Salafismus in den Golfstaaten

Eine Analyse der Situationen in Kuwait, Bahrain und Katar


Bachelorarbeit, 2019

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Einige Grundlagen zum Salafismus

3 Entstehung des Wahhabismus auf der Arabischen Halbinsel
3.1 Zur Person Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb
3.2 Bündnis zwischen Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb und Āl Saʿūd
3.3 Expansion unter Āl Saʿūd (1792-1813)
3.4 Anmerkungen zu den Entwicklungen

4 Hauptströmungen des Salafismus seit 1990
4.1 Traditioneller Salafismus – Wahhabismus
4.2 Politischer Salafismus
4.3 Dschihadistischer Salafismus

5 Salafismus nach der Unabhängigkeit der Golfstaaten bis heute.
5.1 Kuwait
5.2 Bahrain
5.3 Katar

6 Schlusswort

7 Quellen und Literatur

1 Einführung

Seit dem 11. September 2001 ist der Salafismus in der Weltagenda ein aktuelles Thema, das in den Medien immer wieder vorkommt. Als islamische Strömung unter den Sunniten hat sich der Salafismus mit seinen verschiedenen Zweigen neben den Golfstaaten in vielen islamischen und nicht-islamischen Ländern verbreitet und steht aus verschiedenen Gründen oft in der Kritik. Unterschiedliche Definitionen, Verallgemeinerungen, sich zum Teil gegenseitig bekämpfende Untergruppen und unterschiedliche Positionierungen, etwa gegenüber dem Staat, führen oft dazu, dass man beim Thema Salafismus den Überblick verlieren kann. Was der Salafismus wirklich ist, wird etwa bei Salafisten anders definiert als bei ihren Gegnern.

Auch wenn Salafisten sich gerne direkt auf den Propheten Muḥammad (571-632) und seinen Gefährten beziehen, ist die Grundlage des Salafismus viel später von Ibn Taymiyya (1263-1328) als Reaktion[1] und Widerstand gegen die religiösen Neuerungen, meist durch Schiitentum und Sufismus, oder gegen die Philosophie der Aš ʿ arī -Denkschule, aber auch gegen die Fremdherrschaft der Mongolen entstanden. Es strebte die Rückbesinnung auf die Frommen Altvorderen[2] und die Praktizierung der Religion an ihrem Beispiel.[3] Als solche wurde seine Sicht später von Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb (1703-1792) mit der Hilfe Muḥammad b. Saʿūd (1700-1765) auf der arabischen Halbinsel wiederbelebt und fortgesetzt – und zwar erneut gegen Sufismus, gegen die Aš ʿ arī -Denkschule, die im Osmanischem Reich in den arabischen Ländern verbreitet waren, sowie gegen Schiiten, die auf der arabischen Halbinsel auch präsent waren sowie im Irak.

Mit der Gründung Saudi-Arabiens Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Salafismus bzw. Wahhabismus[4] zur staatlichen Ideologie, deren Verbreitung auf der ganzen Welt zum Staatsziel geworden ist. Neben Saudi-Arabien werden auch anderen Golfstaaten als die größten Unterstützer dieser Strömung gezählt. Nach der Unabhängigkeit der Golfstaaten in den 1960er und 1970er Jahren, wurde die salafistische Bewegungen in diesen Staaten immer aktiver und sichtbarer. Die Herrscherdynastien, obwohl sie sich nicht offiziell zum Wahhabismus bekannten (außer in Katar), haben diese Entwicklung zugelassen und zeitweilig sogar unterstützt. Hier muss man aber festhalten, dass die Gründe dieser Entwicklungen und staatlichen Unterstützung lokale, meist innenpolitische Umstände als Hintergrund hatten, welche sich von der Entwicklung in Saudi-Arabien unterscheiden.

In meiner Arbeit werde ich eben diese unterschiedlichen Gründe für die staatlichen Unterstützung des Salafismus bzw. Wahhabismus am Golf darstellen, sowie einige Stationen in der Geschichte dieser Strömung, die Untergruppen des Salafismus und ihrer internen Differenzen.

