Disclosure Initiative des IASB. Status Quo und künftige Entwicklung


Bachelorarbeit, 2016
56 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKURZUNGS- UND SYMBOLVERZEICHNIS

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

1 Problemstellung

2 Historischer Hintergrund
2.1 Das Disclosure Problem
2.2 Erwartungen an die Disclosure Initiative
2.3 Der IASB MaBnahmenkatalog
2.3.1 Kurzfristige MaBnahmen
2.3.2 Mittelfristige Forschungsaktivitiiten

3 Status Quo und kunftige Entwicklungen
3.1 Interdependenzen zwischen der Disclosure Initiative und dem Rahmenwerk Projekt
3.2 Abgeschlossene Projekte
3.2.1 Indossierte Teiliinderung des IAS 1
3.2.2 Indossierte Teiliinderung des IAS 7
3.3 Aktuelle Projekte
3.3.1 Standardentwurf zur Anderung des IAS 8
3.3.2 Standardentwurf zur Praxisanwendung der Wesentlichkeit
3.3.3 Angabeprinzipien
3.3.4 Uberprufung bestehender Angabevorschriften
3.3.5 Angabenrahmenwerk

4 Kritische Wurdigung

5 Thesenformige Zusammenfassung

LITERATURVERZEICHNIS

ABKURZUNGS- UND SYMBOLVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS

Abbildung 1: Zusammenfassende Darstellung des Disclosure Problems aus der Sicht des IASB

Abbildung 2: Rahmenwerk im Zusammenhang mit der Disclosure Initiative

Abbildung 3: Kernbereiche des Leitliniendokuments zur Anwendung der Wesentlichkeit

Abbildung 4: Diskutierte Themen im Projekt zu den Angabeprinzipien

Abbildung 5: Mogliche einleitende Projektschritte zur Uberprufung bestehender Angabevorschriften

Tabelle 1: Disclosure Problem bezogene Ereignisse von 2006 bis 2013

Tabelle 2: Gliederungsstruktur des IFRS-Anhangs gemiiB IAS 1.114

Tabelle 3: Darstellung des Disclosure Problems aus Sicht der Abschlussersteller und Abschlussadressaten

Tabelle 4: Erwartungen der Abschlussersteller an die Disclosure Initiative

Tabelle 5: Erwartungen der Abschlussadressaten an die Disclosure Initiative

Tabelle 6: Sonstige Projekterwartungen an die Disclosure Initiative

Tabelle 7: Aktualisierte Darstellung des IASB-MaBnahmenkatalogs

Tabelle 8: Anderungen an IAS 1 Darstellung des Abschlusses

Tabelle 9: Beispielhafte Darstellung zu IAS 1.82A

Tabelle 10: Leitlinieniinderung an IAS 1 Darstellung des Abschlusses

Tabelle 11: Anderung an IAS 7 Kapitalflussrechnung

Tabelle 12: Leitlinieniinderung des IAS 7 Kapitalflussrechnung

Tabelle 13: Beispielhafte Uberleitungsrechnung

Tabelle 14: Empfohlene Anderungen fur IAS 8 Rechnungslegungsmethoden

Tabelle 15: Kerninhalte des Leitfadens zur Uberprufung bestehender Angabevorschriften

Tabelle 16: Inhaltliche Ansatze fiir das Angabenrahmenwerk

1 Problemstellung

In den vergangenen Jahren lieB sich eine Steigerung der Anhangsangaben in den Jahresabschlussen kapitalmarktorientierter Unternehmen beobachten. Als Grund hierfur ist der vom IASB vertretene Leitsatz ,mehr Informationen in den Jahresab- schlussen fuhren zu mehr Effizienz" 1 zu nennen. Dazu hat EU-Kommissar McCreevy bereits im Jahr 2006 kritisch angemerkt: ,But I wonder whether a flood of information is really the answer. Too much information may mean many inves- tors will have to rely more heavily on professional analysts."2

