In unterschiedlichen Kontexten, kann Sakîna unterschiedliche Bedeutungen annehmen, bedeutet aber unter anderem Seelenruhe, Heiligkeit, Anwesenheit Gottes oder göttliche Kraft. Welche Bedeutung Sakîna inne liegt und wie sich ihre Bedeutung wandelt wird hier kurz dargestellt werden. Der Begriff macht einen Transferprozess deutlich, welcher die Geschichte und die Kultur des Judentums und des Islams in ein enges Verhältnis zueinander bringt. An der Entwicklung des Wortes Sakîna wird eine Befruchtung der Religionen untereinander deutlich und ihre kulturelle Nähe tritt stärker zu Tage. Die Vieldeutigkeit des Wortes bietet aber womöglich, durch die Art wie es mit Bedeutung angereichert wird, einen neuen Blick auf den Islam. Edas Wort wird eine Projektionsfläche und von Gläubigen und Würdenträgern gleichermaßen mit Bedeutung angereichert. Diese Arbeit wird Ignaz Goldzihers Ausführungen über den Begriff Sakîna im ersten Teil seiner Abhandlungen zur arabischen Philologie folgen. Darüber hinaus, wird anhand von Clemens Thomas Arbeit am Begriff Schekhina versucht die Bedeutung des ersteren Wortes genauer einzugrenzen. Die Eingrenzung wird erschwert durch die nicht klar definierte Natur des Begriffs, welche die Beschäftigung mit ihm aber umso reizvoller macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Sakîna im Koran
1.2 Schekhina - Die Braut Gottes
2. Der Begriff nimmt sich in sich auf
2.1 Sakîna als subjektiver Gemütszustand
2.2 Sakîna in den Hadithen
3. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Begriffsgeschichte von Sakîna und analysiert deren inhaltliche Wandlung sowie die wechselseitigen Bezüge zum jüdischen Konzept der Schekhina. Ziel ist es, durch eine philologische und religionsgeschichtliche Betrachtung aufzuzeigen, wie sich der Begriff im islamischen Kontext entwickelt hat und welche kulturellen Transferprozesse dabei wirksam wurden.
- Die Etymologie und Bedeutung von Sakîna im Koran
- Das jüdische Konzept der Schekhina als Vergleichsgröße
- Die Deutung von Sakîna als subjektiver Gemütszustand
- Die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung in den Hadithen
- Der Einfluss rabbinischer Überlieferungen auf die islamische Begriffsverwendung
Auszug aus dem Buch
1.1 Sakîna im Koran
Sakîna ist als Lehnwort aus dem Hebräischen in die arabische Sprache übergegangen und entzieht sich deshalb zunächst klarer Sinnzuschreibungen. Goldziher zu Folge sind bereits im Altertum, „sowohl in der Anwendung als auch in der Erklärung des Wortes, verschiedene Auffassungen“ vertreten worden. Eine „völlig einheitliche Bestimmung dessen [zu bieten], was die Muhammedaner darunter verstehen“ ist nicht möglich. Je nach Sure können sich verschiedene Bedeutungen unter ihm vereinen. Ein Aspekt des Begriffs finde sich in dem der ‚Seelenruhe‘ wieder. Diese wird hier als eine göttliche Sicherheit gedacht. Doch auch beide zusammen werden dem Begriff nicht gerecht und es zeigt sich in der Verwendung im Koran, dass diese Bedeutungen nicht ausreichen können, um sich seinem Inhalt zu nähern.
Muhammed selbst habe das Wort „flüchtig aufgerafft und […] nicht übereinstimmende Vorstellungen damit verbunden“, die sich gänzlich von der jüdischen šekīnah unterscheiden.
„Und ihr Prophet sagte zu ihnen: ‚Das Zeichen seiner Königsherrschaft sei, daß (unter ihm) die Lade (wieder) zu euch kommt, getragen von den Engeln, (ausgestattet) mit Sakîna und Baqȋja von eurem Herrn, Hinterlassenschaft der Sippe Moses und Derjenigen Aarons. Darin liegt für euch ein Zeichen, wenn (anders) ihr gläubig seid.‘ [Hervorhebung im Original]“
Sakîna steht hier Synonym für Gottes Präsenz unter den Gläubigen, indem sie in enge Verbindung zur Bundeslade gebracht wird, welche gemeinhin „als Thronsitz des unsichtbaren Gottes gedeutet werden kann“. Die verschiedenen heiligen Phänomene geben sich durch ihre narrative Nähe zueinander, gegenseitig Gewicht. Der obige Vers treibt somit die Einbettung von Sakîna in den Glauben voran, indem sie an Gottes Thron und seine unsichtbare Anwesenheit gebunden wird. Die Lade ist angereichert mit Sakîna und wo die Lade ist, ist Gott unter den Menschen. So wird Gottes unsichtbare Anwesenheit unter den Gläubigen sprachlich repräsentiert durch Sakîna. Diese Darstellung sei aber ausdrücklich eine Ausnahme vom regelhaften Gebrauch des Wortes im übrigen Koran.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Vieldeutigkeit des Begriffs Sakîna ein und stellt die theoretische Basis durch die Arbeiten von Ignaz Goldziher und Clemens Thoma vor.
