Cassius Dios Darstellung Trajans als Idealkaiser anhand der Beschreibung des Verhältnisses zum Senat


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
13 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Cassius Dio und die Römische Geschichte

3. Cassius Dios Herrschaftsideal

4. Vergleichende Analyse über die Herrschaftseigenschaften von
Trajan und Domitian insbesondere in Hinblick auf das Verhältnis
zum Senat anhand der Römischen Geschichte von Cassius Dio

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Trajan, welcher 53 n. Chr. geboren wurde, genießt in den Darstellungen der antiken Autoren ein hohes Ansehen und wurde zum optimus princeps erklärt. Nachdem er in den Jahren um 80 n. Chr. den Befehl über die Legio VII Germania hatte, folgte 91 n. Chr. das Konsulat. Im Jahr 97 n. Chr. wurde Trajan vom kinderlosen Nerva adoptiert. Nach dessen Tod wurde er 98 n. Chr. Kaiser und regierte Rom bis zum Tod im Jahr 117 n. Chr.[1] Insbesondere im Senatorenstand genoss Trajan ein hohes Ansehen. Dieser Sachverhalt ist nicht selbstverständlich, denn oft hatten die Kaiser kein besonders gutes Verhältnis zum Senat.

Ein Beispiel dafür ist Domitian, welcher 51 n. Chr. in Rom geboren wurde und von 81 n. Chr. bis 96 n. Chr. römischer Kaiser war. Einerseits konnte dieser einige Erfolge vorweisen, denn 83 bzw. 84. n. Chr. konnte er die Chatten unterwerfen und bekam seitens des Senates einen Triumph gebilligt. Andererseits musste Domitian auch Niederlagen, wie beispielsweise 85 n. Chr. gegen die Daker in Moesien hinnehmen. Weiterhin agierte er meist zurückgezogen und misstrauisch gegenüber dem Senat, wodurch er sich viele Feinde schaffte und letztlich 96 n. Chr. ermordet wurde.[2]

Diese Arbeit soll zeigen, wodurch sich Trajan von Domitian, in Cassius Dios Darstellung, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zum Senat, unterschied. Als Primärquelle dient dabei die Römische Geschichte von Cassius Dio. Dazu soll zunächst die Biografie von Cassius Dio in Hinblick auf die Römische Geschichte dargestellt werden. Im nachfolgenden Kapitel wird das Herrschaftsideal von Cassius Dio genauer untersucht werden, damit danach die Kaiser Trajan und Domitian verglichen werden können.

Die beiden Kaiser sind in der Forschung recht gut untersucht worden. Einen guten Überblick gibt Manfred Clauss in seinem Werk.[3] Im Falle von Cassius Dio verhält sich dies anders. Der Mangel an Gesamtdarstellungen zu Cassius Dios Biografie und Werk kann als Desiderat gesehen werden. Eine sehr tiefgründige Analyse des Herrschaftsideals von Cassius Dio findet sich im Werk von Barbara Kuhn-Chen.[4]

2. Cassius Dio und die Römische Geschichte

Cassius Dio Cocceianus wurde in Nikaia in Bithynien geboren und war Sohn eines römischen Senators.[5] Erste politische Aufgaben übernahm er vermutlich unter Kaiser Marcus, als er Dalmatien verwaltete. Noch vor dem Tod des Comoduas trat Cassius Dio in den Senatorenstand ein. 194 n. Chr. wurde er zum Praetor designiert, bevor er, vermutlich vor dem Tod des Serverus 211 n. Chr., Consul suffectus wurde.[6] 216 n. Chr. begleitete er den Kaiser bei dem Zug durch den Orient. Dabei wurde er 217 n. Chr. zum curator ad corrigendum statum civitatium über Pergamon und Smyrna. Unter Kaiser Severus Alexander übernahm er als Proconsul die Verwaltung von Africa, Dalmatien und Oberpannonien. 229 n. Chr. beging Cassius Dio das zweite Consulat als Consul ordinarius. Dieses musste er allerdings außerhalb von Rom durchführen, da Cassius Dio wegen seiner strengen Haltung viel Misstrauen, insbesondere bei den Prätorianern, erzeugt hatte.[7]

