Die Illusion der Kontrolle. Ursachen für die Entstehung von Blasen an Finanzmärkten


Bachelorarbeit, 2019

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 KONTROLLILLUSION
2.1 EFFEKT
2.2 FAKTOREN

3 SPEKULATIONSBLASEN
3.1 VERLAUF
3.2 URSACHEN
3.2.1 RATIONALE ANLAGESTRATEGIEN
3.2.2 IRRATIONALE ANLAGESTRATEGIEN

4 KONTROLLILLUSION ALS URSACHE FÜR SPEKULATIONSBLASEN
4.1 FAKTOREN DER KONTROLLILLUSION BEI SPEKULATIONSBLASEN
4.2 DISKUSSION

5 FAZIT

6 LITERATURVERZEICHNIS

7 ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abb. A1: Verlauf einer Blase nach dem Fünf-Phasen-Modell

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Spekulative Blasen treten immer wieder auf und beschäftigen die führenden Ökonomen schon seit vielen Jahrzehnten. Sie entstehen immer wieder aus dem Nichts und bringen negative Effekte wie Insolvenzen von Banken und hohe Verluste von Investoren mit sich. Schon im Jahr

1636 wurde dokumentiert, wie Anleger durch Spekulationsblasen entweder Wohlstand erreichten oder dagegen ihre kompletten Besitztümer verloren (Garber, 1990, pp. 37-40). Auch die Weltfinanzkrise, die im August 2008 mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte und zu einer Rezession der Weltwirtschaft führte, ging aus dem Platzen einer Spekulationsblase hervor.

Aus diesen Gründen stellt sich die Frage, wie Blasen erkannt und verhindert werden können. Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst untersucht werden, welche Ursachen für die Bildung einer Blase verantwortlich sind und inwiefern das Verhalten der Anleger zu der Bildung einer Blase beiträgt. Hingegen der neoklassischen Theorie des Homo Oeconomicus, welche Anleger als rationale, kalkulierende Wesen beschreibt, betrachtet die Behavioral Finance, eine verhaltensorientierte Finanzmarktforschung, den Einfluss verschiedener psychologischer Phänomene auf den Investor und die Wirkung auf das Investitionsverhalten. Mittels dieser Erkenntnisse versucht diese junge ökonomische Sichtweise eine Erklärung für verschiedene Marktvorgänge, wie die Entstehung von Blasen, zu finden (Daxhammer & Facsar, 2017, pp. 96-98).

Im Rahmen dieser Forschungsarbeit soll beantwortet werden, inwiefern der Effekt der Kontrollillusion eine Auswirkung auf die Entstehung von Spekulationsblasen hat. Das Ziel der Forschung ist es herauszufinden, wie Anleger durch die verzerrte Wahrnehmung von Kontrolle beeinflusst werden und dadurch irrationale, falsche Entscheidungen treffen, die zu einer Blase führen können. Dabei legt die Arbeit ihre Betrachtung vor allem auf den Finanzmarkt.

Im Anschluss an die Einführung erfolgt im zweiten Kapitel eine Erläuterung des Effektes der Kontrollillusion und in welchen Situationen dieser zu beobachten ist. Des Weiteren werden die Faktoren, die eine Kontrollillusion induzieren können, betrachtet und anhand von Studien sowie Beispielen veranschaulicht.

Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Phänomen der Spekulationsblase. Zunächst wird die Charakteristik grundlegend definiert und daraufhin der Verlauf einer Blase mittels eines Fünf-Phasen-Modells dargestellt. Dabei wird das Verhalten der Marktteilnehmer in den einzelnen Perioden betrachtet. Im Anschluss werden verschiedene Verhaltensweisen der Anleger als mögliche Ursachen untersucht und in rationale sowie irrationale Anlegerstrategien eingeordnet.

Anschließend wird im vierten Kapitel analysiert, inwiefern Kontrollillusion während des Anlageprozesses zu beobachten ist. Dazu wird betrachtet, in welcher Hinsicht die Faktoren der Kontrollillusion auftreten und welche Auswirkungen sie haben. Danach werden die Ergebnisse diskutiert und mit anderen Effekten, die Auswirkungen auf eine Blase haben, in Zusammenhang gebracht. Abschließend werden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst.

