Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels


Hausarbeit, 2018

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die für die Fragestellung relevanten Perspektiven, Theorien, Konzepte und Begriffe
2.1 Bourdieus Begriff und Theorie des Habitus
2.2 ‚Relationalen Denken‘: Das Verhältnis von Habitus und Feld, Habitus und Klasse und Habitus und Geschlecht

3 Die Möglichkeit des sozialen Wandels nach Bourdieus Habitustheorie
3.1 Kritik an der Habitustheorie
3.2 Möglichkeiten und Grenzen der Erklärbarkeit sozialen Wandels nach der Habitustheorie

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Es ist kaum zu bestreiten, dass die Gesellschaften unserer Gegenwart, angesichts unerwarteter Krisen und Regimezusammenbrüche etwa, einem rasanten Wandel unterworfen sind. Der Dynamik dieser Entwicklungen mit den vielen Theorien und Labels hinterherzukommen, die den soziologischen Anstrengungen das Phänomen des sozialen Wandels zu erklären, entspringen, gestaltet sich immer schwieriger (Jäger; Meyer 2003: 10). Besonders in US-amerikanischen Debatten der Soziologie wird in jüngster Zeit eine mangelnde Beschäftigung mit sozialem Wandel festgestellt und kritisiert. Maureen T. Hallinan etwa konstatiert der Soziologie Defizite in der Theoriebildung und fordert zu einem Neudenken auf (2000: 194; 1997: 1-11). Um den sozialen Wandel der Gesellschaften unserer Gegenwart noch – oder wieder – adäquat beschreiben zu können, brauche es die Bildung neuer Theorien1 (1996:1). Traditionelle makrosoziologische Theorien, wie politökonomische, system- und kommunikationstheoretische Ansätze etwa, die den sozialen Wandel entwicklungsmäßig auf einem hohen Abstraktionsniveau beschreiben und sich dabei auf lineare und langfristige Entwicklungen konzentrieren, verlieren in der Analyse des sozialen Wandels zunehmend an Bedeutung. Jäger und Meyer (2003: 201) stellen fest, dass diese Ansätze nicht nur zu abstrakt, sondern auch zu selektiv seien. Darüber hinaus erweckten sie den Eindruck, die soziologische Forschung habe die gesellschaftlichen Strukturen und Dynamiken bereits total durchschaut. Stattdessen sollen offenere Konzeptionen angestrebt werden, die dann empirisch zu füllen sind (ebd., 201f.). Die Frage danach, ob, und wenn ja wie, gegenwärtige Gesellschafts- und Sozialtheorien (noch) zur Erklärbarkeit und Analyse sozialen Wandels beitragen können (u. a. Jäger; Weinzierl 2011: 9f.), ist somit eine von einer hohen Relevanz.

Im Kontext eines steigenden Interesses an lebensweltlichen, handlungstheoretisch- interaktionistischen Ansätzen rücken soziales Handeln und kommunikative Prozesse immer öfter in den Fokus der theoretischen Aufmerksamkeit (Jäger; Meyer 2003: 205). Im Bereich der Makrosoziologie ist ebenfalls eine Renaissance von handlungstheoretischen Ansätzen zu verzeichnen. Vor allem Pierre Bourdieus und Anthony Giddens‘ gesellschaftstheoretische Ansätze stellen dabei die Handlungsfähigkeit des Menschen in den Mittelpunkt (ebd., 205). Sie leuchten das in herkömmlichen soziologischen Theorien nur ungenügend berücksichtigte Verhältnis von Handlung und Struktur aus und stellen dieses in das Zentrum ihrer Konzeptionen (Jäger; Meyer 2003: 9).

Vor diesem Hintergrund setzt sich die vorliegende Arbeit mit dem ersteren, nämlich Bourdieus Ansatz, genauer: Bourdieus Habitustheorie und der Frage danach auseinander, ob, und wenn ja wie, diese Theorie, die zu den neueren der Soziologie gehört, zur Erklärbarkeit des Phänomens des sozialen Wandels beitragen kann.

