Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Individual, Groups, Society

Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels

Title: Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels

Term Paper , 2018 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Josefa Aygün (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Bourdieus Ansatz, genauer: Bourdieus Habitustheorie und der Frage danach auseinander, ob, und wenn ja wie, diese Theorie, die zu den neueren der Soziologie gehört, zur Erklärbarkeit des Phänomens des sozialen Wandels beitragen kann.

Es ist kaum zu bestreiten, dass die Gesellschaften unserer Gegenwart, angesichts unerwarteter Krisen und Regimezusammenbrüche etwa, einem rasanten Wandel unterworfen sind. Der Dynamik dieser Entwicklungen mit den vielen Theorien und Labels hinterherzukommen, die den soziologischen Anstrengungen das Phänomen des sozialen Wandels zu erklären, entspringen, gestaltet sich immer schwieriger. Besonders in US-amerikanischen Debatten der Soziologie wird in jüngster Zeit eine mangelnde Beschäftigung mit sozialem Wandel festgestellt und kritisiert.

Maureen T. Hallinan etwa konstatiert der Soziologie Defizite in der Theoriebildung und fordert zu einem Neudenken auf. Um den sozialen Wandel der Gesellschaften unserer Gegenwart noch – oder wieder – adäquat beschreiben zu können, brauche es die Bildung neuer Theorien. Traditionelle makrosoziologische Theorien, wie politökonomische, system- und kommunikationstheoretische Ansätze etwa, die den sozialen Wandel entwicklungsmäßig auf einem hohen Abstraktionsniveau beschreiben und sich dabei auf lineare und langfristige Entwicklungen konzentrieren, verlieren in der Analyse des sozialen Wandels zunehmend an Bedeutung.

Jäger und Meyer stellen fest, dass diese Ansätze nicht nur zu abstrakt, sondern auch zu selektiv seien. Darüber hinaus erweckten sie den Eindruck, die soziologische Forschung habe die gesellschaftlichen Strukturen und Dynamiken bereits total durchschaut. Stattdessen sollen offenere Konzeptionen angestrebt werden, die dann empirisch zu füllen sind. Die Frage danach, ob, und wenn ja wie, gegenwärtige Gesellschafts- und Sozialtheorien (noch) zur Erklärbarkeit und Analyse sozialen Wandels beitragen können, ist somit eine von einer hohen Relevanz.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die für die Fragestellung relevanten Perspektiven, Theorien, Konzepte und Begriffe

2.1 Bourdieus Begriff und Theorie des Habitus

2.2 ‚Relationalen Denken‘: Das Verhältnis von Habitus und Feld, Habitus und Klasse und Habitus und Geschlecht

3 Die Möglichkeit des sozialen Wandels nach Bourdieus Habitustheorie

3.1 Kritik an der Habitustheorie

3.2 Möglichkeiten und Grenzen der Erklärbarkeit sozialen Wandels nach der Habitustheorie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Pierre Bourdieus Habitustheorie zur Erklärbarkeit des Phänomens sozialen Wandels. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Theorie trotz ihrer häufig kritisierten statischen Ausrichtung Möglichkeiten bietet, Transformationen innerhalb sozialer Strukturen und individueller Laufbahnen theoretisch zu erfassen.

  • Grundlagen der Habitus-Theorie und Bourdieus relationales Denken
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Vorwurf der Determiniertheit und Statik
  • Wechselverhältnis von Habitus, Feld, Klasse und Geschlecht
  • Prozessuale Aspekte von sozialem Wandel und individueller Mobilität
  • Potenziale zur Verbindung von Mikro- und Makroprozessen

Auszug aus dem Buch

3.1 Kritik an der Habitustheorie

Der Habitus stellt eine verinnerlichte Begrenzung des Handelns dar, während Feld und Kapital externe Begrenzungen sind, da sie festlegen, was die Akteur*innen tun können und/ oder dürfen, wenn auch nicht das, was sie tun müssen (Jäger; Weinzierl 2011: 24). Bourdieus Ansatz wurde deshalb als „relativ statisch“ bezeichnet, da er „wenig Spielraum für Veränderungen“ biete und individuelle Flexibilität und Strukturwandel in seiner Theorie nicht so recht Platz zu finden scheinen (ebd., 24). Da der Habitus als Prinzip der historischen Praxis die Strukturen reproduziert, die ihn produziert und transformiert haben, sei das Veränderungspotenzial für sozialen Wandel gering (ebd., 30; Carnicer 2017: 35). Auch Reckwitz stellt fest, dass Bourdieus Habitustheorie zwar soziale Reproduktion, nicht aber den sozialen Wandel, erklären könne:

[…] die kollektiven Sinnmuster des Habitus geben dem einzelnen Akteur einen begrenzten Pool an Sinnoptionen an die Hand, die zwar zu durchaus verschiedenen subjektiven Sinnzuschreibungen in der Handlungssituation verarbeitet werden können – aber diese Sinnzuschreibungen, die Akte des praktischen Verstehens, reproduzieren in spezifischer Weise das präexistente allgemeine Sinnmuster (Reckwitz 2000: 359).