2 Kontrollillusion

Die Psychologin Ellen J. Langer ist Professorin an der Harvard Universität und benannte im Jahr 1975 als Erste das Phänomen der Kontrollillusion. Langer (1975) führte mehrere Studien durch, die diesen Effekt sowie die Ursachen dafür untersuchten. Aber nicht nur Langer, sondern auch weitere Autoren wie Gino, Sharek & Moore (2011) sowie Alloy & Abramson (1982) analysierten in ihren Studien den Effekt der Kontrollillusion. Presson & Benassi (1996) bewerten in einer Meta-Analyse verschiedene Studien, welche verschiedene Faktoren zur Begünstigung beziehungsweise Auslösung von Kontrollillusion charakterisieren, analysieren und bewerten.

2.1 Effekt

Der Effekt der Kontrollillusion besteht darin, dass Menschen denken, Vorgänge und Ereignisse kontrollieren bzw. beeinflussen zu können, obwohl diese nachweislich unkontrollierbar und deren Ergebnisse zufällig sind (Langer, 1975). Menschen erleben täglich verschiedene Situationen, welche in Zufalls- und Fähigkeitssituationen unterschieden werden können. Während bei Zufallsereignissen das Ergebnis beliebig entsteht, so ist in Fähigkeitssituationen das eigene Können für das Ergebnis verantwortlich. Wenn Menschen Zufallssituationen als Fähigkeitssituationen wahrnehmen, entsteht eine Illusion der Kontrolle. Das liegt daran, dass Fähigkeits- und Zufallsfaktoren korrelieren und so nicht mehr zwischen den Situationen differenziert werden kann. So kommen in Fähigkeitssituationen unkontrollierbare Momente des Zufalls vor wie Windböen beim Fußball oder Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern in jeder Sportart. Ebenso spielen bei Zufallsereignissen auch Fähigkeiten eine Rolle. Dabei geht es z.B um das Wissen, wie die Gewinnchancen bei dem jeweiligen Spiel liegen oder welche Spielautomaten den höchsten Gewinn ausgeben. Die Fähigkeitselemente bei Zufallsereignissen führen dazu, dass die Menschen nicht immer eindeutig zwischen kontrollierbaren und unkontrollierbaren Ereignissen unterscheiden können (Langer, 1975, p. 324). Deshalb ist Kontrollillusion häufig bei Glücksspielen wie z.B bei Wetten, Lotterien, Roulette oder Würfelspielen zu beobachten. Beispielsweise wird beim Würfeln fälschlicherweise gedacht, dass vorsichtiges, sanftes Würfeln zu einem niedrigeren Ergebnis und dagegen starkes Würfeln zu einer hohen Augenzahl führt (Langer, 1975, p. 312). Das Phänomen der Kontrollillusion lässt sich auch in alltäglichen Situationen beobachten. Fußgänger in New York betätigen die Ampel, da sie glauben diese reagiert auf den Knopfdruck und wird dadurch schneller grün. Jedoch werden die Ampeln von einem zentralen Computersystem gesteuert, dass jede Grünphase festlegt. Im Endeffekt haben die Fußgänger keinerlei Einfluss auf die Grünphase der Ampel. Trotzdem warten sie zufriedener und geduldiger mit dem Gefühl der Kontrolle (Gino, et al., 2011, p. 3).

Auch neigen Menschen dazu, ihre Fähigkeit die richtigen Vorhersagen zu treffen, zu überschätzen und fühlen häufig mehr Kompetenz als sie objektiv haben (Presson & Benassi, 1996, p. 494). Der Effekt der Kontrollillusion tritt auf, da der Mensch instinktiv die Umwelt kontrollieren möchte. Denn fehlende Kontrolle führt zu Hilfslosigkeit und diese löst Angst aus (Langer, 1975, p. 323). Das gefühlte Kontrollieren der Situation führt zu Wohlbefinden und einem Gefühl der Sicherheit. Dies hat zur Folge, dass Menschen bereit sind, höhere Risiken einzugehen (Langer, 1975, p. 325).

In den Studien von Langer wurden die Probanden in zufälligen Situationen, in denen sie das Ergebnis nicht beeinflussen konnten, beobachtet und analysiert. In der Realität kommen jedoch nicht nur völlig zufällige Ereignisse vor, sondern auch Situationen, die der Mensch in Teilen kontrollieren und beeinflussen kann. Um zu überprüfen, ob der Effekt der Kontrollillusion auch in teilweise kontrollierbaren Situationen vorkommt, führten Gino, Share und Moore (2011) verschiedene Experimente zur Überprüfung durch. Dazu wurden Situationen inszeniert, die sich durch verschiedene Kontrollgrade unterscheiden. Im Nachhinein wurden die Teilnehmer zu ihrer wahrgenommenen Kontrolle untersucht. Das Resultat der Studie zeigt, dass Menschen dazu neigen ihre Kontrolle über Ereignisse und Vorgänge, die auch teilweise kontrollierbar und nicht zufällig sind, zu überschätzen. Weiterhin stellt sich heraus, dass Menschen in stark beeinflussbaren Situationen dazu tendieren ihre Kontrolle zu unterschätzen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass Menschen nicht in der Lage sind ihre Kontrolle exakt einzuschätzen und der Effekt der Kontrollillusion in vielen verschiedenen Situationen vorkommen kann (Gino, et al., 2011, p. 32).