Bourdieus ‚Theorie des sozialen Handelns‘ basiert, in Kürze, auf den Begriffen beziehungsweise Konzepten des Habitus, der Praxis sowie der Strategie (u. a. Jäger; Meyer 2003: 82). Im ‚sozialen Spiel‘ verfolgen die Akteur*innen Strategien, um sich zu positionieren und in den Feldern eine dominante Stellung zu erreichen. Im Gegensatz zu klassischen Handlungs- und Verhaltenstheorien, die traditionell auf eine kalkulierende Vernunft zurückgreifen, beherrscht der Habitus in Bourdieus Konzeption in der Regel die Handlungen der Akteur*innen, indem er als Strukturprinzip Praktiken und Strategien generiert (ebd., 82f.). Bourdieu wurde deshalb häufig vorgeworfen, dass seine Theorie nicht oder nur unzureichend geeignet sei, um sozialen Wandel zu erklären, obwohl dieser ja real stattfindet (u. a. Schulze 1992; Janning 1991).

Im folgenden Abschnitt wird auf die für die Fragestellung relevanten Perspektiven, Theorien, Konzepte und Begriffe, auf den Begriff, beziehungsweise die Theorie des Habitus und das für Bourdieu charakteristische ‚relationale Denken‘ eingegangen. Das Verhältnis von Habitus und Feld, Habitus und Klasse und Habitus und Geschlecht wird erläutert. Der darauf folgende Abschnitt widmet sich dann der Beantwortung der zentralen Fragestellung, wobei zuerst auf Kritik und Missverständnisse in Bezug auf die Möglichkeit der Habitustheorie, sozialen Wandel zu erklären, eingegangen wird. Danach wird die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen sozialen Wandels nach der Habitustheorie geklärt.

2 Einführung in die für die Fragestellung relevanten Perspektiven, Theorien, Konzepte und Begriffe

2.1 Bourdieus Begriff und Theorie des Habitus

Bourdieus Theorie zielt darauf ab, den Zustand und die Reproduktion des sozialen Lebens zu erklären und die dabei wirksamen Mechanismen zu identifizieren (Jäger /Meyer 2003: 65). Zu diesem Zweck analysiert er Zusammenhänge zwischen Kultur und Sozialstruktur, in Anknüpfung an das Praxiskonzept von Marx, als Zusammenhänge zwischen Klassenpositionen, Klassenlagen, Lebensstilen und Geschmacksdispositionen. Seinen Überlegungen zugrunde liegt die Annahme, dass das soziale Leben von Klassen- und Statuskämpfen bestimmt sei. Nach seiner ‚Ökonomie der praktischen Handlungen‘ seien alle Handlungen darauf ausgerichtet, konkret- materiellen oder symbolischen Gewinn zu maximieren (ebd., 65). Bourdieu konzipiert ein theoretisches und abstraktes Konstrukt der sozialen Welt, indem er einen sozialtopologischen Raum absteckt, der durch die Verteilung verschiedener wesentlicher Kapitalsorten und ihrer ‚Relationierungen‘ mehrdimensional in Klassen strukturiert ist (ebd., 66). Durch die so abgesteckten Klassen lässt sich dann die reale Sozialraumstruktur statistisch analysieren (ebd., 66).

Das Habituskonzept stellt dabei das Kernstück des Bourdieu’schen soziologischen Ansatzes dar, in dem seine grundsätzlichen anthropologischen und wissenschaftstheoretischen Annahmen zusammenfinden (Krais/Gebauer 2002, 5; zit. nach Fuchs-Heinritz; König 2011: 89). Alle sozialen Beziehungen sind bei Bourdieu als Tauschbeziehungen definiert, wobei der ökonomische Tausch jedoch nur einen Spezialfall darstellt. Der Prozess der sozialen Reproduktion wird durch die Begriffe Struktur, Habitus und Praxis konzipiert (Jäger; Meyer 2003: 65). Eine Struktur, wie etwa die Klassenzugehörigkeit, prägt seiner Annahme nach einen bestimmten Habitus, der sich als Dispositionen eines Individuums oder einer Gruppe verstehen lässt. Diese Dispositionen führen wiederum zu Handlungen als strategische Praxis, die die ursprüngliche Ausgangsstruktur reproduziert (ebd. 65f.).