Inzwischen beklagen immer mehr Abschlussersteller den immensen Aufwand, der mit einer ausfuhrlichen Offenlegung aller relevanten Angabevorschriften verbun- den ist.3 Die Abschlussadressaten ihrerseits bemiingeln die Flut an unwesentlichen Informationen, die zu einer Verschleierung von wesentlichen sowie unternehmens- spezifischen Informationen fuhrt. 4 Dieses Dilemma wird auch als ,Disclosure Overload"5 bezeichnet. Zur langfristigen Losung des Disclosure Overloads wurde das Projektportfolio Disclosure Initiative unter Leitung des IASB ins Leben geru- fen. Die Zielsetzung der Disclosure Initiative besteht darin, die Kritik uber die zu zahlreichen Anhangsangaben zu prufen und entsprechende Losungsansiitze abzu- leiten.6 Somit ist dieser Schritt als Chance fur die finanzielle Berichterstattung ka- pitalmarktorientierter Unternehmen zu betrachten, um zum Wohle aller Rech- nungslegungsparteien auf IFRS-Basis die Angabevorschriften zu reduzieren und schlieBlich zu vereinfachen.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden der Status Quo und die kunftige Entwick- lungen der Disclosure Initiative deskriptiv dargestellt. Die Grundlagen zum besse- ren Verstiindnis des Disclosure Problems und dessen Losungsansatz werden in Ka- pitel zwei vermittelt. Ebenso werden hier die mit der Disclosure Initiative verbun- denen Erwartungen der IFRS-Rechnungslegungsparteien vorgestellt, um auf dieser Basis in Kapitel vier eine normative, kritische Wurdigung mit Hilfe eines Soll-Ist- Vergleiches durchzufiihren. Zuvor werden die Projektmeilensteine der verschiede­ nen zur Disclosure Initiative gehorenden Teilprojekte in Kapitel drei detailliert be­ schrieben. Zum Schluss wird eine thesenformige Zusammenfassung in Kapitel fiinf abgebildet, die eine Grundlage dafiir bieten soll, sich innerhalb ki.irzester Zeit ein Bild von den Ergebnissen der Bachelorarbeit zu verschaffen.

2 Historischer Hintergrund

Die folgende Ubersichtstabelle bildet die zeitliche Entwicklung im Umgang mit dem Disclosure Problem ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Disclosure Problem bezogene Ereignisse von 2006 bis 20137

Die IFRS-Rechnungslegung wurde im Jahr 2005 in Europa ergiinzend zu der nati- onalen Rechnungslegung eingefuhrt.8 Im Jahr 2006 brachte der EU-Kommissar McCreevy seine kritische Haltung gegenuber der IFRS-Einfuhrung in Europa un- missverstiindlich zum Ausdruck. Insbesondere stellte er den Nutzen der Informa- tionsflut in den Jahresabschlussen als Folge der IFRS-Einfuhrung infrage. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die Rolle des Investors, da auf ihn nun eine Mehrarbeit bezogen auf die Analyse von Jahresabschlussen zukam.9 McCreevy hatte damit das damals noch nicht existierende Disclosure Problem prognostiziert.

Im Jahre 2010 entschieden die Treuhiinder der IFRS-Stiftung, mittels des Kommu- nikationsinstrumentes einer Agendakonsultation das zukunftige 3-Jahres Arbeits- programm des IASB unter Einbindung der Investoren im Jahr 2011 zu definieren.10

Die Einbindung Externer erfolgte anhand von Befragungsdokumenten, in denen Projektvorschliige zum zukunftigen IASB-Arbeitsprogramm gemacht werden konnten. Zudem richtete das IASB vier offentliche Diskussionen aus.11 Das im Jahr 2011 veroffentlichte ,Feedback Statement: Agenda Consultation 2011" beinhaltet eine Zusammenfassung der Befragungen sowie der Diskussionen.12 Im Jahre 2012 wurde die Agendakonsultation offiziell beendet.13 Die Aufnahme des Projekts zur Erstellung des Angabenrahmenwerks in das IASB Arbeitsprogramm deutet auf die Existenz eines Disclosure Problems und auf die Notwendigkeit des Uberdenkens bestehender Angabevorschriften durch das IASB hin.14

