es sich um einen echten Paulusbrief. Paulus sieht ihn als Rechenschaftsbericht oder Lehrbrief über sein Evangelium, wie er es in den heidenchristlichen Gemeinden verkündigt. Er wollte die Christen in Rom darüber informieren, wie es sich mit seinem Evangelium wirklich verhält. Diese Art Lehrbrief ist als Werkzeug der paulinischen Mission zu einer besonderen Literaturform geworden. Dabei handelt es sich hier um Predigtstoff, der sich nun literarisch niederschlägt und zugleich um einen apostolischen Versuch zwischen judenchristlichen Gruppen, die am Gesetz festhalten und heidenchristlichen, die sich von ihm gelöst haben, zu vermitteln.12

Eine gewichtige Gruppe von Auslegern meint, dass der Adressat Rom zweitrangig ist und Paulus angesichts der Schwierigkeiten und Gefahren, die ihn in Jerusalem erwarten, einen umfassenden Rechenschaftsbericht entwirft, um ihn dort vorzulegen. Zusätzlich schickt er diesen dann nach Rom, um von den dortigen Christen Fürbitte und Fürsprache zu erhalten. Diese Hypothese findet aber in Römer selber wenig Anklänge.

Der Ausleger C. Weizsäcker nimmt eine andere Position ein, die nach meiner Meinung am besten nachvollziehbar ist. Er geht davon aus, dass Paulus im Römerbrief sein Evangelium gegenüber den Angriffen „judaistischer Lehrer“ verteidigt. Paulus hat erfahren, dass unter den römischen Christen Judaisten am Werk sind, die dadurch, dass sie zeigen, wohin das Evangelium ohne Gesetze führt, dem Gesetzesevangelium Eingang verschaffen wollten.13 Diese Position wird im nächsten Kapitel noch verdeutlichet werden.

[...]


1 Wilckens, Vorwort

2 Wilckens, S. 514

3 Goppelt, S.363

4 Blatt 10

5 Wilckens, S.495

6 Roloff, S. 130

7 Roloff, S. 83

8 NTD, S. 18/19

9 EKK,S.287

10 EKK, S.287/288; NTD,S.73-74

11 EKK, S.289

12 Calwer, S.1132

13 NTD , S.9/10

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Exegese Römer 5,1-11
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V507692
ISBN (eBook)
9783346075239
ISBN (Buch)
9783346075246
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, römer
Arbeit zitieren
Dorothee Köber (Autor), 2016, Exegese Römer 5,1-11, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507692

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