2.2 Faktoren

Die Illusion der Kontrolle wird durch kontrollbezogene, aber ergebnisunabhängige Faktoren induziert. Diese Faktoren charakterisieren Fähigkeitssituationen und sind auch bei Zufallsereignissen zu identifizieren. Während bei Fähigkeitssituationen das Ergebnis noch von den Faktoren abhängig ist, sind bei Zufallsereignissen diese Faktoren zwar teilweise vorhanden, haben aber keine Wirkung auf das Ergebnis. Der Mensch sieht die Faktoren aber instinktiv als Indizien für Fähigkeitssituationen an. Dadurch kann nicht immer deutlich zwischen Zufallssituationen und Fähigkeitssituationen unterschieden werden, sodass Verwirrung entsteht. Daraus folgt, dass die Menschen ein unkontrollierbares, zufälliges Ereignis für kontrollierbar halten (Langer, 1975, pp. 323-325).

Einer dieser Faktoren ist der Wettbewerb. In Situationen, in denen Wettstreit auftritt, werden die eigenen Gewinnchancen anhand der Fähigkeiten des Kontrahenten eingeschätzt. Denn je stärker der Rivale bewertet wird, desto geringer wird die Chance zu gewinnen bewertet, da bei Wettbewerben der Spieler mit den stärksten bzw. besten Fähigkeiten gewinnt. Daher vergleichen sich Menschen mit ihren Kontrahenten und schätzen so ihr Können im Vergleich des Gegners und die darauf beruhenden Gewinnchancen ein. Die Spieler wenden dieses Vorgehen auch bei Zufallsereignissen oder Glücksspielen an, obwohl das Ergebnis unabhängig von den Fähigkeiten der Spieler zustande kommt. So schätzen Spieler auch in Zufallssituationen ihre Gewinnchancen anhand der Fähigkeiten des Gegenspielers ein. Die Spieler denken, dass sie gegen angeblich schlechtere Spieler größere Gewinnchancen haben. Die Spieler unterliegen der Kontrollillusion, da sie glauben ihre Fähigkeiten haben einen Einfluss auf das Ergebnis, obwohl das Ergebnis nachweislich zufällig ist (Langer, 1975, pp. 313-315).

Wenn Menschen zwischen verschiedenen Optionen wählen können, entsteht ein Gefühl von Kontrolle. Dieses Gefühl der Kontrolle bleibt auch in Situationen bestehen, in denen eine Wahl getroffen werden kann, obwohl diese das Ergebnis nicht beeinflusst. Als Beispiel zu nennen ist die Auswahl der Zahlen bei einer Lotterie. Menschen, die ihre Loszahlen selber auswählen, schätzen ihre Chancen zu gewinnen höher ein als Menschen denen ihre Zahlen zugewiesen wird (Gino, et al., 2011, p. 3). Langer (1975, pp. 315-317) führte ein Experiment durch, bei dem die Probanden in zwei Gruppen unterteilt wurden. Den Probanden wurde ein Los für einen Dollar angeboten. Die Teilnehmer der ersten Gruppe durften sich ihr Los aussuchen. Den Teilnehmern der zweiten Gruppe wurde ein Los zugeteilt. Einen Tag später wurden alle Teilnehmer separat gefragt, wie viel Geld sie für ihr Ticket verlangen würden. In der Gruppe der Teilnehmer, die ihr Los aussuchen durften, wollten 37% ihr Ticket zunächst nicht verkaufen. In der anderen Gruppe waren es nur 19%. Der durchschnittliche Preis für die Gruppe, die ihr Los auswählen durften, lag bei 8,67 USD. Im Gegensatz dazu lag der durchschnittliche Preis der anderen Gruppe bei 1,96 USD. Dieses Ergebnis führt zu dem Entschluss, dass die Teilnehmer, die ihr Los auswählen durften, zuversichtlicher waren zu gewinnen, obwohl objektiv jeder Teilnehmer die gleiche Chance zu gewinnen hat. Daraus lässt sich schließen, dass Auswahl ein wichtiger Faktor für eine Kontrollillusion ist.

Ein weiterer Faktor, der Kontrollillusion begünstigt und verstärkt, ist die Vertrautheit mit der Aufgabe. Jemand der zum ersten Mal Schach spielt und nicht mit dem Spiel vertraut ist, weiß nicht welche Strategien sinnvoll sind und schätzt seine Chancen zu gewinnen und somit sein Können niedrig ein. Im Gegensatz dazu ist ein langjähriger erfolgreicher Schachspieler zuversichtlicher und schätzt seine Kontrolle im Spiel als hoch ein. Diese Verhaltensweisen lassen sich auch bei zufälligen Ereignissen und Glücksspielen erkennen. Das bedeutet, je besser der Spieler das Spiel bzw. die Aufgabe kennt, desto stärker wirkt die Illusion der Kontrolle. Die Folge ist, dass mit steigender Vertrautheit des Spieles, bspw. des Münzwurfes, die Fähigkeit das richtige Ergebnis vorauszusagen stärker eingeschätzt wird. Allerdings lässt sich weder das Ergebnis kontrollieren, noch kann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit das richtige Ergebnis vorausgesagt werden, da dies zufällig ist (Langer, 1975, pp. 318-320).

Neben der Vertrautheit mit der Aufgabe induziert auch die Vertrautheit mit dem Reiz eine Kontrollillusion. Menschen fühlen bei bekannten Reizen eine größere Kontrolle als bei unbekannten Stimuli. Das heißt, Menschen würden lieber Glücksspiele spielen, die sie kennen, als unbekannte, ungewohnte Spiele zu spielen. Zum Beispiel nehmen sie lieber an einer Lotterie mit bekannten Losen, die mit Buchstaben bedruckt sind, teil als an Lotterien mit Losen, welche mit unbekannten Symbolen bedruckt sind. Die Menschen fühlen sich vertrauter mit den bekannten Losen und schätzen infolgedessen ihre Gewinnchancen höher ein (Langer, 1975, pp. 317-318).

Eng mit der Vertrautheit verbunden ist die Beteiligung an der Situation. Dabei wird zwischen passiver und aktiver Involvierung unterschieden. Menschen schätzen ihre Kontrolle über Ergebnisse höher ein, wenn sie an diesen aktiv beteiligt sind. So glauben Menschen, sie hätten eine größere Kontrolle über das Ergebnis, wenn sie selber würfeln als wenn jemand Fremdes für sie würfelt (Gino, et al., 2011, p. 3). Ebenso schätzen Menschen ihre Kontrolle höher ein, wenn sie sich mit den Spielen auseinandersetzen und üben. Sie glauben nach viel Übung das Prinzip sowie verschiedene Strategien verstanden zu haben und daher einen Vorteil gegenüber Spielern mit weniger Übung zu haben, auch wenn das Ergebnis unkontrollierbar wie beim Würfeln oder einer Lotterie ist. Dieser Faktor ist ein wichtiges Merkmal einer Fähigkeitssituation (Langer, 1975, pp. 318-324). Auch andere Autoren wie Presson und Benassi (1996, pp. 501-506) untersuchten Studien zu dem Faktor Vertrautheit und bestätigten, dass dieser Faktor eine Kontrollillusion induzieren kann.

Passive Beteiligung hat jedoch genauso einen Einfluss auf den Effekt der Kontrollillusion. Beobachtung als passive Beteiligung führt dazu, dass sich mehr Gedanken bezüglich erfolgreicher Strategien gemacht werden können. Dadurch entsteht eine Illusion der Kontrolle, da diese Strategien bei reinen Glücksspielen und Zufallsereignisse keinen Einfluss haben. Durch diese Strategien schätzt der Spieler seine Chance zu gewinnen höher ein, als sie in Wirklichkeit ist. In einem Experiment, bei dem zwei Gruppen Lose angeboten wurden, konnte der Faktor der passiven Beteiligung nachgewiesen werden. Den Teilnehmern der ersten Gruppe wurde jede Stelle einer dreistelligen Nummer an verschiedenen Tagen gegeben. Im Gegensatz dazu erhielten die Teilnehmer der zweiten Gruppe die ganze Nummer am ersten Tag. Kurz vor der Ziehung wurde jeder Teilnehmer separat gefragt, ob dieser sein Ticket gegen ein Ticket aus einer anderen Lotterie mit einer höheren Gewinnwahrscheinlichkeit tauschen würde. Die Teilnehmer der ersten Gruppe, die sich aufgrund der aufgeteilten Zahlenvergabe häufiger mit dem Los beschäftigten, behielten zu 63,6% ihr Ticket. In der zweiten Gruppe entschieden sich hingegen nur 31,6% ihr Ticket zu behalten. Der Großteil der ersten Gruppe schätzte die Gewinnwahrscheinlichkeit bei der ersten Lotterie höher ein, obwohl es bei der zweiten Lotterie objektiv eine höhere Gewinnchance gab (Langer, 1975, pp. 321-322).

