Webers Staatssoziologie. Eine Analyse des historischen und systematischen Kontextes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Die Denkweise von Webers Staatssoziologie -

„Eine Analyse des historischen und systematischen Kontextes“

Einleitung

Das Wort „Soziologie“ wurde von Auguste Comet (1798-1857) geprägt, aber keineswegs das sozialwissenschaftliche Denken, das hat es immer schon gegeben; hervorstechend ist dabei die Sozialphilosophie mit ihren Begriffen und Systemen. Schrittweise etabliert sich die Soziologie als selbständige Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, erst durch den Wech- sel von der ständischen Epoche hin zur bürgerlichen Gesellschaft. Der grundlegende Ansatz- punkt der Soziologie resultiert aus der Hypothese, dass das Individuum (bzw. der Mensch) ein soziales Lebewesen ist. Diese Grundtatsache darf nicht missverstanden werden, denn der Mensch ist als „soziales Lebewesen“ ein Lebewesen, dass nur in einer Gemeinschaft von Men- schen vorkommt und in dieser „Gemeinsamkeit“ existieren kann. Wenn der Mensch als Ge- meinwesen gedacht werden soll, schließt das mit ein, dass sich der Mensch in seinem Leben an vorausgehenden Sozialeinheiten zu orientieren hat. Ergo ist der Betrachtungsgegenstand der Soziologie nicht der Mensch als einzelner oder als verallgemeinertes Individuum, sondern die Gemeinschaft von Individuen gegebenenfalls auch die „Gemeinsamkeit“ von Menschen. Sozi- ologie ist eine empirische Wissenschaft, welche sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens auf der Makro- und Mikroebene auseinandersetzt .Unter- anderem werden Strukturen und Funktionsweisen von Gesellschaft und das Handeln von Indi- viduen in einem sozialen Kontext analysiert. Allgemein zusammengefasst ist der Gegenstand der Soziologie, das Sozialsystem in dem sich das Individuum als Mitglied und Bedeutungsträ- ger befindet. Das Individuum ist an Sozialsysteme gebunden, bei der Selbstdarstellung wirken diese festgelegten Normen und Werte auf den Menschen ein. Die gesellschaftliche Ordnung produziert eine symbolische „Sinn -Welt“, in der alle Institutionen integriert sind, sowohl legi- timieren sie sich selbst und geben der Gesellschaft einen „Sinn“. Folglich kann abgeleitet wer- den, die Hauptaufgabe der Soziologie liegt in der Analyse von Sozialsystemen und jene in ih- rem Gefüge zu begreifen. Beim kritischen Hinterfragen fließen auch andere Erkenntnisse von verschiedenen Fachgebieten ein. Erkenntnisse über die Gesellschaft können nur durch wissen- schaftliche Untersuchungen erlangt werden, indem man die Gesetze der gesellschaftlichen Sta- bilität und ihrer Entwicklung versteht – ergo ein Studium der Gesellschaft.