Als Grundlage fur das im Jahr 2013 angesetzte Diskussionsforum initiierte das IASB im Jahr 2012 eine Umfrage mit dem Ziel, das Disclosure Problem aus Sicht verschiedener Rechnungslegungsparteien zu identifizieren. Die Umfrage richtete sich sowohl an Abschlussadressaten als auch an Abschlussersteller und hatte zum Ziel, Erkenntnisse daruber zu erlangen, ob bestehende Angabevorschriften einen Disclosure Overload (Uberhang an unwesentlichen Informationen), einen Mangel an wesentlichen Informationen oder eine mangelhafte Kommunikation verursa- chen.15 Ferner diente das Diskussionsforum als zusiitzliches Instrument, um den Di- alog zwischen Abschlussadressaten, Abschlusserstellern, Aufsichtsbehorden, Wirt- schaftsprufern und Regulatoren zu fordern, um damit weitere Erkenntnisse auf dem Gebiet des Disclosure Problems und dessen Ursachen zu erlangen.16 Das vom IASB im selben Jahr veroffentlichte Feedback Statement ,Discussion Forum - Financial Reporting Disclosure" enthiilt eine Zusammenfassung der gesamten Kernaussagen sowie die jeweiligen Stellungsnahmen des IASB. AuBerdem findet sich dort eine Ubersicht und kurze Zusammenfassung der bereits getiitigten Projekte anderer In- stitutionen zur Losung des Disclosure Problems. Final werden die Ergebnisse der im Jahr 2012 abgehaltenen Umfrage abgebildet und erliiutert.17 Zusiitzlich wird ein konkreter MaBnahmenkatalog des IASB priisentiert, der sich aus kurz- und mittel- fristigen Projekten zusammensetzt und auf die Vereinfachung bzw. Verbesserung der Angabevorschriften ausgerichtet ist. Damit triigt es maBgeblich zur Losung des Disclosure Problems bei.18

Wiihrend der IFRS-Konferenz im Jahr 2013 bezeichnete Hans Hoogervorst (Vor- sitzender des IASB) den priisentierten MaBnahmenkatalog als den entscheidenden Schritt in Richtung einer Losung des Disclosure Problems. Den MaBnahmenkatalog erliiuterte er anhand eines Zehn-Punkte-Plans.19

2.1 Das Disclosure Problem

Das Disclosure Problem wird vor allem auf die ausufernden Angaben im Anhang der Jahresabschlusse kapitalmarktorientierter Unternehmen zuruckgefuhrt. GemiiB IAS 1.10 gehoren zu einem vollstiindigen IFRS-Abschluss neben dem Anhang auch die vier Rechenwerke Bilanz, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalveriinderungs- rechnung und Gesamtergebnisrechnung.20 Die Anmerkungen im Anhang (notes) werden wie folgt definiert: ,Jeder erliiuterungsbedurftige Abschlussposten (aus Bi- lanz, GuV, Kapitalflussrechnung) ist technisch mit einem Querverweis zu siimtli- chen im Anhang seiner Erliiuterung dienenden Information zu versehen (IAS 1.113)." 21 Insofern lassen sich die Offenlegungen (disclosures) im Anhang wie folgt definieren: ,Dem Anhang kommt die Funktion zu, die Zahlen der Rechen- werke, d.h. ihr Zustandekommen (Methoden) und ihren Inhalt (Zusammensetzung), zu erliiutern sowie zusiitzliche Informationen zu liefern, die nicht Teil der Finanz- buchhaltung bzw. der anderen Abschlussbestandteile sind (IAS 1.112)."22

Zum visuellen Verstiindnis folgt ein beispielhafter IFRS-Anhang. Aus dieser Ta- belle ist die empfohlene Gliederungsstruktur (IAS 1.114) des Anhangs ersichtlich. Der Anhang setzt sich aus den allgemeinen Angaben, den erliiuterungsbedurftigen Abschlussposten sowie den sonstigen Angaben zusammen.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Gliederungsstruktur des IFRS-Anhangs gemiiB IAS 1.11424