Meine Arbeit erfasst ferner die kleinen Staaten des Arabischen Golfes, also Kuwait, Katar und Bahrain, die allesamt neben Saudi-Arabien auch Mitgliedstaaten des Golf­kooperationsrats sind. Saudi-Arabien selbst wird nicht behandelt, wird aber aus historischen Gründen über Ursprünge des Wahhabismus angesprochen werden.

2 Einige Grundlagen zum Salafismus

Wenn man sich mit dem Thema Salafismus beschäftigt, fällt auf, dass man es nicht mit einer einzelnen homogenen religiösen Gruppe oder Denkrichtung zu tun hat, sondern mit mehreren, in ihren Haltungen zu bestimmten Themen zum Teil gegensätzlichen Gruppen.

Als Salafisten werden sowohl Gelehrte wie Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī, Muḥammad ʿAbduh und Rašīd Riḍā beschrieben, sowie auch Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb und seine Gefolgschaft bezeichnet. Bei al-Afġānī handelt es sich um „modernistische Salafismus“, bei Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb[5] hingegen hat man es mit einem „Neo-Salafismus“[6] zu tun, auch „literarischer Salafismus“[7] genannt. Beide Gruppierungen beziehen sich wie schon erwähnt auf die „Frommen Altvorderen“. Das heißt sie akzeptieren nur Qur´ān und Ḥadīṯe [8], welche von diesen überliefert wurden und kommen hinsichtlich religiöser Themen nur mit diesen aus. Alles andere was etwa Sufis, Gelehrte von Rechtschulen oder Philosophen später „hinzugefügt“ haben, betrachten sie als abzulehnende religiöse Neuerungen und Erfindung und sind daher inakzeptabel, weil sie nicht einer direkten Offenbarung entspringen. Trotzdem sind Methoden und Ziele beider genannter salafistischer Strömungen unterschiedlich.

Der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza beschreibt den modernistischen Salafismus folgendermaßen:

„Auch sie wollten die Orthodoxie überwinden, indem sie sich auf die Frühgemeinde[9] bezogen, ohne aber diese Zeit zu einem goldenen Zeitalter zu verklären. (...) Sie hofften, durch die Inhalte des Korans selbst die muslimische Gesellschaft modernisieren zu können. Anders als die Wahhabiten räumten sie der Vernunft dabei einen großen Stellenwert ein. (...) Ein zeitgenössisches Islamverständnis müsse sich der Humanität und dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlen, da die Religion für den Menschen da sei. Damit waren diese Denker für Themen wie Menschenrechte, Säkularisierung, Feminismus und Demokratie aufgeschlossen.“[10]

Der Vernunft also wird bei modernistischen Salafisten eine wichtige Rolle zugesprochen. Das Verständnis vom Islam soll modernisiert werden, in dem man sich bei religiösen Fragen einem erneuerten Denken hinwendet, sodass Humanität und das Allgemeinwohl in Vordergrund gestellt werden, die unkritische Nachahmung früherer Meinungen wird kritisiert.[11] Modernistische Salafisten folgen meist keine besondere Rechtschule und öffnen die Möglichkeit jeder Person Rechtsgutachten (Fatwā) zu erteilen, wenn sie über das dafür benötigte Wissen verfügt. Gegenüber modernen Werten wie Menschenrechte, Demokratie und Säkularisierung vertreten sie eine offenere Haltung als Neo-Salafisten, welche ebendiese Werte als Produkt einer europäischen Entwicklung sehen.

