Pflege und Begleitung sterbender Menschen. Unterrichtssequenz für die Ausbildung im Pflegeberuf


Hausarbeit, 2018

21 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sachanalyse
2.1. Bedeutung des Themas
2.2. Darstellung des Themas in der Literatur
2.3. Hauptaussagen
2.4. Direkte und indirekte Handlungsbezüge

3. Bedingungsanalyse
3.1. Informationen zur Lerngruppe
3.2. Curriculare Eingebundenheit und mögliche Vorgaben der Schule
3.3. Rahmenbedingungen der Schule
3.4. Lehrvoraussetzungen der Lehrenden

4. Lernziele der Unterrichtsstunde
4.1. Hauptkompetenz
4.2. Teilkompetenzen

5. Didaktische Strukturierung
5.1. Vorstellung und Erläuterung der Unterrichtsphasen
5.2. Begründung des Gesamtaufbaus der Unterrichtsstunde

6. Reflexion
6.1. Selbstreflexion
6.2. Reflexion des Begleitlehrenden

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Fachseminar für Altenpflege der XY gGmbH ist ein kleines Fachseminar, mit Platz für bis zu 100 Auszubildende, also maximal vier Kurse gleichzeitig anbietet. Zu den Ausbildungsangeboten des Fachseminars zählt die drei-jährige Ausbildung zum/zur Altenpfleger/in als Erstausbildung. In dem Rahmen bietet das Fachseminar auch die Möglichkeit der Umschulung an, die über das Arbeitsamt bezuschusst wird. Des Weiteren wird die Ausbildung zum/zur Altenpflegehelfer/in angeboten. Jedoch ist derzeit der Bewerberzulauf an dieser Stelle zu gering, weshalb bereits über längere Zeit keine Kurse mehr durchgeführt wurden. Auch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zählen zu den Leistungen des Fachseminars. Hier wird schwerpunktmäßig die Weiterbildung zum/zur Praxis-anleiter/in für examinierte Pflegefachkräfte mit einer mindestens zweijährigen Berufserfahrung angeboten. Das Lehrerkollegium des Fachseminars besteht aus vier hauptamtlich Lehrenden sowie mehreren Honorardozenten. Die Honorardozenten sind für die Vermittlung spezifischer Lernfeldbereiche wie z.B. „rechtliche Rahmenbedingungen“. „Arzneimittelgabe“, „Vorbereitung und Durchführung von Festen“, „Umgang mit Krisen- erfahrungen“ etc. zuständig.

Das Fachseminar kooperiert mit zahlreichen ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, in denen die Auszubildenden den praktischen Teil ihrer Berufsausbildung absolvieren. Eine Besonderheit, die das Fachseminar von anderen abhebt, ist seine direkte Standortnähe (max. 4 km) zu sieben Einrichtungen der XY gGmbH. Durch diesen Umstand können Theorie und Praxis besonders eng miteinander verzahnt werden und die Auszubilden-den individuell gefördert werden. Das Thema der 90- minütigen Lehrprobe im Teillernfeld 1.3.11 „Sterbende alte Menschen pflegen und begleiten“ lautet: Häufige Pflegeprobleme in der Pflege sterbender Menschen. Zwecks besserer Lesbarkeit verzichte ich in meinem Unterrichtsentwurf auf die Gender-sprache und verwende die männliche Form, die stets die weibliche Form miteinschließt.

2. Sachanalyse

2.1. Bedeutung des Themas

Pflegende werden in ihrem Arbeitsalltag immer früher und häufiger mit der Pflege multi-morbider, hochbetagter Menschen konfrontiert, weshalb die Sterbebegleitung an immer größerer Bedeutung gewinnt. Damit Auszubildende in ihrem späteren Berufsalltag eine ad-äquate Sterbebegleitung durchführen können, sollten sie nicht nur an die inhaltliche Thematik herangeführt werden, sondern sich auch mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen. Durch das Bewusstsein über die eigene Endlichkeit und damit verbundene Einstellungen und Bedürfnisse können sie das Konzept von Palliative Care besser nachvollziehen. Jedoch muss der Weg dahin, in einigen Fällen, erst einmal geebnet werden, da Sterben und Tod, auch heute noch, Tabuthemen in der Gesellschaft darstellen. Mit dem Bewusstsein für Sterben und Tod ist eine erste Grundlage für eine an den Bedürfnissen des Patienten ausgerichtete Sterbe- begleitung geschaffen.

