Die Auswirkung von Mortalitätssalienz auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern


Forschungsarbeit, 2015

11 Seiten, Note: 1,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Abstrakt

2) Theoretische Fundierung

3) Erhebungsmethode

4) Soziodemografie

5) Ergebnisse

6) Diskussion

7) Quellen

1) Abstrakt

Die Auswirkung von Mortalitätssalienz (MS) auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern wurden per mündlicher Befragung (N=78) auf drei Dimensionen erhoben: Zentralität, Gruppenidentifikation und Gesundheitsverbesserung. Unter der Verwendung des T-Tests konnte in der Dimension Gesundheitsverbesserung ein signifikanter Unterschied zwischen den Versuchspersonen, welche durch einen visuellen Prime mortalitätssalient gewesen sind (N=39) und denen, die diesen Prime nicht erhalten haben, festgestellt werden. Als Erklärungsmodell für den eruierten Effekt diente die Terror Management Theorie.

The effect of mortality salience (MS) on the worldviews of vegetarians and vegans were raised by oral survey (N=78) on three dimensions: personal importance of vegetarianism, group identification and health awareness. The evaluation with T-test shows that subjects who have been primed (N=39) with a visual mortality stimulus showed a significant difference in their health improvement. As an explanatory model for the investigated effect, the terror management theory was used.

Schlüsselwörter: Mortalitätssalienz; Terror Management Theorie; Priming; Vegetarismus; Veganismus; Gesundheitsverbesserung.

Key words: mortality salience; terror management theory; priming; vegetarianism; veganism; health awareness.

Die folgende quantitative Studie untersucht die Auswirkung von MS auf die Weltanschauung von Vegetariern und Veganern. Aufgrund des schon vorhandenen Forschungsbestands der Terror Management Theorie lässt sich folgende gerichtete Hypothese aufstellen: Vegetarier und Veganer, welche vorab meinen Mortalitätsprime erhalten haben, betrachten tendenziell ihre Ideologien als zentraler ,zeigen eine stärkere Gruppenidentifikation und geben eine größere Gesundheitsverbesserung an. Zur Operationalisierung dieser Konstrukte sieht das Versuchsdesign eine standardisierte Befragung mit 12 Items vor, welches im Rahmen eines Feldexperiments angewendet wird. Im Zusammenhang mit diesen Konstrukten wird untersucht inwiefern die Gruppe der Vegetarier und Veganer homogene Weltanschauungen vertreten.

Mitte Februar 2015, in einem Erhebungszeitraum von zwei Wochen, wurden insgesamt 78 Versuchspersonen dieser standardisierten, strukturierten Einzelbefragung unterzogen.

Der genaue Wortlaut und die Reihenfolge der Fragen waren somit für jede Versuchsperson gleich. Die Erhebungsorte waren zielgruppenspezifisch vor zwei veganen Einkaufsläden.

(Veganz, Schivelbeiner Str. 34, Berlin; Veganz, Warschauer Straße 33, Berlin)

2) Theoretische Fundierung

Mortalitätssalienz (MS) bezeichnet nichts anderes als das Aufkommen bzw. Bewusstwerden unserer eigenen Sterblichkeit. Paradoxerweise zeigt sich ein MS Effekt auch, wenn lediglich subliminal geprimt wurde, sprich, wenn der Hinweisreiz lediglich unbewusst verarbeitet wird (Arndt, Allen, & Greenberg, n.d.). Bei der experimentellen Induktion von MS ist dem Versuchsleiter keine kreative Grenze gesetzt. Eine Studie variierte beispielsweise den Erhebungsort und befragte Menschen vor einem Friedhof (Jonas, Schimel, Greenberg, & Pyszczynski, 2002), andere setzten eher auf schriftliche oder symbolische Induktion. Bei der Salienz eines solchen Reizes wird mit dessen Beschäftigung meist sofort von reaktanten Denkmustern überdeckt und die eigentliche Mortalitätssalienz bleibt unbewusst. MS zieht einen sogenannten kulturellen „Anxiety Buffer“ nach sich. Dieser kann als protektiver Coping Mechanismus gesehen werden, der unwillkürlich und automatisiert errichtet wird. Der Anxiety Buffer erfüllt die Aufgabe, durch Erhöhen des Selbstwerts und das Intensivieren von kulturellen Glaubenssätzen die aufkommende Angst abzumildern oder gar nicht erst zuzulassen. MS zeigte sich in einer Metaanalyse über 164 Artikeln und 277 Experimenten als ein moderater Effekt von durchschnittlich r=.35 (Burke, Martens, & Faucher, 2010).