Den literarischen Salafismus (Neo-Salafismus) erklärt Murtaza hingegen wie folgt:

„In der Vorstellung der literarischen Salafija in Gestalt des Wahhabismus sind einzig der Koran und die mündlichen Überlieferungen[12] des Propheten Mohammed maßgeblich. Die Interpretation erfolgt "buchstabengetreu", also ohne das Hinzuziehen der misstrauisch beäugten Vernunft – vom Gottesdienst über die Kleidung bis zum Verhältnis zu anderen Menschen werden die Handlungen der Gläubigen festgelegt, das 7. Jahrhundert wird sakralisiert. Anderes Verhalten wird als Abweichung vom rechten Weg verurteilt.“[13]

Neo-Salafisten bzw. literarische Salafisten interpretieren Qur´ān und Ḥadīṯe hauptsächlich äußerlich und wortgetreu. Laut ihnen stimmen Qur´ān und Sunna mit der menschlichen Vernunft überein beziehungsweise greifend korrigierend auf sie ein, denn fehlerfreie, unveränderliche göttliche Offenbarung steht ohne Frage über fehleranfälligen und sich verändernden menschlichen Verstand. Die Grundlage hierfür lautet: Die Überlieferung[14] steht über dem Verstand.[15] Daher werden etwa Demokratie oder Säkularisierung als mit dem Islam in Widerspruch stehende Systeme nicht göttlichen Ursprungs angesehen.[16] Von glaubensinhaltlichen Themen her sind sie besonders vom bereits genannten Gelehrten Ibn Taymiyya inspiriert, von der Rechtschule her folgen sie dem Gelehrten Aḥmad b. Ḥanbal (780-855). Abweichende Denkrichtungen wie Aš ʿ arīya oder Mātūrīdiyya, die zur Zeit des Osmanischen Reiches und auch heute etwa in der Türkei oder in Ägypten vorherrschend waren und sind, lehnen sie ab, weil das Philosophieren über glaubensinhaltliche Themen etwas ist, was die Frommen Altvorderen, deren Beispiel zu folgen ist, nicht gemacht haben. Die Gründer der vier großen Rechtschulen werden von den Neo-Salafisten jedoch allesamt als Gelehrten anerkannt und respektiert[17], Aḥmad b. Ḥanbal verdient jedoch besonderen Respekt und seine Rechtschule eher befolgt, weil er zum einen ein Ḥadīṯ -Spezialist war und zum anderen sich streng gegen das Philosophieren bei glaubensinhaltlichen Themen ausgedrückt hat.[18]

Mit der Gründung Saudi-Arabiens 1932 erlebte der Neo-Salafismus sein Goldenes Zeitalter und blieb bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts eine mehr oder weniger einheitliche Bewegung. Dies nahm mit den Auseinandersetzungen zwischen den Gelehrten im Zusammenhang mit dem 2. Golfkrieg (1990/91) ein Ende. Es spielten hier aber auch andere Faktoren eine Rolle; so ist auch von einem Generationenkonflikt die Rede, welcher durch die Auswanderung von Muslimbrüder und deren politischer Ansichten nach Saudi-Arabien verursacht wurde. Fortan teilte sich der Salafismus in drei Hauptgruppen, die allesamt in den Golfstaaten aktiv waren und immer noch sind. Hierzu kommen wir wieder im übernächsten Kapitel zu sprechen, nachdem zuerst ein historischer Überblick über die Entstehung des Salafismus bzw. Neo-Salafismus auf der Arabischen Halbinsel kurz präsentiert wird.

