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Inszenierung und Ambivalenz. Weiblichkeitsentwürfe in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen"

Titre: Inszenierung und Ambivalenz. Weiblichkeitsentwürfe in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen"

Thèse de Bachelor , 2018 , 49 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Carla Correia (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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In der Weimarer Republik zeigen sich nicht nur auf politischer und wirtschaftlicher Ebene beträchtliche Veränderungen. Auch im Hinblick auf die weibliche Bevölkerung gab es großartige Reformen, die es den Frauen ermöglichten, sich neu zu finden und eigene Prinzipien zu entwickeln – ganz unabhängig vom Mann. Die moderne Neue Frau ließ mithilfe ihrer Bildung, ihrem Auftreten, aber vor allem ihrer Erscheinung die gesellschaftlichen Schichtunterschiede verschwimmen, wodurch auch der ehrgeizige Wunsch wuchs, vom Klein- in das Großbürgertum aufzusteigen.

Dieser neuen Erscheinung und dem Ziel, mit konventionellen Grenzen zu brechen, nimmt sich Irmgard Keun in dem Roman "Das kunstseidene Mädchen" (1932) an. Ihre Protagonistin, die aus personaler Erzählsicht ihre Erfahrungen auf ihrem Weg ein "Glanz zu werden", mit dem Leser teilt, wird in der Literaturwissenschaft oftmals als Repräsentantin dieser Neuen Frau definiert. Keun thematisiert in ihrem Roman nicht nur den Bruch mit sozialen Gruppen, sondern legt die Hindernisse, auf die ein unterprivilegiertes Mädchen treffen kann, offen dar.

Wie bereits vermutet werden kann, ist die Möglichkeit, in das Großbürgertum aufzusteigen, nur den wenigsten vorbehalten und gleicht vielmehr einer Illusion. Da die Protagonistin Doris als Repräsentantin der Neuen Frau diesem Ideal folgt, erschien es interessant, ihre fiktive Persönlichkeit genauer zu betrachten, um überprüfen zu können, ob es sich eventuell nicht doch nur um eine Anlehnung an den neuen modernen Frauentyp handelt, oder ob die Protagonistin tatsächlich dem theoretischen Abbild entspricht.

Deshalb ist Ziel dieser Arbeit nachzuweisen, dass die fiktionale Doris ambivalente Persönlichkeitsmerkmale aufweist, wovon manche dem Charakter der Neuen Frau entsprechen, andere wiederum konventionelle Ansichten repräsentieren und sie deshalb keinesfalls dem theoretischen Ideal der modernen neuen Frau entspricht, wie jenem der Garçonne beispielsweise, und nur allerhöchstens ein Abbild des Frauentyps Girl ist. Außerdem soll belegt werden, dass sie auf ihrem Weg "ein Glanz werden" zu wollen als inszenierte und nicht als authentische Figur erscheint, was ebenfalls den Beweis für die gescheiterte Abbildung der neuen Frau erbringt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die (Neue) Frau der Zwanziger Jahre

2.1 Frauenbilder und Weiblichkeitserscheinungen

2.2 Mode als Ausdrucksform

3. Zur literarischen Darstellung der Neuen Frau

3.1 Frauenfiguren in Das kunstseidene Mädchen

3.2 Doris als Repräsentantin der modernen „Neuen Frau“?

4. Mode und „Glanz“

4.1 „Ein Glanz werden“ – Mode, Inszenierung oder doch Illusion?

4.2 Kunstseiden als Symbol

4.3 Der Feh – der Abschluss einer gestrandeten Illusion

5. Liebe, Partnerschaft und Sexualität

5.1 Zum Status der männlichen Figuren bei Doris

5.2 Doris als Objekt des Begehrens

5.3 Dorisʼ (scheiternde) Lebensentwürfe

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die fiktionale Figur Doris aus Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" auf ihre Ambivalenz zwischen modernen Weiblichkeitsidealen und traditionellen Konventionen. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit die Protagonistin tatsächlich dem Typus der „Neuen Frau“ der Weimarer Republik entspricht oder ob ihre Inszenierung als „Glanz“ lediglich eine gescheiterte Illusion darstellt, die tief in alten Rollenbildern verwurzelt bleibt.

  • Die gesellschaftliche Konstruktion der „Neuen Frau“ in den Zwanziger Jahren.
  • Die Rolle der Mode als Mittel der Selbstdarstellung und sozialen Distinktion.
  • Die literarische Analyse von Weiblichkeitsentwürfen in Irmgard Keuns Werk.
  • Die Ambivalenz der Protagonistin zwischen Emanzipationsdrang und männlicher Abhängigkeit.
  • Die Bedeutung materieller Statussymbole (Pelz, Kunstseide) für die Identitätsfindung.

Auszug aus dem Buch

4.1 „Ein Glanz werden“ – Mode, Inszenierung oder doch Illusion?

