Kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer. Aktuelle Herausforderungen an erzieherisches Handeln in der Schule


Akademische Arbeit, 2018

33 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdiskussion
2.1 Kultur
2.2 Kulturelle Vielfalt
2.3 Erziehung
2.4 Interkulturelle Erziehung

3. Interkulturelle Bildung – Grundsatzerlass 2017

4. Erziehung in heterogenen Klassen
4.1 Innere und äußere Differenzierung
4.2 Merkmale eines differenzierten Unterrichts
4.2.1 Stoffauswahl und Ziele
4.2.2 Erhebung der Lernvoraussetzungen
4.2.3 Problembegegnung I „Prototyp“
4.2.4 Problembegegnung II „richtig – falsch“
4.3 Adaptive Lehrkompetenzen in heterogenen Klassen
4.3.1 Sachkompetenz
4.3.2 Diagnostische Kompetenz
4.3.3 Didaktische Kompetenz
4.3.4 Klassenführungskompetenz

5. MiMe – Migration und Mehrsprachigkeit
5.1 Mehrsprachigkeit
5.2 Herkunft
5.3 Segregation – Verhinderung der Vielfalt
5.4 Selektion in der Bildungslaufbahn
5.5 Zusammenfassung

6. Interkulturelles Handeln und Denken
6.1 Herausforderungen für die Lehrerbildung
6.1.1 Die strukturtheoretische Perspektive
6.1.2 Die kompetenzorientierte Perspektive
6.1.3 Die berufsbiographische Perspektive
6.2 Reaktion auf Interkulturalität
6.2.1 Lernende von allen Seiten kennenlernen
6.2.2 Interaktionen mit Erziehungsberechtigten
6.2.3 Entwicklungsmöglichkeiten
6.2.4 Optimale Forderung
6.2.5 Gleichverteilte Aufmerksamkeit
6.2.6 Wachsamkeit und Konfliktbehandlung
6.2.7 Kritische Selbsthinterfragung
6.2.8 Eine Kultur der Anerkennung
6.2.9 Gemeinsame Vereinbarungen

7. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abstract

Mit dieser wissenschaftlichen Arbeit soll die Frage „Welche aktuellen Herausforderungen – im Kontext kultureller Vielfalt im Klassenzimmer – nehmen Einfluss auf erzieherisches Handeln in der Schule?“ beantwortet werden. Zu Beginn werden die Definitionen von Kultur, kultureller Vielfalt, Erziehung und interkultureller Erziehung erläutert. Im zweiten Kapitel fasse ich die wichtigsten Punkte des Grundsatzerlasses Interkulturelle Bildung (2017) sowie dessen Ziele und Kompetenzen zusammen. Das dritte Kapitel beschreibt die Erziehung wie auch die adaptiven Lehrkompetenzen in heterogenen Klassen. Anschließend gibt der Text einen Einblick in die Studie MiMe – Migration und Mehrsprachigkeit, die sich mit den Ergebnissen der österreichischen Bildungsstarttestungen des Jahres 2012 befasst. Im fünften Kapitel schreibe ich über interkulturelles Handeln und Denken. Ich versuche, die unterschiedlichen Perspektiven und Herausforderungen bezüglich der kulturellen Vielfalt in Schulen darzulegen und gebe Anregungen und Lösungsvorschläge für eine adäquate Reaktion im Kontakt mit Interkulturalität.

This bachelor thesis aims to answer the question „What current challenges – in context of cultural diversity in classrooms – influence educational processes at school?”. To begin, the definitions for culture, cultural diversity, education and intercultural education are presented. In the second chapter I examine the most important points of the Intercultural Education Mandate of 2017, i.e. its aims, principles and responsibilities. The third chapter describes educational practices and teaching competencies in heterogeneous classes. Then, the text provides insight into the study „ MiMe - migration and multilingualism”, which deals with the results of the Austrian educational standardized tests from 2012. In the fifth chapter I write about intercultural thoughts and actions. I try to explain the different perspectives and challenges for teachers regarding cultural diversity at schools and give situations and proposed solutions for appropriate reactions in contact with interculturality.