Der Begriff des Habitus schließt dabei durchaus an Wortbedeutungen wie ‚Haltung‘, ‚Lebensstil‘, ‚Gewohnheit‘ et cetera an und „beinhaltet zunächst ein Ensemble inko rporierter, präreflexiver, Denk-, Wahrnehmungs-, Sprach- und Emotionsschemata, welche die Äußerungen von Individuen und Gruppen strukturieren“ (ebd., 66).

Der Begriff des Habitus bezieht sich nach Fuchs-Heinritz und König (2011: 89) „[i]m allgemeinsten Sinne [auf] die Haltung des Individuums in der sozialen Welt, seine Dispositionen, seine Gewohnheiten, seine Lebensweise, seine Einstellungen und seine Wertvorstellungen“.

Der Habitus als System von bestimmten Dispositionen wird während des Sozialisationsprozesses erworben und ist damit historisch geprägt (Schwingel 1993: 65). In Anlehnung an Noam Chomskys generative Grammatik definiert Bourdieu den Habitus als „System verinnerlichter Muster, die es erlauben, alle typischen Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen einer Kultur zu erzeugen – und nur diese“ (Bourdieu 1970, S. 143; zit. nach Jäger; König; Maihofer 2012: 24). So lässt sich erklären, wie alte Handlungsmuster unter neuen sozialen Verhältnissen fortbestehen. Der Habitus wird zu einem generativen Praxisprinzip, indem er die Praktiken nicht in inhaltlicher Hinsicht, sondern in der Art ihrer Ausführung bestimmt (Jäger; Meyer 2003: 67). Er begrenzt nicht die Praxis, sondern den Spielraum der Praxis, weil er festlegt, was möglich und was nicht möglich ist. Bourdieu stellt dazu fest:

Der Begriff Habitus bezeichnet im Grunde eine recht simple Sache: wer den Habitus einer Person kennt, der spürt oder weiß intuitiv, welches Verhalten dieser Person versperrt ist. Wer z.B. über einen kleinbürgerlichen Habitus verfügt, der hat eben auch, wie Marx einmal sagt: Grenzen seines Hirnes, die er nicht überschreiten kann. Deshalb sind für ihn bestimmte Dinge einfach undenkbar, unmöglich, gibt es Sachen, die ihn aufbringen oder schockieren. Aber innerhalb dieser seiner Grenzen ist er durchaus erfinderisch, sind seine Reaktionen keineswegs immer voraussehbar (Bourdieu 1993: 33f.).

Die Akteur*innen sind sich dabei des Prinzips der Praxis des Habitus nicht bewusst. Der Habitus funktioniert als praktischer Orientierungssinn, aufgrund dessen die Akteure sich in bestimmten (Praxis-)Feldern und der sozialen Welt insgesamt leichter zurechtfinden. Indem er dafür sorgt, dass Formen der individuell gewählten Praxis den sozial vorgeprägten Dispositionen entsprechen, trägt er dazu bei, dass die ursprüngliche strukturelle Konstellation beibehalten wird (Jäger; Meyer 2003: 67). „Systeme dauerhafter Dispositionen“ werden zu „strukturierende[n] Strukturen“, indem sie wiederum zum „Erzeugungs- und Strukturierungsprinzip von Praxisformen und Repräsentationen“ werden (Bourdieu 1979: 165). Der Habitus übernimmt damit die Funktion der „Vermittlung zwischen Struktur und Praxis“ (Bourdieu 1974: 125). Als vereinigendes Prinzip sorgt er für die Systematik und Kohärenz der Handlungen des Individuums (Krais 2004: 95). Ausgehend vom Habitus lässt sich der relationale Ansatz Bourdieus am ehesten begreifen.

2.2 ‚Relationalen Denken‘: Das Verhältnis von Habitus und Feld, Habitus und Klasse und Habitus und Geschlecht

