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Können Tiere Annahmen treffen? Alasdair MacIntyres "Dependent Rational Animals"

Título: Können Tiere Annahmen treffen? Alasdair MacIntyres "Dependent Rational Animals"

Ensayo , 2019 , 18 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Götz-Ulrich Luttenberger (Autor)

Filosofía - Filosofía del presente
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Die Arbeit setzt sich aus philosophischer Sicht mit der Frage auseinander, ob Tiere Annahmen treffen können. Das wird im Rahmen von Alasdair MacIntyres Dependent Rational Animals diskutiert. MacIntyre distanziert sich in dieser Schrift bewusst von seinem früheren Werk After Virtue. MacIntyre verwirft in Dependent Rational Animals daher seine frühere aristotelische Vorstellung, wonach es ein typisch menschliches telos gibt, das der Mensch erkennen und das er anstreben soll. Stattdessen sieht MacIntyre den Menschen nun als ein komplexes Wesen, dessen Vorstellungen vom Guten, von Normen oder von den Tugenden wir niemals richtig erklären können, ohne unsere biologische Konstitution mit in Erwägung zu ziehen.

Vor diesem Hintergrund fragt der Autor, ob Tiere Annahmen treffen können. Nur wenn das der Fall ist, kann man in den biologischen Wurzeln des Menschen - so wie MacIntyre meint - eine Rechtfertigung für ethisches, menschliches Handeln finden. Ausgehend von neueren naturwissenschaftlichen Experimenten erläutert Luttenberger ausführlich, in wie weit die Fähigkeit Annahmen treffen zu können die Fähigkeit zu sprechen, Vorstellungen von wahr und falsch und eine Theory of Mind voraussetzt.

Im Ergebnis verteidigt der Autor die These MacIntyres, wonach Tiere tatsächlich Annahmen treffen können. Allerdings sieht Luttenberger im Gegensatz zu MacIntyre die Relevanz für die Ethik nicht in der gegenseitigen Abhängigkeit und Verletzlichkeit menschlicher Wesen. Vielmehr ist für ihn die Fähigkeit Annahmen treffen zu können Voraussetzung für empathisches Verhalten. Erst das ererbte Sich-in-einen-anderen-hineinversetzen-können, wie es bei manchen unserer biologischen Vorfahren in Theory of Mind Experimenten nachgewiesen wurde, befähigt uns zu ethischem Verhalten.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Können Tiere Annahmen treffen? – Entwicklung der Diskussion

2 Dependent Rational Animals im Kontext

2.1 Dependent Rational Animals – die Korrektur von After Virtue?

2.2 Die Argumentationskette in Dependent Rational Animals

3 Das Problem des Anthropomorphismus

4 Was sind Annahmen?

4.1 Begriffsbestimmung

4.2 Kann Annahmen nur treffen, wer Sprache hat?

4.3 Können Tiere zwischen wahr und falsch unterscheiden?

4.4 Haben Tiere eine Theory of Mind (ToM)?

5 Ist die Fähigkeit, Annahmen treffen zu können, für die Ethik relevant?

6 Literatur- und Medienverzeichnis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis von Alasdair MacIntyres Werk „Dependent Rational Animals“ die philosophische Frage, ob Tiere zu kognitiven Annahmen fähig sind. Dabei wird analysiert, inwieweit die Fähigkeit zur Hypothesenbildung eine Sprache voraussetzt oder ob Tiere über vorsprachliche Repräsentationsformen verfügen, die sie zu Urteilen über wahr oder falsch sowie zur Ausbildung einer Theory of Mind befähigen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit Alasdair MacIntyres Tugendethik und Biologie-Verständnis
  • Philosophische Untersuchung des Anthropomorphismus-Dilemmas bei der Tierbeobachtung
  • Klärung der Begriffe „Annahme“, „Wissen“ und „Raten“ im Kontext nicht-menschlicher Kognition
  • Analyse der Relevanz einer Theory of Mind für das Treffen von Annahmen bei Tieren
  • Bewertung der ethischen Implikationen kognitiver Fähigkeiten bei Tieren

Auszug aus dem Buch

4.3 Können Tiere zwischen wahr und falsch unterscheiden?

Im westlichen Denken ist die Suche nach der Wahrheit fest verankert. Das hat zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Wahrheitstheorien geführt, die sich zwischen den Extremen „Absolutheit der Metaphysik und der Beliebigkeit des Relativismus“ bewegen. Für die Frage, ob Tiere zwischen wahr und falsch unterscheiden können, orientiere ich mich an dem, was Aristoteles entwickelt hat; danach ist etwas wahr, wenn die Repräsentation im Verstand mit dem tatsächlichen Sein übereinstimmt, im anderen Falle nicht.