Vorwort

Ich habe im Laufe meines Studiums zahlreiche Praktika in verschiedenen Schulen absolviert und kam dadurch fortlaufend in Kontakt mit Schülerinnen und Schüler, die einen anderen sprachlichen, kulturellen oder religiösen Hintergrund aufwiesen. Von Beginn an war mir die Einbindung der verschiedenen Kulturen in den Unterricht besonders wichtig und ich versuchte mich gezielt dafür vorzubereiten, um bestmögliche Ergebnisse zu erhalten und das Lernen an neuen Inhalten für alle möglichst einfach zu gestalten. Anfangs stellte mich dieses Vorhaben vor eine große persönliche Herausforderung! Die Schülerinnen und Schüler sind, bereits ohne den kulturellen Hintergrund ins Auge zu fassen, sehr heterogen und differenziert zu begleiten. Durch zahlreiches Lesen und Forschen im Internet stieß ich immer wieder auf interessante Informationen und Theorien, die die Handhabung von kultureller Vielfalt im Unterricht erleichterten. Diese unterstützenden Erkenntnisse fasse ich in dieser Bachelorarbeit zusammen.

Danksagung

„Glücklich ist, wer jemanden hat, der stets hilft mit Rat und Tat. Ihnen meinen Dank zu spenden, will ich diesen Spruch verwenden.“

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei allen, die zur Entstehung meiner Arbeit beigesteuert haben. Herzlichen Dank an Mag.a Dr.in Dipl.-Päd.in Katharina Ogris, BEd., dass Sie mich bei meiner Arbeit begleitet und betreut hat. Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, insbesondere meinen Eltern, die mir mein Studium ermöglicht und mich in all meinen Entscheidungen unterstützt haben. Herzlich bedanken möchte ich mich auch bei Diana Scheer, die mich mit mentaler Unterstützung vom Beginn bis zum Ende meiner Arbeitsphase begleitet hat.

Graz, im Dezember 2018 Barbara Aigner

1. Einleitung

Kulturelle Vielfalt, Diversität und Heterogenität in Bildungseinrichtungen, insbesondere in Schulen, sind inzwischen zu relevanten Themen in der pädagogischen Arbeit angewachsen. Das Angebot an Fortbildungen und schwerpunktgesetzten Seminaren an Universitäten und Hochschulen steigt kontinuierlich und bietet pädagogischen Fachkräften, vor allem Lehrpersonen, die Möglichkeit, sich in diesem Bereich weiterzubilden und wesentliche Kompetenzen für den Unterricht zu sammeln. Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage „Welche aktuellen Herausforderungen – im Kontext kultureller Vielfalt im Klassenzimmer – nehmen Einfluss auf erzieherisches Handeln in der Schule?“ auseinander, versucht diese zu beantworten, ermöglicht einen Einblick in die Erziehung in heterogenen Klassen und fasst Lösungsvorschläge zusammen.

Auf der Grundlage der Definitionsversuche von Kultur, kultureller Vielfalt, Erziehung und interkultureller Erziehung im ersten Kapitel beleuchte ich im dritten Kapitel den Grundsatzerlass Interkulturelle Bildung. Dieser Grundsatzerlass umfasst die Inhalte von § 2 des Schulorganisationsgesetzes und legt relevante Aspekte im Bereich der interkulturellen Bildung dar. Er bildet eine wesentliche Grundlage zur Entwicklung professionsorientierter Fähigkeiten von pädagogischen Fachkräften in der Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung. Das vierte Kapitel beschreibt die Erziehung in heterogenen Klassen, beschäftigt sich mit der inneren und äußeren Differenzierung und fasst adaptive Kompetenzen von Lehrpersonen in Hinblick auf die Heterogenität in den Klassen zusammen. Im fünften Kapitel befasse ich mich mit den Zahlen und Fakten der Studie MiMe – Migration und Mehrsprachigkeit, die von Dr.in Barbara Herzog-Punzenberger von der Johannes Kepler Universität Linz durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden die Ergebnisse der Bildungsstandardtestungen 2012 genau unter die Lupe genommen, wie auch eine Ursachenforschung bei auffälligen Werten vollzogen. Um mit kultureller Vielfalt in der Schule positiv umgehen zu können, bedarf es gegenseitigen Verständnisses und Offenheit. Dementsprechend liegt auch der Fokus des sechsten Kapitels im interkulturellen Handeln und Denken. Dazu zähle ich verschiedene Perspektiven beziehungsweise Herausforderungen in der Lehrerbildung auf und beschreibe diese näher.

2. Begriffsdiskussion

Durch die gesamte Arbeit hindurch werden die Begriffe Kultur und Vielfalt immer wieder erwähnt. Um von Beginn an Klarheit zu schaffen, werden diese in den folgenden Absätzen erklärt.