In einer mittleren Stadt aufgewachsen, bestreitet Doris ihren Alltag als Stenotypistin. Getrieben vom Wunsch, aus dem öden und beschämenden Umfeld, in dem sie groß geworden ist, auszubrechen und als Mannequin und Filmstar zu arbeiten, um schließlich „ein Glanz“ zu werden, beginnt sie, nach ihrer Kündigung als Rechtsanwaltsgehilfin, dank der Beziehungen ihrer Mutter beim Theater eine Anstellung als Komparsin. Ihr Ziel ist jedoch die Filmszene.

Als Pendant zur „Künstlerin“ am Theater zieht Doris nicht zufälligerweise den filmischen Glanz in Erwägung, denn der Film ist im Vergleich zum Theater eine antihierarchische und demokratische Situation, in der ungeachtet Herkunft, Hintergrund und Bildungsniveau eine Chancengleichheit für jeden existiert.

Die junge Protagonistin erfährt die soziokulturellen Unterschiede zwischen ihrem realistischen Leben und dem von ihr angestrebten hohen Lebensstandard im Großbürgertum relativ früh, weshalb die Chancengleichheit im professionellen Werdegang für sie maßgeblich ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation der Weimarer Republik ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Ambivalenz der Protagonistin Doris zwischen dem Ideal der „Neuen Frau“ und traditionellen Verhaltensweisen.

2. Die (Neue) Frau der Zwanziger Jahre: Das Kapitel zeichnet den soziokulturellen Wandel nach, der das Frauenbild in der Weimarer Republik prägte, und erläutert die verschiedenen Weiblichkeitstypen wie Girl, Garçonne und Gretchen.

3. Zur literarischen Darstellung der Neuen Frau: Hier werden die theoretischen Konzepte auf den Roman übertragen, wobei die Frauenfiguren im Werk analysiert und Doris auf ihren Status als moderne Repräsentantin hin untersucht wird.

4. Mode und „Glanz“: Dieser Abschnitt widmet sich der Bedeutung von Äußerlichkeiten und Statussymbolen wie Kunstseide und Pelz, die als Mittel der Inszenierung für ein angestrebtes, aber illusionsbehaftetes Leben dienen.

5. Liebe, Partnerschaft und Sexualität: Das letzte Kapitel untersucht die Beziehungsdynamik zwischen Doris und den Männern sowie ihren Umgang mit Sexualität, wobei ihr Scheitern an der Verknüpfung von ökonomischem Kalkül und Wunsch nach emotionaler Geborgenheit deutlich wird.

Schlüsselwörter

Neue Frau, Weimarer Republik, Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen, Weiblichkeitsentwürfe, Mode, Inszenierung, Illusion, Glanz, Geschlechterrollen, Emanzipation, Girl, Garçonne, Identitätsfindung, Konsumkultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" hinsichtlich der Frage, ob die Protagonistin Doris als moderne „Neue Frau“ gelten kann oder ob sie in traditionellen Rollenmustern gefangen bleibt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschlechterrollen der 1920er Jahre, die Funktion von Mode als Identitätsmarker sowie der soziale Aufstiegswunsch einer jungen Frau in einer männerdominierten Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Doris eine ambivalente Figur ist, die zwar emanzipatorische Ideale verfolgt, aber aufgrund ihrer Herkunft und mangelnden Qualifikation letztlich an der Realität und ihren eigenen Illusionen scheitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in den historischen Kontext der Weimarer Republik stellt und die Hauptfigur anhand soziologischer Typologien der „Neuen Frau“ untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die literarische Darstellung der Frauenbilder im Roman sowie die symbolische Bedeutung von Kleidung, Statussymbolen und Partnerschaften für Doris' Werdegang.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind "Neue Frau", "Glanz", "Inszenierung", "Weiblichkeitsentwürfe" und der Roman "Das kunstseidene Mädchen".

Warum spielt das Symbol des "Feh" eine so große Rolle?

Der Pelz (der Feh) fungiert als Sinnbild für Doris' Wunsch nach Zugehörigkeit und Luxus; er tarnt ihre unterprivilegierte Herkunft und wird zum treuen, aber auch trügerischen Begleiter ihrer gescheiterten Identitätsinszenierung.

Wie unterscheidet sich Doris' Einstellung zu Männern von der einer modernen Frau?

Während die "Neue Frau" idealerweise berufliche Unabhängigkeit anstrebt, verfällt Doris in ein pragmatisches Tauschgeschäft ("Körper gegen Ware"), da sie einerseits zwar aus der kleinbürgerlichen Enge ausbrechen will, andererseits jedoch in traditionellen Abhängigkeitsmustern verharrt.

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Résumé des informations

Titre
Inszenierung und Ambivalenz. Weiblichkeitsentwürfe in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen"
Université
University of Wuppertal
Note
2,0
Auteur
Carla Correia (Auteur)
Année de publication
2018
Pages
49
N° de catalogue
V509378
ISBN (ebook)
9783346083593
ISBN (Livre)
9783346083609
Langue
allemand
mots-clé
kunstseidene Mädchen keun Frauenbilder Weiblichkeitsentwürfe goldenen Zwanziger
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Carla Correia (Auteur), 2018, Inszenierung und Ambivalenz. Weiblichkeitsentwürfe in Irmgard Keuns "Das kunstseidene Mädchen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509378
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Extrait de  49  pages
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