Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat

Inwieweit sind die sozialpolitisch geprägten Konzepte miteinander vereinbar?


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit – einleitende Gedanken
2.1 Traditionslinien und Verortung Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
2.2 Zentrale Vorstellungen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit
2.3 Strukturmaximen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit

3. Der aktivierende Sozialstaat
3.1 Wohlfahrtsstaatliche Einordnungen
3.2 Grundlagen des aktivierenden Sozialstaats

4. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat – ein Vergleich

5. Resümee

Literatur

1. Einleitung

Die Agenda 2010 war ein breites Reformpaket, das in der Regierungszeit von Gerhard Schröder in einer schlechten wirtschaftlichen Lage Deutschlands im Jahre 2005 verabschiedet wurde. Die Agenda 2010 wurde in den folgenden Jahren öffentlich besonders durch die „Hartz IV“ Pakete bekannt, die starke Veränderungen im Arbeitsmarkt hervorriefen. Dazu gehörten u.a. Deregulierungen im Bereich des Kündigungsschutzes, neue Dienstleistungen am Arbeitsmarkt und die Aktivierung von erwerbslosen Menschen (vgl. Walwei 2017: S. 1). Die Agenda 2010 steht dabei auch sinnbildlich für einen sozialstaatlichen Abbau und Umbau von einem konservativen/ fürsorgenden Sozialstaat zu einem aktivierenden Sozialstaat. Die Intention des aktivierenden Sozialstaats ist, u.a., dass die Bürger*innen eigenverantwortlich ihr Leben gestalten und ihre Existenz sichern. Falls die Existenz nicht gesichert ist, erhalten die betroffenen Personen staatliche Leistungen nach dem Grundsatz des Fördern und Fordern (vgl. Lessenich 2012: S. 47 f.).

Inmitten des sozialstaatlichen Umbaus steht das seit spätestens mit dem achten Jugendbericht (1990) etablierte Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit von Hans Thiersch. Das Konzept der LWO1 zeichnet sich dabei mit dem Leitziel eines „gelingerenden“ Alltags durch die konsequente Orientierung an den Lebenswelten der Adressat*innen aus. Auch gegenwärtig spielen die Ansätze und Strukturmaximen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit eine große Rolle in den konzeptionellen Überlegungen von Trägern der Sozialen Arbeit (vgl. Füssenhauer 2006: S. 128).

Da beide Konzeptionen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Sozialpolitik und der Begründbarkeit von Sozialer Arbeit spielen, soll im Folgenden das Konzept des aktivierenden Sozialstaats mit dem Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit auf mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden. Dafür werden im zweiten Kapitel zunächst die Grundlagen und Leitvorstellungen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit dargestellt. Im folgenden dritten Kapitel werden dann die Eckpunkte des aktivierenden Sozialstaats thematisiert. Nach der Darstellung beider Konzepte werden diese anhand gemeinsamer Begrifflichkeiten miteinander verglichen (Kapitel 4). Im abschließenden fünften Kapitel werden die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst und mögliche Perspektiven für das Nebeneinander der Konzeptionen aufgezeigt.

2. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit – einleitende Gedanken

Im Folgenden werden spezifische wissenschaftliche Traditionslinien aufgezeigt, die für das Verständnis der LWO Sozialen Arbeit maßgeblich sind. Zudem wird der Stellenwert der LWO für die Soziale Arbeit diskutiert (Kapitel 2.1). Danach werden nochmal die zentralen Vorstellungen der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit aufgegriffen (Kapitel 2.2). Abschließend werden die Strukturmaximen der LWO, die besonders für die sozialpädagogische Praxis- und Konzeptentwicklung bedeutend sind, thematisiert (vgl. Kapitel 2.3)

2.1 Traditionslinien und Verortung Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit

Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit lässt sich an mehrere wissenschaftliche Traditionslinien anknüpfen. Dazu gehört die hermeneutisch-pragmatische Traditionslinie der Erziehungswissenschaften, die unter anderem von Nohl und Weniger geprägt wurde und später von Roth und Mollenhauer in Form einer kritischen Pädagogik weiterverfolgt wurde (vgl. Grundwald/ Thiersch 2008: S. 17). Diese Traditionslinie kennzeichnet sich durch die Anknüpfung an den Alltag, durch individuelle Lebensgestaltung und dem Verstehen der Alltagsbewältigung von Adressat*innen.

