Die vorliegende Hausarbeit soll einen kurzen historischen Einblick in die Entstehung und Bildung von Phrasemen bieten und dabei an verschiedenen Beispielen zeigen, welche Veränderungen im Laufe der Zeit geschehen sind und warum wir den Ursprung von bestimmten Redewendungen schlicht vergessen haben. Grundlage zur Erarbeitung der vorliegenden Ausführungen ist die Einführung in die Phraseologie von Harald Burger, 2015. Der Sprachwissenschaftler beschäftigt sich mit der Thematik bereits seit einem halben Jahrhundert und hat seine Erkenntnisse in mehreren Werken publiziert.
Diese Arbeit soll im ersten Teil die theoretischen Grundlagen liefern, die zum besseren Verständnis der verwendeten Begrifflichkeiten beitragen soll. Dabei werden zunächst die Eigenschaften von phraseologischen Wortverbindungen genauer untersucht und mit Beispielen belegt. Das darauffolgende Kapitel soll zeigen, welche Faktoren notwendig sein müssen, damit ein Phrasem zu einem solchen wird. Anschließend werden die theoretischen Grundlagen zusammengefasst und die Entstehung von Phrasemen an den beiden Beispielen Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts und der rote Faden näher erläutert.
Der zweite Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Bedeutungswandel von Phraseologismen und wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass ein semantischer Wandel stattgefunden hat. Dabei soll vor allem Bezug genommen werden auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie sich Phraseme verändert haben, ob sie an Bedeutung verloren oder gewonnen haben und was sich syntaktisch im Laufe der Jahrhunderte getan hat. An dieser Stelle sei jedoch schon die These erwähnt, die Burger bereits seit Beginn seiner Untersuchungen begleitet: Die Fixierung phraseologischer Wortverbindungen ist in hohem Maß der schriftsprachlichen Kodifizierung zu verdanken. Er hat diese Behauptung bereits 1986 aufgestellt, doch ist sie bis heute nicht bewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eigenschaften von phraseologischen Wortverbindungen
2.1. Was macht ein Phrasem zu einem Phrasem?
2.2. Entstehung von Phrasemen an zwei Beispielen
3. Bedeutungswandel von Phraseologismen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen sprachhistorischen Einblick in die Entstehung, Bildung und den Bedeutungswandel von Phraseologismen zu geben. Dabei wird insbesondere untersucht, welche Faktoren zur Fixierung von Redewendungen führen und wie sich der semantische Wandel im Laufe der Jahrhunderte vollzogen hat.
- Grundlagen und linguistische Merkmale von Phraseologismen
- Prozesse der Entstehung und Lexikalisierung von Phrasen
- Analyse historischer Beispiele wie "Mein Name ist Hase" und "der rote Faden"
- Einfluss der schriftsprachlichen Kodifizierung auf phraseologische Stabilität
- Medialer Wandel und die Entstehung phraseologischer Neologismen
Auszug aus dem Buch
2. Eigenschaften von phraseologischen Wortverbindungen
Phraseme, phraseologische Wortverbindungen, (idiomatische) Redewendungen oder auch Idiome zeichnen sich durch bestimmte linguistische Merkmale aus. Zunächst geht es um die Polylexikalität, d. h. die Wortverbindungen bestehen aus mindestens zwei lexikalischen Einheiten, ihre Bestandteile werden als Komponenten bezeichnet. Sich darauf beziehend ergibt sich ein weiteres Merkmal: Phraseologismen sind unterschiedlich lang und ihre syntaktischen Funktionen zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus einem ganzen Satz oder auch nur einem Satzglied bestehen können. Außerdem weisen Phrasen ein normales morphologisches Verhalten in Konjugation, Deklination etc. auf. Ein genauerer Blick auf die Merkmale zeigt, dass es weitere Kategorien gibt, die eine Phrase ausmachen. Unter der Kategorie Festigkeit wird die Gebräuchlichkeit detaillierter untersucht. Es geht darum, ob Phraseologismen bereits bekannt sind und ob sie im täglichen Sprachgebrauch verwendet werden.
