Die motorischen Fähigkeiten und die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen nehmen immer weiter ab. Viele Schülerinnen und Schüler wirken daher nicht ausgelastet und sind gestresst. Ein Schulkonzept, das dem Bewegungsmangel entgegenwirken soll, ist die Bewegte Schule.
Wie funktioniert das Lernen und welche Lernformen gibt es? Bietet der Schulunterricht optimale Bedingungen zum Lernen? Welche Merkmale weist eine Bewegte Schule auf? Wie kann Bewegung sinnvoll in den Unterricht integriert werden und welche Bedeutung hat sie für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?
Nicolas Kirsch untersucht den Zusammenhang zwischen Lernen und motorischer Aktivität. Er sieht in erster Linie die Schulen in der Pflicht, Kindern die positiven Effekte von ausreichender Bewegung zu vermitteln. Außerdem erklärt er, wie die Elemente der Bewegten Schule konkret umgesetzt werden können. Sein Buch richtet sich an Pädagog/innen und Erzieher/innen.
Aus dem Inhalt:
- Pausengestaltung;
- Schulsport;
- Alternative Schulform;
- Bewegtes Lernen;
- Dynamisches Sitzen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was versteht man unter Lernen?
3 Wie lernen wir?
3.1 Neurobiologische Grundlagen
3.2 Lerntheorien
3.3 Was brauchen Kinder zum Lernen?
4 Schule als optimaler Lernort?
4.1 Wie wird in der Schule gelernt?
4.2 Alternative Erziehungskonzepte
5 Schule muss bewegt sein
5.1 Entstehung der Bewegten Schule
5.2 Begründungsmuster
6 Strukturmerkmale einer Bewegten Schule
6.1 Dynamisches Sitzen und Bewegter Unterricht
6.2 Bewegungspausen und Entspannung
6.3 Bewegter Schultag und Bewegte Pause
6.4 Bedeutung des Sportunterrichts
6.5 Zusätzliche Gesundheitsförderung
6.6 Arbeit mit Kooperationspartnern
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Lernen und körperlicher Aktivität bei Kindern. Ziel ist es, das Konzept der „Bewegten Schule“ als pädagogische Antwort auf den Bewegungsmangel und die damit verbundenen Lernschwierigkeiten im heutigen Schulalltag zu analysieren und dessen Bedeutung für eine ganzheitliche Bildung darzulegen.
- Neurobiologische Grundlagen des Lernens und die Bedeutung neuronaler Plastizität.
- Kritische Reflexion traditioneller Schulformen im Vergleich zu alternativen Erziehungskonzepten.
- Die historische Entstehung und die verschiedenen Begründungsmuster der Bewegten Schule.
- Konkrete Strukturmerkmale und Implementierungsmöglichkeiten von Bewegung in den Schulalltag.
Auszug aus dem Buch
3.1 Neurobiologische Grundlagen
In den Neurowissenschaften befassen sich Forscher mit den biologischen und physiologischen Strukturen und Prozessen, die dem Lernen zugrunde liegen. Im Zentrum der Beobachtung steht das zentrale Nervensystem, welches aus Gehirn und Rückenmark besteht und sich aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) zusammensetzt. Unter dem Begriff des peripheren Nervensystems werden die ca. 25 Millionen Nervenzellen und deren Fortsätze außerhalb von Gehirn und Rückenmark zusammengefasst. Mit dieser unglaublichen Menge an Verbindungen stellt das menschliche Gehirn damit die komplexeste bekannte Struktur in unserem Universum dar (vgl. Edelmann & Wittmann, 2012, S. 18). Demnach ist nicht eine einzelne Nervenzelle von Bedeutung, sondern das durch sogenannte Synapsen verbundene Kollektiv. Die einzelnen Neuronen bestehen aus einem Zellkörper, von dem Nervenfortsätze ausgehen. Dabei wird unterschieden zwischen Neuriten, welche die Nervenzelle mit anderen Zellen verbinden und Dendriten, die als Andockstellen für die Synapsen anderer Zellen fungieren.