1.Webers soziologischer Objektivismus

Max Weber kann untrüglich als der Klassiker der Soziologie schlechthin bezeichnet werden. Sein maßgeblicher Beitrag für das Fach Soziologie zu dementieren, erweist sich in der heutigen Zeit als geradezu unmöglich. Weber hat nicht als Soziologe begonnen, sondern er widmete sich auf seinem Weg zur Soziologie zuerst dem Studium der Rechtswissenschaft, Nationalökono- mie, Geschichte und Philosophie, unteranderem auch der Geschichte der Spätantike, dem mo- dernen Handelsrecht und der zeitgenössischen Staatsrechtslehre1. Wodurch er Eindrücke ge- winnen konnte, die später sein Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ maßgeblich prägen sollten. So bekennt sich Weber erst spät zur neuen etablierten Wissenschaft der Soziologie. Sein Sozi- ologieverständnis beruht auf einem kultursoziologischen ausgerichteten Ansatz, der von einer starken Akzentuierung der Sinnorientierung handelnden Subjekten aus geht. Weber konstatiert, dass Gesellschaft nur so verstanden werden kann, wenn man vom Individuum und dessen sinn- haften Handlungen ausgeht.2 In der soziologischen Theorie wird sein Ansatz unter dem Begriff des „methodologischen Individualismus“ eingeordnet. An dieser Stelle hat Weber keineswegs eine Interaktionstheorie konzipiert, welche auf der Mikroebene verweilt. Es steht nicht nur das einzelne Individuum und sein Handeln bei Weber im Mittelpunkt, sondern ebenso die Analyse von sozialen Beziehungen und sozialer Ordnung, ergo auch die Betrachtung der Meso- und Makroebene. Dennoch ist bei Weber das Individuum der Ausgangspunkt seines Theoriende- signs. Weber vertritt den Objektivismus, als eine essenziell logische durchführbare Grundper- spektive. Die erkenntnistheoretische Denkrichtung des Objektivismus, geht davon aus, dass es abgesehen vom erfassenden und wertenden Individuum eine bedingungslose Wahrheit von un- abhängigen Werten gibt. Der objektivistische Denkraum verabsolutiert subjektunabhängige Strukturen, welche unteranderem von ökonomischer, soziokultureller, wirtschaftlicher oder sprachlicher Art sein können. Bei objektivistischer Erkenntnisgewinnung nimmt der Beobach- ter einen „souveräner“ Standpunkt eines „äußeren Betrachters“ ein, diesem tritt die Gesellschaft als objektive soziale Wirklichkeit entgegen, die sich ihm als „Schauspiel“3 darbietet. Gegen- wärtig ist in der Soziologie eine parallel fortschreitende Entwicklung zu konstatieren, da das theoretische Denken nicht mehr so stark voneinander abgrenzenden Schulen erfolgt. Zu ver- zeichnen ist, dass die aktuelle Theorieentwicklung eher einer kritischen Bewertung und Wei- terentwicklung der aufgestellten theoretischen Positionen ausgesetzt ist, anstatt der Etablierung alternativer Theorien. Die systematische Darlegung kann man als Vergleich der Methode soziologischer Erkenntnis einordnen. Den Vergleich kann man als Forschungsmittel verschie- denster soziologischer Forschungsgebiete anwenden, als einen systemischen und strukturieren- den Gegenstand aktueller Gesellschaftsentwicklungen. Die Wirkmächtigkeit und die Prozesse gegenwärtiger Gesellschaftsentwicklungen kann allein durch die vergleichende Betrachtung sozialer Konstellationen bzw. wirtschaftlicher, kultureller oder politischer Größen erschlossen werden. Weber will die individuellen Handlungen Einzelner verständlich machen, dabei ver- weist er auf bestimmte Verhaltensmuster und wiederholende Handlungen im historischen Kon- text. Der hohe Stellenwert des „Verstehens“ in Webers Soziologie beruht auf seiner Annahme, dass die Soziologie als Wirklichkeits- und Kulturwissenschaft zu betrachten ist.4

Diese Hausarbeit widmet sich unter anderem der Systematik in Webers Analyse und ob seine Staatssoziologie approximativ systematisch sein könnte. Welche signifikanten Einzelmerkmale treten auf, Betrachtung der Klassifikation und Abgrenzung von Webers beschriebenen System. Aufgrund seines Ablebens konnte Weber seine Ansichten nicht mehr zu einer Systematik aus- bauen.

2. Webers Auslegung der Staatsoziologie

Ein von Max Weber begründetes Fachgebiet der Soziologie ist die Staatssoziologie, die beson- deren Wert auf die Bedeutung des Staates legt und sich speziell mit ihm beschäftigt. Der posi- tionierte und geprägte staatstheoretische Begriff gehört bis heute zu den Grundlagen von Un- tersuchungen moderner Staatlichkeit. Er umfasst die Eigenschaften des Gewaltmonopols sowie die Rationalität und Legitimation des Staates. Eine in sich geschlossene Staatssoziologie hat Weber in seinem Manuskript nicht weitergeben, sondern hat fragmentierte Denkansätze hinter- lassen, die sich unterschiedlich analysieren und auslegen lassen.