1.1 Sakîna im Koran: Dieses Kapitel behandelt die Verwendung des Begriffs im Koran, seine Unscharfe und die Ausnahme, in der er in direktem Zusammenhang mit der Bundeslade steht.
1.2 Schekhina - Die Braut Gottes: Hier wird der jüdische Hintergrund des Begriffs Schekhina expliziert, insbesondere als Ausdruck von Gottes Nähe und Schutz für das Volk Israel.
2. Der Begriff nimmt sich in sich auf: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang von der rein inneren, psychologischen Deutung der Sakîna zurück zu einer stärkeren, von jüdischen Einflüssen geprägten Vorstellung.
2.1 Sakîna als subjektiver Gemütszustand: Der Autor erläutert, wie sich die Deutung der Sakîna im frühen Islam primär als innerer Seelenzustand und Haltung manifestierte.
2.2 Sakîna in den Hadithen: Es wird analysiert, wie in den Hadithen die ursprüngliche, an eine göttliche Erscheinung gebundene Bedeutung des Begriffs durch interreligiöse Einflüsse wieder an Gewicht gewinnt.
3. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Wandlungsfähigkeit von Sakîna als Ausdruck eines interreligiösen, kulturellen Assimilationsprozesses zusammen.
Schlüsselwörter
Sakîna, Schekhina, Islam, Judentum, Koran, Hadith, Ignaz Goldziher, Clemens Thoma, Gottes Anwesenheit, Religionsgeschichte, Seelenruhe, Bundeslade, Kulturtransfer, Exegese, Gotteserfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Begriffsgeschichte von „Sakîna“ im islamischen Kontext und untersucht deren etymologische und theologische Wurzeln sowie die Verbindung zum jüdischen Konzept der „Schekhina“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die koranische Verwendung von Sakîna, die jüdische Prägung des Schekhina-Begriffs, der Wandel von der inneren Seelenruhe zur göttlichen Präsenz und die gegenseitige Beeinflussung der Religionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Transformation des Begriffs Sakîna nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie kulturelle und sozial-kommunikative Prozesse zur Bedeutungsvielfalt und Assimilation dieses Konzepts beigetragen haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und religionsgeschichtliche Analysemethode, gestützt auf die Auswertung von Primärtexten (Koran, Hadithe) sowie wissenschaftlichen Kommentaren von Forschern wie Goldziher und Thoma.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der koranische Gebrauch und die jüdische Entsprechung detailliert, gefolgt von einer Analyse der späteren Deutungen in den Hadithen und der Entwicklung von einem subjektiven Gemütszustand hin zu einem Ausdruck göttlicher Hilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Sakîna und Schekhina prägen Begriffe wie Religionsgeschichte, Gotteserfahrung, interreligiöser Transfer und Textanalyse das Profil der Arbeit.
Welche Rolle spielt die Bundeslade in der Argumentation des Autors?
Die Bundeslade dient als wichtiges Beispiel für eine Ausnahme in der koranischen Verwendung von Sakîna, da sie hier direkt als Träger von Gottes Präsenz dargestellt wird, was der jüdischen Konzeption sehr nahekommt.
Wie unterscheidet sich die Deutung der Sakîna in den Hadithen von der frühen koranischen Deutung?
Während im Koran zeitweise ein eher unbestimmter, subjektiver „Seelenzustand“ dominiert, zeigen spätere Hadithe eine Rückbesinnung auf eine „sichtbare“ göttliche Hilfe, die den jüdischen Vorstellungen der Schekhina ähnelt.
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- Felix Jeschonnek (Autor), 2018, Gottes "Einwohnung" im Islam. Eine kurze Begriffsgeschichte der Sakȋna, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509010