Ähnlich ist der von Carnicer (2017: 35) hervorgebrachte Kritikpunkt, dass es mit der Habitustheorie nicht möglich sei, soziale Mobilität zu erklären, da die Bedeutung des geerbten Kapitals und des Habitus dazu führen müssten, dass das Individuum in der sozialen Lage der Eltern verbleibt. Damit verbunden wird eine „stark eingeschränkte Veränderbarkeit des Habitus“ konstatiert, die nur engen Raum für die individuelle Entwicklung lässt (ebd., 35) und der Realität mit sozialen Auf- und Abstiegen etwa, nicht gerecht werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der soziologischen Erforschung von sozialem Wandel in modernen Gesellschaften und führt in Bourdieus Habitustheorie als zentrales Analyseinstrument ein.

2 Einführung in die für die Fragestellung relevanten Perspektiven, Theorien, Konzepte und Begriffe: Dieses Kapitel erläutert die Grundbegriffe der Theorie, insbesondere den Habitus und das relationale Denken als Wechselspiel von Individuum und sozialen Feldern.

3 Die Möglichkeit des sozialen Wandels nach Bourdieus Habitustheorie: Dieser Teil setzt sich kritisch mit der Theorie auseinander und untersucht, unter welchen Bedingungen innerhalb des Bourdieuschen Modells Wandlungsprozesse möglich sind.

4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass Bourdieus Theorie trotz ihrer Fokussierung auf Reproduktion bei korrekter Anwendung als dynamisches Modell für soziale Transformationen dienen kann.

5 Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis aller in der Arbeit zitierten Quellen.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Habitustheorie, Sozialer Wandel, Soziale Reproduktion, Relationales Denken, Feldtheorie, Soziale Mobilität, Klassenhabitus, Geschlechtshabitus, Kapitalformen, Handlungstheorie, Strukturalismus, Gesellschaftsordnung, Praxis, Soziale Praxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, inwiefern die Habitustheorie von Pierre Bourdieu zur Erklärung von sozialem Wandel herangezogen werden kann, obwohl sie häufig als eher statisches Modell kritisiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zu den zentralen Themen gehören die Konzepte von Habitus und Feld, die Bedeutung von Kapital, das Verhältnis von sozialer Struktur und individueller Handlung sowie die Dynamiken sozialer Mobilität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie Bourdieus Theorie des sozialen Handelns zur Analyse von Wandlungsprozessen in modernen Gesellschaften beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der systematischen Auswertung soziologischer Fachliteratur und der Auseinandersetzung mit Bourdieus Originalschriften sowie zeitgenössischen Kritiken basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung (Habitus, Feld, Klasse, Geschlecht) und die kritische Diskussion des Veränderungspotenzials der Habitustheorie unter Berücksichtigung von Gegenstimmen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit besonders?

Wichtige Begriffe sind Habitus, soziale Reproduktion, sozialer Wandel, Feldtheorie und das relationale Denken Bourdieus.

Warum wird Bourdieus Theorie oft als "statisch" bezeichnet?

Kritiker argumentieren, dass das Konzept des Habitus auf die Reproduktion bestehender Strukturen ausgerichtet sei und der Theorie somit der Spielraum für individuelle Flexibilität oder radikale gesellschaftliche Brüche fehle.

Welche Rolle spielt die "Reflexion" bei der Ermöglichung von Wandel?

Nach Bourdieu kann die rationale Vernunft und die Bewusstwerdung von Strukturen (Sozioanalyse) dazu führen, dass der Habitus in fragwürdig gewordenen Situationen angepasst wird, was Wandel ermöglicht.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels
College
University of Hagen
Grade
1,0
Author
Josefa Aygün (Author)
Publication Year
2018
Pages
20
Catalog Number
V509849
ISBN (eBook)
9783346085788
ISBN (Book)
9783346085795
Language
German
Tags
bourdieus habitustheorie erklärbarkeit wandels
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Josefa Aygün (Author), 2018, Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509849
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint