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Der Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber. Räumlichkeit und Inszenierung

Title: Der Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber. Räumlichkeit und Inszenierung

Bachelor Thesis , 2019 , 47 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anonym (Author)

Art - History of Art
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Summary Excerpt Details

Eins der berühmten Kunstwerke der Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber ist "Der Heilig-Blut-Altar". Das Retabel entstand zwischen den Jahren 1501 und 1505 und wurde speziell auf Anfrage von dem Rothenburger Stadtrat für die Heilige-Blut-Reliquie hergestellt. Der Schreiner Erhart Harschner schnitzte die Retabel-Architektur für den Altar. Am fünfzehnten April 1501 wurde der Vertrag zwischen dem Würzburger Bildschnitzer Tilman Riemenschneider und dem Rothenburger Stadtrat abgeschlossen, um die skulpturelle Ausstattung des hohen Heiligblut-Retabels zu schaffen.

Riemenschneider hat eine erstaunliche Geschichte vom Leben Christi entwickelt, die im Altar von links nach rechts und von unten nach oben durch die einzelnen Tafelszenen betrachtet werden kann. In dem Mittelteil des Altarretabels sind solche Themen der figürlichen Ausgestaltung dargestellt: "Der Einzug in Jerusalem", "Das Letzte Abendmahl", "Christus am Ölberg". Die Altaridee des Bildschnitzers war eine Verbindung zwischen dem Mittelschrein „Abendmahl“, bei dem Wein zum Blut Christi gewandelt wird, und den Blutstropfen Christi zu schaffen.

Die Reliquie mit dem Tropfen vom Blut Christi ist der Anlass der zahlreichen Wunder sowie das Ziel der Wallfahrten für viele Gläubige in Rothenburg geworden. Das berühmte Heiligblut-Retabel befindet sich auf der Westempore und bewahrt die Heilig-Blut-Reliquie im Überbau auf, die die Blutstropfen Christi beinhaltet und sich im Gesprenge in einer Bergkristallkapsel des Reliquienkreuzes befindet. Mit der Heilig-Blut-Reliquie wird verschütteter Messwein, der nach dem Aussprechen der Einsetzungsworte durch den Priester "Blut Christi" heißt, gemeint. Die Entstehung ist wahrscheinlich so, dass den Priestern das Emporheben des Kelches vorgeschrieben wurde. Dabei wurde die Tropfen vom Messwein auf dem Korporal verschüttet.

Riemenschneiders Abendmahl wird als lebendige Szene, die durch die besondere Räumlichkeit im Retabel wirkt, im Zentrum des Altars dargestellt. Die Holzfiguren leben im Raum und präsentieren sich wie auf einer Bühne, wobei sie nach besonderen Lichtverhältnissen geordnet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung

2.1. Räumlichkeit und performativer Raum

2.2. Inszenierung: Körperlichkeit, Licht, Wahrnehmung

3. Räumlichkeit im Heilig-Blut-Altar

3.1. Szenenaufbau und Darstellung des Altars

3.2. Performativer Raum und Bedeutung der Abendmahlszene

4. Rituelle Figureninszenierung im Altar

4.1. Formale Beschreibung der Holzfiguren

4.2. Christliche Motive und ihre Semiotik

4.3. Inszenierung der Holzfiguren im Abendmahl

5. Zusammenspiel der Räumlichkeit und der Inszenierung im Abendmahl

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die kunsthistorische und performative Dimension des Heilig-Blut-Altars in der Jakobskirche zu Rothenburg ob der Tauber. Die zentrale Fragestellung konzentriert sich darauf, wie Räumlichkeit und Inszenierung gezielt eingesetzt werden, um die Abendmahlszene als lebendiges, performatives Ereignis für den Betrachter erfahrbar zu machen und in einen theologischen Kontext zur Heilig-Blut-Reliquie zu setzen.

  • Analyse der Raumbegriffe und der Performativität in der Kunst
  • Untersuchung des szenischen Aufbaus und der Bedeutung der Abendmahlszene
  • Formale und ikonographische Analyse der Riemenschneider-Holzfiguren
  • Die Rolle des Lichteinfalls als Gestaltungsmittel für die Atmosphäre und Inszenierung
  • Verknüpfung von sakralem Raum, Kunstobjekt und eucharistischem Ritual

Auszug aus dem Buch

3.1. Szenenaufbau und Darstellung des Altars

Der Heilig-Blut-Altar wurde speziell für die Heilige Blutreliquie zwischen 1499 und 1501 angefertigt. Der Vertrag wurde zwischen dem Rothenburger Stadtrat und dem Schreiner Erhart Harschner sowie dem Bildschnitzer Tilman Riemenschneider über das Altargehäuse der Retabelarchitektur und skulpturelle Figurenausstattung abgeschlossen. Der Standort des Schnitzaltars, der über der geweihten Heilig-Blut-Kapelle gebaut war, befindet sich im hellen Westchor der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Höhe des gesamten Retabels ist 970 cm und die dargestellten Corpusfiguren 116-134 cm hoch.