Daneben greift die Lebensweltorientierung das phänomenologische-interaktionistische Paradigma auf, das die Rekonstruierung der Alltagswelten von Individuen und ihren je spezifischen Verhältnissen, sowie ihren Prägungen und Mitbestimmungsmomenten fokussiert (vgl. ebd. S. 18).

Als dritter Strang ist die kritische Variante der Alltagstheorie anzuführen, die u.a. von Pierre Bourdieu geprägt wurde und den Alltag als „doppelbödig“ ansieht. Einerseits werden Routinen, Sicherheit und Produktivität erzeugt, andererseits aber auch eine gewisse alltägliche Enge bei den individuellen Möglichkeiten hervorgerufen. Es können „Kämpfe“ um bessere Lebensverhältnisse durch geweckte Motivationen initiiert werden, aber auch durchaus resignierende Haltungen im Alltag entstehen (vgl. ebd.). In dieser kritischen Situation können Möglichkeiten eines „gelingenderen Alltags“ hervorgebracht werden.

Als vierte Traditionslinie zur Begründung einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ist auf Analysen gesellschaftlicher Strukturen zurückzugreifen. Die Lebenswelten von Individuen sind nicht getrennt von den gesellschaftlichen Strukturen und Bedingungen zu betrachten, sondern sie sind einerseits durch objektive gesellschaftliche Anforderungen und andererseits durch individuelle Bedürfnisse geprägt. Zur Einordnung von Lebenswelten sind demnach unterschiedliche Diskurse, Theorien und Forschungszugänge von sozialer Ungleichheit in unterschiedlichen Kontexten miteinzubeziehen (vgl. ebd. S. 18 f.).

Diese kurz vorgestellten Traditionslinien sozial- u. geisteswissenschaftlicher Disziplinen sind im „Zusammenspiel“ für das theoretische Konzept der Lebensweltorientierung zu beachten und mitzudenken.

Die Anfänge des Konzepts der Lebensweltorientierung lassen sich in den 60er und 70er Jahren in Form eines Gegenentwurfs zu den damals dominierenden politischen Konzepten verzeichnen.

Der Alltag war der zentrale Begriff zur Begründung einer neuen Leitformel progressiver sozialpädagogischer Praxis, die sich mit dem Kampf um die Voraussetzungen eines menschenwürdigen Alltags und der Politisierung und Strukturierung sozialpädagogischer Settings auseinandersetzte. Die Alltagsorientierung, die später dem Begriff der Lebensweltorientierung weichen sollte, zeichnet sich durch eine Orientierung an den gegebenen Lebenswirklichkeiten der Adressat*innen und durch ein Ernstnehmen der je spezifischen Lebensverhältnisse aus. Das Ziel einer alltagsorientierten Sozialpädagogik mit einem „gelingenderen Alltag“ zu realisieren (vgl. Thiersch 1978: S. 6 ff.).

Nach Thiersch (1992: S. 9 f.) ist Sozialpädagogik ein notwendiger und integraler Moment moderner Gesellschaften. Durch den steigenden Wohlstand und eine Erhöhung der Ressourcen konnte die Sozialpädagogik eine Expansion mit einer Ausdifferenzierung unterschiedlichster Tätigkeitsfelder und einer starken Erhöhung der Beschäftigten im sozialen Sektor erleben. Die Sozialpädagogik kann dabei als Dienstleistung für schwieriger werdende Lebensbewältigung von Adressat*innen verstanden werden. Die Soziale Arbeit, nach dem Verständnis von Thiersch, nutzt in einem geklärten rechtlichen, institutionellen und professionellen Rahmen ihre Möglichkeiten, Menschen in ihrer Lebenswelt zu begegnen und gemeinsam mit ihnen Handlungsoptionen zu entwerfen, die ihnen zur Selbständigkeit in den jeweilig spezifischen Lebensverhältnissen verhelfen können (vgl. Thiersch 1992: S. 17). Aufgrund der unterschiedlichen Prägung der Lebenswelten, dem Zerfall tradierter- Struktur und Deutungsmuster, der Pluralität der Lebenslagen, der individuellen Lebensführung und der alternativen Optionen der Inszenierung des eigenen Lebens von Individuen, sollte nach Thiersch das Aufgabenverständnis und die Struktur Sozialer Arbeit nach dem Konzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit ausgerichtet sein (vgl. ebd. S.16).