Bourdieu geht davon aus, dass die sozialen Praktiken und die soziale Welt als Relationen und nicht Substanzen vorzustellen sind (Fuchs-Heinritz; König 2011: 182). Sein relationaler Ansatz bricht dabei ebenso mit dem Objektivismus, der Strukturen den Vorrang gibt, wie mit dem Subjektivismus und seinem Primat der sozialen Akteur*innen. Bourdieu betont hingegen die Beziehungen zwischen den sozialen Positionen, Individuen, Feldern und den beobachteten Phänomenen (ebd., 182).2 In seiner Studie über die im Bildungssystem wirkenden Auslesemechanismen betrachtet Bourdieu etwa nicht nur die Gruppe der Studierenden, sondern setzt sie zunächst in Beziehung zur Gruppe der Nicht-Studierenden (zit. nach Fuchs-Heinritz; König 2011: 182). Die Positionen der Akteur*innen werden über die Abhängigkeit von Positionen anderer Beteiligter im Feld definiert. Sie können nur in Relation zueinander bestimmt werden (Fuchs-Heinritz; König 2011: 183). In Die feinen Unterschiede (1982) identifiziert Bourdieu die im Sozialraum herrschenden Relationen zwischen objektiven und symbolischen Verhältnissen, den Verteilungsstrukturen und der Struktur der Geschmäcker und Lebensstile.

Um die Gesamtheit dieser Relationen zwischen den Positionen zu erfassen, führt Bourdieu den Begriff des Feldes ein als „Untergrund für das ‚typische‘ Handeln der Beteiligten“ (Bourdieu 2000: 118). Als „Raum von objektiven Relationen zwischen Positionen, die durch ihren Rang in der Distribution der Macht oder der Kapitalsorten definiert sind“ (Bourdieu; Wacquant 1996: 145) lässt das Feld die Beziehungen zwischen den Positionen erkennen (vgl. auch Fuchs-Heinritz; König 2011: 184). Durch das Denken in Relationen werden die sich aus den Beziehungen ergebenden Kämpfe und Konkurrenzen sichtbar. So lässt sich zum Beispiel begreifen, warum Hochschulabschlüsse bestimmter Fachrichtungen abgewertet werden, wenn mehr Studierende aus den unteren Klassen sich in die Fächer dieser Richtung einschreiben, während Kinder aus den höheren Klassen die anderen, ‚prestigeträchtigeren‘ Abschlüsse wählen. Die relationalen Eigenschaften verschieben sich, wodurch der Abstand zwischen den Klassen gewahrt bleibt (ebd., 185).

Das Feld ist auch insofern relational, als es sich nur in Verbindung mit dem Habitus analysieren lässt. Während der Habitus als die Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster, die in einer bestimmten sozialen Lage erworben wurden, auf die von der Akteur*in verinnerlichten ‚Grenzen‘ des Handelns verweist, sind Feld und Kapital, „im Sinne von Regeln und Ressourcen“, als externe Zwänge, beziehungsweise Grenzen zu verstehen (Jäger; Meyer 2003: 61). Dem internen Habitus stehen die externen Begrenzungen durch das Feld gegenüber. Der Begriff des Feldes verdeutlicht, dass soziale Strukturen, obwohl sie nur durch die Praxis der Akteur*innen perpetuiert werden, trotzdem ein bestimmtes Eigenleben besitzen und vorhandene Praxismöglichkeiten einschränken (ebd., 68). Bourdieu unterscheidet zum Beispiel das intellektuelle, das ökonomische, das religiöse Feld und das Feld der Kunst. Auf den jeweiligen Feldern, die er als einem Spielfeld vergleichbare ‚autonome Sphären‘ definiert, spielen die Akteur*innen um den jeweiligen Einsatz sowie um die Definition der Spielregeln (ebd., 68). Die (ungleichen) Ressourcen der Spieler*innen, die auch deren Einsätze auf dem Feld darstellen, bezeichnet Bourdieu als Kapital, wobei er eine Unterscheidung zwischen dem ökonomischen, sozialen, kulturellen und symbolischen Kapital trifft (ebd., 69).

Zur Beziehung zwischen Habitus und Feld kommt jene zwischen Habitus und Klasse. Klassen lassen sich nach Bourdieu nach ihren objektiven, das heißt ökonomischen, sozialen, kulturellen Lebensbedingungen, den Habitusformen, die aus diesen Lebensbedingungen hervorgegangen sind und die ihrerseits die Praxis bestimmen, und nach dem Lebensstil, der spezifischen Lebensführung also, bestimmen (Jäger/Meyer 2003: 79) Immer geht es dabei um ein Geflecht und Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren (Fuchs-Heinritz; König 2011: 185). Eine soziale Klasse lässt sich nicht durch ein Merkmal wie zum Beispiel den Beruf bestimmen, sondern nur durch die Relationen einer Summe vielfältiger Merkmale (ebd., 90). Da der Habitus an eine bestimmte Soziallage, beziehungsweise Klassenstruktur gebunden ist und durch diese geprägt wird, ist er immer auch ein Klassenhabitus: „Insofern spiegelt der Habitus nicht nur die sozialen Ungleichheitsbeziehungen, sondern bringt sie auch zum Ausdruck und erhält sie in ihrer Wirksamkeit“ (ebd., 90).