Im Rahmen der IASB Disclosure Umfrage haben 80% der Teilnehmer angegeben, dass das Disclosure Problem in der Praxis wahrgenommen wird.25 Die folgende Abbildung zeigt, wie sich die Wahrnehmung des Disclosure Problems aus der Sicht der Abschlussersteller und der Abschlussadressaten spiegelt. Die Abbildung beruht auf den Ergebnissen der durch das IASB im Jahre 2012 durchgefuhrten der Disclo- sure-Umfrage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zusammenfassende Darstellung des Disclosure Problems aus der Sicht des IASB26

Aus Sicht der Abschlussersteller (bilanzierende Unternehmen) wird das Disclosure Problem in Form eines Disclosure Overloads wahrgenommen, einer Uberflutung von Anhangsangaben, die sich aus der Vielzahl zu erfullender Angabevorschriften in den Standards erkliiren liisst, und die sich negativ auf die Kommunikationsfunk- tion der Jahresabschlusse auswirkt. Aus diesem Grund gestaltet sich die praktische Umsetzung der Trade-offs zwischen den zu erfullenden Angabevorschriften und der Offenlegung unternehmensspezifischer Informationen, die zum besseren Ver- stiindnis des jeweiligen Unternehmens dienen, als schwierig.27

Die Abschlussadressaten waren dagegen uberzeugt, dass das Disclosure Problem das Ergebnis eines Mangels an relevanten Informationen ist, die jedoch essentiell sind, um Investitionsentscheidungen auf Basis entscheidungsnutzlicher Informati- onen zu treffen. Daraus liisst sich erschlieBen, weshalb Adressaten die ineffektive Kommunikation der Anhangsangaben kritisieren: Sie messen fehlerhaften oder un- vollstiindigen Angaben eine hohere Entscheidungsnutzlichkeit bei, als der Angabe unwesentlicher Informationen. Folglich wird aus Sicht der Abschlussadressaten die Zunahme unwesentlicher Informationen in den Abschlussen eher als Argernis denn als eine grundlegende Kommunikationsbarriere zwischen Erstellern und Adressa- ten empfunden.28

Es finden sich allerdings auch AuBerungen, dass das Disclosure Problem ein Ag- gregationsproblem ist, das auf einer Vielzahl von Ursachen basiert. Hierzu ziihlen u.a. der Ausweis unwesentlicher Angaben sowie die Vorschriften zur Formulierung von Angabevorschriften.29

Die unten dargestellte Tabelle beinhaltet eine Zusammenfassung der Aussagen von Abschlussadressaten und Abschlusserstellern auf dem Diskussionsforum des IASB:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Darstellung des Disclosure Problems aus Sicht der Abschlussersteller und Abschlussadressaten30

Das Fehlen einer sachverstiindigen Beurteilung der Wesentlichkeit und die daraus resultierende unzureichende Praxisanwendung in Form des Checklistenansatzes werden im Rahmen der IASB Umfrage in 2012 unmittelbar mit dem Disclosure Problem in Verbindung gebracht.31 Die Abschlussersteller sind sich der Relevanz der Anhangsangaben bewusst, und sie schiitzen den Abschluss als wichtiges Kom- munikationsinstrument. Dies belegt der immense Druck seitens der Enforcement- stellen im Zusammenhang mit dem Disclosure Overload. Um kritischen Ruckfra- gen hinsichtlich fehlender Angaben zu entgehen, werden Angabevorschriften von ihnen zu vorsichtig und zu akribisch bearbeitet. Bei dem Bemuhen, negative Aus- wirkungen auf das Management bei fehlenden Anhangsangaben zu vermeiden, geht der Bezug zur Wesentlichkeit zulasten der Prufungssicherheit verloren. Weiter wird der Turnus der finanziellen Berichterstattung kritisiert, da dieser die Bereitschaft zu einer sachverstiindigen Anwendung der Wesentlichkeit entscheidend behindert, mit der Folge, dass sich der Checklistenansatz aufgrund des Zeit- und Kostenfaktors als pragmatischer erweist. Aus den geschilderten Grunden hat sich der Abschluss zu einem ,Abladeplatz" redundanter unwesentlicher und nicht unternehmensspezifi- scher Informationen entwickelt.32

Die befragten Abschlussadressaten kritisieren hingegen die Praxisanwendung des Wesentlichkeitsprinzips in Form des Checklistenansatzes. Sie identifizieren den Checklistenansatz als einen der wesentlichen Verursacher eines Mangels an we- sentlichen und nicht unternehmensspezifischen Informationen.33 Die daraus abge- leitete Kritik der Adressaten an die praktizierte Compliance-Mentalitiit basiert auf einem nachrangig erfullten Bedurfnis nach relevanten und unternehmensspezifi- schen Informationen.