In verschiedenen Studien konnten folgende Reaktionen auf Mortalitätssalienz bei Menschen bereits festgestellt werden:

- Erhöhter Wunsch nach Konsens des eigenen kulturellen Weltbildes.
- Verhärtung eigener Weltanschauungen und aktivere Verteidigung kultureller Überzeugungen.(Jonas et al., 2002)
- Erhöhte Investition in Selbstwert. (Burke et al., 2010)
- Empfehlung härterer Strafen für Andersdenkende.
- Abwertung von Personen, die die eigene Kultur angreifen und die kulturellen Normen verletzen.
- Das Vergewissern und Beharren auf der eigenen physischen und psychischen Gesundheit. (By Cox et. al. 2009)
- Stärkerer Gruppenidentifikation.
- Stärkere Bevorzugung von Personen der eigenen Gruppe mit dem gleichzeitigen Abwerten von Mitgliedern anderer Gruppen (Ingroup Bias). (McPherson & Joireman, 2009)

Ein Erklärungsmodell, welches substanziell aus dem Effekt der Mortalitätssalienz hervorgegangen ist, ist die Terror Management Theorie (TMT). Diese ist eine Theorie der Sozialpsychologie, welche den Konflikt und den damit zusammenhängenden Reaktionsmustern (Management) zwischen dem Lebenswillen und der Unausweichlichkeit des Todes untersucht. Mit anderen Worten: Wie verändert sich unser Erleben und Verhalten in der Bewusstheit unserer eigenen Sterblichkeit?

Dieses Spannungsverhältnis zwischen dem Überlebenstrieb und der Gewahrwerdung unsere Vergänglichkeit lässt Stress entstehen (Terror). Zur Auflösung dieses intrapsychischen Konflikts hypothetisiert die Theorie die menschliche Kultur, welche für uns etwas Dauerhaftes darstellen sollte und die Ebene des rein Materiellen transzendiert (Tichy, 2013). Kultur erfüllt damit Sinnstiftung und Wertgebung und lässt den Menschen im Idealfall Teil eines größeren Ganzen werden. Es gibt kulturelle Errungenschaften, welche dazu einen direkten Bezug herstellen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Religion.

Tatsächlich konnte nach MS eine höhere religiöse Affirmation festgestellt werden (Simon, Linda; Greenberg, Jeff; Harmon-Jones, Eddie; Solomon, Sheldon; Pyszczynski, 1997).

Es gibt aber auch weniger augenfällige aber nicht minder einflussreiche Wirkungsmechanismen, welche meist über Symbolik Beständigkeit vermitteln. Dazu gehören Gruppenzugehörigkeiten, personellen Werte, Ideologien und Weltanschauungen. Um diese soll es ferner in meiner Arbeit gehen. Vorher gilt es aber noch die Zielgruppe näher zu definieren und zu begründen, weswegen die Population von Vegetariern sich besonders gut eignet, um einen solchen Effekt messbar zu machen.

Eine einheitlich/ rechtliche Definition von Vegetariern oder Veganern gibt es nicht.

Per Konvention versteht man aber unter Vegetariern Menschen, die auf Fleisch in Ihrer Ernährung verzichten. Veganer gehen noch einen Schritt weiter und verzichten auf den Konsum von jeglichen tierischen Produkten. Immer mehr Menschen der westlichen Gesellschaft entscheiden sich bewusst für eine vegetarische Ernährung. Die Zahl der Vegetarier hat sich seit 1983 mehr als verzehnfacht und besitzt heutzutage eine deutschlandweite Prävalenz von ca 9 %. . Die globale Prävalenz weist eine hohe Spannweite von 0.3% in Portugal bis hin zu 40 % in Indien auf (European Vegetarian Union, 2007). Zentrale Motive für Vegetarismus sind Gesundheit und die moralisch /ethische Behandlung von Tieren (Fox & Ward, 2008). Diese zentralen Motive, welche von dem Großteil von Vegetariern genannt werden, lassen relativ homogene Weltanschauungen erahnen. Damit einhergehend lässt sich eine Gruppenidentifikation von Gleichgesinnten annehmen . Das Gesundheitsmotiv, welches oft Triebkraft für einen vegetarischen Lebensstil darstellt, bietet eine gute Basis für die Erhebung von individuell dargelegter Gesundheitsverbesserung.

