Diese Arbeit wird der Frage nachgehen, woran die Schwierigkeiten legasthener Schüler liegen und wie sie besonders im Fach Englisch gefördert werden können. Der Einfachheit halber werden in den folgenden Kapiteln die männlichen Formen von Schülern, Lehrern ecetera verwendet, welche aber gleichermaßen Frauen mit einschließen sollen.
In Deutschland lernt jeder Mensch bereits ab einem frühen Alter die Rechtschreibung. Dieser Prozess beginnt schon in der Vorschule und setzt sich dann in Grundschule und weiterführenden Schulen fort. Das Erlernen der Orthographie kann aber auch noch bis ins Erwachsenenalter voranschreiten. Einige Menschen können das Rechtschreibsystem recht schnell für sich entschlüsseln, während andere länger brauchen. Man kann daher kein festgelegtes Entwicklungsmodell aufstellen, sondern muss die Aneignung der deutschen Orthographie als einen individuellen Prozess verstehen. Darüber hinaus gibt es Menschen, die sich besonders schwer tun die Orthographie zu lernen. Bei diesen Menschen liegt eine sogenannte Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) vor.
Die Begriffe hierfür sind vielfältig, die dahinter steckende Problematik ebenso. In dieser Arbeit werden die Begriffe Lese-Rechtschreib-Störung, LRS und Legasthenie als Synonyme verwendet. Wenn bei einem Schüler oder einer Schülerin LRS festgestellt wird, hat dieses Kind entweder Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben oder Schwierigkeiten in nur einem dieser Bereiche. Diese Arbeit legt den Fokus auf Legastheniker, die mit der Rechtschreibung Schwierigkeiten haben. Wird dies festgestellt, so werden in der Regel passende Förderungen im Rahmen des Regelunterrichts oder in außerschulischen Förderkursen angeboten.
Hier ist es wichtig, so früh wie möglich mit einer Förderung zu beginnen, damit zum einen die Lernschwierigkeit minimiert werden kann und zum anderen die Auswirkung auf andere Fächer geringgehalten werden kann. Dass vom Schulsystem vorgegeben ist, mindestens eine Fremdsprache zu lernen, stellt für legasthene Schüler eine besondere Herausforderung dar. Sie müssen nicht nur die Orthographie ihrer Muttersprache mühsam erarbeiten, sondern darüber hinaus auch noch die Orthographie einer Fremdsprache und beide Systeme auseinanderhalten können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Orthographie Deutschdidaktik
2.1 Definition Orthographie Deutschdidaktik
2.2 Besonderheiten der Orthographie Deutschdidaktik
2.3 Prinzipien der Orthographie Deutschdidaktik
2.3.1 Das Phonematische Prinzip
2.3.2 Das syllabische Prinzip
2.3.3 Das morphematische Prinzip
2.4 Umsetzung der Orthographie Deutschdidaktik
3. Orthographie Englischdidaktik
3.1 Definition Orthographie Englischdidaktik
3.2 Besonderheiten der Sprache Englisch
3.3 Umsetzung der Orthographiedidaktik
3.4 Zwischenfazit
4. Lese-Rechtschreib-Störung
4.1 Definition LRS
4.2 Symptomatik
4.3 Ursachen
4.4 Notwendigkeit einer gezielten Förderung
5. LRS und Fremdsprachen
5.1 Fremdsprachenlernen bei Legasthenikern
5.2 Förderung im Regelunterricht
5.3 Förderung in Förderkursen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Herausforderungen, denen legasthene Kinder beim Erlernen der englischen Sprache gegenüberstehen, und erarbeitet evidenzbasierte Fördermaßnahmen für den schulischen und außerschulischen Bereich.
- Grundlagen der deutschen und englischen Orthographiedidaktik
- Klinisches Erscheinungsbild und Ursachen der Lese-Rechtschreib-Störung (LRS)
- Transferproblematik beim Fremdsprachenerwerb für Betroffene
- Multisensorische Methoden zur Vokabel- und Grammatikvermittlung
- Strukturierung von Regelunterricht und Förderkursen zur Motivationsförderung
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Das Phonematische Prinzip
Mit dem phonematischen Prinzip sind die Phonem-Graphem-Beziehungen gemeint. Mit Phonem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit in der gesprochenen Sprache gemeint. Graphem bedeutet demnach die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der geschriebenen Sprache (vgl. Fuhrhop 2009: 6). In der deutschen Sprache gibt es nicht für jedes einzelne Phonem ein Graphem. So haben wir in der vokalischen Phonem-Graphem-Beziehung sechzehn Vokalphoneme, die jedoch nur durch neun Vokalgrapheme verschriftet werden (vgl. Fuhrhop 2009:10). Andersherum kommt es jedoch vor, dass wir mehr Grapheme als Phoneme verwenden. So haben wir sechs Schreibdiphthonge <ei>, <ai>, <au>, <eu>, <äu> und <ie>, welche jedoch durch nur drei Sprechdiphthonge ausgedrückt werden: /ai/, /au/ und /ci/ (vgl. Fuhrhop 2009:11). Hier liegen also mehrere Schreibweisen für weniger Lautverbindungen vor. „Das heißt die deutsche Orthographie ist nicht alleine lautierend. Das grundlegende Prinzip ist aber lautierend und genau so schreiben Kinder, wenn sie die Schriftsprache erwerben – sie schreiben aufgrund dessen, was sie hören“ (Fuhrhop 2009:12). Es müssen dann überformende Prinzipien im Schriftspracherwerb folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema der Lese-Rechtschreib-Störung vor und skizziert die besondere Problematik beim Erlernen einer Fremdsprache für betroffene Schüler.
2. Orthographie Deutschdidaktik: Dieses Kapitel erläutert die Grundprinzipien der deutschen Rechtschreibung und deren didaktische Vermittlung als notwendiges Fundament für den Schriftspracherwerb.
3. Orthographie Englischdidaktik: Der Fokus liegt auf der Analyse des komplexen und tiefen englischen Rechtschreibsystems sowie auf den Möglichkeiten, diese Struktur für L2-Lerner greifbar zu machen.
4. Lese-Rechtschreib-Störung: Dieses Kapitel definiert LRS, beleuchtet die Symptomatik sowie die Ursachen und betont die Dringlichkeit einer frühen, gezielten Förderung.
5. LRS und Fremdsprachen: Hier werden spezifische Förderansätze für den Englischunterricht sowie außerschulische Förderkonzepte diskutiert, um legasthene Schüler effektiv zu unterstützen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer individuellen, strukturierten Förderung im muttersprachlichen und fremdsprachlichen Unterricht.
Schlüsselwörter
Legasthenie, LRS, Englischunterricht, Orthographiedidaktik, Phonologische Bewusstheit, Fremdsprachenerwerb, Multisensorisches Lernen, Schriftspracherwerb, Nachteilausgleich, Förderkurs, Rechtschreibstrategien, Inklusion, Lernstörung, Graphem-Phonem-Beziehung, Schulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen für legasthene Schüler im Fach Englisch und leitet daraus konkrete didaktische Handlungsempfehlungen ab.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf den Unterschieden zwischen deutscher und englischer Orthographie sowie auf der Förderung der Lese- und Schreibkompetenz bei Legasthenikern.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Ursachen der Schwierigkeiten legasthener Schüler im Englischen und danach, wie diese gezielt im Unterricht gefördert werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse zur Sprachdidaktik und aktuellen Forschungsergebnissen zur LRS basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der beiden Orthographiesysteme, die Untersuchung der LRS-Symptomatik sowie die Darstellung pädagogischer Fördermaßnahmen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Legasthenie, orthographische Prinzipien, Fremdsprachenerwerb, multisensorische Lernmethoden und gezielte Förderstrategien.
Warum stellt das Englische eine größere Herausforderung dar als das Deutsche?
Im Vergleich zum Deutschen gilt das englische Orthographiesystem als tiefer und intransparenter, da historische Einflüsse das Verhältnis von Laut und Schrift stark kompliziert haben.
Welche Rolle spielt die „Pilotensprache“ in der Förderung?
Die Pilotensprache unterstützt Schüler beim Schreibprozess durch mentales oder lautes, silbisch gliederndes Mitsprechen, um die orthographische Korrektheit zu steuern.
Warum ist eine Förderung der Muttersprache vorab sinnvoll?
Ein Graphem-Phonem-Training in Deutsch schafft die notwendige Basis, damit die Schüler die unterschiedlichen Systeme (L1 und L2) besser voneinander abgrenzen können.
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- Alina Simons (Autor), 2018, Englisch als besondere Herausforderung für Kinder mit LRS-Diagnose-Fördermaßnahmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508559