2.1 Kultur

Es wurden bereits unzählige Erläuterungen des Begriffs Kultur geschrieben, und so gibt es auch in der Wissenschaft keine einheitliche Begriffsdefinition. Der Psychologe Alexander Thomas definiert Kultur als eine umfassende Erscheinung innerhalb einer Gesellschaft, Organisation oder Gruppe. Er bezeichnet Kultur als sogenanntes „Orientierungssystem“, welches Einfluss auf unser Bewusstsein, unsere Vorstellung, unsere Wertehaltung und unser Verhalten hat. Durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer bestimmten kulturellen Gruppe gewinnen wir an Sicherheit und Schutz. Diese Sicherheit vermitteln wir auch in sozialen Zusammentreffen von verschiedenen Kulturen (vgl. Thomas, 2005, S. 19-28).

Kultur ist ein fortlaufender Prozess: Kultur bildet, wächst und entwickelt sich zu jeder Zeit, an jedem Ort. Aufgrund von verschiedenen kulturellen Auffassungen und Praktiken handeln und verhalten sich Menschen in bestimmten Situationen sehr unterschiedlich. So kann es durchaus passieren, dass identische Inhalte oder Informationen von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen absolut gegensätzlich interpretiert werden. Umso wichtiger ist es, dass die konkreten Grundgedanken der einzelnen Kulturen innerhalb der Gesellschaft vermittelt und im Weiteren angenommen werden (vgl. Thomas & Utler, 2013, S. 41-50).

Eine weitere Auffassung von Kultur, die ich persönlich sehr explizit und verständlich finde, ist die Beschreibung von Kultur anhand eines Eisberges. Der Eisberg teilt sich in zwei Bereiche: den sichtbaren bewussten Teil und den tieferliegenden unbewussten Teil. Die Grundlage des Eisberges (unsichtbar) bilden die Werte, die ihren Platz unter der Wasseroberfläche haben. Die Werte sind in jeder Kultur tief verankert und nicht auf den ersten Blick erkennbar. Über den Werten liegen die Einstellungen, die sich aus Verhaltensweisen, Kommunikations- und Umgangsformen wie auch kulturellen Artefakten zusammensetzen. Werte und Einstellungen können durch Sozialisierung an Bedeutung verlieren. Rituale und Praktika werden oft ohne Hintergrundwissen angewendet oder überhaupt nicht mehr eingesetzt. Die Kultur im sichtbaren Bereich spiegelt sich in Kleidung, Kunst, Speisen, aber auch in Interaktions- und Umgangsformen wieder. Diese äußerlichen Kennzeichen werden als Touristin und Tourist in einem anderen Land sofort wahrgenommen, wogegen Ursachen für bestimmte Verhaltensmuster nur durch konkrete Erkundungen hinterfragt werden können (vgl. Baumann, 2017, S. 97).

2.2 Kulturelle Vielfalt

Unter kultureller Vielfalt wird das Vorhandensein verschiedener Kulturen und Identitäten innerhalb einer Bevölkerung beziehungsweise Gesellschaft definiert. Kontinuierliche Interaktionen und ein gegenseitiger Austausch von Praktiken, Lebensweisen und Religionen ermöglichen Perspektivenwechsel und positive Weiterentwicklungen in der Gesellschaft. Zudem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass kulturelle Vielfalt für ALLE Beteiligten eine Bereicherung darstellt, wie auch zur Persönlichkeitsentwicklung der einzelnen Individuen beiträgt. Der in den Bereichen Bildung und Politik häufig verwendete Begriff der kulturellen Vielfalt wurde 2001 im Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt (AEVK) „als Quelle des Austauschs, der Erneuerung und der Kreativität“ und „für die Menschheit ebenso wichtig wie die biologische Vielfalt für die Natur“ konstituiert. Die UNESCO ist die einzige Organisation mit einem Mandat im Kulturbereich in den Vereinigten Nationen. Im Jahr 2007 nahm das UNESCO-Abkommen über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen seine Gültigkeit an. Hinter dieser Konvention, die allen Staaten eine eigenständige Führung der Kulturpolitik gewährt, stehen 147 Länder, wie auch alle Länder der Europäischen Union (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 2005).

Die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen verfolgt folgende Ziele:

- Förderung von langfristigen Projekten im Kulturbereich,
- Erhaltung an Balance in Transaktionen zwischen kulturellen Gütern und Dienstleistungen,
- Miteinbeziehung von Kultur in Rahmenpläne für nachhaltiges Wachstum,
- Unterstützung von Menschenrechten und Grundfreiheiten (vgl. Deutsche UNESCO-Kommission e.V., 2005).