3) Erhebungsmethode

Bei der vorliegenden Version der Items handelt es sich um eine, nach einer Prätestung (N=4) überarbeiteten Fassung. Um die Befragung in einen möglichst hohen standardisierten Rahmen zu setzten, wurde darauf geachtet, dass die Anrede eine möglichst geringe Variation aufweist. Der genaue Wortlaut dieser war:

„ Schönen guten Tag, sind Sie Vegetarier oder Veganer?“ Falls dieses bejaht wurde, fragte ich:

Hab en Sie etwas Zeit, ein paar Fragen zu den Weltanschauungen von Vegetariern zu beantworten? Ich bin Psychologie Student und führe eine Befragung im Rahmen meines Studiums durch.“

Wenn sich die Person bereit erklärte an der Befragung teilzunehmen, wurde kurz das Antwortschema erklärt: 0 steht für: trifft absolut nicht auf mich zu, 10 steht für: trifft absolut auf mich zu. 5 ist eine Mittelkategorie, 6/7 steht für: trifft eher auf mich zu und 3/4 steht für: trifft eher nicht auf mich zu. Nach der Frage, ob die Versuchsperson das Antwortprinzip verstanden hat, begann die eigentlich Befragung. (Auf eine Definition von den übrigen Zahlen wurde aus Zeitgründen verzichtet). Folgende Aussagen wurden in exakt dieser Reihenfolge vorgelesen:

- Ich denke sehr oft darüber nach was ich esse. (VAR1-Z)
- Ich habe nichts dagegen, wenn andere Menschen Fleisch essen. (VAR2-Gi)
- Seitdem ich mich vegetarisch ernähre, hat sich mein Gesundheitszustand immens verbessert.(VAR3-G)
- Vegetarismus ist bei mir ein zentrales Gesprächsthema.(VAR4-Z)
- Ich verurteile Menschen mit einem nicht vegetarischen Lebensstil. (VAR5-Gi)
- Ich werde durch meine bewusste Ernährung sehr viel länger leben.(VAR6-G)
Jetzt wurde darauf hingewiesen, dass sich das Aussageformat in Frageformat umwandelt, und dass sich dementsprechend die Beantwortung dahin gehend verändert. Die Skalierung von 0 bis 10 bliebe aber die gleiche.
- Wie stark definiert meine Ernährung meine Persönlichkeit? (VAR7-Z)
- Wie stark versuche ich andere Menschen davon zu überzeugen sich vegetarisch zu ernähren? (VAR8-Gi)
- Birgt ein nicht vegetarischer Lebensstil ein gefährliches Gesundheitsrisiko? (VAR9-G)
- Ist der Mensch global betrachtet ein Fleischfresser? (VAR10-Z)
- Sollten Menschen, die Tiere essen, im ethischen Sinne bestraft werden? (VAR11-Gi)
- Haben Menschen, die sich vegetarisch ernähren, ein wesentlich stärkeres Wohlbefinden? (VAR12-G)

Somit wird jede Dimension von zwei Aussage- und zwei Frageitems repräsentiert:

Zentralität (Z): VAR1; VAR4; VAR7; VAR10

Gruppenidentifikation (Gi): VAR2; VAR5 ;VAR8; VAR11

Gesundheit (G): VAR3; VAR6; VAR9; VAR12

Dabei ist zu beachten, dass VAR2 und VAR10 reverse codiert sind und für die statistische Auswertung ins Gegenteil verkehrt werden müssen, damit sie zu den anderen Items in der Dimension passen. Zwischen zwei Items der gleichen Dimension befanden sich bewusst zwei Items anderer Dimensionen, sodass die Reihenfolge Z;Gi;G entstand.

Die Skalierung von 0 bis 10 wurde aus dem Grund gewählt, weil man auf ein intuitives Verständnis hoffen kann, welches sich aus unserem Dezimalzahlensystem gebildet hat.

