Diese Arbeit beschäftigt sich mit den beiden Armutsbewegungen Waldenser und Katharer. Es wird eine begriffliche Klärung der im Mittelalter entstandenen Armutsbewegungen gegeben, die Motive dieser Bewegungen werden beschrieben und die Begriffe des Ketzers und der Häresie werden kurz erklärt.
Armut war im Mittelalter allgegenwärtig. Der größte Teil der Armen besteht aus Arbeitern, es folgen die Arbeitslosen, die Invaliden, die Kranken, die Waisen, die Witwen, die Alten und schließlich die disparate Gruppe der Gescheiterten, der Deklassierten und der Ausgeschlossenen: Schwachsinnige, nicht resozialisierbare Verurteilte, Uneheliche und Prostituierte. Die Anhänger der Armutsbewegungen, die sogenannten „pauperes Christi“ waren freiwillig arm. Sie beachteten außerdem freiwillig das Gesetz der Keuschheit und nahmen das Gebot des Gehorsams auf sich. Sie sahen es so, dass das Bekenntnis zu „paupertas“ (=Armut) und „humilitas“ (=Demut) nur dann einen wahren Sinn hat, wenn die Realiter weder „paupers“ noch „humiles“ sind. Die hochmittelalterlichen Armutsbewegungen wurden von den mächtigen reichen Oberschichten getragen, da diese sich innerlich dazu genötigt sahen. Die Anhänger der Bewegung versuchten Armut zu einer Tugend zu machen, was sie in der Gesellschaft des Mittelalters keineswegs war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Die unfreiwillige Armut
2.3. Die freiwillige Armut
2.4. Armut im Mittelalter – Ein kleiner Einblick
3. Armutsbewegungen
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Motive
3.3. Ketzer - Häretiker
4. Waldenser
4.1. Der Ursprung der Waldenser
4.2. Die drei Grundpfeiler der Waldenser
4.3. Die Waldenser und das 3. Laterankonzil 1179
4.4. Der nächste Versuch der Waldenser die „Missio“ zu erhalten
4.5. Die endgültige Exkommunikation der Waldenser
4.6. Die Waldenser nach dem Jahre 1184 bis zum Tode des Gründers Waldes
4.7. Vom vierten Laterankonzil bis heute – ein kleiner Einblick in die Entwicklung der Waldenser
5. Katharer
5.1. Der Ursprung der Katharer
5.2. Die Anschauung der Katharer und ihre Regeln
5.3. Die zwei Hauptgruppen der Katharer
5.3.1. Die Vollkommenen
5.3.2. Die Gläubigen
5.4. Die Entwicklung der Katharer
6. Vergleich: Waldenser – Katharer
6.1. Die Entstehung
6.2. Die Anschauung , der Glaube
6.3. Die Lebensweise
6.4. Die Entwicklung und Ausbreitung
6.5. Die Verfolgung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Phänomen der Armut im Mittelalter und analysiert die Entstehung sowie Entwicklung der daraus resultierenden Armutsbewegungen, mit einem speziellen Fokus auf die Waldenser und Katharer. Das primäre Ziel ist es, die Motive dieser Bewegungen zu verstehen, ihre zentralen Glaubensgrundsätze gegenüberzustellen und die Unterschiede in ihrem Handeln sowie ihrem Verhältnis zur Kirche und Gesellschaft aufzuzeigen.