Eine weitere, für die Reproduktion der Macht besonders relevante Beziehung, ist jene zwischen Habitus und Geschlecht. In Die feinen Unterschiede (1982) thematisiert Bourdieu die Bedeutung des Geschlechts für die Entstehung von Klassen. In seinem Werk Die männliche Herrschaft (2005) schreibt er schließlich der Geschlechterordnung „eine konstitutive Bedeutung für die Entstehung und Reproduktion gesellschaftlicher Ordnung“ zu (Jäger et al. 2012: 15).

Während die Thematik der sozialen Ungleichheit und der Reproduktion sozialer Ordnung viele frühere Werke durchzieht, stellt für Bourdieu die in die patriarchale Gesellschaftsordnung eingeschriebene männliche Herrschaft einen Gipfel der symbolischen Gewalt dar (ebd., 19). In Die männliche Herrschaft (2005) identifiziert er diese Herrschaft als vorherrschendes Strukturprinzip in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Der Habitus wird hier als „immer schon vergeschlechtlichter“ gesehen (Jäger et al. 2012: 24). Bourdieu hebt die Bedeutung des Körpers hervor, in dem der Geschlechtshabitus über die Sozialisierung inkorporiert wird (ebd., 24). Er betrachtet dabei den Geschlechtskörper nicht als ‚natürlich‘, sondern als „naturalisiert“ (ebd., 22).

„Der biologische Unterschied zwischen […] den männlichen und weiblichen Körpern, und insbesondere der anatomische Unterschied zwischen den Geschlechtsorganen“ wird zu einer nur scheinbar „natürlichen Rechtfertigung“ gesellschaftlich konstruierter Geschlechtsunterschiede und der männlichen Herrschaft (Bourdieu 2005: 23). Der Geschlechtshabitus wirkt als universelles Wahrnehmungsprinzip und System von Denk- und Handlungsmustern, die zum Beispiel festlegen, was für beide Geschlechter als natürlich, akzeptabel und wünschenswert gilt. Er sorgt für die Unterwerfung der Frauen nicht durch deren freiwillige Entscheidung, sondern durch die ihnen unbewusste Sozialisierung. Der Geschlechtshabitus durchzieht dabei alle sozialen Felder und muss deshalb auch in der Analyse aller Felder berücksichtigt werden (Jäger et al. 2012: 24).

[...]


1 „I call for a new way of thinking about social change. Most sociological theories assume that change is linear and predictable. Even those theories that focus on social upheavals seldom ex-plicitly characterize social change as a discontinuous or non-linear process.” (Hallinan 1996: 1). Die Gesellschaft der Gegenwart beschreibt sie dabei als eine global vernetzte, technologisch hoch entwickelte, stark wechselseitig ökonomisch abhängige, zugleich aber auch als eine solche, die von einer ungleichmäßigen Ressourcenverteilung gekennzeichnet ist.

2 Trotz seiner Kritik am Strukturalismus erkennt er an, dass mit Claude Lévi-Strauss „die strukturelle Methode oder einfacher das relationale Denken in die Sozialwissenschaften eingeführt wurde, das mit dem substantialistischen Denken bricht und dazu führt, jedes Element durch die Beziehungen zu charakterisieren“ (Bourdieu 1999: 12), die es zu anderen Elementen innerhalb eines Systems unterhält und aus denen sich sein Sinn und seine Funktion ergeben.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V509849
ISBN (eBook)
9783346085788
ISBN (Buch)
9783346085795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bourdieus, habitustheorie, erklärbarkeit, wandels
Arbeit zitieren
Josefa Aygün (Autor:in), 2018, Bourdieus Habitustheorie und die Erklärbarkeit sozialen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509849

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