Die Induktion der Mortalitätssalienz sah folgendermaßen aus:

TOD (Schriftgröße 360) Wir sind alle vergänglich! (Schriftgröße 130) Diese beiden Schriftzüge wurden auf der Rückseite des Klemmbretts angebracht, welches bei der

Befragung der Versuchsperson zugewandt war, sodass diese den Reiz zwangsläufig sehen musste. In der Kontrollgruppe wurde ein zweites Klemmbrett verwendet, welches bis auf den MS Reiz identisch mit dem anderen Klemmbrett war. Per Zufallsprinzip wurde entweder das eine oder das andere Klemmbrett zur Befragung genutzt. Dies sicherte die Randomisierung der Versuchspersonen. Das gewählte Feldstudien Designs kam der externen Validität zugute, jedoch tauchten in diesem Zusammenhang auch situative Störvariablen wie Uhrzeit und Witterungseinflüsse auf. Diese wurden so weit es im Rahmen des Möglichen war konstant gehalten und hatten somit gleichmäßig starken Einfluss auf Experimental- und Kontrollgruppe. Versuchsleitereffekte wurden durch eine hohe Standardisierung des Versuchsablaufs auf ein Minimum reduziert.

Ein theoretischer Hintergrund eines per Schriftsprache angebrachten MS liefert der Stroop Effekt, welcher unter anderem eine starke, nahezu unwillkürliche Automatisierung des Lesens herausfand. Menschen ,welche des Lesens mächtig sind, können auf einen solchen visuellen Stimulus nicht anders reagieren, als ihn zu lesen und ihn zu verarbeiten, auch wenn dies gar nicht ihre Absicht ist. Die emotionale Valenz, welche für die Stärke des Effekts ausschlaggebend ist, war in diesem Versuchsdesign leider so nicht zu operationalisieren. Bei direkter Ansprache auf das etwas merkwürdig erscheinende Klemmbrett (N=4) antwortete ich, dass dies nichts mit der Befragung zu tun hätte, eher ein Insiderwitz mit der Attribution, dass ich eine Schwäche für schwarzen Humor hätte.

4) Soziodemografie

Der statistische Anteil an sich vegetarisch ernährender Frauen in Deutschland ist doppelt so hoch wie der Anteil der Männer, und vor allem bei jungen Menschen findet man hohe Prävalenzen.

Unter den 18 bis 24-jährigen Frauen beispielsweise beträgt diese 16 % (Vegetarierbund Deutschland e. V., 2013). Dementsprechend setzte sich die Stichprobe von den insgesamt 79 Versuchspersonen aus 35 % Männern und 65 % Frauen zusammen, was die probabilistische Zusammensetzung in der Grundgesamtheit von Vegetariern und Veganern durchaus treffend repräsentiert.

Auch das Alter war der Grundgesamtheit entsprechend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersverteilung der Stichprobe

Auffällig war hier, wie schon angenommen, der hohe Anteil an jüngeren Versuchspersonen (zwischen 21 und 30. Dadurch entstand eine stark linksgipflige Verteilung. Bei einer höheren Versuchspersonenzahl ist es wahrscheinlich, dass sich diese Verteilung der Grundgesamtheit an Vegetariern und Veganern annähert und so eher eine Normalverteilung annimmt.

Zusätzlich zum Alter wurde die Zeit, wie lange eine Versuchsperson sich schon vegetarisch /vegan ernährt, erhoben. Durch das Minimum von wenigen Monaten bis hin zum Maximum von 40 Jahren (N=2) ergab sich eine große Spannweite. Die durchschnittliche Länge betrug 9,73 Jahre.

Bei der erhobenen Stichprobe handelt es sich um eine nicht-probabilistische Ad-hoc-Stichprobe, da es sich ausschließlich um freiwillige Teilnehmer handelte, welche sich für diese Erhebung zur Verfügung stellten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkung von Mortalitätssalienz auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Veranstaltung
Empirisches Projektseminar
Note
1,1
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V509867
ISBN (eBook)
9783346076649
ISBN (Buch)
9783346076656
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mortalitätssalienz, Weltanschauungen, Terror Management Theorie, Priming, Vegetarismus, Veganismus, Gesundheitsverbesserung
Arbeit zitieren
Robin Kaiser (Autor), 2015, Die Auswirkung von Mortalitätssalienz auf die Weltanschauungen von Vegetariern und Veganern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509867

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