Veganismus als Lebensstil. Wie vegane Ernährung die gesamte Lebensweise beeinflusst


Fachbuch, 2020

86 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Geschlechterdifferenzierung

Summary

1 Einleitung
1.1 Begriffserklärungen

2 Zielsetzung

3 Aufbau der Arbeit

4 Methodik
4.1 Literaturrecherche
4.2 Qualitative Sozialforschung

5 Ergebnisse
5.1 Ergebnisse der Literaturanalyse
5.2 Ergebnisse der qualitativen Sozialforschung

6 Zusammenfassung und Diskussion.

7 Schluss

Quellenverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

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Impressum:

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Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ablaufmodell Zusammenfassung (Mayring et al. 2015: 70)

Abkürzungsverzeichnis

ADA = American Dietetic Association

BfR = Bundesamt für Risikobewertung

BMEL = Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

CO2 = Kohlenstoffdioxid

bzw. = beziehungsweise

DGE = Deutsche Gesellschaft für Ernährung

d.h. = das heißt

DSW = Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

EFSA = European Food Safety Authority

et al. = et alteri

EU = Europäische Union

e.V. = eingetragener Verein

ff. = fortfolgende

g = Gramm

I. = Interview

IFH = Institut für Handelsforschung

IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change

IVH = Industrieverband Heimtierbedarf

Kg = Kilogramm

USA = USA

VEBU = Vegetarierbund Deutschland

v. Chr. = vor Christus

WWF = World Wide Fund For Nature

Z. = Zeile

z.B. = zum Beispiel

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Analyse der Entstehungssituation 1

Tabelle 2: Analyse der Entstehungssituation 2

Summary

The topic of my bachelor thesis is „Veganism as a lifestyle“. A combination of literature analysis and qualitative social research led to the results of the work. Within the qualitative social research, four interviews with five persons were conducted. In one interview two people were questioned at the same time. All interviewed people eat vegan, have different ages and are in different stages of their lives.

The results of the work show that the vegan lifestyle usually brings more than the plant based nutrition. One important aspect is to avoid animal suffering caused by industrial animal husbandry. In addition, responsibility and environmental protection were mentioned in the context of the vegan lifestyle.

Most of the participants in the interview accept people who practice other diets. Nevertheless, criticisms and difficulties were addressed. In the interviews the vegetarian and omnivorous diets were addressed. Mostly the criticism relate to the welfare of animals, which is not necessarily given in these diets.

Considering the lifestyle bevor the veganism, almost all of the respondents were vegetarians. Furthermore, the interviews showed that the transition to a vegan lifestyle was triggered by receiving information. The most frequently reason for the vegans is the animal welfare. The protection of the environment and the personal health are important reasons as well. Looking at the changeover to the vegan diet, some of the respondents described it as fast, others as slow. Above all, the emergence of routine helps in the implementation of the vegan lifestyle. In contrast to that, eating outside is a point that can make the vegan diet difficult.

Questions about the communication with outsiders made clear that the interviewees avoid active communication about their lifestyle. However, if people show a serious interest in the vegan diet, they all are open to talk about it. Looking at the personal environment of the respondents, there were both negative and positive reactions about their vegan lifestyle. A good way to transport the veganism to other people, is to represent it in a positive way.

In general the veganism has not just positive aspects. Some negative points that were mentioned are the extreme unity of some vegans as well as the lack of acceptance of others. Nonetheless, there are many positive aspects that veganism brings to the respondents. None of them can imagine changing their lifestyle anymore. A advise to people who are interested in the change to a vegan diet, is the slow conversion and good information.

The bachelor thesis points out, that veganism not only concerns nutrition, it also refers to many other aspects of life. The veganism can be seen as a lifestyle.

Geschlechterdifferenzierung

In dieser Bachelorarbeit werden aus Gründen der besseren Lesbarkeit personengebundene Sprachweisen, die sich zugleich auf Frauen und Männer beziehen, generell nur in der männlichen Sprachform aufgeführt und gelten für alle Geschlechter.