Der Theorieansatz einer alltags- u. lebensweltorientierten Sozialen Arbeit etablierte sich über Jahrzehnte und wurde zu einer grundlegenden Orientierung sozialpädagogischer Praxis, die sich auch im achten Jugendbericht der Bundesrepublik Deutschland wiederfand und die Strukturmaximen einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit formulierte (vgl. Füssenhauer 2006: S. 128). Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit spielt bis heute eine große Rolle in den Konzepten sozialpädagogischer Einrichtungen sowie in den Diskursen der Theorien Sozialer Arbeit. Im theoriegeschichtlichen Kontext gehören Thiersch und sein Konstrukt der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit zu den Klassikern der Sozialpädagogik (vgl. Niemeyer 2010: S. 252 ff.).

Zur weiteren Klärung des Rahmenkonzepts der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit werden im Folgenden zentrale Begrifflichkeiten kurz erläutert und die Strukturmaximen der LWO näher thematisiert.

2.2 Zentrale Vorstellungen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit

Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit orientiert sich an ihren Adressat*innen und deutet deren Lebensverhältnisse im Hinblick auf die Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung und der vorhandenen Ressourcen unter der Berücksichtigung von individuellen Gegebenheiten und gesellschaftspolitischen Strukturen (vgl. Füssenhauer 2006: S. 123). Das Ziel ist es, einen „gelingerenden Alltag“ für die Adressat*innen durch die Stärkung des Lebensumfeldes und der Ressourcen sowie der Realisierung von Selbsthilfestellungen zu ermöglichen. Unter Berücksichtigung des Respekts vor dem Alltag der Adressat*innen sollen aber auch durch provozierende Fragestellungen seitens der Professionellen die Alltagsverstrickungen der Adressat*innen sichtbar gemacht werden (vgl. ebd.).

Die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit richtet sich dabei nach einem bestimmten Menschen- u. Gesellschaftsbild.

„Der Mensch wird als Subjekt gesehen, als zumindest potentiell aktives Wesen, das für sein Leben Verantwortung übernehmen will und kann. Gleichwohl bestimmen die gesellschaftlichen Verhältnisse die Möglichkeiten und Grenzen seiner individuellen Aktivität.“ (Seithe 2012: S. 61)

Nach dem Verständnis Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit werden die Individuen als Gestalter*innen ihrer Lebenswelt angesehen, die den Anspruch haben, ihre Verhältnisse aktiv zu verändern, aber dabei auch durch gesellschaftliche Strukturen determiniert werden. Daher spielt der Begriff der Sozialen Gerechtigkeit eine zentrale Rolle in der LWO-Konzeption. Die unübersichtlichen, pluralisierten und brüchigen Lebensverhältnisse von Adressat*innen müssen immer wieder am Postulat der Sozialen Gerechtigkeit mithilfe einer „moralisch inspirierten Kasuistik“, die zwischen „Allgemeinem“ und „Konkretem“ steht, ausgehandelt werden (vgl. Grunwald/ Thiersch 2008: S. 22 f.).

Das Lebensweltorientierte Konzept ist normativ-kritisch zu verstehen, da es in der Rekonstruktion der Lebenswelten von Individuen Widersprüchlichkeiten in unterschiedlichen Formen erkennt. Die jeweils gegebenen Ressourcen und Handlungen führen einerseits zu Routinen und Entlastungen im Hinblick auf soziale Sicherheiten andererseits können sie als Blockade und Eingrenzung erfahren werden (vgl. ebd.: S. 21). In der LWO werden also Lebenswelten aufgrund unterschiedlicher Deutungen zum Wohle eines „gelingenderen Alltags“ dekonstruiert (vgl. ebd.).

