Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen in der sozialen Arbeit


Fachbuch, 2019

29 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Aufbau des Modells der zwei Ressourcen-Ebenen
Die Anlass-Ebene (AE)
Die Problem-Ebene (PE)
Die Ressourcen-Ebene I (RE1)
Die Ressourcen-Ebene II (RE2)
Eine Kontrollfrage für alle Elemente des Modells der zwei Ressourcen-Ebenen

Die fünf Verteilungen: Überlegungen für die ressourcenorientierte Gesprächsführung
Probleme – Ressourcen
Gegenwart – Zukunft – Vergangenheit
Emotionen
Wahrnehmen – Fühlen – Denken – Handeln
Gesprächsanteile

Fragen und Antworten
Woher weiß ich, ob die Arbeit mit dem Modell der zwei Ressourcen-Ebenen für meinen Klienten geeignet ist?
Warum sind die Ressourcen in diesem Modell auf zwei unterschiedliche Ebenen verteilt?
Wie kann ich meinem Klienten die Arbeit mit dem Modell der zwei Ressourcen-Ebenen nahebringen?
Wie kann ich die Arbeit mit dem Modell der zwei Ressourcen-Ebenen trainieren?

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen ist ein nützliches Werkzeug zur Ressourcenorientierung in der Sozialen Arbeit.

Es ist im Rahmen der Arbeit am Resource-Oriented Interviewing entstanden. Resource-Oriented Interviewing ist eine besondere Form der ressourcenorientierten Gesprächsführung, die ursprünglich im Bereich der Suchtkrankenhilfe entstanden ist und auch in der Psychiatrischen Hilfe, der Sozialen Integrationshilfe und im Projektmanagement angewendet und weiterentwickelt wurde.

Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen ist einerseits gekennzeichnet durch die klare Abgrenzung seiner einzelnen äußerst praxisbezogenen Elemente voneinander, anderseits aber auch durch den großen Freiraum, den es seinem Anwender lässt, um es den spezifischen Besonderheiten seines jeweiligen Arbeitsfeldes anzupassen. Innerhalb der Sozialen Arbeit ist kaum ein Arbeitsfeld denkbar, in dem das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen nicht angewendet werden kann, auch wenn manchmal zur passenden Nutzung sicherlich ein paar Modifikationen notwendig sein können.

Der Name „Modell der zwei Ressourcen-Ebenen “ rührt daher, dass eines der wesentlichen Merkmale dieses Modells darin besteht, dass die Ressourcen hier in zwei voneinander getrennte Kategorien eingeteilt werden, die hier als Ressourcen-Ebene I (RE1) und Ressourcen-Ebene II (RE2) benannt sind. Auch wenn das Modell über zwei weitere Ebenen verfügt, nämlich die Anlass-Ebene (AE) und die Problem-Ebene (PE), so stand die Aufteilung der Ressourcen auf zwei Ebenen (RE1 und RE2) bei der Namensgebung für dieses Modell im Vordergrund.

Der Aufbau des Modells der zwei Ressourcen-Ebenen

Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen besteht aus einzelnen Elementen, die auf insgesamt vier Ebenen verteilt sind, und zwar auf die Anlass-Ebene (AE), die Problem-Ebene (PE), die Ressourcen-Ebene I (RE1) und die Ressourcen-Ebene II (RE2). Eine grafische Darstellung hierzu befindet sich am Ende dieses Kapitels.

Die Anlass-Ebene (AE)

Die Anlass-Ebene enthält lediglich ein Element. Dieses Element bezeichnet den Anlass, zu dem das Modell jeweils gerade angewendet wird. Typische Anlässe in der Sozialen Arbeit sind z.B. Beratungsgespräche und Hilfeplangespräche.

Die Problem-Ebene (PE)

Die Problem-Ebene enthält so viele Elemente, wie zu dem Anlass (s.o.), also z.B. im Beratungsgespräch, oder im Hilfeplangespräch, als Probleme zur Sprache kommen bzw. erkennbar werden. Jedes einzelne dieser Probleme (P) wird separat benannt und erhält eine eigene Nummer. Somit ergibt sich i.d.R. eine ganze Reihe von Problemen (P1 bis P…), was für die oftmals sehr komplexen Problemlagen innerhalb der Sozialen Arbeit typisch ist.

Die PE befasst sich dabei mit Fragen, wie z.B.:

- Welche Probleme bestehen aktuell?
- Was genau ist an dem jeweiligen Problem so problematisch?
- Inwiefern genau ist das jeweilige Problem ein Problem?

Die Ressourcen-Ebene I (RE1)

Die Ressourcen-Ebene I (RE1) enthält zwei Kategorien von Elementen, und zwar Coping (C) in Bezug auf die in der PE genannten Probleme sowie (sonstige) problemreduzierte Zeiten (PRZ). Auch in dieser Ebene (RE1) findet eine Durchnummerierung der einzelnen Elemente statt (C1 bis C… sowie PRZ1 bis PRZ…).

Die RE1 befasst sich dabei ausschließlich mit der Gegenwart. Diese Konzentration auf die Gegenwart dient vor allem dazu, möglichst klar zu erkennen, was genau im Leben des Klienten aktuell bereits als Ressource wirksam ist, und dies deutlich von zeitlich entfernteren (potentiellen, d.h. zukünftigen oder vergangenen) Ressourcen abzugrenzen.

