Ziel der vorliegenden Bachelorthesis ist es, dem Leser die aktuelle Situation von Kinderrechten der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF) in Deutschland unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte darzulegen. Um ein umfassendes Bild über die aktuelle Lage von Kinderrechten geflüchteter Minderjähriger vermitteln zu können, wurden die aktuellen Daten, die verschiedenen Rechtsgebiete sowie zwei Kernstudien, die die Situation dieser Kinder und Jugendlichen aus ihrer eigenen Schicht und den Standpunkt der Fachkräfte heranzogen, untersucht. Es wurden dabei die allgemeine Wohnsituation, das Bildungswesen und der Gesundheitszustand näher untersucht.
Das Jahr 2015 wird in Deutschland in vielen Diskursen als der Sommer der Migration bezeichnet. Noch nie flohen so viele Menschen vor Krieg, Verfolgung und Armut. Unter diesen Menschen gab es auch viele Minderjährige ohne Sorgeberechtigte, die einen Schutz und eine neue Heimat in Deutschland suchten, die sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Im Jahr 2015 waren es bereits 60.000 unbegleitete Minderjährige, während im ersten Halbjahr 2016 bereits 18.000 durch das Jugendamt in Obhut genommen wurden. Die hohen Zahlen stellten die Regierung und die pädagogischen Fachkräfte vor große Herausforderungen. Viele Kommunen oder sozialpädagogische Institutionen waren qualitativ und quantitativ auf so viele schutzbedürftige Kinder und Jugendliche nicht genügend vorbereitet und dies wiederum führte zu einer großen Verunsicherung. Und nicht zuletzt litten die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen selbst besonders stark unter diesen Umständen. Aufgrund der großen Belastung und Überforderung seitens der Kommunen und Fachkräfte musste die Politik rasch agieren, um mit dieser Herausforderung besser umzugehen.
Am 1. November des Jahres 2015 trat somit unter anderem ein neues signifikantes Gesetz in Kraft, das den ausländischen Kindern und Jugendlichen mehr Rechte und den notwendigen Schutz einräumen soll: das Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher. Das Inkrafttreten der Gesetze soll endlich den ausländischen Kindern dieselben Rechte zusichern, die für die einheimischen Minderjährigen gelten. Lange wurden die ausländischen Kinder anders behandelt als die inländischen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thematik und persönliche Motivation
1.2 Ziel des Forschungsvorhabens und Forschungsfrage
1.3 Methodisches Vorgehen
1.4 Aufbau der Bachelorarbeit
2 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Aktuelle Zahlen
2.3 Fluchtgründe
3 Kinderrechte auf nationaler und internationaler Ebene
3.1 Kindeswohl im deutschen Rechtssystem
3.2 Die UN- Kinderrechtskonvention (UN- KRK) als Völkerrecht
4 Der deutsche rechtliche Rahmen
4.1 Das Kinder- und Jugendhilferecht
4.1.1 Inobhutnahme
4.1.2 Vorläufige Inobhutnahme
4.1.3 Reguläre Inobhutnahme
4.1.4 Das Clearingverfahren
4.2 Gesetzliche Erneuerungen
5 Kernstudien: die Lebenslage der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge
5.1 Die spezifischen Wohnbedingungen unbegleiteter Jugendlicher
5.2 Bildung und berufliche Qualifizierung
5.2.1 Bildungserfahrungen
5.2.2 Differenziertheit des deutschen Schulwesens
5.2.3 Besondere Angebote für zugewanderte SchülerInnen
5.3 Gesundheitsversorgung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die aktuelle Situation und die Gewährleistung der Kinderrechte von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) in Deutschland unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen und der Lebenswirklichkeit der Betroffenen.
- Analyse der rechtlichen Situation von umF nach der Ankunft in Deutschland.
- Untersuchung der Lebensbedingungen, insbesondere in Bezug auf Wohnen und Bildung.
- Evaluation der Rolle des Jugendamtes und des Jugendhilfesystems bei der Inobhutnahme.
- Kritische Betrachtung der Umsetzung internationaler Kinderrechte im deutschen Alltag.
