Können wir der digitalen Fotografie nicht mehr trauen? Müssen wir der digitalen Fotografie folglich einen anderen Authentizitätsbegriff zuschreiben als der analogen Fotografie? Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach.
Die analoge Fotografie stellt einen chemischen Prozess dar, bei dem das Licht, abhängig von Blende und Belichtungszeit unterschiedlich stark direkt auf den Negativ-Film trifft und dort ein Negativ-Bild entstehen lässt. Bei der digitalen Fotografie wird die "Spur des Lichts" in digitale Informationen umgewandelt, die am Ende ein digitales Bild erzeugen. Somit kann bei der digitalen Fotografie nicht mehr von einer "Spur des Lichts" gesprochen werden.
Um sich deshalb dieser Frage nach dem Authentizitätsbegriff der digitalen Fotografie zu nähern stellt die Autorin ich im ersten Teil dieser Ausarbeitung zwei unterschiedliche Theorien zur Authentizität der Fotografie vor. Dabei handelt es sich zum einen um die Theorie von Henry Fox Talbot und zum anderen um die Theorie von Roland Barthes.
Anschließend stellt Sie Ihre Beispielaufnahmen vor und betrachte sie unter den Gesichtspunkten der Unterschiede zwischen analoger und digitaler Fotografie von William J. Mitchell. Dabei nimmt Sie Bezug zu den Theorien nach der Authentizität der Fotografie nach Roland Barthes und Henry Fox Talbot. Ein Zusammenfassung am Ende schließt die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wahrheits-und Authentizitätsbegriff in der Fotografie
2.1 William Henry Fox Talbot: Die Magie des Abdruckes
2.2 Roland Barthes: „Es-ist-so-gewesen“
3. Authentizität in der digitalen Fotografie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich der Authentizitätsbegriff im Kontext der digitalen Fotografie im Vergleich zur analogen Fotografie verändert hat und ob digitalen Bildern aufgrund veränderter Herstellungsprozesse weniger Vertrauen entgegengebracht werden sollte.
- Vergleichende Analyse der Theorien von William Henry Fox Talbot und Roland Barthes.
- Untersuchung der technischen Unterschiede zwischen analoger und digitaler Fotografie.
- Diskussion der Manipulierbarkeit und des Wahrheitsanspruchs digitaler Bilder.
- Betrachtung von Praxisbeispielen zur Reflexion des Authentizitätsempfindens.
- Erörterung der Rolle des Referenten und des Betrachters bei der Bildwahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
3. Authentizität in der digitalen Fotografie
Mit der digitalen Fotografie kommt erneut die Frage nach der Authentizität der Fotografie auf und mit sich ziehend die Frage inwieweit wir digitalen Bildern überhaupt noch trauen können. Wird der Herstellungsprozess von analoger und digitaler Fotografie rein technisch betrachtet, unterscheiden sich diese eindeutig voneinander. Wohingegen bei der analogen Fotografie eine Fotografie auf dem Negativ-Film verewigt wird, erhält man bei der digitalen Fotografie nur noch eine Reihe von Daten, die zusammen ein Bild erzeugen (Iglhaut, 1995).
Die Authentizität der digitalen Fotografie werde ich in diesem Kapitel anhand zweier anschaulicher Bildbeispiele erläutern. Die beiden Fotografien zeigen eine junge Frau, die ich im Jahr 2014 im Rahmen meiner Bachelorarbeit „Frauenbilder“ fotografiert habe. Beide Aufnahmen sind mit gleicher Belichtungszahl, Blende und ISO-Zahl aufgenommen worden, jedoch wurde Abbildung 2 digital und Abbildung 3 analog aufgenommen.
Das Bildbeispiel zeigt eine junge leicht bekleidete Frau, die auf einem Sofa lehnt. Der Hintergrund in den Aufnahmen deutet ihre Wohnung an, in der sie sich befindet. Ihr Haar und ihr Rücken wird durch das Tageslicht sanft beleuchtet und ihr Blick suggeriert eine entspannte und vertraute Stimmung. Keines der Bilder wurde im Nachhinein retuschiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Authentizitätsbegriffs bei der digitalen Fotografie ein und stellt die theoretische Basis sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit vor.
2. Der Wahrheits-und Authentizitätsbegriff in der Fotografie: In diesem Kapitel werden grundlegende Theorien zur Fotografie beleuchtet, insbesondere der Ansatz von William Henry Fox Talbot bezüglich des "Abdrucks" sowie die phänomenologische Sichtweise von Roland Barthes.
2.1 William Henry Fox Talbot: Die Magie des Abdruckes: Dieser Abschnitt erläutert Talbots Konzept der Fotografie als "Naturzeichnung" bzw. "Abdruck", bei dem die Natur selbst die Spuren auf dem Medium hinterlässt.
2.2 Roland Barthes: „Es-ist-so-gewesen“: Hier wird Barthes' Theorie analysiert, die den untrennbaren Bezug zwischen dem Referenten und dem fotografischen Bild betont.
3. Authentizität in der digitalen Fotografie: Dieses Kapitel vergleicht analoge und digitale Verfahren und reflektiert anhand von Bildbeispielen die Frage, ob digitale Bilder ihre Authentizität verloren haben.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Authentizitätsanspruch der Fotografie trotz digitaler Technik bestehen bleibt, da sie weiterhin einen Abdruck der Realität darstellt.
Schlüsselwörter
Fotografie, Authentizität, Digitale Fotografie, Analoge Fotografie, Wahrheitsgehalt, William Henry Fox Talbot, Roland Barthes, Naturzeichnung, Referent, Bildmanipulation, Indexikalität, Abbild, Post-fotografische Ära, Spur des Lichts, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Authentizität in der Fotografie und der Frage, ob sich diese durch den Übergang von der analogen zur digitalen Technik grundlegend verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Wahrheitsanspruch fotografischer Bilder, die technischen Unterschiede der Bildentstehung sowie die theoretische Fundierung durch klassische Medientheoretiker.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob digitalen Fotografien ein anderer Authentizitätsstatus zugeschrieben werden muss als analogen Bildern, angesichts neuer technischer Möglichkeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine medientheoretische Analyse, die durch einen praktischen Vergleich eigener Bildaufnahmen ergänzt und reflektiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theorien von Talbot und Barthes, vergleicht diese mit den Thesen von William J. Mitchell und diskutiert die Manipulierbarkeit digitaler Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Fotografie, Authentizität, Referent, Wahrheitsgehalt und Bildmanipulation beschreiben.
Wie bewertet die Autorin die Bedeutung des Herstellungsprozesses für die Authentizität?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der physische Herstellungsprozess nur eine periphere Rolle spielt, da das Wesen der Fotografie als Abdruck der Realität erhalten bleibt.
Welche Rolle spielt der Betrachter bei der Wahrnehmung der Authentizität?
Der Betrachter entscheidet letztlich selbst, wo die Grenzen der Realität in einem Bild liegen, da die Unterscheidung zwischen analog und digital auf dem fertigen Bild oft nicht erkennbar ist.
- Quote paper
- Monique Lohmann (Author), 2016, Die "Spur des Lichts" im Bild. Verliert digitale Fotografie ihre Authentizität?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509797