Offensichtlich sind Tiere in der Lage, solche Wahr-Falsch-Unterscheidungen zu treffen. Wie anders sollte man es deuten, wenn Affen es mit wenigen ,trial-and-error‘-Versuchen schaffen, Termiten mittels Werkzeugeinsatz zu ergattern? Sie beweisen hiermit nämlich „Einsicht oder Voraussicht“, weil sie offensichtlich erfolgreiches (wahres) Handeln vom Irrtum (falsches Tun) trennen können.

Das allerdings reicht zum Beispiel Hans Jonas nicht aus, um Tieren einen Wahrheitsbegriff zuzuschreiben. Er vertritt die These, dass dazu nicht einfach ein falscher Eindruck durch einen zutreffenden zu ersetzen sei, sondern dass darüber hinaus dieser falsche Eindruck neben dem richtigen fortbestehen müsse. Nur wenn ein gleichzeitiger Vergleich zwischen dem Falschen und dem Richtigen stattfindet, sei es gerechtfertigt, von ,wahr‘ beziehungsweise ,falsch‘ zu sprechen. Anderenfalls sei das Tier jeweils im Bann des aktuellen Phänomens gefangen.

Aber selbst unter diesen verschärften Bedingungen hätten manche Tiere entgegen Jonas tatsächlich Wahrheitsvorstellungen. Denn sie können nicht nur spontan erfolgreich Memory spielen, sondern sogar signalisieren, wenn sie sich gerade nicht entsinnen können. Robert Hampton hat in seinem Experiment „Rhesus monkeys know when they remember“ herausgefunden, dass Rhesusaffen so einen Erinnerungs-Test mit hoher Trefferquote bestehen. Sie lernen aber ebenso, ihre Teilnahme daran zu verweigern - bevor sie nämlich eine falsche Entscheidung treffen würden -, wenn sie sich nicht mehr richtig erinnern können. Vor diesen neueren Forschungsergebnissen, müsste wohl auch Jonas manchen Tieren Wahrheitsvorstellungen zubilligen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Können Tiere Annahmen treffen? – Entwicklung der Diskussion: Die Einleitung gibt einen Überblick über die historische und zeitgenössische philosophische Debatte zum Denkvermögen von Tieren, von Descartes bis hin zu modernen Positionen.

2 Dependent Rational Animals im Kontext: Dieses Kapitel erläutert MacIntyres Wandel vom rein aristotelischen Ansatz hin zur Einbeziehung biologischer Notwendigkeiten und begründet, warum die Untersuchung tierischer Kognition für seine Ethik essenziell ist.

2.1 Dependent Rational Animals – die Korrektur von After Virtue?: Hier wird die Korrektur von MacIntyres früherer Trennung von Ethik und Biologie diskutiert, um den Menschen als Teil einer intelligenten Spezies zu begreifen.

2.2 Die Argumentationskette in Dependent Rational Animals: Dieses Kapitel beleuchtet MacIntyres Fokus auf unsere Verletzlichkeit als biologische Wesen und die Bedeutung der Frage, ob Tiere ohne Sprache Annahmen treffen können.

3 Das Problem des Anthropomorphismus: Es wird das methodische Dilemma behandelt, tierisches Verhalten zu deuten, ohne in unzulässige menschliche Projektionen zu verfallen.

4 Was sind Annahmen?: Der Begriff der Annahme wird systematisch von Wissen und Raten abgegrenzt und als Vorstellung über einen offenen Sachverhalt definiert.

4.1 Begriffsbestimmung: Eine alltagssprachliche und logische Definition des Annahmebegriffs wird erarbeitet, wobei der Fokus auf der Entscheidung zwischen mindestens zwei Alternativen liegt.