Ein weiterer zur Illusion führender Faktor ist die Reihenfolge der Ergebnisse. Langer und Roth (1975, pp. 351-355) führten eine Studie durch, in der ein reines Glückspiel untersucht wurde. Es wurde untersucht, wie verschiedene Ergebnisreihenfolgen den Spieler hinsichtlich seiner Zuversicht beim nächsten Wurf einer Münze das richtige Ergebnis vorauszusagen beeinflussen. Die Probanden, die zunächst mehrere Ergebnisse richtig vorausgesagt haben, sind zuversichtlicher auch weiterhin die richtige Entscheidung über das Ergebnis zu treffen. Die anderen Probanden, welche erst zum Ende einer Sequenz richtige Ergebnisse voraussagten, besitzen diese übermäßige Zuversicht nicht. Die Menschen denken, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit das richtige Ergebnis voraussagen können, weil sie in der Vergangenheit einige richtige Vorhersagen getroffen haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass je stärker eine Zufallssituation einer Fähigkeitssituation ähnelt, desto größer wird die Kontrollillusion. Die oben aufgeführten Faktoren haben eine auslösende und verstärkende Wirkung auf die Illusion und führen dazu, dass sich die Menschen sicherer in ihrem Handeln fühlen. Dadurch steigt die Bereitschaft ein höheres Risiko einzugehen, da ihre wahrgenommene Kontrolle größer ist als sie objektiv nachgewiesen wird (Langer, 1975, p. 327).

3 Spekulationsblasen

In der Vergangenheit gab es schon viele Beispiele für Blasen. Eine der ersten dokumentierten und auch größten Blase war die Tulpenmanie 1636 in den Niederlanden, bei der die Preise für Tulpenzwiebeln auf bis das 25-Fache anstiegen (Garber, 1990, pp. 38-39). Weitere berühmte Beispiele aus dem Jahr 1720 sind die Südseeblase in England und die Mississippiblase in Frankreich. Ein aktuelleres Beispiel für eine Blase auf dem Finanzmarkt ist die Dotcom-Blase, die im Frühjahr 2000 platzte. Blasen kommen immer wieder vor und sind somit keine Seltenheit (Kindleberger & Aliber, 2005, pp. 4-11). Doch können psychologische Effekte wie Kontrollillusion irrationales Verhalten auslösen, welches zu einer Entstehung einer Blase führt? Zunächst muss definiert werden, wodurch sich eine Blase beschreiben lässt. Außerdem müssen mögliche Gründe für das Entstehen einer Blase untersucht werden.

Allgemein zeichnet sich eine Blase durch einen schnellen, nahezu boomenden Anstieg des Preises eines Assets aus. Dabei entsteht eine starke Differenz zwischen dem Fundamentalwert und des Preises des Assets, was eine starke Überbewertung zur Folge hat (Tirole, 1985, p. 1499). Diese Phase kann unterschiedlich lang andauern und wird häufig erst nach dem Platzen als Blase identifiziert, da diese nicht vorhersehbar ist (Martin & Ventura, 2010, p. 1). Während der Preisanstieg mehrere Jahre andauern kann, ist das Platzen der Blase oft plötzlich und geht mit einem rapiden Fall des Preises einher (Kindleberger & Aliber, 2005, p. 11).

3.1 Verlauf

Autoren wie Kindle Berger & Aliber (2005) sowie Allen & Gale (2000, pp. 236-238) beschreiben den typischen Verlauf einer Blase mit Hilfe von Phasenmodellen. Demnach haben Blasen ein wiederkehrendes Muster, an dem sie erkannt werden können. Ein solches Modell ist das Fünf-Phasen-Modell, welches Kindleberger & Aliber (2005) in ihrem Werk „Manias, Panics and Crashes: A History of Financial Crises“ darstellen.

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Illusion der Kontrolle. Ursachen für die Entstehung von Blasen an Finanzmärkten
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
26
Katalognummer
V508141
ISBN (eBook)
9783346070555
ISBN (Buch)
9783346070562
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontrollillusion, Blasen, Spekulationsblasen, Wirtschaftspsychologie, Finanzmarkt, Spekulation, Aktienmärkte
Arbeit zitieren
Lucas Rosatt (Autor), 2019, Die Illusion der Kontrolle. Ursachen für die Entstehung von Blasen an Finanzmärkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508141

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