Lern- und Bildungsgeschichten als Beobachtungsinstrument von Lernprozessen


Hausarbeit, 2019
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beobachtung
2.1. Lernen beobachten

3. Bildungs- und Lerngeschichten
3.1. Der konzeptionelle Ansatz
3.2. Die Umsetzung in der Praxis
3.3 Die Erstellung einer Lerngeschichte

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Obwohl das Beobachten von Schülerinnen und Schülern zur alltäglichen Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern zählt, findet dieses Themengebiet wenig Beachtung. Doch gerade bei der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft, sind gut ausgebildete Beobachtungsfähigkeiten der Lehrerinnen und Lehrer notwendig, um Lernausgangslagen für einzelne Kinder ausdifferenzieren zu können und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln. (vgl. de Boer und Reh, 2012)

In dem Seminar Analyse erschwerter Lern- und Entwicklungsbedingungen wurde sich intensive mit der Thematik des Beobachtens im Schulkontext beschäftigt. Die Arbeitsgruppe, welcher ich zugehörig war, hat sich in fünf Beobachtungssituationen mit dem Arbeits- und Lernverhalten eines Schülers beschäftigt. Wir beobachteten ein sehr passives Lernverhalten, welches unserer Ansicht nach an Arbeitsverweigerung grenzte. Im Laufe des Beobachtungsprozesses stellte sich uns die Frage, ob bei dem Schüler tatsächlich keine Lernprozesse stattfanden beziehungsweise inwiefern Lernprozesse überhaupt beobachtbar sind. Diese gedankliche Auseinandersetzung weckte mein Interesse. Im Laufe meiner Recherche stieß ich auf das Beobachtungsinstrument der Bildungs- und Lerngeschichten aus der frühpädagogischen Praxis, welches in der vorliegenden Arbeit vorgestellt wird. Bei diesem offenen Beobachtungsverfahren wird explizit das Lernen des Kindes thematisiert, damit pädagogisch dort interveniert werden kann, wo bereits Anzeichen für die Entwicklung des Kindes zu beobachten sind (vgl. de Boer, 2012). Besonders der Ressourcenorientierte Ansatz interessierte mich in diesem Zusammenhang, da wir bei unseren Beobachtungen eher defizitorientiert gearbeitet haben und dies eine Alternative darstellt.

An die Einleitung anschließend, wird im zweiten Kapitel dieser Arbeit ein kurzer Einblick in das diagnostische Instrument der Beobachtung gegeben. In Kapitel 2.1. wird das Lernen als Beobachtungsgegenstand thematisiert. Den Hauptteil stellt das dritte Kapitel dar, in welchem der konzeptionelle Ansatz, die Umsetzung in der Praxis sowie die Erstellung der Bildungs- und Lerngeschichten dargestellt werden. Den Abschluss bildet das Fazit. Im Fazit wird die Frage noch einmal aufgegriffen, inwiefern die Bildungs- und Lerngeschichten, welche vor allem für frühkindliche Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten konzipiert wurden, für den Schulkontext adaptierbar sind.

2. Beobachtung

Die Beobachtung stellt die elementare Methode der Datengewinnung in den Wirklichkeitswissenschaften dar. Hierbei wird zwischen wissenschaftlichen Beobachtungen und Alltagsbeobachtungen unterschieden. Die Kriterien für eine wissenschaftliche Beobachtung sind zum einen, dass die Überprüfung einer Theorie oder Hypothese als Ziel zugrunde liegt und sich zum Zweiten an den Gütekriterien der sozialwissenschaftlichen Forschung orientiert. (vgl. Böhm-Kasper, 2012)

In der Frühpädagogik werden systematische Beobachtungen und Dokumentationen als regelmäßige Fachaufgabe beschrieben. Die sogenannten prozessorientierten Beobachtungsansätze basieren auf der möglichst wertfreien Beschreibung von Alltagssituationen. Durch den Einsatz von erkenntnisleitenden Fragen zielen die dokumentierten Beobachtungen darauf ab, Interessen, Weltzugänge und subjektive Sinngebungen von Kindern zu erkennen und in ihrer Bedeutung für individuelle Bildungsprozesse zu verstehen. Die Beobachtungen dienen als Grundlage für die pädagogische Planung und individuelle Förderung der Kinder. (vgl. Viernickel, 2012)