Die Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen beinhaltet eine nähere Erläuterung des Begriffes kulturelle Vielfalt. Darauf nimmt kulturelle Vielfalt nach Artikel 4 Absatz 1 Bezug:

[…] auf die mannigfaltige Weise, in der die Kulturen von Gruppen und Gesellschaften zum Ausdruck kommen. Diese Ausdrucksformen werden innerhalb von Gruppen und Gesellschaften sowie zwischen ihnen weitergegeben. Die kulturelle Vielfalt zeigt sich nicht nur in der unterschiedlichen Weise, in der das Kulturerbe der Menschheit durch eine Vielzahl kultureller Ausdrucksformen zum Ausdruck gebracht, bereichert und weitergegeben wird, sondern auch in den vielfältigen Arten des künstlerischen Schaffens, der Herstellung, der Verbreitung, des Vertriebs und des Genusses von kulturellen Ausdrucksformen, unabhängig davon, welche Mittel und Technologien verwendet werden. (UNESCO-Kommission, 2005, S. 5)

Der Blick in das Fremdwörterbuch weist den Begriff kulturelle Vielfalt als „das Vorhandensein von Einflüssen mehrerer Kulturen“ auf. Diese Einflüsse haben Auswirkungen auf private wie auch öffentliche Gegebenheiten und Aktivitäten in einem Umfeld (vgl. Bibliographisches Institut, 2018).

2.3 Erziehung

In Europa war die Erziehung bis in die Neuzeit mit der Absicht, den Menschen zu einem christlichen Wesen zu erziehen, verbunden. Erst mit der Entstehung der Pädagogik als autonomer Wissenschaft und der dadurch entstandenen Trennung von Religion und Theologie entwickelte sich ein Verständnis der Erziehung (vgl. Scheuerl, 1995, S. 853). Heute gibt es unzählige Theorien der Erziehung. Friedrich Schleiermacher (1768-1834) beschreibt Erziehung als allumfassenden Begriff, den jeder Mensch durch die selbst durchlaufene Erziehung differenziert wahrnimmt. Insofern erziehen Menschen, wie sie selbst erzogen sind (vgl. Schleiermacher, 1959, S. 36). Eine weitere Auffassung von Erziehung ist die vom Schweizer Pädagogen Walter Herzog. Er beschreibt Erziehung als hierarchisches Verhältnis zwischen Erziehenden und zu Erziehenden:

Erziehung ist der Versuch, menschliche Entwicklung zu beeinflussen und beruht auf einem Verhältnis zwischen Menschen ungleicher Reife. Ihre Voraussetzung ist ein Kompetenzgefälle, das herkömmlicherweise im Rahmen eines Generationsverhältnisses in Erscheinung tritt (…) Dabei definiert die Erwachsenengesellschaft das Ziel, auf das hin die Beeinflussung des kindlichen Werdens ausgerichtet wird. (Herzog, 1991, S. 42)

2.4 Interkulturelle Erziehung

Kinder werden in eine multikulturelle Gesellschaft hineingeboren, wachsen darin auf und sehen diese als selbstverständlich an. Die interkulturelle Erziehung orientiert sich an Kindern mit österreichischen Eltern, nicht-österreichischen Eltern sowie an binationalen Kindern. Zu Beginn ist jedes Kind unvoreingenommen und spaziert mit offenen Augen und voller Entdeckerfreude durch die Welt. Aufgrund oft negativer Einflüsse von Erwachsenen oder negativer Erfahrungen bilden sich Meinungen, die zu Lebenseinstellungen und Grundgedanken heranwachsen. Interkulturelle Erziehung setzt sich daher mit alltäglichen Geschehnissen in unserer multikulturellen Gesellschaft auseinander und fasst besonders die Interaktion mit dem „Fremden“ ins Auge. Ausgehend von den universellen Menschenrechten, agiert interkulturelle Erziehung für Chancengleichheit und Emanzipation aller Individuen. Weitere erwähnenswerte Begriffe in der interkulturellen Erziehung sind Akzeptanz, Integration, Migration, Sprachförderung, Toleranz, aber auch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Interkulturelle Erziehung gilt als fester Bestandteil der allgemeinen Bildung und wird seit den 1970er Jahren global als Alternative zur „Ausländerpädagogik“ akzeptiert (vgl. Nieke. 1995, S. 8-12).