1 Einleitung

Die vegane Ernährung – „sie wird – ähnlich wie andere vegetarische Kostformen – in der Bevölkerung der westlichen Welt immer häufiger praktiziert“ (Richter et al. 2016: 1). Mit diesem Satz leitet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ihre aktuelle Position zur veganen Ernährung ein. Gesellschaften wie die DGE haben erkannt, dass der Veganismus immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung geht davon aus, dass sich ein wachsender Anteil der Bevölkerung für eine vegane Ernährung entscheidet (BfR 2017: 7). Laut dem Marktforschungsinstitut Skopos leben 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan (Skopos 2016). Aufgrund dieser Entwicklung können vegane Lebensmittel nicht mehr nur in Bio- oder Naturkostläden erworben werden, sondern auch in klassischen Supermärkten und Discountern. (Kreutz 2017)

Eine Marktforschung des Instituts für Handelsforschung in Köln zeigt, dass immer mehr alternative Produkte im Lebensmittelbereich gekauft werden. Somit wird von einem Umsatz von 454 Millionen Euro gesprochen, die im Jahr 2015 durch vegetarische und vegane Lebensmittel erwirtschaftet wurden. Das entspricht einem Wachstum von 25,9% im Vergleich zum Vorjahr. (IFH Köln 2016: 2)

Der Vegetarierbund Deutschland spricht zudem noch weitere Bereiche an, in denen der vegane Trend Zuwachs erhält. 2016 gab es 211 Veröffentlichungen von veganen Kochbüchern im deutschen Buchhandel, das waren 92 Exemplare mehr als im Vorjahr. Auch in der Gastronomie ist eine vegane Bewegung zu beobachten, so gab es im Jahr 2016, nach Informationen des VEBU, 161 vegane Gastronomiebetriebe in Deutschland. (VEBU 2016)

Das sind nur einige Aspekte, die zeigen, Veganismus ist im Trend. Trotz dieser Entwicklung gehen die Meinungen über vegetarische bzw. vegane Ernährungsformen weit auseinander.

So erkennt die DGE, als die bedeutendste deutsche Ernährungsgesellschaft, die Aktualität des Themas in ihrer aktuellen Position an, äußert sich aber dennoch kritisch. Folglich positioniert sich die DGE zur veganen Ernährung:

„Bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich (…) für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird eine vegane Ernährung von der DGE nicht empfohlen“ (Richter et al. 2016: 1).

In Hinsicht auf die vegetarische Ernährung, die ebenfalls lange Zeit als kritisch betrachtet wurde, hat sich die Empfehlung der DGE gewandelt. In einem Interview mit dem Vegetarierbund Deutschland aus dem Jahr 2010, beschreibt die Pressesprecherin Antje Gahl, im Namen der DGE, eine ausgewogene vegetarische Kost als bedenkenlos möglich. (VEBU 2010)

Die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics beschreibt in ihrer Position „Vegetarian Diets“ vegetarische Ernährungsformen als geeignet für alle Lebensphasen, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglings-, Kindes- und Jugendalter, wenn diese gut geplant ist.

„Well-designed vegetarian diets that may include fortified foods or supplements meet current nutrient recommendations and are appropriate for all stages of the life cycle, including pregnancy, lactation, infancy, childhood, and adolescence“ (Academy of Nutrition and Dietetics 2015: 801).

Im Fazit der Stellungnahme wird auch explizit die vegane Ernährungsform mit einbezogen.

„(…) well designed and thought out, vegetarian and vegan intakes provide adequate nutrition for all cycles of life (…)“ (Academy of Nutrition and Dietetics 2015: 808).

Schon im Jahr 2003 zeigt eine gemeinsame Veröffentlichung der Academy of Nutrition and Dietetics und der kanadischen Organisation Dietitians of Canada, dass auch die kanadische Gesellschaft für Ernährung mit dieser Meinung kooperiert.

„Well-planned vegan and other types of vegetarian diets are appropriate for all stages of the life cycle (…)”. (ADA 2003: 748)

Zudem wird in der Position aus dem Jahr 2003 schon im ersten Satz erwähnt, dass solche Ernährungsformen sogar gesundheitliche Vorteile haben können.

„It is the position of the American Dietetic Association and Dietitians of Canada that appropriately planned vegetarian diets are healthful, nutritionally adequate, and provide health benefits in the prevention and treatment of certain diseases“. (ADA 2003: 748)

Trotz der unterschiedlichen Meinungen und Positionierungen zum Veganismus wird durch die Veröffentlichungen großer Ernährungsgesellschaften vor allem ein Punkt deutlich. Das Thema rund um eine vegane Lebensweise gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die zuvor genannten Zahlen zeigen, dass das Thema so aktuell ist, wie noch nie. Aufgrund dieser aktuellen Präsenz wird in dieser Bachelor Thesis der „Veganismus als Lebensstil“ thematisiert. Weiterhin wird der Fragestellung nachgegangen, „welche Faktoren derzeit vegane Lebensstile gestalten“? Dabei sollen Antworten nicht nur über den aktuellen Stand der Forschung, sondern auch über die Methode der qualitativen Interviews, generiert werden.