Cassius Dios Hauptwerk ist die Römische Geschichte, die 80 Bücher umfasst, welche allerdings nicht vollständig erhalten sind.[8] Die Erarbeitung des Werkes nahm wahrscheinlich einen Zeitraum von 22 Jahren in Anspruch. Es ist davon auszugehen, dass Cassius Dio im Jahr 194 n. Chr. mit der Sammlung von Material begann. Vermutlich hat er zehn Jahre Quellen zusammengetragen und zwölf Jahre das Werk geschrieben. Danach führt er die Geschichte bis zur Thronbesteigung von Serverus Alexander fort. Ab 222 n. Chr. fehlte Cassius Dio die räumliche Nähe zu Rom. Die Gründe sind dabei in der zeitweiligen Beurlaubung und den Verwaltungsaufgaben in den römischen Provinzen zu sehen. Aus diesem Grund werden die Ereignisse bis 229 n. Chr. nur noch skizzenhaft dargestellt, bevor das Werk endgültig schließt.[9]

Bei der genaueren Analyse des Werkes muss beachtet werden, dass Cassius Dio die Römische Geschichte über einen großen Zeitraum hinweg verfasste, sodass einige Ereignisse retrospektiv geändert worden sind. Das Werk lässt sich grundsätzlich in drei Teile gliedern. Der erste Abschnitt behandelt den urzeitlichen Beginn bis hin zur Einrichtung der Monarchie durch Augustus. Der zweite Teil thematisiert die Konsolidierung der Monarchie bis zum Tod von Kaiser Marcus. Der dritte Abschnitt endet 229 n. Chr.

Aus quellenkritischer Perspektive muss festgehalten werden, dass Cassius Dio nur im dritten und partiell im zweiten Teil ein Zeitzeuge war. Das bedeutet, dass er die römische Königszeit, die Republik und die Einrichtung bzw. Konsolidierung der Monarchie nicht miterlebt hat, sodass sein historisches Werk aus den Darstellungen von anderen Autoren entstanden ist. Hierbei muss angemerkt werden, dass insbesondere die Berichte aus der Kaiserzeit nicht vollständig auf die Authentizität überprüft wurden sind. Diese Tatsache begründete Dio damit, dass viele Herrscher entsprechende Darstellungen geschönt hatten, sodass retrospektiv nicht immer zweifelsfrei deren Echtheit überprüft werden konnte.[10] Weiterhin werden die Quellen kaum benannt. Aus diesem Grund sollte vor allem der erste und teilweise der zweite Teil besonders kritisch hinterfragt werden.[11]

3. Cassius Dios Herrschaftsideal

Bei der Beurteilung des jeweiligen Herrschers nahm das Verhältnis vom Kaiser zum Senat eine zentrale Stellung ein.[12] Cassius Dio hatte eine monarchische Gesinnung, sodass er das Principat gegenüber der römischen Republik präferierte.[13] Es muss allerdings bezweifelt werden, ob Cassius Dio der Monarchie so sehr zugeneigt war, dass er die Auffassung vertrat, dass der Senat Kompetenzen zugunsten der Monarchie abtreten sollte. Diese Meinung vertritt Dieter Flach in seiner Monografie.[14] Hierbei führt er das Buch 47, 39, 2 ff. an. Dieses sollte allerdings vielmehr dafür gewertet werden, dass Cassius Dio die Monarchie gegenüber dem anarchischen Ende der Republik vorzog. Gleichzeitig muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass Cassius Dio nicht nur einen starken Kaiser präferierte, welcher entschlossen gegenüber dem Heer und vertrauensvoll im Senat auftrat, sondern auch einen starken Senatorenstand.[15] Dies lässt sich sehr gut anhand der Maecenas – Rede zeigen, in welcher er Vorschläge zur Veränderung des Reiches einfließen lässt. Die darin vorgebrachten Ideen orientieren sich stark an der Herkunft von Cassius Dio. Ein Beispiel dafür ist der Vorschlag, dass alle freien Bewohner des Reiches und somit auch der Provinzen das römische Bürgerrecht erhalten sollen.[16] Hierbei muss beachtet werden, dass Cassius Dio aus Bithynien stammte, welches eine östliche Provinz des römischen Reiches war. Weitere Ideen bestanden darin, dass die Verwaltung effizienter organisiert werden sollte, wobei der Senat dabei eine führende Rolle einnehmen sollte. Straftaten von Senatoren sollten vor dem Senat verhandelt werden.[17] Anhand dieser Forderungen lässt sich zeigen, dass der Senat für Cassius Dio stets im Vordergrund stand. Die Verhandlung der Straftaten vor dem Senat verdeutlicht, dass Cassius Dio Sicherheit für den Senat anstelle eines tyrannischen Herrschers präferierte. In diesem Falle sollte der Argumentation von Martin Hose gefolgt werden, welcher feststellt, dass einige Ideen antisenatorisch wirken, aber Cassius Dio das Interesse der Machtverbesserung des Senates hatte.[18]