3 Entstehung des Wahhabismus auf der Arabischen Halbinsel

3.1 Zur Person Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb

Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb kam im Jahr 1703 in Naǧd, im Zentrum der Arabischen Halbinsel, auf die Welt und wuchs in einer ḥanbalitischen Gelehrtenfamilie auf. Mit zehn Jahren lernte er den Qur´ān auswendig und durch seinen Vater spezialisierte er sich im ḥanbalitischen Recht. In seiner Jugend reiste er nach Mekka und in andere Städte, die unter osmanischer Herrschaft waren, aber auch nach Iran und Indien. Während seiner Reisen lernte er viele Gelehrten kennen und vertiefte sein Wissen. 1738 kehrte er nach Naǧd zurück und begann gemeinsam mit seinem Vater, der ein ḥanbalitischer Richter war, die Bevölkerung zu unterrichten. Dabei bemerkte er, dass die Menschen einen völlig anderen Islam lebten, als den, den er unterrichtete. Viele Erfindungen und Erneuerungen im Namen der Religion waren im alltäglichen Leben der Bevölkerung verankert, die zur Zeit des Frommen Altvorderen nicht vorkamen. In dieser Zeit verfasste er sein berühmtes Werk Kitāb at-tawḥīd (Buch über den Monotheismus), welches sein Verständnis vom Islam beinhaltet. Ferner schrieb er Briefe an Stammesführer in Naǧd und Umgebung und rief sie zum wahren Islam auf. Dabei fand er sowohl Sympathisanten als auch Gegner und musste auch einen Mordversuch gegen sich erleben, weswegen er 1743 nach ʿUyayna zog, wo er durch Hilfe des Statthalters seine Lehren praktizieren und auch verbreiteten konnte. Als er aber das Grab eines Prophetengefährten ebnete, weil hier Heiligenkult betrieben wurde, kam es zu Unruhen. Dieses Ereignis hatte eine Welle der Entrüstung in der Region bewirkt und durch den Druck, den diverse Stammesführer auf den Statthalter von ʿUyayna ausgeübt hatten, musste er seine Unterstützung für Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb zurücknehmen.

So musste Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb schon 1744 nach ad-Dirʿiyya unter die Herrschaft von Muḥammad b. Saʿūd. Die Familie Āl Saʿūd stand nämlich in Konflikt mit einigen jener Stammesführer und unter den Brüdern von Muḥammad b. Saʿūd waren auch Sympathisanten von Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb. Dem Stammesführer war klar, dass er mit der neuen Lehre in der Lage wäre seine Macht zu vergrößern. Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb seinerseits wusste zu gut, dass er seine Lehren nur durch Hilfe eines Stammesführers verbreiten könne, weil das Stammeswesen auf der Arabischen Halbinsel stark ausgeprägt war und individuelle Bekehrungen im großen Stil kaum möglich bzw. nur unter Gelehrtenkreisen denkbar waren.

3.2 Bündnis zwischen Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb und Āl Saʿūd

Das Bündnis, welches nun zwischen beiden Persönlichkeiten eingegangen wurde, bildete den Grundstein für den Ersten Saudischen Staat, welcher von 1744 bis 1818 existieren sollte.[19] Die Abmachung besagt, dass Muḥammad b. ʿAbd al‑Wahhāb seinen neuen Beschützer nicht verlässt, anderseits dass finanzielle Gewinne, wie Beute oder Steuer, welche durch die Feldzüge gemacht würden, unter der Verfügung von Muḥammad b. Saʿūd stehen sollten.

Der Erste Saudische Staat, auch Emirat von ad-Dirʿiyya genannt, verbreitete sich durch das Anschließen weiterer Stämme rasant. Die von ihren Gegnern „Wahhabiten“ genannten riefen zuerst die Stammesführer zu ihrer Lehre des Islam auf und bekämpften sie, falls es zu einer Ablehnung kam.[20] So verbreitete sich das Herrschaftsgebiet der Saʿūd bzw. das Einflussgebiet von Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb in alle vier Richtungen von Naǧd. Schüler und Anhänger strömten aus überall her nach ad-Dirʿiyya um das neue (alte) Verständnis vom Islam zu lernen und begleiteten die Truppen während der Feldzüge[21], um in eroberten Regionen die neuen Lehren zu verkünden. Einer der wichtigsten Punkte dieser Lehren war der Grundsatz des „Gebieten des Guten und Verbieten des Schlechten“. Es handelt sich hierbei um einen allgemein anerkannten Grundsatz im Islam, der aber im Salafismus verstärkt als Kampfmittel gegen die in ihrer Sicht verbotene religiöse Neuerungen verwendet wird, welche ihrer Sicht nicht durch Offenbarung legitimiert wurden.[22]

3.3 Expansion unter Āl Saʿūd (1792-1813)

Nach dem Tod von Muḥammad b. Saʿūd (1765) folgte sein Sohn ʿAbd al-ʿAzīz b. Muḥammad an die Macht, der den Vormarsch noch konsequenter fortsetzte. Trotz der Gefahr, die seitens des osmanischen Reiches drohte, wagte er die Expansion Richtung Irak, dem Hiǧāz an der Küste zum Roten Meer mit Mekka und Medina, und al-Aḥsa‘, dem Gebiet im Südosten der Arabischen Halbinsel zu führen. Wir werden hier jedoch auf die Expansion Richtung Osten, also al-Aḥsa‘ und Kuwait, welches auf den Weg zum Irak ist, fokussieren.