4.2 Kann Annahmen nur treffen, wer Sprache hat?: Die Untersuchung widmet sich der Frage, ob Sprachkompetenz eine notwendige Bedingung für das Bilden von Hypothesen ist oder ob vorsprachliche Fähigkeiten ausreichen.

4.3 Können Tiere zwischen wahr und falsch unterscheiden?: Anhand von Beispielen aus der Verhaltensforschung wird analysiert, ob Tiere in der Lage sind, erfolgreiches Handeln von Irrtümern zu trennen.

4.4 Haben Tiere eine Theory of Mind (ToM)?: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Tiere wie Raben oder Menschenaffen in der Lage sind, sich in die Perspektive anderer hineinzuversetzen, was als Beleg für eine Theory of Mind dient.

5 Ist die Fähigkeit, Annahmen treffen zu können, für die Ethik relevant?: Abschließend wird kritisch diskutiert, welchen Mehrwert die kognitive Anerkennung von Tieren für die Ethik besitzt und wo die Grenzen von MacIntyres Theorie liegen.

Schlüsselwörter

Annahme, MacIntyre, Tierkognition, Anthropomorphismus, Theory of Mind, Wahrheitstheorie, Philosophie, Sprache, Biologie, Ethik, Vernunft, Hypothesenbildung, Repräsentation, Verhaltensforschung, Bewusstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, ob Tiere die kognitive Fähigkeit besitzen, Annahmen zu treffen, und diskutiert dies insbesondere vor dem Hintergrund der Tugendethik von Alasdair MacIntyre.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Anthropologie, der Tierethik, der kognitiven Psychologie (insbesondere der Theory of Mind) und der Analyse von Wahrheit und Sprache bei Mensch und Tier.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass zumindest einige Tiere in der Lage sind, Annahmen zu bilden, und zu klären, welche Bedeutung diese Einsicht für unser Verständnis von Ethik und unsere Beziehung zur Tierwelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die durch den Einbezug aktueller verhaltensbiologischer und psychologischer Experimente (z.B. zu Rhesusaffen oder Raben) ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert MacIntyres philosophische Argumentation, das Problem der menschlichen Projektion (Anthropomorphismus), die begriffliche Klärung von Annahmen sowie die empirischen Belege für tierische Urteilsfähigkeit und Theory of Mind.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Annahme, MacIntyre, Theory of Mind, Tierkognition, Anthropomorphismus, Wahrheit und Ethik.

Warum spielt Hans Jonas eine wichtige Rolle in der Arbeit?

Hans Jonas wird als philosophischer Kontrapunkt herangezogen, um zu prüfen, ob bildhafte Vorstellungen bei Tieren bereits als „Annahmen“ gelten können oder ob dafür strengere Kriterien wie ein expliziter Wahrheitsbegriff erforderlich sind.

Welche Rolle spielen die Versuche mit Rhesusaffen?

Die Experimente von Robert Hampton zeigen, dass Rhesusaffen nicht nur erfolgreich Aufgaben lösen können, sondern auch in der Lage sind, ihre eigene Unsicherheit bei Erinnerungstests zu erkennen und die Teilnahme zu verweigern, was als Beleg für höhere kognitive Selbstreflexion dient.

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Detalles

Título
Können Tiere Annahmen treffen? Alasdair MacIntyres "Dependent Rational Animals"
Universidad
University of Bamberg
Calificación
1,0
Autor
Götz-Ulrich Luttenberger (Autor)
Año de publicación
2019
Páginas
18
No. de catálogo
V509868
ISBN (Ebook)
9783346079121
ISBN (Libro)
9783346079138
Idioma
Alemán
Etiqueta
MacIntyre Dependent Rational Animals After Virtue Anthropomorphismus Hypothesenbildung Theory of Mind pratical reasoners Hans Jonas Donald Davidson Wahrheitstheorien John Searle Empathie vorsprachlich prelingu-istic Staatsbürgerrechte für Haustiere philosophische Sekunde de Saussure signifié signifiant
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Götz-Ulrich Luttenberger (Autor), 2019, Können Tiere Annahmen treffen? Alasdair MacIntyres "Dependent Rational Animals", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509868
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