Da Theorien nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern vor dem Hintergrund anderer, bereits etablierter oder parallel sich entfaltender Theorien aufkeimen, ist die literarische Grundlage vorliegender Hausarbeit das Manuskript „Wirtschaft und Gesellschaft“ von Max Weber. Es gilt als eine Einführung in die verstehende Soziologie, dabei skizziert Weber die modernen, leis- tungsfähigen Strukturen von Wirtschaft und Verwaltung, mit ihren Charakteristika von bewusst gesetzten Regeln und einem aufgestellten Verwaltungsapparat. Er stellt einen Überblick mit Hilfe eines Vergleichs von legaler Herrschaft über einen bürokratischen Verwaltungsstab zu früheren Herrschaftsformen traditioneller oder charismatischer Herrschaft auf. In seinem Hauptwerk führt er anschaulich in die Wirkungsweise der Gesellschaft ein und stellt wie eingangs erwähnt eine Methode vor, um diese zu erforschen. Webers denken ist dem Problem- gebiet der Herrschaftssoziologie zugewandt, in seinen Untersuchungen wurde die Gesellschaft zum Objekt. Weber vermittelt eine Grundeinsicht in die Soziologie des Staates und ordnet dies in die Gesamtkonzeption von „Wirtschaft und Gesellschaft“ ein und verdeutlichen den konfor- men Denkzusammenhang seiner gesamten Herrschaftssoziologie. Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist der Abschnitt „Staatssoziologie: Soziologie der rationalen Staatsanstalt und der modernen politischen Parteien und Parlamente“ das letzte Kapitel seines Werks. Der Rahmen seiner Darstellung, befasst sich mit dem soziologischen Gestaltungsprozess des rationalen „Staates“ und das „moderne“ politische System und seine Akteure. Hierzu bezieht sich Weber auf historische Sachverhalte und vergleicht die politischen Gegebenheiten von unterschiedli- chen Ländern, um zugleich den gedanklich- systematischen Ort der Betrachtung auszuweisen. Es wird sich mit grundsätzlichen staatsoziologischen Erkenntnissen von Max Weber auseinan- dergesetzt. Weber hat den Begriff der Staatssoziologie geprägt und kann als ein Fachgebiet oder schwärmerisch formuliert als Steckenpferd der Soziologie betrachtet werden, die aufgrund der Besonderheit des Staates sich ausdrücklich mit ihm befasst. Soziologie der rationalen Staatsge- walt und der modernen politischen Parteien und Parlamente ist eine Einführung und Analyse des Staatssystems.

2.2.Betrachtung der rationalen Staatanstalt -anhand der Ausprägungen Rationalismus und Kapitalismus

Begründet auf Umbrüche von revolutionärem Format, entwickelt sich die Rationalisierung zu Webers Leitthema. Der durchgehend bestimmende Ansatz begründet sich nicht auf einem me- thodischen Streben nach regelhafter Ordnung. In diesem Sinne ist Rationalisierung nicht mit Rationalität gleichzustellen. Denn das Wesen von Rationalisierung ist von vielfältiger Natur.

Ein wichtiger Gesichtspunkt für diese Thematik ist der Kapitalismus, der sich im 19. Jahrhun- dert etabliert hat. Entsprechend seines Diktums, die Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft mit dem Gegenstand der Kulturbedeutung zu betrachten, widmet sich Weber in seinem Werk dem Kapitalismus. Die Industrialisierung kann als wegweisender Abschnitt zur praktischen Umsetzung des Rationalismus gesehen werden, speziell die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Industriekapitalismus. Eine Folge dieser Entwicklung waren gravierende Veränderungen von soziologischen Zusammenhängen, wie die Beziehungen der Menschen untereinander, der Destruktion etablierter Lebensweisen aber auch positive wissenschaftliche Entwicklungen, denn der Rationalisierungsprozess ist im soziologischen Verwendungskontext stark mit dem wissenschaftlichen Fortschritt verflochten und eng an den Prozess der Modernisierung gekoppelt. In der Soziologie hat der genuine Sinngehalt von Rationalisierung („Orientierung an der Vernunft“) eine besondere Akzentuierung inne. Dabei ist eine vernünftigere und bewuss- tere Gestaltung des praktischen Handelns gemeint. Dem aufgestellten Kontext der Rationali- sierung liegt zugrunde, dass dieser Einfluss auf bestimmte Kulturräume ausübt, in dem sie über vernunftgeleitete Kontrolle reguliert werden, um gezielte Leistungssteigerungen zu erhalten. Die Metamorphose, die der Rationalisierungsprozess auf die Kultur ausübt, vom zuvor eher planlosen traditionellen Handlungsmuster hin zu einem kalkulierten zwecks-mittel-orientierten Handeln, hat eine grundsätzliche Optimierung der Lebensweise zur Folge. Daher hat der Rati- onalismus eine wegweisende und zentrale Grundlage für die Staatenbildung geschaffen, auf deren Basis konnte sich die Voraussetzung für feste und rationale Regeln entwickeln. Aus die- sem Unterbau konnte der Grundstein für ein Verwaltungssystem wie die Bürokratie gelegt wer- den. Weber geht von einem Ineinandergreifen der Rationalisierungslogik des Kapitalismus und des Anstaltsstaates aus. Ein charakteristisches Motiv von Webers Text ist die Bürokratie und dass Bürokratie und Rationalisierung miteinander verbunden sind. Denn der Kapitalismus ist auf funktionale Rationalität angewiesen, um effektiv und effizient wirken zu können.