Orientiert man sich an Hinweisen aus Studien wie der „Gießener Sterbestudie“, die vom 15. Januar bis zum 30. Juni 2017 durchgeführt wurde, so kann man allerdings annehmen, dass etwa die Hälfte der Auszubildenden bereits vor Ausbildungsbeginn im privaten Kontext mit Sterben und Tod konfrontiert wurde. Häufig werden die Auszubildenden in ihren Praxis- einsätzen schon sehr früh mit Sterbenden konfrontiert. Dabei wird das Erleben der Auszu- bildenden sehr unterschiedlich ausgefallen sein. Es wird Schüler/innen geben, die die pfleger- ische Begleitung als schwer zu bewältigen empfunden haben und es wird Schüler/innen geben, die positive Erfahrungen gemacht haben (vgl. George 2018, S. 54f.). Dieses Erleben ist wichtig für die weitere Einstellung gegenüber der Aufgabe der „Sterbebegleitung“, da „[…] die ersten beruflichen Erfahrungen besonders prägend sind“, (George 2018, S. 56).

Es ist zu berücksichtigen, dass einige der Auszubildenden dem Unterrichtsgespräch mög- licherweise vermeidend gegenüberstehen werden. Mögliche Gründe könnte sein, dass sie keine privaten oder beruflichen Vorerfahrungen mitbringen; dass sie der Tod eines Angehörig- en sie immer noch stark betroffen macht; sie wohlmöglich selbst schon von einer schweren Diagnose betroffen waren oder sie sich damit ganz akut in ihrem persönlichen Umfeld auseinandersetzen müssen. Andererseits könnte es auch sein, dass sich Einzelpersonen gerade wegen ihrer persönlichen Betroffenheit besonders in das Unterrichtsgeschehen einbringen. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass sich Teilnehmer mit positivbesetzten Vorerfahrungen eher einbringen, als die mit negativbesetzten Vorerfahrungen.

2.2. Darstellung des Themas in der Literatur

Für meine fachlich-inhaltliche Vorbereitung habe ich zur Recherchearbeit Literatur in Form einer Handsuche in aktuellen Fachzeitschrift und Fachbüchern des Fachseminars gesichtet. Zudem habe ich im Bibliothekskatalog des KatHo-OPAC die Suchbegriffe „Palliative Care“ und „Sterbebegleitung“ eingegeben. Des Weiteren griff ich auf aktuelle Beiträge der WHO und die aktuelle S3-Leitlinie zurück.

Pflegende werden in ihrem Arbeitsalltag immer häufiger mit der Pflege multimorbider, hochbetagter Menschen konfrontiert - ein Grund für den Bedeutungszugewinn der Sterbebe- gleitung insbesondere im Pflegeheim. Damit Pflegekräfte befähigt werden in ihrem Berufsall- tag eine adäquate Sterbebegleitung durchzuführen, ist nicht nur an die inhaltlich-fachliche The- matik zielführend, sondern auch eine spezielle palliative Haltung (vgl. Knipping und Abt- Zegelin 2007; Student et al. 2007, S.36), diesbezüglich besteht in der Literatur gemeinsamer Konsens. „[Eine palliative Haltung] bedeutet in erster Linie ein Miteinander und eine Solidarität von Menschen, die in dem Bewusstsein ihrer eigenen Sterblichkeit leben. Dieses Bewusstsein macht sensibel für eigene Bedürfnisse und […] für die Bedürfnisse Anderer“, (Student et al. 2007, S. 36). Mit anderen Worten: Man macht sich seine eigene Haltung zu der Thematik bewusst. Diese Haltung ist der Grundpfeiler auf dessen Grundlage Sterbebegleitung erfolgen sollte (vgl. Student et al. 2007, S. 34 ff.).

Ein Ansatz zur Begleitung sterbender Menschen ist der von der World Health Organisation (WHO) formulierte Palliative Care (PC) Ansatz: „Palliative care is an approach that improves the quality of life of patients (adults and children) and their families who are facing problems associated with life-threatening illness. It prevents and relieves suffering through the early identification, correct assessment and treatment of pain and other problems, whether physical, psychosocial or spiritual.“ (World Health Organisation -WHO 2018). Demnach dient PC der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten jeden Alters und deren Angehörigen in Bezug auf lebensbedrohliche Erkrankungen. Diesem Primärziel verschreibt sich nicht nur die WHO, auch Beiträge in Fachbüchern und Fachzeitschriften verweisen auf das Konzept der Lebensqualität als Hauptziel der Palliative Care (vgl. Knipping und Abt-Zegelin 2007, S.32). Die Lebensqualität kann durch Vorbeugung und Linderung von Leiden, durch Früherkennung, Einschätzung und Behandlung von Schmerzen, sowie physischen, psychosozialen und spirituellen Beschwerden erreicht werden (S3-Leitlinie: AWMF, DKG, DKH ;2015). Daraus geht hervor: Der sterbende Mensch sollte in all seinen Facetten situationsspezifisch und symptomgerichtet pflegerisch betreut werden, ohne dass Pflegende dabei auf verallgemeinerte, rigide Handlungsketten oder Pflegestandards zurückgreifen (vgl. Student et al. 2007, S.28). Grundlegend sind Fähigkeiten Empathie, Flexibilität, Kreativität und Intuition (vgl. Student et al. 2007, S. 36). Die S3-Leitlinie wie auch andere Fachbeiträge beziehen sich vornehmlich auf Ursachen, Symptomkomplexe und mögliche Interventionen bei körperlichen Beschwerden (S3-Leitlinie: AWMF, DKG, DKH; 2015). Das mag vor allem daran liegen, dass in anderen Bereichen (psychisch, sozial, spirituell) häufig nur bedingt interveniert werden kann (Pflege 2015). Die Interventionsmöglichkeiten in diesen Bereichen bestehen eher in der Gesprächsführung mit den Betroffenen. Wie der physische Bereich zählen diese Bereiche auch zum „total pain“ oder den vier Gesichtern des Schmerzes nach Cicely Saunders, (vgl. Pflege 2015, S.820). Häufig wird betont das die Lebensqualität der Betroffenen durch Schmerzen stark beeinflusst wird und körperliche Schmerzen sich auch auf den psychischen und sozialen Bereich auswirken können (vgl. Schneeweiss und Weber 2018, S. 32).

Von großer Bedeutung für die bedürfnisorientierte Pflege ist die Wahrnehmung der Bedürfnisse von Sterbenden. Wahrnehmung bedeutet in dem Fall eine kontinuierliche verbale und nonverbale Kommunikation. So können Auffassungen (z.B. QoL), Bedeutungs- zusammenhänge (bzgl. Beeinträchtigungen), lebensgeschichtliche Ereignisse, Bedürfnisse, Gewohnheiten und Gefühlen, die sich aus den Krankheitssymptomen und damit verbundenen physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Auswirkungen zusammengetragen werden. Diese Informationssammlung erfolgt in der Regel nicht auf einmal, sondern im weiteren Behandlungsverlauf (vgl. Student et al. 2007, S. 38f.) mit dem Ziel „[…] [der] Wiederherstellung bzw. Erhaltung von Lebensqualität durch eine konsequente Behandlung quälender Symptome“, (Student et al. 2007, S. 62). Dabei wird die Lebensqualität stets vom Patienten definiert, da Symptome von Patient zu Patient unterschiedlich belastend erlebt werden. Das heißt, ein Symptom, das auf einen Patienten besonders belastend wirkt, muss für einen anderen Patienten nicht automatisch auch ein Problem bedeuten (vgl. Student et al. 2007, S.62). An dieser Stelle ist weniger essentiell welche Probleme es aus medizinisch, pflegerischer Sicht gibt (vgl. Knipping und Abt-Zegelin 2007, S. 125).

Das Konzept der Symptomkontrolle wird in der Fachliteratur als weiteres Kernelement der Sterbebegleitung genannt (vgl. Knipping und Abt-Zegelin 2007; Pflege 2015; Student et al. 2007) Es greift die individuellen Pflegeschwerpunkte von Patienten auf. Die am häufigsten vorkommenden Pflegeprobleme sind der Literatur nach zu urteilen chronische Schmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Diarrhö, Xerostomie, Dyspnoe, Angst und Depressionen. In der Symptomkontrolle erfolgt die Erfassung und Dokumentation individueller Pflegeprobleme, diesbezüglich geht es um die gezielte Symptomlinderung durch medika- mentöse und komplementäre Interventionsmaßnahmen, sowie deren stetige Evaluierung. Ebenso wird die Patientenedukation betont. Ziel der Patientenedukation ist es Pflege- bedürftigen und ihren Angehörigen soweit möglich Wissen rundum die Erkrankung zu ver- mitteln, diesbezüglich zu beraten und zu instruieren, sodass Selbstpflege- und Selbstmanage- mentfähigkeiten angeregt werden. Im Sinne von PC sollen die Maßnahmen der Symptom- kontrolle dazu beitragen die Lebensqualität der Patienten maßgeblich zu verbessern; sie soll Leiden vorbeugen oder weitestgehend lindern (Knipping und Abt-Zegelin 2007; S. 32; S3- Leitlinie 2018). Laut Beschluss des G-BA zählt die Symptomkontrolle bei Palliativpatienten seit Ende November 2017 zur neuen Richtlinie häuslicher Krankenpflege. Demnach dürfen Ärzte ambulanter Palliativpatienten fortan Symptomkontrollen verordnen. Intention dieses Be- schlusses ist es, „[…] den Hospiz- und Palliativgedanken stärker in der Regelversorgung zu verankern und die ambulante Palliativversorgung weiter zu stärken“, (Deutsches Ärzteblatt 2017).

Damit der Palliative Care Ansatz wirklich durchdrungen werden kann, können Lebensqualität, „total pain“, Symptomkontrolle und das Wissen um häufige Pflegeschwerpunkte an dieser Stelle unmöglich getrennt voneinander betrachtet werden. Ist man sich der individuellen Bedeutung von Lebensqualität bewusst, so versteht man, wenn es in der Begleitung nicht nur um die Bearbeitung körperliche Beschwerden geht, sondern um das vollumfängliche Seelenheil des sterbenden Menschen. Unter diesem Betrachtungspunkt wurde das Konzept der Symptomkontrolle generiert. Es dient der systematischen Erfassung, Behandlung und Überprüfung individueller Pflegeschwerpunkte von sterbenden Patienten.

2.3. Hauptaussagen

Das Hauptziel palliativer Pflege besteht in der Verbesserung der Lebensqualität von lebensbedrohlich erkrankten Patienten und deren Angehörigen durch eine ganzheitliche Orientierung. Dieses wird zum einen erreicht durch verbale und nonverbale Kommunikation, die dazu beiträgt das jede Form der Schmerzäußerung frühzeitig erkannt, eingeschätzt und behandelt werden kann und Leiden generell vorgebeugt oder gelindert wird. Symptome sollen im Pflegeprozess kontinuierlich erfasst und deren Pflegemaßnahmen evaluiert werden. Ein Richtwert dabei ist immer, dass die individuelle, auf die Bedürfnisse des Patienten, abgestimmte Pflege, die auch sein persönliches Umfeld berücksichtigt (vgl. Knipping und Abt- Zegelin 2007; Student et al. 2007; WHO 2018) Grundlegendes Konzept zur Verbesserung der Lebensqualität ist die Symptomkontrolle.

2.4. Direkter und indirekter Handlungsbezug

Bei der pflegerischen Begleitung sterbender Menschen handelt es sich um eine wichtige Kernkompetenz mit einem direkten Handlungsbezug. Für das Gelingen einer bedürfnisorientierten Pflege wird in der Literatur zunächst auf die Selbstreflexion verwiesen. Die Selbstreflexion gilt in der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit als erster wichtiger Schritt in der Beschäftigung mit Sterbebegleitung. Dabei geben die eigenen Werte von (angehenden) Pflegekräften Aufschluss über deren möglichen Umgang mit Sterbenden. Ein weiterer Aspekt ist die Wahrnehmung wichtiger Bedürfnisse (physisch, psychisch, sozial und spirituell) durch verbale und nonverbale Kommunikation. Es ist von Bedeutung, dass sich Pflegekräfte nicht nur an Regelwissen orientieren, sondern gleichzeitig empathisch, flexibel, kreativ und intuitiv auf ihre Patienten zugehen, um eine bedürfnisorientierte Pflege zu gestalten. Hier entscheidet primär der pflegebedürftige Mensch über die Pflegeschwerpunkte, Angehörige und Pflegekräfte nehmen eine eher untergeordnete Rolle ein (vgl. Knipping und Abt-Zegelin 2007, S. 125).