1.1 Begriffserklärungen

1.1.1 Vegetarismus

Der Begriff „Vegetarier“ oder „Vegetarismus“ entstand aus einer Wortschöpfung aus den Worten vegetable (=pflanzlich) und der Endung -arian. Das Wort vegetable geht auf die Sprachwurzel der lateinischen Begriffe vegetare, vegetus und vegere zurück, welche alle unter der Bedeutung „beleben“ oder „lebendig“ zusammengefasst werden können. Der Vegetarismus ist somit schon durch den Ursprung des Wortes durch eine „lebendige“ und „belebende“ Ernährung und Lebensweise gekennzeichnet. (Leitzmann et al. 2010: 18)

Beim Vegetarismus handelt es sich um eine Ernährungsweise, bei der sich anhand der verzehrten Lebensmittel, unterschiedliche Formen ergeben. Die vegetarische Kostform kennzeichnet sich durch den ausschließlichen oder überwiegenden Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln. Je nach Form des Vegetarismus werden aber auch Produkte die von Tieren stammen, wie Milch und Milchprodukte, Eier und Honig gegessen. Gemeinsam ist jedoch allen vegetarischen Kostformen der Verzicht auf Fleisch und Fisch. (Leitzmann et al. 2010: 20)

Aus den unterschiedlichen Formen der vegetarischen Ernährung ergeben sich vier Untergruppen. Dabei verzehren die Lakto-Ovo-Vegetarier neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Milch und Milchprodukte sowie Eier. Die Gruppe der Lakto-Vegetarier meidet zusätzlich noch den Konsum von Eiern. Im Gegensatz dazu lehnen Ovo-Vegetarier Milchprodukte ab, essen jedoch Eier. Die Veganer, deren Ernährung auch als strenge Form des Vegetarismus bezeichnet wird, ernährt sich ausschließlich von pflanzlichen Lebensmitteln. (Leitzmann et al. 2010: 20)

1.1.2 Veganismus

Der Begriff „vegan“ ist eine Zusammenziehung der Bezeichnung „vegetarian“ und entstand im Jahr 1944. Erstmals verwendet wurde der Begriff von Donald Watson, der im selben Jahr die Vegan Society in England gründete. (Leitzmann 2018: 14)

Die grundsätzliche Definition zur veganen Ernährung besagt, dass diese durch den ausschließlichen Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln gekennzeichnet ist (Richter et al. 2016: 1). Somit verzichten Personen, die nach einem veganen Lebensstil leben, auf alle tierischen Produkte (Biesalski et al. 2015: 350). Außerdem verwenden viele Veganer keine von Tieren stammenden Materialien, wie Wolle oder Leder. Auch bei Reinigungsmitteln wird auf tierische Bestandteile verzichtet. (Leitzmann et al. 2010: 20)

Claus Leitzmann unterteilt die Gruppe der Veganer in seinem Werk „Veganismus“ in acht Kategorien. Dabei verzichten die konsequenten Veganer nicht nur auf Lebensmittel tierischer Herkunft, sondern auch auf alle Produkte die direkt von Tieren stammen oder bei ihrer Herstellung damit in Kontakt kamen. Weiterhin setzt sich diese Gruppe auch für globale Anliegen ein und stellt sich strikt gegen Einrichtungen, die Tiere ausbeuten. Die Kategorie der sogenannten Pudding-Veganer ernährt sich zwar pflanzlich, greift aber zu stark verarbeiteten Lebensmitteln, die den Anspruch an eine abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung nicht erfüllen. Die Fuganer, auch als Frutarier bekannt, beschränken ihre Nahrungsauswahl zusätzlich und verzehren nur, was ohne Beschädigung der Pflanzen geerntet werden kann. Roh-Veganer nehmen nur unerhitzte pflanzliche Lebensmittel zu sich. Die Honig-Veganer bzw. Pesco-Veganer konsumieren, trotz ihrer ansonsten veganen Ernährung, Honig bzw. Fisch. Als Flexiganer werden Personen bezeichnet, die sich meist vegan ernähren, diese Ernährungsform aber durch den gelegentlichen bis seltenen Verzehr von tierischen Produkten unterbrechen. Die letzte Untergruppe stellen die sogenannten Freeganer dar, die die Überproduktion und die Verschwendung von Lebensmitteln beklagen, meist aber keine konsequenten Veganer sind. Diese Gruppe lebt von abgelaufenen und weggeworfenen Produkten der Supermärkte und baut teilweise Lebensmittel selbst an. (Leitzmann 2018: 14 ff.)