Eine sehr tiefgründige Analyse des Herrscherideals von Cassius Dio wird durch Barbara Kuhn-Chen vorgenommen.[19] Diese zeigt zunächst auf, dass es bei Cassius Dio eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Herrschern gibt. Gute Herrscher ordnen sich zugunsten der Allgemeinheit unter und sorgen für innere Ordnung und Sicherheit.[20] Das Regieren von schlechten Herrschern sei hingegen von Auflösungserscheinungen geprägt gewesen. Cassius Dio misst Tugenden einen großen Stellenwert zu. Neben der Verantwortung für das Allgemeinwesen bedarf es für einen guten Herrscher an Mäßigung, Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit.[21]

Im Bereich der Mäßigung differenziert er zwischen zwei Kategorien: Einerseits gäbe es die Mäßigung auf der politischen Ebene.Diese führe zum Erfolg, sei aber auch nicht von Dauer, da Erfolg eitel mache. Andererseits benennt Cassius Dio auch die Mäßigung auf der individuellen Ebene. Ein Beispiel dafür ist die Enthaltsamkeit bei Frauen.[22] Dieses Konzept kann auch im Zusammenhang mit den Vorschlägen aus der Maecenas – Rede gesehen werden, denn dort wurde gefordert, dass der Senat über Straftaten von Senatoren richten solle und nicht der Kaiser. D.h. das Konzept der Mäßigung stellt auch eine gewisse Sicherheitsgarantie für den Senat dar.

[...]


[1] Vgl., Eck, Werner, Trajan, in: Clauss, Manfred (Hrsg.), Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 2005, 110 – 123.

[2] Vgl., Witschel, Christian, Domitian, in: Clauss, Manfred (Hrsg.), Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 2005, 98 – 109.

[3] Vgl., Clauss, Manfred (Hrsg.), Die Römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 2005.

[4] Vgl., Kuhn-Chen, Barbara, Geschichtskonzeptionen griechischer Historiker im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Untersuchungen zu den Werken von Appian. Cassius Dio und Herodian, Frankfurt am Main, u.a. 2002.

[5] Vgl., Schwartz, Eduard, Cassius Dio, RE III 2, 1899, 1684.

[6] Vgl., ebd.

[7] Vgl., ebd.

[8] Vgl., ebd., 1685.

[9] Vgl., ebd., 1686.

[10] Vgl., ebd., 1687.

[11] Vgl., Kuhn-Chen 2002, S. 135.

[12] Vgl., Hose, Martin, Erneuerung der Vergangenheit. Die Historiker im Imperium Romanum von Florus bis Cassius Dio, Stuttgart, u.a. 1994, 407.

[13] Vgl., Flach, Dieter, Einführung in die römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1998, 3. Aufl., 260 f.

[14] Vgl., ebd.

[15] Vgl., ebd., 262.

[16] Vgl., ebd., 262 f.

[17] Vgl., ebd.

[18] Vgl., Hose 1994, 409.

[19] Vgl., Kuhn-Chen 2002.

[20] Vgl., ebd., 35.

[21] Vgl., ebd., 147 f.

[22] Vgl., ebd., 151 f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Cassius Dios Darstellung Trajans als Idealkaiser anhand der Beschreibung des Verhältnisses zum Senat
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Die römische Kaiserzeit von Augustus bis zum Vierkaiserjahr
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V509042
ISBN (eBook)
9783346079633
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde im Rahmen eines Aufbauseminars angefertigt.
Schlagworte
Cassius Dio, Trajan, Kaiserreich, Antike, Rom, Römisches Reich, Senat
Arbeit zitieren
Christian Schwambach (Autor), 2015, Cassius Dios Darstellung Trajans als Idealkaiser anhand der Beschreibung des Verhältnisses zum Senat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509042

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