Die IASB Umfrage aus dem Jahr 2012 sowie das Diskussionsforum belegen erst- malig, dass Abschlussadressaten und Abschlussersteller die Existenz eines Disclo- sure Problems bestiitigen. Zudem liisst sich unabhiingig davon feststellen, dass das Disclosure Problem auf einer divergenten Wahrnehmung basiert, die sowohl in der IASB-Umfrage als auch in dem Diskussionsforum nahezu identisch beschrieben wird: Einerseits nehmen Abschlussersteller das Disclosure Problem in Form des Disclosure Overloads wahr, und andererseits beklagen Abschlussadressaten einen Mangel an relevanter und unternehmensspezifischer Informationen. Zusammenfas- send kann das Disclosure Problem als ein Interaktionsproblem zwischen den Ab- schlusserstellern, den Abschlussadressaten, den Standardsetzern und den En- forcementstellen beschrieben werden. Dies bedeutet, dass jede dieser Parteien einen eigenen Anteil an dem Disclosure Problem hat, und daher auch an dessen Losung mitwirken kann und sollte.34

2.2 Erwartungen an die Disclosure Initiative

Zur Losung des Disclosure Problems bedarf es der Zusammenarbeit aller IFRS- Rechnungslegungsparteien, angefangen bei den Abschlusserstellern der Jahresab- schlusse bis hin zu den Enforcementstellen (Wirtschaftsprufer, Aufsichtsbehorden), die die Jahresabschlusse auf deren OrdnungsmiiBigkeit hin kontrollieren.35 Dem- nach ist eine aktive Kommunikation aller Parteien erforderlich, um Interdependen- zen zwischen den IFRS-Rechnungslegungsparteien offen zu legen und bestmogli- che Losungen zu entwickeln.

Auf die breit gefiicherte Kritik aufbauend, die in Kapitel 2.1 detailliert beschrieben ist, folgen Ubersichten mit den Erwartungen der Abschlussersteller und Abschlus- sadressaten an die Disclosure Initiative.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Erwartungen der Abschlussersteller an die Disclosure Initiative36

Abschlussersteller sind sich danach in der Tat bewusst, dass nicht nur die Wirt- schaftsprufer die Compliance Vorgehensweise zu verantworten haben, sondern dass auch sie hier in der Verantwortung stehen.37 Daher werden u.a. MaBnahmen vom IASB erwartet, die zur Entschlackung des IFRS-Abschlusses fuhren, wie z.B. die Auslagerung von nachrangig relevanten Informationen auf die Unternehmens- website.38

Die Zusammenstellung der Erwartungen zeigt, dass ein GroBteil auf Anderungen des IAS 1 zielt, der die Vorgaben fur die Darstellung des IFRS-Abschlusses regelt. Folglich ist das Ziel der erwarteten Anderungen an IAS 1 eine Verbesserung der Wesentlichkeitsbeurteilung.39 Ebenfalls wird vom IASB eine Kliirung der Frage ge- fordert, inwiefern sich das Kriterium der Wesentlichkeit auf den gesamten IFRS- Abschluss bezieht.40 In diesem Zusammenhang wird die Konkretisierung der Er- messensausubung in IAS 1.31 im Hinblick auf die Offenlegung von Angaben ge- fordert. Und zur Frage der Anhangsangaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsme- thoden wird von dem IASB auBerdem eine Neuregelung des Ausweises relevanter Rechnungslegungsmethoden erwartet.41 Notwendig ist zur besseren Verstiindlich- keit daruber hinaus die Einfugung von weiteren Zwischensummen in der Gesamt- ergebnisrechnung.42

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Erwartungen der Abschlussadressaten an die Disclosure Initiative43