Damit im Kontext PC eine konkrete Handlungsfähigkeit ausgebildet werden kann, sollten die Auszubildenden ein berufliches Selbstverständnis entwickeln. Dieses Selbstverständnis er- wächst neben dem Wissen um direkte Handlungsbezüge aus dem Wissen um ethische Blick- punkte, rechtliche Aspekte, sowie durch Wissen aus den Bereichen Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie.

3. Bedingungsanalyse

3.1. Informationen zur Lerngruppe

Bei der Lerngruppe handelt es sich um 21 Altenpflegeschüler/innen, bestehend aus 17 Frauen und 4 Männern, im Alter von 19 bis 50 Jahren. Ein Großteil der Schüler/innen ist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Die Lerngruppe startete als Kurs-Nr. 35 zum 01. September 2017 in die dreijährige Ausbildung. Aktuell befindet sich der Kurs am Ende des 1. Ausbildungsjahres. Der Unterricht im ersten Ausbildungsjahr findet in vier bis sechs Wochen langen Blöcken statt und wechselt sich mit bis zu zehnwöchigen Praxisblöcken ab, damit ein kontinuierlicher Theorie-Praxis-Bezug gewährleistet ist. Alle Schüler/innen arbeiten mit einem Stundenumfang von 38,5 bis 40 Stunden/Woche bei Trägern einer stationären Pflegeinrichtung oder eines ambulanten Pflegedienstes. In ihrem dritten Praxiseinsatz vom 03.04 2018 bis zum 25.05.201ß haben die Schüler/innen, komplementär zu ihrer Trägereinrichtung, entweder ein externes Praktikum in einer stationären oder einer ambulanten Einrichtung absolviert. Der vierte Praxiseinsatz in den Trägereinrichtungen hat am 02. Juli 2018 begonnen, ab dem 20. August 2018 starten die Schüler in den fünften Theorieblock, daran schließt sich ab dem 17. September 2018 der fünfte Praxisblock an.

Die Lernvoraussetzungen der Schüler/innen sind sehr unterschiedlich. Ein Großteil der Auszubildenden hat die Fachoberschulreife erworben, einige haben den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 oder die Fachhochschulschulreife. Alle Kursteilnehmer/innen haben bereits Erfahrungen in der Pflege sammeln können entweder im Rahmen von mindestens dreiwöchigen und längeren Vorpraktika oder innerhalb einer Anstellung als Pflegeassistent. Einige haben vor der Ausbildung bereits einen Beruf erlernt. Es sind die Berufe Pflegehelfer, Sozialhelferin, Arzthelferin, zahnmedizinische Fachangestellte, Physiotherapeutin, Fach- Fußpflegerin und Buchhalterin vertreten. Einige der Kursteilnehmerinnen haben Kinder unterschiedlicher Altersstufen, das hat den Vorteil, dass diese bereits Grundvoraussetzungen für eine differenzierte Beobachtungsfähigkeit mitbringen, die sich aus der Pflege kleiner Kinder ergibt. Andererseits ist zu beachten, dass die Schülerinnen mit Kindern in der Vor- und Nachbereitung des Lernstoffs außerhalb des regulären Theorieunterrichts teilweise zeitlich reglementiert sein können. Von den insgesamt 21 Schüler/innen sind drei Teilnehmerin ausländischer Herkunft (Marokko, Ukraine) und dementsprechend mit einer anderen als der deutschen Muttersprache aufgewachsen. Drei weitere Teilnehmerinnen sind in Deutschland geboren, aber zusätzlich mit einer anderen als der deutschen Muttersprache aufgewachsen. Darüber hinaus sind die Sprachkenntnisse und das Sprachverständnis aller Teilnehmer sehr heterogen, die Gründe hierfür sind unterschiedlich erreichte Schulabschlüsse, sowie Lebensalter und die persönliche Biografie.

Der Kurs ist insgesamt als offener und freundlicher Kurs zu beschreiben. Zwischendurch kann es vereinzelt zu kurzen Seitgesprächen kommen, diese beeinflussen den Unterrichtsgang jedoch nicht beträchtlich. Insgesamt herrscht in der Klasse eine gute Arbeitsatmosphäre, die durch einen respektvollen Umgang geprägt ist. Dadurch beteiligen sich die meisten Kursmitglieder aktiv an Unterrichtsgesprächen und haben keine Probleme, sich vor ihren Mitschülern zu äußern.