Die Frage, mit der sich die RE1 hauptsächlich befasst, lautet also: „Was nehmen Sie gegenwärtig wahr, was fühlen Sie, was denken Sie, was tun Sie, das Sie in Ihrem Leben trägt, das Ihr Leben in eine gute Richtung bewegt, oder das zumindest dafür sorgt, dass Ihr Leben einigermaßen aushaltbar bleibt oder nicht noch schlimmer wird?“

Die RE1 zielt dabei auf folgende Themen:

- aktuelle Coping-Strategien (Wie bewältigen Sie das Problem zur Zeit?)1
- problemreduzierte Zeiten (Wann ist das Problem nicht da, oder wann ist es zumindest weniger schwerwiegend?)2
- Ressourcen, die aktuell genutzt werden (Wer und was hilft Ihnen, mit dem Problem zumindest einigermaßen klarzukommen?)

Die Ressourcen-Ebene II (RE2)

Die Ressourcen-Ebene II (RE2) enthält Elemente, die nicht von vornherein zu bestimmten festgelegten Kategorien zugehörig gezählt werden, sondern insgesamt als potentielle Ressourcen des Klienten bezeichnet werden können. Ob es sich dabei um wirksame Ressourcen handelt, wird in diesem Modell davon abhängig gemacht, ob sie wahrnehmbare Auswirkungen auf die Ressourcen-Ebene I (RE1) haben, also in der Gegenwart spürbar nützlich werden. Die Ressourcen-Ebene II (RE2) enthält somit potentielle Ressourcen wie z.B. Sinn, Werte, Wünsche, Hoffnung, gute Erfahrungen, schöne Erinnerungen, Fähigkeiten und Stärken.

Die Frage, mit der sich die RE2 hauptsächlich befasst, lautet also: „Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft und an was erinnern Sie sich aus Ihrer Vergangenheit, das Sie in Ihrem Leben trägt, das Ihr Leben in eine gute Richtung bewegt, oder das zumindest dafür sorgt, dass Ihr Leben einigermaßen aushaltbar bleibt oder nicht noch schlimmer wird – bzw. was hat Sie schon einmal auf diese Art getragen oder könnte dies in Zukunft tun?“

Die RE2 zielt also unter anderem auf folgende Themen:

- Sinn/Werte (Welche Werte sind Ihnen in Ihrem Leben wichtig? Was macht für Sie in Ihrem Leben Sinn?)
- Hoffnung (Woraus schöpfen Sie Hoffnung? Was wäre nützlich für Sie, um in Bezug auf Ihr Problem mit mehr Hoffnung in die Zukunft zu blicken?)
- schöne Erinnerungen (An was erinnern Sie sich gerne, das Ihnen Kraft gibt?)
- gute Erfahrungen (Womit haben Sie in Ihrem Leben gute Erfahrungen gemacht?)

Im Verlauf des Gesprächs gilt es dann, zu klären, ob die in der RE2 genannten (potentiellen) Ressourcen tatsächlich die gewünschten positiven Wirkungen auf die Gegenwart haben. Realisierbarkeit von Wünschen und Zielen sowie Ressourcenaktivierung sind also die Folgethemen der RE2, die z.B. mit folgenden Fragen angesprochen werden können:

- Wie viel Zeit, Arbeit, Energie, Geld und Kraft möchten Sie in die Verwirklichung Ihres Wunsches investieren?
- Was sind Sie bereit aufzugeben, um sich Ihren Wunsch zu erfüllen bzw. Ihr Ziel zu erreichen?
- Welche konkreten Hinweise gibt es z.Zt. in Ihrem Leben, die Ihnen anzeigen, dass Ihr Ziel für Sie erreichbar ist?3
- Inwiefern wirkt sich Ihre schöne Erinnerung an … oder Ihre gute Erfahrung mit … positiv auf die Gegenwart aus?
- Bewegen Sie sich durch Ihr aktuelles Tun auf die Erfüllung Ihres Wunsches zu oder davon weg?

Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass gerade völlig unrealistische Wünsche manchmal eine stark beruhigende oder Selbstwert erhaltende Funktion für den Klienten erfüllen. Sollte dies der Fall sein, ist es mitunter sinnvoll, nicht oder zumindest nicht allzu konfrontativ nachzufragen.

Eine Kontrollfrage für alle Elemente des Modells der zwei Ressourcen-Ebenen

Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen ist ein Konstrukt, in dem (fast) alles hinterfragt wird, denn was zuerst als Ressource erscheinen mag, kann sich später als Hindernis entpuppen, und so manches Problem kann zu einem Widerstand werden, an dem die Kraft des Klienten wächst.

Daher gibt es im Modell der zwei Ressourcen-Ebenen für jedes Element, unabhängig davon, auf welcher Ebene (AE, PE, RE1 oder RE2) es angesiedelt ist, eine Kontrollfrage, mit der es hinterfragt werden kann. An den Klienten gerichtet, lautet diese Frage:

- Stärkt das jeweilige Element Sie, oder schwächt es Sie – ist es für Sie nährend oder giftig?

Sich diese Frage immer wieder ehrlich zu beantworten, trainiert die Fähigkeit zur Skepsis und stärkt den inneren Kompass.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 vgl. De JONG, P. / BERG, I. K. (2003): Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. 5., verb. und erw. Auflage. verlag modernes lernen, Dortmund, S. 255 – 264

2 vgl. hierzu das Thema Ausnahmen in De JONG, P. / BERG, I. K. (2003): Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. 5., verb. und erw. Auflage. verlag modernes lernen, Dortmund, S. 149 – 165

3 vgl. De JONG, P. / BERG, I. K. (2003): Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. 5., verb. und erw. Auflage. verlag modernes lernen, Dortmund, S. 347

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen in der sozialen Arbeit
Autor
Jahr
2019
Seiten
29
Katalognummer
V509928
ISBN (eBook)
9783346087041
ISBN (Buch)
9783346087058
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ressourcenorientierung, Soziale Arbeit, Gesprächsführung, Ressourcen, Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Andreas Langosch (Autor), 2019, Das Modell der zwei Ressourcen-Ebenen in der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509928

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