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Das Wissenschaftsmodell von Ernst Cassirer. Die Konzepte von Substanz, Funktion und Idealisierung

Titel: Das Wissenschaftsmodell von Ernst Cassirer. Die Konzepte von Substanz, Funktion und Idealisierung

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2019 , 51 Seiten

Autor:in: Giacomo Borbone (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Normalerweise haben sich die meisten Kritiker auf generische Weise nur auf die Cassirerianische Analyse der Abstraktion oder auf Aspekte im Zusammenhang mit seiner neokantinischen Lesart der Relativitätstheorie und der Quantenphysik konzentriert, ohne jedoch sowohl dem Konzept der Idealisierung und ihrem allgemeinen Wissenschaftsmodell besondere Aufmerksamkeit zu schenken, was dazu führte, dass das gesamte epistemologische Denken des Philosophen fragmentiert oder von einigen Aspekten befreit wurde, die einer weiteren kritischen Untersuchung würdig sind. Aus diesem Grund wird der Autor in dieser Arbeit seine Aufmerksamkeit sowohl auf den Begriff der Idealisierung in Cassirer als auch auf das Wissenschaftsmodell richten, das er in seinem letzten großen erkenntnistheoretischen Werk "Determinismus und Indeterminismus in der modernen Physik" vorgeschlagen hat.

Die erkenntnistheoretische Trilogie von Ernst Cassirer - "Substanzbegriff und Funktionsbegriff" (1910), "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie" (1921) und "Determinismus und Indeterminismus" (1937) - ist westlichen Wissenschaftlern sicherlich nicht unbekannt. Ein Teil der jüngsten Literatur hat ihm einige kritische Reflexionen gewidmet, von denen einige von großem Interesse und spekulativer Tiefe sind. Der bekannteste Aspekt von Cassirers epistemologischem Denken ist zweifellos dieser Knotenpunkt im Übergang vom Substanzbegriff zu dem der Funktion. Historisch gesehen geschieht dies mit der Verdrängung des aristotelisch-ptolemäischen Konzepts des Universums durch die galiläische Physik. Hier erscheint zum ersten Mal, oder zumindest in seiner ausgereiftesten Form, die Konstruktion einer neuen Wissenschaft, wenn auch von einem alten Subjekt geprägt.

Cassirer erfasst nicht nur mit großer Entschlossenheit die fruchtbarsten Aspekte der galiläischen Methode, sondern hebt auch den Prozess der Bildung von Konzepten hervor, der ihre Entwicklung ermöglicht hat. Bekanntlich konzentriert und analysiert Cassirer in seinem ersten großen theoretischen Werk die Begriffsbildung der genauen Naturwissenschaft, insbesondere in dem Kapitel zur Analyse der aristotelischen Abstraktion. Er kritisiert besonders vehement deren Sterilität und damit die Unmöglichkeit, die Bedürfnisse der wissenschaftlichen Methodik zu befriedigen, da die reife Wissenschaft weniger mit Abstraktionen arbeitet, die mit induktiven Mitteln gewonnen werden, sondern mit Idealisierungen, die in der Lage sind, die Hindernisse der Materie zu differenzieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel I: Cassirer und das Konzept der Idealisierung

Kapitel II: Globale Idealisierungen: Cassirers Wissenschaftsmodell

Konklusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das erkenntnistheoretische Werk von Ernst Cassirer, insbesondere seine Konzeption der Idealisierung sowie sein Modell der Wissenschaft, um ein tieferes Verständnis seiner wissenschaftstheoretischen Position zu vermitteln, die in der Forschung oft fragmentiert betrachtet wurde.

  • Die kritische Abgrenzung der Idealisierung von der aristotelischen Abstraktion.
  • Die Bedeutung des Übergangs vom Substanzbegriff zum Funktionsbegriff.
  • Cassirers Auseinandersetzung mit dem metaphysischen Determinismus.
  • Die Rolle der Idealisierung in der modernen Physik und Chemie.
  • Die Funktion der Symbolbildung für das wissenschaftliche Verständnis der Realität.

Auszug aus dem Buch

Die “Abstraktion”, wie sie bisher verstanden wurde, verändert in der Tat den Bestand des Bewußstseins und der gegenständlichen Wirklichkeit nicht, sondern setzt in ihm nur bestimmte Grenzlinien und Einteilungen; sie scheidet die Bestandteile des Sinneseindrucks, aber sie fügt ihnen kein neues Datum hinzu.