2.1. Lernen beobachten

Die zentrale Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern besteht darin, dafür Sorge zu tragen, dass die Schülerinnen und Schüler Lerninhalte verinnerlichen. Es sind jedoch einzig und allein die Schülerinnen und Schüler, die ihre Lernprozesse steuern können (vgl. Hackl, 2017). Aus diesem Grund erscheint es umso wichtiger, einen Weg zu finden die Lernentwicklung sichtbar zu machen und durch gezielte Beobachtungen die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler nachvollziehen zu können. Es stellt sich an diesem Punkt jedoch die Frage, inwiefern Lernen überhaupt beobachtbar ist.

Klaus Prange (2009) betitelt das Lernen als eine unbekannte Größe in der pädagogischen Gleichung. Des Weiteren stellt er fest, dass die Lernprozesse an sich nicht beobachtbar seien, sondern nur die Bemühungen und das Endprodukt (vgl. Prange, 2012). Davon ausgehend bedeutet dies, dass wenn das Lernen beobachtet werden möchte, der Prozess angeschaut werden muss und die Aufmerksamkeit auf die Teilschritte zwischen dem Nichtkönnen und Können gelegt werden müsste (vgl. de Boer 2012).

3. Bildungs- und Lerngeschichten

In dem dritten Kapitel dieser Arbeit wird das Konzept der Bildungs- und Lerngeschichten vorgestellt. Es wird auf den konzeptionellen Ansatz eingegangen, die praktische Umsetzung und die Erstellung von Lerngeschichten.

3.1. Konzeptioneller Ansatz

Die Grundlage der Bildungs- und Lerngeschichten stellen, die entwickelten „learning stories“ von Marget Carr aus dem Jahr 2001 dar, welche als Verfahren zur Beschreibung und Dokumentation der Lernprozesse von Kindern in frühpädagogischen Einrichtungen in Neuseeland dienen. Bildungs- und Lerngeschichten stellen ein Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren dar, welches alle Beteiligten Personen, Fachkräfte, Eltern sowie Kindern, für die Lernprozesse und Lernmöglichkeiten, die im Alltagshandeln der Kinder wiederzufinden sind, sensibilisieren und die Lernfähigkeit und -motivation der Kinder stärken soll. (vgl. Leu et al., 2007) Nach jeder Beobachtung eines Kindes, wird diese auf der Basis von fünf Lerndispositionen: Interessiert sein- Engagiert sein­Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten- Sich ausdrücken und mitteilen- An einer Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen, nach Carr analysiert und diskutiert (vgl. de Boer, 2012). Jede Lerndisposition setzt sich aus drei Elementen zusammen. Zum einen, dass ein Kind sich selbst als Lerner sieht und motiviert ist zu lernen. Zum zweiten, dass das Kind eine Situation als Lerngelegenheit wahrnimmt und den dritten Aspekt stellt das Wissen, dass ein Kind braucht, um seinem Interesse nachgehen zu können, dar. Diese Elemente sind besonders für die Fachkräfte von Relevanz, da es an Ihnen liegt die Lernbemühungen der Kinder zu wertschätzen, Situationen zu inszenieren, welche die Kinder als Lerngelegenheiten wahrnehmen können, sowie dafür zu sorgen, dass die Kinder Wissen und Fähigkeiten erwerben. (vgl. Lau et al., 2007)

Die Interpretation und Analyse der kindlichen Aktivitäten im Sinne der Bildungs- und Lerngeschichten orientieren sich an den Ressourcen der Kinder (vgl. Lau et al., 2007). Dies beinhaltet die Abwendung von der ausschließlichen Defizitperspektive hin zu einer salutogenetischen Orientierung.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Lern- und Bildungsgeschichten als Beobachtungsinstrument von Lernprozessen
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
10
Katalognummer
V510072
ISBN (eBook)
9783346080769
ISBN (Buch)
9783346080776
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diagnostik, Beobachtung, Beobachtungsinsrumente, Kita
Arbeit zitieren
Sina Engelbrecht (Autor), 2019, Lern- und Bildungsgeschichten als Beobachtungsinstrument von Lernprozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510072

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