3. Interkulturelle Bildung – Grundsatzerlass 2017

Die Diversität in unserer multikulturellen Gesellschaft repräsentiert sich vor allem in den Klassenräumen österreichischer Schulen. Dieses Phänomen wird, abgesehen von der Mehrsprachigkeit, durch soziale, religiöse und kulturelle Ungleichheiten im Verhalten der Schülerinnen und Schüler deutlich ersichtlich. Interkulturelles Lernen ist seit 1992 in den allgemeinbildenden Schulen als fächerübergreifendes und fächerbindendes Unterrichtsverfahren festgelegt. Dieses Unterrichtsprinzip unterstützt Lehrpersonen dabei, den Unterricht diversitätssensibel zu gestalten, wie auch für globale und gesellschaftliche Themen im Schulalltag Platz zu finden. Der Grundsatzerlass Interkulturelle Bildung wurde 2017 unter Einsatz eines Expertenteams konstruiert und trägt dazu bei, dass die Anforderungen nach § 2 des Schulorganisationsgesetzes umgesetzt werden. Er beleuchtet Themen im Bereich der interkulturellen Bildung und die Durchführung des Unterrichtsprinzips. Auf internationaler Ebene lassen sich zusätzlich folgende Organisationen erwähnen:

- die „UN-Agenda 2030“,
- die „UN Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (Sustainable Development Goals – SDGs),
- die UNESCO Guidelines on Intercultural Education (2006) sowie Intercultural Competences: Conceptual and Operational Framework (2013),
- die „Erklärung zur Förderung von Politischer Bildung und der gemeinsamen Werte von Freiheit, Toleranz und Nichtdiskriminierung“ (2015),
- die Europarats-Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung (2010) (vgl. BMB, 2017).

3.1 Ziele und didaktische Grundsätze

Interkulturelle Bildung befasst sich mit den Gegebenheiten des gesamten Schulsystems und leistet somit allumfassende Inhalte in der Schulentwicklung.

Interkulturelle Bildung wird von allen Lehrpersonen und Lehrenden gemeinsam gelebt und steuert dadurch zu einem solidarischen Schulklima, wie auch zu einem respektvollen und toleranten Umgang im schulischen Alltag bei.

Interkulturelle Bildung fördert neben der Persönlichkeitsentwicklung auch eine Perspektivenerweiterung und eine Entfaltung der Sichtweisen.

Interkulturelle Bildung regt durch Infragestellung der Stereotypisierung und Klischeevorstellung zur Reflexion der eigenen sowie der gesellschaftlichen Handlungen an (vgl. BMB, 2017).

3.2 Interkulturelle Kompetenzen

Interkulturelle Bildung verfolgt folgende Kompetenzen:

- Heterogenität als Normalität ansehen,
- tolerantes Verhalten und Handeln bei unterschiedlichen Familienrealitäten,
- Erkennen, dass die persönlichen Erfahrungen eine individuelle Person prägen,
- Analyse der persönlichen Lebensgeschichte,
- der Relativität der persönlichen Sichtweisen bewusst sein,
- Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten feststellen, beobachten und reflektieren,
- variierende Zugehörigkeiten im persönlichen Lebenslauf wahrnehmen,
- eine kritische und respektvolle Haltung als Ausgangsebene vertreten,
- Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen in allen Unterrichtsfächern sowie im privaten und beruflichen Umfeld (vgl. BMB, 2017).

4. Erziehung in heterogenen Klassen

Lehrpersonen sind täglich mit der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler konfrontiert. Sie müssen sich mit deren unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Leistungsvermögen, Motivationen und Interessen auseinandersetzen, um im Weiteren die Unterrichtsplanungen darauf abstimmen zu können. Aufgrund der zunehmenden Heterogenität in den Klassen kann ein positiver und effizienter Unterricht in heterogenen Klassen nur durch die Bereitstellung von Differenzierung wie auch Individualisierung erfolgen (vgl. Klafki & Stöcker, 1976, S. 174-175).

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Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer. Aktuelle Herausforderungen an erzieherisches Handeln in der Schule
Autor
Jahr
2018
Seiten
33
Katalognummer
V508789
ISBN (eBook)
9783346073129
ISBN (Buch)
9783346073136
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelle, vielfalt, klassenzimmer, aktuelle, herausforderungen, handeln, schule, diversität, Heterogenität, gender
Arbeit zitieren
Elisabeth Ai (Autor), 2018, Kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer. Aktuelle Herausforderungen an erzieherisches Handeln in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508789

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