Was die Offenlegung unternehmensspezifischer Informationen betrifft, fordern Ab- schlussadressaten vom IASB eine prinzipienbasierte Auslegung der Angabevor- schriften. In diesem Kontext wird ein Sinneswandel bei der Accounting-Mentalitiit gefordert, die sich in Zukunft stiirker Kommunikationszwecken dienen soll und we- niger der Compliance Mentalitiit. Dies soll die Verinnerlichung des Ausweises we- sentlicher und unternehmensspezifischer Angaben in der Accounting-Mentalitiit fordern.44

Als richtungsweisend wird die Konzeption eines Praxisleitfadens und die Erstel- lung von Aus- und Weiterbildungsmaterial zur Anwendung des Wesentlichkeits- prinzips in Bezug auf Anhangsangaben gefordert.45 Dadurch soll die sachverstiin- dige praktische Anwendung der Wesentlichkeit verbessert werden, wodurch dem Disclosure Overload die Grundlage entzogen wird.46 Das Kriterium der Wesent- lichkeit bzw. die Entscheidungsnutzlichkeit von Informationen werden so wieder in den Vordergrund der IFRS-Rechnungslegung geruckt. AuBerdem verliert der Checklistenansatz damit endgultig seine Rechtfertigungsbasis verlieren und ver- schwindet aus der Praxis.47

Weiter wird zur Verbesserung der Wesentlichkeitsbeurteilung sowohl eine Festle- gung in IAS 1 erwartet, dass unwesentliche Informationen einen Verschleierungs- effekt auf wesentliche und unternehmensspezifische Informationen haben, als auch vom IASB eine Vorgabe zu Rechnungslegungsmethoden.48 Zudem wird vom IASB die Beseitigung des Eindrucks erwartet, dass die in IAS 1 abgebildete Reihenfolge der Mindestgliederungsposten in der Bilanz und Gesamtergebnisrechnung verbind- lich einzuhalten sind. Hintergrund dieser Erwartung ist, dass Angaben im Anhang und Daten in den Rechenwerken - bedingt durch die Regelung der Mindestgliede- rungsposten - die Verknupfung von relevanten Informationen erschweren.49 Die Aufweichung der Mindestgliederungsposten kann bewirken, dass Unternehmen zu- sammenhiingende Angaben offenlegen.50 Da Schwierigkeiten hinsichtlich der Ver- knupfung von verbindlichkeitsbezogenen Anhangsangaben und deren entsprechen- der bilanzieller Ausweis aufgetreten sind, erwarten Abschlussadressaten die Ho- henangabe sowie Erliiuterung der Nettoschulden anhand einer Uberleitungsrech- nung.51

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Sonstige Projekterwartungen an die Disclosure Initiative52

Die obige Tabelle zeigt die sonstigen Erwartungen an die Disclosure Initiative. Da- nach werden vom IASB MaBnahmen hinsichtlich einer allgemeinen Uberprufung der Angabevorschriften erwartet.53 Dazu soll das IASB die Angabevorschriften all- gemein vor dem Hintergrund ihrer Konsistenz prufen.54 Zu allgemein gehaltene bzw. zu vorschreibende Angabevorschriften sollen identifiziert und modifiziert werden mit dem Ziel einer bestmoglichen Offenlegung von unternehmensspezifi- schen Informationen.55 Und schlieBlich wird dem IASB die Wiederaufnahme des in Stillstand geratenen Forschungsprojekts zur Darstellung des Abschlusses ange- raten. Dieses Forschungsprojekt zielt auf die Ersetzung von IAS 1, IAS 7 und IAS 8 durch das standardbasierte Angabenrahmenwerk.56

2.3 Der IASB Mafinahmenkatalog

Das IASB ist sich seiner Verantwortung als Standardsetzer bewusst und ubernimmt in enger Kooperation mit Abschlussadressaten, Abschlusserstellern und En- forcementstellen eine Fuhrungsrolle zur Losung des Disclosure Problems. Dazu konzentriert sich das IASB auf drei Kernbereiche: Erstens darauf, das Wesentlich- keitsprinzips zu konkretisieren, zweitens auf die Prufung, ob bestehende Standards die Ausubung von Ermessensentscheidungen behindern, und drittens auf eine all- gemeine Uberprufung der Angabevorschriften.57 Dazu hat das IASB einen MaB- nahmenkatalog konzipiert, der auf den Ergebnissen des Diskussionsforums fuBt. Er beinhaltet sowohl kurzfristige MaBnahmen als auch mittelfristige Forschungspro- jekte. Anderungen bzw. Aktualisierungen am MaBnahmenkatalog ergaben sich aus der weiteren Entwicklung der Disclosure Initiative. Zum besseren Verstiindnis fin- det sich auf der niichsten Seite ein bearbeiteter MaBnahmenkatalog, der den aktuel- len Status der Disclosure Initiative spiegelt.58

[...]