Der Okzident ist nach Weber die ursprüngliche Genese der Rationalisierung und des modernen Staates. In dem Textausschnitt beschreibt Weber in 3. Paragrafen die Entstehung des rationalen Staates, den rationalen Staat als anstaltsmäßiger Herrschaftsverband mit dem Monopol legiti- mer Gewaltsamkeit und der staatliche Herrschaftsbetrieb als Verwaltung, politische Leitung und Beamtenherrschaft. Der erste Paragraf geht auf die Entstehung des rationalen Staates ein, dabei betont Weber, dass der Staat wie oben erörtert im Sinne des rationalen Staates nur im Okzident existiert habe. Für ihn ermöglichte der Kampf der konkurrierender Nationalstaaten um die Macht und das Kapital, dem Kapitalismus die Bourgeoisie zu erschaffen: „ Der geschlos- sene nationale Staat also ist es, der dem Kapitalismus die Chancen des Fortbestehens gewähr- leistet; solange er nicht einem Weltreich Platz macht, wird also auch der Kapitalismus dau- ern.“5 Weber formuliert das sich der rationale Staat im modernen Kapitalismus ergibt, aus Fach- beamtentum und rationalem Recht. Aufgrund dieser Berechenbarkeit des Rechtes, hat der rati- onale Kapitalismus einen stabilen Unterbau bekommen, weil jener von Konstanten abhängig ist. Wie oben beschrieben verweist Weber bei seiner Ausführung auf rationales Recht, dass ein formales Produkt des römischen Stadtstaates ist, auf dem das heutige formal – juristische Recht beruht, unteranderem über die Etablierung von vollausgebildeten Anwälten, die sich wiederum durch den Rationalisierungsprozess herausgebildet haben.6 Der moderne Nationalstaat hat sich aus dem rationalen Recht und dem Fachbeamtentum entwickelt, aus dem modernen rationalen Staat heraus. Desweitern wurde das Vorbild der griechischen Stadt, die Demokratie und damit deren Justiz als Herrschaft übernommen. Weiterführend bezieht sich Weber auf den Kapitalis- mus, dieser kann nur mit einem rationalen, formalisierten Recht existieren oder wirtschaften. Seiner Struktur nach ist jedes Recht entweder formal-juristisch oder an materiellen Grundsätzen orientiert.7 Dennoch verweist Weber auf das altchinesische Gebot der Bruderhilfe, denn bei so einem gearteten Recht kann der Kapitalismus nicht wirtschaften 8. Weber verdeutlicht, dass im Osten rituelle Gründe sowie Kasten und Sippenverfassung die Entwicklung einer planvollen Wirtschaftspolitik verhindert haben. Ein weiterer Faktor war die nationale Abschottung nach Außen, die von China, Indien, Korea und Japan betrieben wurde. Weber zeigt wesentliche Un- terschiede zwischen der antike und der mittelalterlich-neuzeitlichen Entwicklung auf, zwar gab es schon in der Antike und im Mittelalter Grundlagen von planmäßiger, staatlicher Wirtschafts- politik, diese Unterbauten waren aber begrenzt und konnten dem Kapitalismus zunächst kein Fundament schaffen. Zwar ist die Stadtfreiheit in der Antike einem bürokratisch organisierten Weltreich gewichen, das aber keinen Raum für politischen Kapitalismus geboten hat.9 Auch spricht Weber das Versagen des Fürstenstaats im Westen an. Die Kirche hat dort in das Gebiet des Wirtschaftslebens fußgefasst. In dem sie ihre Werte von Rechtlichkeit, Redlichkeit und kirchlicher Ethik zum Zwecke der Wahrung des Landfriedens übertragen haben. Die großen kirchlichen Vermögensgemeinschaften, wie Klöster, übten zwar eine rationale Wirtschaft aber keine kapitalistische aus.10 Der erste Indikator einer rationalen fürstlichen Wirtschaftspolitik zeigt sich im 14.Jahrhundert in England – der Merkantilismus das System seit Adam Smith:

Merkantilismus ist Übertragung des kapitalistischen Erwerbsbetriebes auf die Politik. Der Staat wird behandelt, als bestände er einzig und allein aus kapitalistischen Unternehmern; die Wirtschaftspolitik nach außen beruht auf dem Prinzip, den Gegner zu übervorteilen, möglichst billig einzuhandeln und sehr viel teurer abzusetzen. Zweck ist, die Macht der Staatsleistung nach außen zu stärken. Merkantilismus bedeutet also moderne Machtstaatsbildung, und zwar direkt durch Steigerung der fürstlichen Einkünfte, indirekt durch Steigerung der Steuerkraft der Bevölkerung.11 Weber stellt die zwei Typen des Merkantilismus, den ständisch- monopolistischer Merkantilismus.12 Mit den Charakteristika der Schaffung einer ständischen Gliederung der gesamten Bevölkerung in christlich-sozialem Sinn. Aber auch der Stabilisierung der Stände und die Durchführung des christlich-soziale Liebessystem. Der im Gegensatz zum Puritanismus steht, der jeden Armen als Arbeitsscheuen oder Verbrecher ansah, stand es der Armut freundlich gegenüber.13 Der von den Puritanern erzwungene Ethos der Berufsarbeit, hat die Bedingungen für das Erscheinen eines kapitalistischen „Geistes“ geschaffen. Also hat die puritanische Lebensführung den Kapitalismus vorangebracht, jedoch wurde ihm Stück für Stück sein religiös- ethischer Sinn genommen – dies hat zur Folge, dass vom kapitalistischen „Geiste“ das Erwerbsstreben übriggeblieben ist. Die zweite Form des Merkantilismus ist der nationale Merkantilismus. Dieser beschränkt sich darauf nicht durch Monopole geschaffene nationale Industrien systematisch zu schützen.14 Der Merkantilismus hat in England bis zur Durchführung des Freihandels überlebt. Weber hebt hervor, dass sich hier ein letztes Mal irra- tionaler und rationaler Kapitalismus gegenüberstanden, in der Form eines fiskalisch Marktori- entierten Kapitalismus. Mit dem Abklingen des Merkantilismus konnte sich der rationale Ka- pitalismus etablieren, mittels der aufgekeimten Unternehmerschicht. Ein aufkeimen von Instan- zen, die dem Einzelnen vorschreiben wollen, wie er zu leben hat, besonders stark wirkt dabei die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die zur Rationalisierung und Bürokratisierung jeglicher Lebensbereiche, sowie für die Disziplinierung des Individuums verantwortlich ist.

[...]


1 Vgl. Markus Schroer, Soziologische Theorien; Von den Klassikern bis zur Gegenwart. S.48 oben.

2 Vgl. Markus Schroer, S.48 unten

3 Vgl. Goffman Wir alle spielen Theater

4 Vgl. Markus Schroer, S.53.

5 Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft; Soziologie der rationalen Staatsgewalt und der modernen politischen Parteien und Parlamente. S.18.

6 Vgl. Weber, S.19.

7 Weber, S.21.

8 Weber, S.22.

9 Vgl. Weber, S.23.

10 Vgl. Weber, S.25.

11 Vgl. Weber, S.26.

12 Vgl. Weber, S.28.

13 Vgl. Weber, S.28.

14 Vgl. Weber, S.28.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Webers Staatssoziologie. Eine Analyse des historischen und systematischen Kontextes
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Politische Philosophie und soziologische Systematik
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V509835
ISBN (eBook)
9783346098443
ISBN (Buch)
9783346098450
Sprache
Deutsch
Schlagworte
webers, staatssoziologie, eine, analyse, kontextes
Arbeit zitieren
Cornelia Hamberger (Autor), 2019, Webers Staatssoziologie. Eine Analyse des historischen und systematischen Kontextes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509835

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