Die Dendriten empfangen Informationen von den Rezeptoren der Sinnesorgane in Form von elektrischen Signalen, welche durch die Neuriten bis an das Ende eines Axons, den synaptischen Spalt, transportiert werden. Dort sorgen Übertragungssubstanzen (Transmitter) dafür, dass sich das elektrische Potential auf umliegende Zellen überträgt und die Informationen weitergeleitet werden können. Der Informationsfluss wird durch wiederholtes Auftreten elektro-chemischer Signale verbessert, wobei neuronale Bahnen etabliert werden. So bilden das Zusammenspiel untereinander und die Fähigkeit der Synapsen, sich zu verändern, die Grundlagen für Lernen und Gedächtnis, denn letztlich werden Gedächtnisinhalte dadurch gespeichert, dass die synaptische Datenübertragung zwischen einzelnen Neuronen und ganzen neuronalen Netzen effektiver wird (vgl. ebd.). Diese Fähigkeit des Zentralnervensystems, ständig neue Verbindungen zu schaffen und alte Verbindungen neu zu strukturieren und sich so immer wieder neu den Erfordernissen anzupassen, nennt man neuronale Plastizität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern und leitet zur Fragestellung über, wie das Konzept der Bewegten Schule als Gegenmaßnahme fungieren kann.
2 Was versteht man unter Lernen?: Dieses Kapitel definiert Lernen als interaktiven, erfahrungsbasierten Prozess und grenzt diesen von kurzfristigen Zustandsveränderungen ab.
3 Wie lernen wir?: Hier werden die neurobiologischen Grundlagen, verschiedene Lerntheorien sowie die spezifischen Lernbedürfnisse von Kindern beleuchtet.
4 Schule als optimaler Lernort?: Es erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Schulpraxis unter Einbeziehung reformpädagogischer Konzepte.
5 Schule muss bewegt sein: Dieses Kapitel liefert die Herleitung und die unterschiedlichen Begründungsmuster – entwicklungs-, lerntheoretisch sowie medizinisch – für das Konzept der Bewegten Schule.
6 Strukturmerkmale einer Bewegten Schule: Hier werden konkrete Methoden wie dynamisches Sitzen, Bewegungspausen und die Zusammenarbeit mit Partnern als Teil einer neuen Schulkultur dargestellt.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Bewegung ein unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung ist und fordert den Abschied von überholten starren Lernstrukturen.
Schlüsselwörter
Bewegte Schule, Bewegungsmangel, Neurobiologie, Lernen, kognitive Entwicklung, körperliche Aktivität, Schulkultur, Unterrichtsgestaltung, motorische Fähigkeiten, Gesundheitsförderung, Reformpädagogik, neuronale Plastizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, Bewegung als zentrales Element in den Schulalltag zu integrieren, um die Lernbedingungen und die Gesundheit von Kindern zu optimieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die neurobiologischen Grundlagen des Lernens, die historische Entwicklung der Schule, alternative Erziehungskonzepte sowie die praktischen Strukturmerkmale der Bewegten Schule.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die „Bewegte Schule“ zu besseren Lernergebnissen führt und wie sie einen ganzheitlichen Bildungsprozess unterstützt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Grundlagen aus der Neurobiologie, Lernpsychologie und Pädagogik zusammenführt, um das Konzept der Bewegten Schule zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Lernen, Lerntheorien, Begründungsmuster) und die praktische Umsetzung (Methoden der Bewegten Schule, Kooperationen).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bewegungsmangel, kognitive Leistungsfähigkeit, neuronale Plastizität und Schulkultur geprägt.
Inwiefern beeinflusst Bewegung das Gedächtnis laut dieser Arbeit?
Bewegung fördert die Durchblutung und die Ausschüttung von Neurotransmittern, was die Aufmerksamkeit erhöht und Stress abbaut, wodurch die Gedächtnisleistung unterstützt wird.
Welche Rolle spielen alternative Erziehungskonzepte im Text?
Konzepte von Reformpädagogen wie Rousseau, Pestalozzi und Montessori dienen als historische Vorbilder für das Verständnis der Kindheit und eines kindzentrierten Lernens.
Wie stehen Krankenkassen und Vereine zur Bewegten Schule?
Sie fungieren als wichtige externe Kooperationspartner, die durch Projekte und Expertise die gesundheitsfördernden und sportlichen Angebote der Schule ergänzen.
- Arbeit zitieren
- Nicolas Kirsch (Autor:in), 2020, Warum Bewegte Schule zu besseren Lernergebnissen führt. Der Zusammenhang zwischen Lernen und Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510075