Psychische Erkrankungen stellen in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema dar. So haben Betroffene neben der Erkrankung häufig auch mit negativen Vorurteilen, Diskriminierung und Stigmatisierung zu kämpfen. Die Diagnose wirkt als soziales Urteil, das gesellschaftliche Isolation und Armut zur Folge haben kann.
Die Autorin Tina Maus untersucht in dieser Publikation, inwieweit Menschen mit psychischen Erkrankungen nach wie vor in unserer Gesellschaft diskriminiert und stigmatisiert werden. Dabei geht sie der Frage auf den Grund, wieso es so schwer erscheint, die psychische Ausdehnung einer Erkrankung zu betrachten und die richtigen Schlussfolgerungen zu treffen.
Welche Möglichkeiten kommen aus sozialarbeiterischer Sicht in Frage, um das Ansehen psychischer Erkrankungen zu verbessern? Kann es gelingen, Betroffene wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ohne dass sie einer Stigmatisierung zum Opfer fallen?
Aus dem Inhalt:
- Stigmatisierung;
- psychische Erkrankung;
- Vorurteile;
- Tabuthema;
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischer Erkrankung in unserer Gesellschaft
2.1 Was versteht man unter einer psychischen Erkrankung?
2.2 Zur Bedeutung von Stigma, Stigmatisierung und Diskriminierung
2.3 Entstehungsprozess von Stigmatisierung
2.4 Erscheinungsformen von Stigmatisierung
2.5 Folgen und Auswirkungen von Stigmatisierung
3 Diskriminierungs- und Stigmatisierungsprozesse in der Gesellschaft
3.1 Historische Stigmatisierungsprozesse und gesellschaftliche Stellung von Menschen mit psychischer Erkrankung
3.2 Entwicklung im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen seit dem 19. Jahrhundert bis heute
4 Stigmatisierung und Diskriminierung am Beispiel der Depression
4.1 Depressionen im Profifußball
4.2 Der Suizid des Fußballspielers Robert Enke
5 Entstigmatisierung und Stigmabewältigung aus dem Blickwinkel der Sozialen Arbeit
5.1 Rechtliche Grundlagen für die Soziale Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen
5.2 Aufgaben der Sozialen Arbeit
5.3 Ansätze zur Intervention auf der gesellschaftlichen Ebene
5.4 Individuelle Stigmabewältigung durch Empowerment
5.5 Interprofessionelle Zusammenarbeit
5.6 Teilhabechancen Betroffener am Beispiel Arbeitsmarkt
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht wissenschaftlich die These, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft nach wie vor diskriminiert und stigmatisiert werden. Ziel ist es, aus sozialarbeiterischer Sicht Möglichkeiten zu identifizieren, um das Ansehen psychischer Erkrankungen zu verbessern, einer Stigmatisierung entgegenzuwirken und Betroffene bei der gesellschaftlichen sowie beruflichen Integration zu unterstützen.
- Grundlagen der Stigmatisierung und Diskriminierung von psychisch kranken Menschen
- Historische Entwicklung des Umgangs mit psychischen Erkrankungen
- Fallbeispiel: Stigmatisierung und Depression im Profifußball
- Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
- Empowerment als Strategie zur individuellen Stigmabewältigung
Auszug aus dem Buch
2.1 Was versteht man unter einer psychischen Erkrankung?
Eine einheitliche Definition für den Begriff der psychischen Erkrankung zu finden, ist nicht leicht und ebenso schwer zu beantworten wie die Frage, was denn ein Mensch ist (vgl. Dörner et al. 2017, S. 10). Je nach wissenschaftlichem Standpunkt kann eine psychische Erkrankung beziehungsweise Störung als Krankheit, Normabweichung, Störung oder individuelle Bewältigungsmöglichkeit angesehen werden. Hier existieren defizitorientierte Erklärungsansätze neben ressourcenorientierten Sichtweisen, die verändertes psychisches Erleben und Verhalten als Bewältigungsmöglichkeit für schwierige Lebenslagen ansehen (vgl. ebd. S. 10).