1 Vgl. Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 238.

2 McCreevy (2006), S. 3.

3 Vgl. IASB (2013), S. 9.

4 Vgl. IASB (2013), S. 6.

5 Vgl. Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 239.

6 Vgl. IASB (2013), S. 2.

7 Tabelle 1: Eigene Darstellung.

8 Vgl. IASB (2014a), S. 2.

9 Vgl. McCreevy (2006), S. 3.

10 Vgl. IASB (2014a), S. 2.

11 Vgl. IASB (2012), S. 4-5.

12 Vgl. IASB (2012), S. 5.

13 Vgl. IASB (2014a), S. 2.

14 Vgl. IASB (2012), S. 21.

15 Vgl. IASB (2013), S. 34-36.

16 Vgl. IASB (2013), S. 4.

17 Vgl. IASB (2013), S. 4.

18 Vgl. IASB (2013), S. 14.

19 Vgl. Hoogervorst (2013), S. 4-6.

20 Vgl. Driesch/Riese/Schluter/Senger (2016), S. 898.

21 Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 219.

22 Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 219.

23 Vgl. Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 223.

24 Vgl. Ludebach/Hoffmann/Freiburg (2016), S. 223-224.

25 Vgl. IASB (2013), S. 34.

26 IASB (2013), S. 36.

27 Vgl. IASB (2013), S. 36.

28 Vgl. IASB (2013), S. 36.

29 Vgl. IASB (2013), S. 36.

30 Tabelle 3: Eigene Darstellung; Vgl. Sellhorn/Menacher, S. 1291.

31 Vgl. IASB (2013), S. 37.

32 Vgl. IASB (2013), S. 8-12.

33 Vgl. IASB (2013), S. 6-7.

34 Vgl. IASB (2013), S. 12.

35 Vgl. IASB (2013), S. 14.

36 Tabelle 4: Eigene Darstellung; Vgl. Sellhorn/Menacher, S. 1291.

37 Vgl. IASB (2013), S. 12.

38 Vgl. IASB (2013), S. 11.

39 Vgl. IASB (2013), S. 18.

40 Vgl. IASB (2013), S. 16.

41 Vgl. IASB (2013), S. 18.

42 Vgl. IASB (2013), S. 19.

43 Tabelle 5: Eigene Darstellung; Vgl. Sellhorn/Menacher, S. 1291.

44 Vgl. IASB (2013), S. 6.

45 Vgl. IASB (2013), S. 40.

46 Vgl. IASB (2013), S. 7.

47 Vgl. IASB (2013), S. 6-7.

48 Vgl. IASB (2013), S. 16-18.

49 Vgl. IASB (2013), S. 18.

50 Vgl. IASB (2013), S. 17.

51 Vgl. IASB (2013), S. 19.

52 Tabelle 6: Eigene Darstellung.

53 Vgl. IASB (2013), S. 19.

54 Vgl. IASB (2013), S. 9.

55 Vgl. IASB (2013), S. 6.

56 Vgl. IASB (2013), S. 20.

57 Vgl. IASB (2013), S. 14.

58 Vgl. IASB (2013), S. 14; IFRS Foundation (2016d).

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Disclosure Initiative des IASB. Status Quo und künftige Entwicklung
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
56
Katalognummer
V508805
ISBN (eBook)
9783346066657
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IASB, Disclosure Initiative des IASB, Anhangsangaben, Disclosure Initiative
Arbeit zitieren
Thomas-Alberto Wuchinger (Autor), 2016, Disclosure Initiative des IASB. Status Quo und künftige Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/508805

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