In den Definitionen der reinen Mathematik aber ist [...] die Welt der sinnlichen Dinge von Vortsellungen nicht sowohl wiedergegeben, als vielmehr umgestaltet und durch eine andersartige Ordnung ersetzt. Verfolgt man die Art und den Weg dieser Umbildung, so heben sich hierbei bestimmte Formen der Beziehung, so hebt sich ein gegliedertes System streng unterschiedener gedanklicher Funktionen heraus, die durch das einförmige Schema der “Abstraktion” nicht bezeichnet, geschweige begründet werden. Un diese Ergebnis bestätigt sich auch dann, wenn man sich von den rein mathematischen Begriffen zu denen der theoretischen Physik hinüberwendet. Denn auch sie weisen in ihrem Ursprung – wie sich im einzelnen verfolgen läßt – den gleichen Prozeß der Umformung der konkret sinnlichen Wirklichkeit auf, den die traditionelle Lehre nicht zu rechtfertigen vermag.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Cassirers erkenntnistheoretische Trilogie und den zentralen Übergang vom Substanz- zum Funktionsbegriff sowie die Bedeutung der Idealisierung gegenüber der traditionellen Abstraktion.

Kapitel I: Cassirer und das Konzept der Idealisierung: Dieses Kapitel arbeitet Cassirers Kritik an der aristotelischen Abstraktion heraus und begründet, warum die Wissenschaft für ihre methodische Weiterentwicklung auf Idealisierungen angewiesen ist.

Kapitel II: Globale Idealisierungen: Cassirers Wissenschaftsmodell: Das Kapitel analysiert Cassirers Modell der globalen Idealisierung und seine Reflexion über Kausalität und Quantenphysik im Kontext der modernen Wissenschaft.

Konklusion: Die Konklusion fasst zusammen, dass Cassirers Epistemologie nur durch die Integration seiner Kritik an der Abstraktion und der Bedeutung der Idealisierung vollständig erfasst werden kann.

Schlüsselwörter

Ernst Cassirer, Idealisierung, Abstraktion, Funktionsbegriff, Wissenschaftsmodell, Erkenntnistheorie, Kausalität, moderne Physik, Symbolbildung, Naturwissenschaften, Substanzbegriff, Mathematik, Messung, Relativitätstheorie, Quantenmechanik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der erkenntnistheoretischen Philosophie von Ernst Cassirer, wobei der Fokus auf seinen zentralen Begriffen der Idealisierung und dem funktionalistischen Wissenschaftsmodell liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Kritik an der aristotelischen Abstraktion, der Übergang vom Substanz- zum Funktionsbegriff sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf die Physik und Chemie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, die oft übersehenen Aspekte von Cassirers Idealisierungskonzept und seinem Modell der globalen Idealisierung hervorzuheben, um ein umfassenderes Bild seiner Epistemologie zu zeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, um Cassirers philosophische Texte mit aktuellen wissenschaftstheoretischen Debatten in Bezug zu setzen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie Cassirer durch das Konzept der Idealisierung die Bildung wissenschaftlicher Konzepte erfasst und wie dieses Modell die moderne Wissenschaft, insbesondere die Physik, prägt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Idealisierung, Abstraktion, Funktionsbegriff, Symbolbildung und Wissenschaftsmodell charakterisiert.

Wie unterscheidet Cassirer zwischen Abstraktion und Idealisierung?

Während Abstraktion laut Cassirer lediglich empirische Fakten verallgemeinert, ermöglicht Idealisierung die methodische Konstruktion von Konzepten, die wesentlich für das Verständnis komplexer wissenschaftlicher Phänomene sind.

Wie bewertet Cassirer die Kausalität in der Quantenphysik?

Cassirer betrachtet die Kausalität nicht als bloßes Naturgesetz, sondern als transzendentales Regulierungsprinzip, das auch mit dem stochastischen Charakter der Quantenphysik vereinbar ist.

Warum ist der Funktionsbegriff für Cassirer so wichtig?

Der Funktionsbegriff ersetzt für ihn den starren Substanzbegriff und erlaubt es, wissenschaftliche Erkenntnis als ein System funktionaler Zuordnungen zu verstehen, statt als passive Spiegelung der Realität.

Was ist unter dem „Dämon“ im Zusammenhang mit Laplace zu verstehen?

Der „Dämon“ von Laplace ist ein Symbol für eine unendliche Intelligenz, die alle Zustände der Materie kennen könnte; Cassirer kritisiert dies als eine metaphysische Hypostase, die dem endlichen menschlichen Erkenntnisvermögen nicht entspricht.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Wissenschaftsmodell von Ernst Cassirer. Die Konzepte von Substanz, Funktion und Idealisierung
Hochschule
Universität Catania  (Dipartimento di Scienze della Formazione)
Autor
Giacomo Borbone (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
51
Katalognummer
V510144
ISBN (eBook)
9783346077967
ISBN (Buch)
9783346077974
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissenschaftsmodell ernst cassirer konzepte substanz funktion idealisierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Giacomo Borbone (Autor:in), 2019, Das Wissenschaftsmodell von Ernst Cassirer. Die Konzepte von Substanz, Funktion und Idealisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510144
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Leseprobe aus  51  Seiten
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