Eine treffende Definition, die insbesondere auf die Thematik dieser Arbeit zutrifft, beschreiben Dörner et al. Sie betrachten einen psychisch Kranken als Menschen, „[…] der bei der Lösung einer altersgemäßen Lebensaufgabe in eine Krise und Sackgasse geraten ist, weil seine Verletzbarkeit und damit sein Schutzbedürfnis und sein Bedürfnis Nichterklärbares zu erklären für ihn zu groß und zu schmerzhaft geworden sind.“ (ebd. S. 19). Das Resultat daraus wird Krankheit, Kränkung, Störung, Leiden, Abweichung genannt (vgl. ebd. S. 19).
Deutlich wird in Dörners Versuch, die psychische Erkrankung zu definieren, dass nicht die Krankheit im Fokus steht, sondern das Individuum Mensch. Dörner et al. gehen zudem davon aus, dass eine erhöhte Kränkbarkeit eine von mehreren Voraussetzungen für die Entstehung psychischer Störungen darstellt (vgl. Dörner et al. 2017, S. 22). Als weitere Gründe werden angeborene oder neu erworbene biologische Einflüsse und psychosoziale Bedingungen wie ein schwaches soziales Netzwerk oder defizitäre individuelle Bewältigungsmöglichkeiten herangezogen. Die Entstehung einer psychischen Störung ist demzufolge immer multikausal und muss daher auch multiprofessionell behandelt werden (vgl. ebd. S. 23ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Stigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen und Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischer Erkrankung in unserer Gesellschaft: Definition zentraler Begriffe, Erläuterung des Entstehungsprozesses sowie Erscheinungsformen und Folgen von Stigmatisierung.
3 Diskriminierungs- und Stigmatisierungsprozesse in der Gesellschaft: Historischer Überblick über den gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Kranken von der Antike bis heute.
4 Stigmatisierung und Diskriminierung am Beispiel der Depression: Analyse von Stigmatisierungsprozessen anhand des Beispiels Depression, inklusive der Fallbeispiele im Profifußball und des Suizids von Robert Enke.
5 Entstigmatisierung und Stigmabewältigung aus dem Blickwinkel der Sozialen Arbeit: Diskussion rechtlicher Grundlagen, Aufgaben der Sozialen Arbeit, Interventionsansätze auf gesellschaftlicher Ebene, Empowerment sowie interprofessionelle Zusammenarbeit und Teilhabe am Arbeitsmarkt.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Möglichkeiten zur Entstigmatisierung und ein Ausblick auf zukünftige Handlungsfelder.
Schlüsselwörter
Stigmatisierung, Diskriminierung, psychische Erkrankung, Soziale Arbeit, Depression, Empowerment, Stigmabewältigung, Inklusion, Teilhabe, Arbeitsmarkt, Gesellschaft, Vorurteile, Stereotype, Psychiatrie, Robert Enke.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie den Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, diesem Phänomen entgegenzuwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Stigmatisierung, historische Prozesse der Ausgrenzung, das spezifische Stigma der Depression, der Einfluss von Medien sowie Ansätze der Entstigmatisierung und Stigmabewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, herauszufinden, wie aus sozialarbeiterischer Sicht Stigmatisierung entgegengewirkt werden kann, um eine bessere gesellschaftliche und berufliche Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, um aktuelle wissenschaftliche Diskurse und Ansätze zur Stigmabewältigung zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Stigmatisierung, eine historische Betrachtung, eine vertiefende Analyse am Beispiel der Depression im Sport sowie konkrete Handlungsansätze für die Soziale Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Stigmatisierung, Soziale Arbeit, Depression, Inklusion, Empowerment, Diskriminierung und gesellschaftliche Teilhabe.
Warum wird das Beispiel Robert Enke angeführt?
Robert Enke dient als prominentes Fallbeispiel, um die dramatischen Folgen von Stigmatisierung und den enormen Druck auf psychisch kranke Menschen, insbesondere im Spitzensport, zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt das Empowerment-Konzept?
Empowerment ist ein zentraler Ansatz der Sozialen Arbeit, um die Selbstbestimmung Betroffener zu fördern, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihnen aktiv Instrumente zur Bewältigung ihrer Situation an die Hand zu geben.
- Quote paper
- Tina Maus (Author), 2020, Das Stigma Psychische Erkrankung. Entstigmatisierung und Stigmabewältigung als Herausforderung für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508242