Charakteristisch sind hierbei vier Basisklassifikationen: (1) In der psycholinguistischen Festigkeit geht es darum, dass das Abrufen aus dem Gedächtnis als eine Einheit passiert, wie es bei Einzelwörtern der Fall ist. Mit ihr einher gehen die (2) strukturelle Festigkeit, die sich durch feste Strukturen der Phrasen auszeichnet (z. B. Tomaten auf den Augen haben), (3) die relative Festigkeit, die sich mit grammatischen Variationen befasst (z. B. eine Hand war im Spiel; sein/e Hand/Hände im Spiel haben) und die (4) pragmatische Festigkeit, also die Verwendung im gewöhnlichen Gebrauchskontext wie z. B. in Grußformeln. Ein weiteres Merkmal, welches ein Phrasem ausmacht, ist die Idiomatizität. Damit wird ein semantisches Phänomen beschrieben, welches die Diskrepanz zwischen der wörtlichen und der phraseologischen Bedeutung des gesamten Ausdrucks ausmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Phraseologie ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit sowie die zentrale These zur Bedeutung der schriftsprachlichen Kodifizierung.
2. Eigenschaften von phraseologischen Wortverbindungen: Hier werden die linguistischen Kernkriterien von Phrasemen, wie Polylexikalität, Festigkeit und Idiomatizität, theoretisch fundiert und differenziert.
2.1. Was macht ein Phrasem zu einem Phrasem?: Dieses Unterkapitel beleuchtet die kognitiven Bedingungen der Entstehung sowie die Rolle von Metaphorisierung und Metonymisierung bei der Bildung von Phrasemen.
2.2. Entstehung von Phrasemen an zwei Beispielen: Anhand der Redewendungen "Mein Name ist Hase" und "der rote Faden" wird der historische Entstehungsprozess und die spätere Lexikalisierung konkret analysiert.
3. Bedeutungswandel von Phraseologismen: Das Kapitel untersucht, wie sich Phraseme semantisch verändern und warum die schriftsprachliche Fixierung ein maßgeblicher Faktor für ihren Erhalt oder ihr Aussterben ist.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Phraseologismen einem stetigen Wandel unterliegen, der heute durch moderne Medien rasanter abläuft, und betont die Bedeutung historischer Wörterbücher für das Verständnis dieser Phänomene.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phrasem, Bedeutungswandel, Idiom, Idiomatizität, Polylexikalität, Sprachgeschichte, Lexikalisierung, Somatismus, Metonymisierung, Metaphorisierung, Kodifizierung, Autorphrasem, phraseologische Neologismen, Sprachwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung von Phraseologismen, ihren Entstehungsbedingungen und der Art und Weise, wie sie im Laufe der Zeit semantische Wandlungen erfahren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Phrasem-Eigenschaften, den Prozessen der Bedeutungskonstitution sowie dem Einfluss von historischen und medialen Faktoren auf die Sprache.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel besteht darin, durch historische Beispiele zu zeigen, wie Phraseme entstehen und warum sie in der Sprache stabilisiert werden oder an Bedeutung verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich primär auf die theoretische Einführung in die Phraseologie von Harald Burger und nutzt eine exemplarische Analyse zur Untersuchung historischer und sprachwissenschaftlicher Quellen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit inhaltlich ab?
Im Hauptteil werden zunächst die linguistischen Merkmale wie Festigkeit und Idiomatizität definiert, gefolgt von einer detaillierten Untersuchung des Bedeutungswandels anhand konkreter Redewendungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Begriff der Phraseologie sind Idiomatizität, Lexikalisierung, historische Kodifizierung und der Bedeutungswandel als wesentliche Charakteristika hervorzuheben.
Wie lässt sich der Ursprung von "Mein Name ist Hase" erklären?
Der Ursprung liegt in einem historischen Ereignis aus dem Jahr 1843 mit dem Studenten Victor v. Hase, dessen Ausspruch durch mediale Einflüsse, wie etwa die Bugs Bunny Show, im Sprachgebrauch gefestigt wurde.
Warum ist der "rote Faden" ein Beispiel für ein Autorphrasem?
Der Ausdruck geht auf ein konkretes literarisches Werk, Johann Wolfgang Goethes "Wahlverwandtschaften", zurück, durch dessen Verbreitung sich das Bild im allgemeinen Sprachgebrauch als feststehendes Phrasem etablieren konnte.
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- André Gschweng (Autor), 2019, Mein Name ist Hase. Ich weiß von nichts. Phraseologismen im sprachgeschichtlichen Bedeutungswandel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510248