Die Region von al-Aḥsa‘ war durch Seehandel im Arabischen Golf ein entwickeltes Gebiet und versorgte Naǧd mit fast alle seinen Bedürfnissen. 1792 konnte große Teile von al-Aḥsa‘ erobert werden, die angrenzende kleine Halbinsel Qaṭar geriet im Jahr 1793 unter die Herrschaft von Āl Saʿūd. In Qaṭar waren damals drei Stämme ansässig, die in unterschiedlichen Teilen der Halbinsel wohnten, darunter Āl Ḫalīfa, die Herrscherfamilie des heutigen Bahrain[23], die sich gegen den wahhabitisch-saudischen Ansturm wehrte und nach Bahrain auswandern musste, welches sie früher von Qaṭar aus beherrschten.

Die Eroberung von al-Aḥsa‘ eröffnete den wahhabitischen Saudis auch den Weg Richtung Kūwaīt. Zwischen 1793 und 1795 wurde auch Kūwaīt angegriffen, konnte jedoch nicht erobert werden. Daraufhin wurde die Stadt befestigt und die in Kūwaīt (auch heute noch) herrschende Familie Āl Ṣabāḥ führte einen Vergeltungsfeldzug. Gleichzeitig gelang aber 1798 den saudischen Wahhabiten ein Sieg gegen osmanische Truppen in Nord-Aḥsa‘.

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass das britische Königsreich, durch seine East India Company bereits in Kuwait einen Hauptsitz hatte und von daher die „Unabhängigkeit“ Kuwaits, beziehungsweise die Abhängigkeit Kuwaits von der britischen Krone mitverteidigt hat.

Als 1797 die heutige Insel Bahrain vom Sultan von Masqaṭ (Oman) angegriffen und erobert wurde, wandte sich Āl Ḫalīfa an die eigentlich angefeindeten Āl Saʿūd um Beistand zu bitten. 1809 wurde die Insel mit wahhabitischen Truppen eingenommen, jedoch Āl Ḫalīfa nicht übergeben, man entschied sich die Insel selbst zu beherrschen.[24]

Nun wandten sich die Führer von Āl Ḫalīfa an alle umliegenden Mächte um die Wahhabiten aus der Insel zu vertreiben. So waren sie im Scheichtum Kūwaīt vorstellig, bei den Persern und sogar beim neuen Sultan von Masqaṭ, Sohn des damaligen Sultans, der die Insel eroberte. Durch ihre Unterstützung gelang es Āl Ḫalīfa wieder die Saudis zu vertreiben und die Kontrolle über die heutige Insel Bahrain zu erlangen.

Zu den Stämmen, die sich Āl Saʿūd anschlossen, gehörten auch manche sunnitischen Stämme an den so genannten „omanischen Küsten“[25], deren Beziehungen zum Herrscher über Masqaṭ und dortigen Stämmen angespannt waren, unter anderem, weil sie einer anderen Strömung im Islam angehörten[26]. Die Unterwerfung weiterer Stämme an den omanischen Küsten erfolgte 1803 bis 1805, wobei sie sich verpflichteten das wahhabitische Verständnis vom Islam anzunehmen und zur Entrichtung der Pflichtalmosen an das saudische Emirat.

[...]


[1] Vgl. Hafez: Islamisch-politische Denker, S. 65ff.

[2] as-S alaf aṣ-ṣāliḥ, gemeint sind die drei Generationen nach dem Propheten Muḥammad.