Nach Seithe (2012: S.) sind die Begriffe „ Hilfe zur Selbsthilfe, Fordern und Fördern, Aktivieren und Empowerment […]“ bedeutend und prägend für das „ ethische und professionelle Selbstverständnis […]“ der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit. Eine professionelle Lebensweltorientierte Soziale Arbeit unterstützt Adressat*innen bei der Alltagsbewältigung. Dabei versucht sie über die Aktivierung der Adressat*innen neue eröffnende Perspektiven zu einer gelingerenden Alltagsbewältigung gemeinsam mit den Adressat*innen zu entwerfen, diese dementsprechend zu fördern und im Sinne der Selbsthilfe zu stabilisieren.

Im Folgenden sollen die zentralen Vorstellungen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit anhand der etablierten Strukturmaximen verdeutlicht werden.

2.3 Strukturmaximen Lebensweltorientierter Sozialer Arbeit

Nach Thiersch orientiert sich das Rahmenkonzept der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit an unterschiedlichen Strukturmaximen. Dazu gehören die Strukturmaximen der Prävention, Regionalisierung und Alltagsorientierung, die sich an lebensweltlichen Bezugspunkten orientieren. Des Weiteren sind die Strukturmaximen der Integration und Partizipation anzuführen, die sich auf sozialethische Aspekte, wie der Gestaltung von Lebensverhältnissen nach dem Postulat der Sozialen Gerechtigkeit orientieren (vgl. Grunwald/ Thiersch 2008: S. 26). Im Folgenden werden die Strukturmaximen erläutert.

Die Maxime der Prävention kann allgemein als ein „vorausschauendes“ Arbeiten verstanden werden, das nicht erst bei einer Verschlimmerung der Zustände sozialpädagogisch eingreift. Nach der LWO soll eine soziale Infrastruktur aufgebaut werden, die den Individuen unterstützend in der Lebensbewältigung bereitsteht. Dabei sollen sozialpädagogische Angebote für „Alle“ entstehen (vgl. Füsshauer 2006: S. 133). Für Thiersch gehören dazu auch der Ausbau von Beratungsangeboten sowie ambulante Hilfen und ein gleichzeitiger Abbau von stationären sozialpädagogischen Angeboten (vgl. Thiersch 2009: S. 30).

Als zweite Maxime ist die Regionalisierung/Dezentralisierung anzuführen. Sie beschreibt, dass die sozialpädagogischen Angebote „vor Ort“ und gut erreichbar für die Adressat*innen sein sollen (vgl. ebd.: S. 31). Des Weiteren sollen unterschiedliche Vernetzungen zwischen den Akteuren der sozialpädagogischen Einrichtungen und des bürgerschaftlichen Engagements entstehen und Kooperationsmöglichkeiten entwickelt werden (vgl. Füsshauer 2006: S. 133 f.).

Die Maxime der Alltagsorientierung zeichnet sich durch eine Präsenz der Hilfen in der Lebenswelt der Adressat*innen, einer Niedrigschwelligkeit und Ganzheitlichkeit der Angebote sowie einen Abbau von Zugangsbarrieren und einen respektvollen Umgang mit der spezifischen Alltagsbewältigung der Adressat*innen aus (vgl. ebd.: S. 134).

Als weitere Strukturmaxime ist die Partizipation zu erwähnen. Partizipation in der LWO meint die Einbeziehung der Adressat*innen in die Planung von Unterstützungs- u. Hilfeprozessen sowie die Anerkennung der Rechtsposition von Adressat*innen durch beispielsweise Antrags- und Einspruchsrechte (vgl. ebd.). Nach Grundwald und Thiersch (2008: S. 28) müssen Formen von Partizipation, wie selbstverständlich, institutionell in der Sozialen Arbeit verankert werden sowie Ombuds- und Beschwerdestellen für die Adressat*innen bereitgestellt werden.