Auszug aus dem Buch
3.1 Kindeswohl im deutschen Rechtssystem
Der Begriff Kindeswohl ist nicht abschließend definiert, sondern muss in jedem Fall neu und individuell bestimmt werden. Bei dem Begriff handelt sich also um normative Überzeugungen von Erwachsenen über das aktuelle und zukünftige Wohlergehen des Kindes, die unter Berücksichtigung sämtlicher Aspekte wie Gesundheit, Alter, Entwicklung des Kindes und seiner Bedürfnisse Beachtung finden müssen. Dabei wird von Eltern bzw. von den Personensorgeberichtigten entschieden, was zu dem Kindeswohl beiträgt und unterliegt gleichzeitig ständigem gesellschaftlichem, regionalem und kulturellem Wandel (vgl. Schwarz, Daoud, Nikolova 2017: 16). Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bewegen sich in Deutschland im Spannungsfeld zweier Rechtsgebiete, deren Interessen gegensätzlicher kaum sein könnten: Die Kinder- und Jugendhilfe, deren gesetzliche Grundlage das SGB VIII bildet und das Zuwanderungsrecht auf der anderen Seite mit dem Aufenthalts- und Asylrecht (vgl. ebd. 12). Schwarz und Tamm fassen das folglich zusammen: „Das Aufenthalts- und Asylrecht ist im wesentlichen Ordnungsrecht; seine Aufgabe ist originär der Schutz der Gemeinschaft und staatlicher Interessen. Das Recht der Kinder- und Jugendhilfe ist eher ein Leistungsrecht; seine Aufgabe ist der Schutz und die Förderung des Individuums – hier der Minderjährigen und jungen Erwachsenen“ (Schwarz, Tamm 2010: 37). Es handelt sich also um zwei Systeme; die Ausländerbehörde auf der einen Seite und die Jugendhilfe auf der anderen Seite. Die beiden Organe sind dazu verpflichtet den Schutz des Kindes zu gewährleisten und geltend zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der umF, Motivation der Autorin und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Begriffsbestimmung, statistische Einordnung der Ankunftszahlen und Analyse der Fluchtgründe.
3 Kinderrechte auf nationaler und internationaler Ebene: Untersuchung des Kindeswohlbegriffs im deutschen Rechtssystem und der UN-Kinderrechtskonvention als völkerrechtliche Basis.
4 Der deutsche rechtliche Rahmen: Detaillierte Darstellung des Kinder- und Jugendhilferechts, der Inobhutnahme, des Clearingverfahrens sowie der gesetzlichen Änderungen ab 2015.
5 Kernstudien: die Lebenslage der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: Analyse der Wohnbedingungen, Bildungs- und Gesundheitssituation auf Basis von Langzeitstudien und Fachkraftbefragungen.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Diskrepanz zwischen Rechtsanspruch und gelebter Praxis sowie Empfehlungen für eine kindeswohlorientierte Entscheidungspraxis.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinderrechte, Kindeswohl, Inobhutnahme, Jugendhilfe, SGB VIII, Clearingverfahren, UN-Kinderrechtskonvention, Bildung, Wohnsituation, Asylverfahren, Fluchtgründe, Deutschland, Rechtsrahmen, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit setzt sich kritisch mit der Umsetzung der Kinderrechte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die rechtlichen Rahmenbedingungen der Jugendhilfe, die Wohnsituation, den Zugang zu Bildung und die Gesundheitsversorgung dieser vulnerablen Gruppe.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet: Wie steht es aktuell um die Kinderrechte bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland?
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine qualitative Überblicksarbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Auswertung von Gesetzestexten, Studien des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und Umfragen des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kinderrechte, eine detaillierte Erläuterung der rechtlichen Prozesse in der Jugendhilfe sowie eine empirische Untersuchung der Lebenslagen basierend auf aktuellen Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kindeswohl, Jugendhilfe, Inobhutnahme und UN-Kinderrechtskonvention definiert.
Was ist das Hauptproblem beim Verteilungsverfahren?
Das Verteilungsverfahren führt laut der Autorin häufig zu Bildungsabbrüchen und Beziehungsabbrüchen, da es das Quotensystem über die individuellen Bedürfnisse und die Kontinuität der Betreuung des Kindes stellt.
Warum wird die medizinische Altersfeststellung kritisiert?
Methoden wie Handröntgenaufnahmen oder Genitaluntersuchungen verletzen die Menschenwürde und körperliche Integrität des Kindes, liefern jedoch keine präzisen Ergebnisse über das tatsächliche Alter.
- Quote paper
- Anna P. (Author), 2019, Unbegleitete minderjährige Flüchtige in Deutschland. Analyse ihrer aktuellen kinderrechtlichen Situation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508342