[3] Vgl. Murtaza: Mohammeds Erben, https://www.zeit.de/autoren/S/Muhammad_Sameer-Murtaza/index, Zugriff: 08.09.2019.

[4] Siehe Kapitel über die Entstehung des Wahhabismus auf der Arabischen Halbinsel.

[5] Nach ihm wird der Wahhabismus genannt.

[6] Vgl. Lohlker: Salafismus als Teil der Globalgeschichte, S. 145ff.

[7] as-Salafiyya an-naṣṣiyya.

[8] Aussagen, Taten und stillschweigende Billigung durch den Propheten.

[9] Anm.: Gemeint sind die Frommen Altvorderen. bzw. die medinensische Prophetengemeinde.

[10] Murtaza: Mohammeds Erben, https://www.zeit.de/autoren/S/Muhammad_Sameer-Murtaza/index, Zugriff: 08.09.2019.

[11] Vgl. Lohlker: Salafismus als Teil der Globalgeschichte, S. 140.

[12] Anm.: Sunna bzw. die Ḥadīṯe.

[13] Murtaza: Mohammeds Erben, https://www.zeit.de/autoren/S/Muhammad_Sameer-Murtaza/index, Zugriff: 08.09.2019.

[14] Gemeint ist die überlieferte Offenbarung, welche aus Qur´ān und Sunna besteht.

[15] Vgl. O. V.: ʿ Aqīdatu ʾ ahlu s-sunnati wa l- ǧamā ʿati, http://www.saaid.net/feraq/mthahb/0.htm, Zugriff: 09.09.2019.

[16] Vgl. al-Munaǧǧid: Ḥukmu d-dīmuqrāṭiyya, https://islamqa.info/ar/answers/107166/حكم-الديمقراطية-والانتخابات-والعمل-في-انظمتها, Zugriff: 09.09.2019.

[17] Vgl. Bin Bāz: ṣ iḥḥatu l-ma ḏ āhibi l- ʾ arba ʿa, https://binbaz.org.sa/fatwas/6967/صحة-المذاهب-الاربعة-وتاريخ-نشاتها, Zugriff: 09.09.2019.

[18] Vgl. Özervarli: Selefiyye, 400.

[19] Vgl. Kur ş un: Necid ve Ahsa´da Osmanli Hâkimiyeti, S.23-29.

[20] Vgl. O.V: Šaḥwatu s-sayṭarati, https://midan.aljazeera.net/intellect/history/2018/9/25/شهوة-السيطرة-لماذا-حاول-السعوديون-احتلال-عمان, Zugriff 12.09.2019.

[21] Vgl. O.V.: Ad-dawla as-su’ūdiyya al- ’ ūlā, http://www.mokatel.com/openshare/Behoth/Atrikia51/Saudia1/sec06.doc_cvt.htm, Zugriff: 12.09.2019.

[22] Vgl. Kur ş un: Necid ve Ahsa´da Osmanli Hâkimiyeti, S.23-29.

[23] Mit dem Hinweis auf das „heutige“ Bahrain, wird darauf aufmerksam gemacht, dass die historische Bezeichnung „Baḥrayn“ ein viel größeres Gebiet umfasste, als den heutigen Inselstaat.

[24] Vgl. O.V.: Ad-dawla as-su’ūdiyya al- ’ ūlā, http://www.mokatel.com/openshare/Behoth/Atrikia51/Saudia1/sec06.doc_cvt.htm, Zugriff: 12.09.2019.

[25] Mit diesem Begriff werden ua. Gebiete der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate verstanden.

[26] Ibāḍīyya.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Salafismus in den Golfstaaten
Untertitel
Eine Analyse der Situationen in Kuwait, Bahrain und Katar
Hochschule
Universität Wien  (Institut Orientalistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V509382
ISBN (eBook)
9783346089816
ISBN (Buch)
9783346089823
Sprache
Deutsch
Schlagworte
salafismus, golfstaaten, eine, analyse, situationen, kuwait, bahrain, katar
Arbeit zitieren
Ismail Marksteiner (Autor), 2019, Salafismus in den Golfstaaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509382

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