Eine weitere Maxime, die eine große Bedeutung im Rahmenkonzept der LWO spielt ist, ist die Integration. Das Verhindern der Isolation einzelner Gruppen, ein integratives Verständnis, das von Anerkennung und Respekt vor Andersartigkeit geprägt ist sowie eine Basis elementarer Gleichheit von Individuen, können als kurze Beschreibung der Integrationsmaxime angeführt werden (vgl. Füsshauer 2006: S. 134; Grundwald/Thiersch 2008: S. 28).

Als letzte Maxime der LWO ist die Querschnittsaufgabe des „Einmischens“ zu nennen. Unter Einmischung ist ein sozialpolitisches Mandat der Sozialen Arbeit zu verstehen, da die Lebensverhältnisse und die institutionellen und professionellen Gegebenheiten der Sozialen Arbeit immer durch die Sozialpolitik geprägt werden (vgl. Füssenhauer 2006: S. 134). Die LWO Soziale Arbeit hat einerseits die Aufgabe sich anwaltlich für ihre Adressat*innen zur Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse einzusetzen und andererseits die bestehenden Verhältnisse Sozialer Arbeit zu hinterfragen und an Erneuerungsprozessen teilzuhaben (Thiersch 2008: S. 34 f.).

Insgesamt ergeben sich also vielfältige unterschiedliche Strukturmaximen in der Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit. Anzumerken ist dabei jedoch, dass die Maximen nicht einzeln betrachtet werden können sondern immer im gemeinsamen Zusammenspiel zu denken und zu realisieren sind. Des Weiteren ist zu beachten, dass die Strukturmaximen je nach Tätigkeitsfeld ausformuliert und konkretisiert werden müssen. Das Ziel der LWO ist dabei die vielfältige Ausgestaltung der Hilfe vor Ort. Dabei sollen einerseits Angebote gemacht werden, die für alle zugänglich sind und andererseits Angebote bestehen, die sich der Lebenswelt der Adressat*innen öffnen, wie z.B. die sozialpädagogische Familienhilfe (vgl. Füsshauer 2006: S. 135).

In unterschiedlichen Diskursen wird bemängelt, dass die kritischen Intentionen in Bezug auf die Strukturmaximen immer mehr in den Hintergrund geraten und die Ausformulierung der Maximen in vielen Feldern sehr oberflächlich erscheint (vgl. Seithe 2012: S. 60 f.).

3. Der aktivierende Sozialstaat

Die Anfänge des aktivierenden Sozialstaats in Europa lassen sich in Großbritannien beim Soziologen Anthony Giddins wiederfinden, der einen dritten Weg der Sozialpolitik mit der Leitformel „keine Rechte ohne Verpflichtungen“ vorschlug (vgl. Oschmiansky 2010: S. 6). In Deutschland fanden sich Ansätze des aktivierenden Staats u.a. in den parteipolitischen Konzeptionen der FDP mit der Förderung „individueller Verantwortung“ sowie bei den Grünen mit der Forderung einer „gesellschaftlichen Selbstregulierung“ wieder. Das gemeinsame Denkpapier von Schröder und Blair (1999) arbeitete weiter an einem Prozess des aktivierenden Sozialstaats (vgl. ebd.). Mit der Umsetzung der Agenda 2010 durch die Rot-Grüne Bundesregierung unter des damaligen Bundeskanzlers Schröder im Jahre 2005 begann der Umbau des deutschen Sozialstaates nach jahrelangem Reformstau. Die Agenda 2010, umfasste dabei weitreichende Reformen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik, die als „aktivierend“ zu bezeichnen sind.

[...]


1 LWO wird als gängige Abkürzung für den Begriff Lebensweltorientierung genutzt.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat
Untertitel
Inwieweit sind die sozialpolitisch geprägten Konzepte miteinander vereinbar?
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V508241
ISBN (eBook)
9783346069610
ISBN (Buch)
9783346069627
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, Aktivierender Sozialstaat
Arbeit zitieren
Tobias Cordes (Autor), 2018, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit und aktivierender Sozialstaat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508241

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