Die Darstellung des Heilig-Blut-Altars ist in viele Szenen gegliedert, die die Lebensgeschichte von Christus erzählen. Die vorgestellten Lebensgeschichten werden von links nach rechts und von unten nach oben gelesen. Die erste Altarszene befindet sich im linken Flügel und die Geschichte fängt mit dem Einzug Jesus in Jerusalem an. Im Vordergrund des Bildes wird der auf einem Esel sitzende Jesus dargestellt, der in die Stadt Jerusalem reitet. Ein gebückter Mann, ein Bewohner aus Jerusalem, hat seinen Mantel auf dem Boden gelegt, um Jesus zu begrüßen. Im Raum stehen zwei Gruppen von Menschen: Im Hintergrund sind die Jünger von Jesus dargestellt, unter denen der Jünger Jakobus mit einem Pilgerhut hinten und der junge Johannes ohne Bart vorne erkennbar sind. Es wird vermutet, dass die ernsten Gesichter der Jünger die zukünftigen Leiden Christi reflektieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Entstehungsgeschichte des Heilig-Blut-Altars und Formulierung der zentralen Fragestellung zur Rolle von Räumlichkeit und Inszenierung.

2. Begriffserklärung: Theoretische Herleitung der Begriffe „Raum“, „performativer Raum“ sowie „Inszenierung“ unter Einbezug theaterwissenschaftlicher Perspektiven.

3. Räumlichkeit im Heilig-Blut-Altar: Untersuchung des szenischen Aufbaus und Analyse des Einflusses des Lichts und der architektonischen Gestaltung auf die Wahrnehmung des Altars.

4. Rituelle Figureninszenierung im Altar: Detaillierte formale Analyse der Holzfiguren sowie Untersuchung der christlichen Motive und ihrer symbolischen Bedeutung (Semiotik).

5. Zusammenspiel der Räumlichkeit und der Inszenierung im Abendmahl: Synthese der Analyseergebnisse zur Wechselwirkung von Licht, Raum und Körperlichkeit bei der Darstellung des Letzten Abendmahls.

6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der Bedeutung des Altars als performatives Gesamtkunstwerk.

Schlüsselwörter

Heilig-Blut-Altar, Tilman Riemenschneider, Rothenburg ob der Tauber, Abendmahl, Performativität, Räumlichkeit, Inszenierung, Lichtführung, Holzskulptur, Eucharistie, sakraler Raum, kunsthistorische Analyse, christliche Ikonographie, Materialität, Theaterwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert den Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber unter besonderer Berücksichtigung der performativen Inszenierung und der Raumgestaltung durch den Bildschnitzer Tilman Riemenschneider.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Schwerpunkte liegen auf der theatralischen Raumtheorie, der Analyse der Holzfiguren-Gestaltung und der theologischen Semiotik, die den Altar mit der Reliquienverehrung verknüpft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, wie Räumlichkeit und Inszenierung eingesetzt werden, um die Abendmahlszene als lebendige Darstellung zu konzipieren, die den Betrachter aktiv einbindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der theaterwissenschaftliche Begriffe (z.B. nach Fischer-Lichte) mit kunsthistorischen Analysen der spätgotischen Bildhauerei verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung des szenischen Aufbaus, eine detaillierte formale Figurenanalyse und eine Betrachtung der Lichtwirkung auf die Inszenierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben dem historischen Objekt selbst sind Begriffe wie „Performativität“, „Räumlichkeit“, „Inszenierung“ und „Eucharistie“ die zentralen Säulen der Untersuchung.

Warum spielt die Figur des Judas eine so zentrale Rolle im Mittelschrein?

Judas wird von Riemenschneider bewusst als Mittelpunkt und Verräter in den Vordergrund gerückt, um eine Abweichung von der traditionellen Bildtradition zu erzielen und die menschliche Unsicherheit sowie die Schwere des Verrats zu verdeutlichen.

Welche Rolle spielt das Licht bei der Wahrnehmung des Altars?

Das Licht fungiert als aktives Gestaltungselement, das durch den natürlichen Verlauf des Tages unterschiedliche Licht- und Schattenwirkungen erzeugt und die Holzfiguren somit in eine dynamische, „lebendige“ Beziehung zum Betrachter setzt.

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Details

Title
Der Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber. Räumlichkeit und Inszenierung
College
University of Frankfurt (Main)  (Kunstgeschichte)
Grade
2,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2019
Pages
47
Catalog Number
V509546
ISBN (eBook)
9783346072191
ISBN (Book)
9783346072207
Language
German
Tags
heilig-blut-altar rothenburg tauber räumlichkeit inszenierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2019, Der Heilig-Blut-Altar in Rothenburg ob der Tauber. Räumlichkeit und Inszenierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509546
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