Da der Kurs bereits vier Theorieblöcke durchlaufen hat, kennen sich die Schüler untereinander bereits gut und wissen mit wem sie gut arbeiten können. Die Schüler haben bisher verschiedenste Sozialformen, wie Frontalunterricht, Einzel-, Partnerarbeit und Gruppenarbeit kennengelernt. Sie sind vertraut mit Lehrervorträgen, Flipchart, Beamer, Overheadprojektor, Lehrfilmen und Textarbeit. Des Weiteren haben sie großes Interesse am praxisorientierten Lernen, da dabei ein direkter praktischer Bezug zu ihrer alltäglichen Arbeit in der stationären Pflegeeinrichtung/ im ambulanten Pflegedienst hergestellt werden kann. Einige der Schüler/innen werden im beruflichen oder privaten Setting vermutlich schon Erfahrungen im „Umgang mit sterbenden Menschen“ gesammelt haben. Aufgrund individueller persönlicher Betroffenheit kann es sein, dass sich einige Schüler/innen den Unterrichtsgesprächen enthalten, denn es handelt sich bei der Unterrichtseinheit um ein hochsensibles Thema. Dieser Umstand ist in der Unterrichtsplanung zu berücksichtigen.

3.2. Curriculare Eingebundenheit und mögliche Vorgaben der Schule

Das schulinterne Curriculum der XY gGmbH orientiert sich schwerpunktmäßig am curricularen Rahmenlehrplan NRW für die praktische Altenpflegeausbildung. Zusätzlich werden weiterführende Teilaspekte einbezogen, die für die umfassende pflegerische Betreuung sterbender Menschen von Bedeutung sind. Hierzu zählen Themen wie z.B. „Sterben – ein Tabuthema?“, „Verortung des Sterbens in Deutschland“ oder „Sterben als letzte Reifephase“. Die Bearbeitung des Lernfelds LF 1.3.11 lässt sich laut dem Rahmencurriculum des Landes NRW im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr verorten. Der Kurs-Nr. 35 befindet sich zurzeit, wie bereits in Abschnitt 3.1 erwähnt, zwar erst am Ende des ersten Ausbildungsjahres. Es wurden bis dahin ausreichend theoretische und praktische Wissensgrundlagen geschaffen, dass eine vorzeitige Bearbeitung des Lernfeldes im ersten Ausbildungsjahr gerechtfertigt werden kann. Zudem bietet sich eine frühere Themenbearbeitung auch unter dem Aspekt an, das die Auszubildenden in ihrem Arbeitsalltag immer früher und häufiger mit der Pflege hochbetagter, schwerstkranker, sterbender Menschen konfrontiert werden.

Die Grundvoraussetzungen für die Erfassung physischer und psychischer Bedürfnisse sterbender Menschen und deren individuelle, pflegerische Begleitung sind die Aspekte Wahrnehmung, Kommunikation und Beobachtung. Diese Aspekte wurden in den Lernfeldern LF 1.2.1 und LF 1.4.1 in vorangegangenen Theorieblöcken bereits ausführlich bearbeitet und auch fächerübergreifend immer wieder aufgegriffen. Sie sollten zu Beginn der ersten Doppelstunde noch einmal kurz aufgefrischt werden. Mit dem Aspekt der Beobachtung kann zu relevanten Bedürfnissen von Sterbenden hingeführt werden. Im weiteren Verlauf sollen die Schüler/innen mit den wichtigsten Pflegeproblemen rundum Körperpflege, Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Lagerung, Atemunterstützung etc., die in der Pflege sterbender Menschen auftreten können, vertraut gemacht werden. Diesbezüglich sollen die Lernenden pflegerelevante, fundierte Maßnahmen an die Hand bekommen, damit sie auf die Bedürfnisse Sterbender patientenorientiert eingehen können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Pflege und Begleitung sterbender Menschen. Unterrichtssequenz für die Ausbildung im Pflegeberuf
Note
2,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
21
Katalognummer
V508564
ISBN (eBook)
9783346067807
ISBN (Buch)
9783346067814
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pflege, begleitung, menschen, unterrichtssequenz, ausbildung, pflegeberuf
Arbeit zitieren
Heike Effer (Autor), 2018, Pflege und Begleitung sterbender Menschen. Unterrichtssequenz für die Ausbildung im Pflegeberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508564

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