- Historische Einordnung und Begriffsdefinition von Armut im Mittelalter
- Die Entstehung und strukturellen Hauptpfeiler der Waldenser
- Die religiösen Anschauungen und die soziale Hierarchie der Katharer
- Vergleichende Analyse der Lebensweisen, Verbreitung und Verfolgung beider Gruppierungen
Auszug aus dem Buch
4.1. Der Ursprung der Waldenser
Die Geschichte der Waldenser beginnt in der Mitte der 1270er Jahre in Lyon, als Petrus Waldes, ein reicher Textilkaufmann, beschließt, sein Leben radikal zu ändern. Weshalb es zu diesem Wandel kam, ist nicht eindeutig belegt. Es gibt zwei verschiedene Auffassungen: Die erstere spricht davon, dass Waldes beim Hören religiöser Texte einen Bewusstseinswandel erlebte. Die zweite spricht davon, dass der wenig gebildete Waldes beim Verlesen der Evangelien neugierig auf den Inhalt geworden war und deshalb mit zwei Klerikern einen Vertrag abschloss, wonach der eine die Texte aus dem Lateinischen übersetzten sollte und der andere nach dessen Diktat aufschreiben sollte. Nach häufigem Lesen der Übersetzung, fasste Waldes dann den Entschluss, dem Beispiel der Apostel gemäß die Vollkommenheit der Evangelien zu wählen. Fest steht: er verkaufte seinen ganzen Besitz, teilte das Geld gerecht unter Armen, eignete sich das Amt des Apostels an und predigte die von ihm aus den Evangelien auswendig gelernten Bibeltexte. Er fand viele Anhänger und forderte diese dazu auf, es ihm nach zu tun. Nachdem er den Anhängern die Bibeltexte eingeprägt hatte, forderte er se auf, in die umliegenden Orte zu gehen und dort zu predigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das historische Thema der Armut ein und umreißt den Aufbau der Untersuchung zu mittelalterlichen Armutsbewegungen.
2. Armut: Das Kapitel definiert den Begriff der Armut, unterscheidet zwischen absoluter und relativer Form und beschreibt die sozioökonomische Situation von Armen im Mittelalter.
3. Armutsbewegungen: Hier werden die allgemeinen Ursachen für das Entstehen von Armutsbewegungen, ihre Motive sowie die historischen Begriffe Ketzer und Häresie geklärt.
4. Waldenser: Dieses Kapitel widmet sich der Geschichte, den Glaubenssäulen und der Entwicklung der Waldenser von ihren Anfängen bis zur historischen Beständigkeit.
5. Katharer: Der Text beschreibt den Ursprung, die dualistischen Glaubensanschauungen und die interne Struktur der Katharer in Vollkommene und Gläubige.
6. Vergleich: Waldenser – Katharer: Dieses Kapitel stellt die beiden Bewegungen hinsichtlich ihrer Entstehung, Lehre, Lebensweise, Ausbreitung und der erlittenen Verfolgung gegenüber.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die historische Bedeutung der Überzeugungen und Willenskraft in den untersuchten Armutsbewegungen.
Schlüsselwörter
Armut, Mittelalter, Armutsbewegungen, Waldenser, Katharer, Häresie, Ketzer, Dualismus, Petrus Waldes, Vollkommene, Gläubige, Kirchengeschichte, Laienpredigt, Askese, Exkommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Armut im Mittelalter und der Reaktion von Menschen auf diese sozialen sowie religiösen Herausforderungen durch die Gründung von Armutsbewegungen.
Welche zwei zentralen Bewegungen werden detailliert untersucht?
Die zwei untersuchten Hauptbewegungen sind die Waldenser und die Katharer.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entstehung, Entwicklung und Motive dieser Armutsbewegungen nachzuvollziehen und einen fundierten Vergleich zwischen den unterschiedlichen religiösen Überzeugungen und Handlungsweisen beider Gruppen zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Auswertung von Primär- und Sekundärquellen basiert, um die religiöse und soziale Entwicklung der Bewegungen nachzuvollziehen.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung von Armut, die Analyse der Beweggründe für Ketzerbewegungen sowie die detaillierte Beschreibung der Geschichte, Strukturen und Lehren der Waldenser und Katharer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Armut, Mittelalter, Waldenser, Katharer, Häresie, Laienpredigt und Dualismus.
Worin besteht der wesentliche Unterschied zwischen den Vollkommenen und den Gläubigen bei den Katharern?
Die Vollkommenen bildeten die religiöse Elite, die ein Leben in strenger Askese führte, während die Gläubigen eine weniger streng organisierte Gruppe darstellten, die im Alltag verhaftet blieb und die Vollkommenen unterstützte.
Warum wird das Schicksal der Waldenser als interessanter Kontrast zu den Katharern dargestellt?
Während die Katharer trotz ihrer sozialen Integration in der Inquisition vollständig ausgerottet wurden, konnten sich die Waldenser durch ihre Beharrlichkeit und Anpassungsfähigkeit als Minderheitskirche bis in die Gegenwart erhalten.
- Quote paper
- Dorothee Köber (Author), 2017, Waldenser und Katharer. Zwei Armutsbewegungen im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507695