1.1.3 Lebensstil

Als Lebensstil werden typische Regelmäßigkeiten bezeichnet, die den Alltag einer Person gestalten (Schäfers et al. 2016: 270). Die Hauptfunktion eines Lebensstils ist vom Standpunkt des Handelnden die Sicherung und Vermittlung personaler und sozialer Identität. (Lüdtke 1989: 40). Zudem beschreibt Lüdtke den Lebensstil als das Ergebnis der Vermittlung personaler und sozialer Identität, aber auch als Verbindung zwischen der Darstellung von Individualität und der Darstellung sozialer Zugehörigkeit (Lüdtke 1989: 74).

2 Zielsetzung

Das Forschungsvorhaben meiner Bachelorarbeit ist es, der aktuellen Präsenz des Veganismus und ebenfalls der Frage nachzugehen, was mit der Entscheidung zu einem solchen Lebensstil zusammenhängt und welche Faktoren diesen weiterhin beeinflussen. Durch meine Arbeit möchte ich zusammentragen, welche Aspekte des Veganismus in der Wissenschaft bereits thematisiert werden. Weiterhin möchte ich den Fokus auf die Ergebnisse der qualitativen Sozialforschung legen, die in Form von vier Interviews stattgefunden hat. Darüber soll folglich herausgestellt werden, was Betroffene zur Wahl ihres veganen Lebensstils bewegt hat und wie sich die Umstellung und deren jetzige Situation angefühlt hat bzw. anfühlt. Durch die Daten, die aus Gesprächen mit Veganern generiert werden, soll in der Arbeit der aktuelle Stand der Wissenschaft zum Thema des Veganismus ergänzt und erweitert werden.

3 Aufbau der Arbeit

Die Bachelorarbeit gliedert sich grundsätzlich in acht Hauptkapitel. In Kapitel eins findet die Einbettung in das Thema „Veganismus als Lebensstil“ statt. Zudem findet hier die Definition und Erläuterung thematisch relevanter Begriffe statt. Kapitel zwei und drei thematisieren die Zielsetzung und den Aufbau der Arbeit. Das vierte Kapitel dreht sich um die methodische Erläuterung, wobei genau beschrieben wird, welche Methoden bei dieser Arbeit eingesetzt wurden. Folglich unterteilt sich das Kapitel in die Literaturrecherche sowie die qualitative Sozialforschung. Im anschließenden Ergebniskapitel werden die generierten Daten, dargestellt. Auf Grund der zwei unterschiedlichen Methoden gliedert sich dieses fünfte Kapitel ebenso in zwei Unterkapitel. In Kapitel sechs werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch reflektiert. Der Schluss rundet die Arbeit thematisch ab. Die Summary des letzten Kapitels gibt eine kurze englische Zusammenfassung der Arbeit. Im Quellenverzeichnis werden alle verwendeten Onlinequellen und Literaturquellen aufgeführt.

4 Methodik

Die Themenfindung der Bachelor Thesis ergab sich in einem zweiwöchigen Prozess. Zunächst wurden durch Brainstorming Ideen für mögliche Themen generiert. Dabei fiel mein Interesse besonders auf die Ernährungs- bzw. Lebensform des Veganismus. Im Anschluss wurde das Thema konkretisiert und der Titel der Bachelorarbeit „Veganismus als Lebensstil“ entstand. Für diese Arbeit wurde sowohl Literaturrecherche betrieben, als auch Interviews im Rahmen der qualitativen Sozialforschung durchgeführt. Der methodische Teil sowie der Ergebnisteil lassen sich demnach in diese beiden Bereiche unterteilen. Im Folgenden werden diese genutzten Methoden beschrieben.

4.1 Literaturrecherche

Die Literaturrecherche stellt einen der ersten Schritte in der Konkretisierung einer Untersuchung dar und dient der Suche nach themen- bzw. fragestellungsrelevanten Informationen (Rogge 1995: 20). Bei dieser Arbeit war dementsprechend die Literaturrecherche das erste methodische Vorgehen, wodurch erste Daten zum Thema der Bachelor Thesis generiert wurden. Dabei entstand zunächst das Kapitel zum historischen Hintergrund des Veganismus. Zudem wurde die aktuelle Situation sowie allgemeine Merkmale des Veganismus dargestellt. Über die Methode konnten weiterhin hauptsächlich die Motive herausgearbeitet werden, die laut Wissenschaft zu einem veganen Lebensstil führen. Bei der Suche nach relevanten Informationen wurden neben der Analyse ausgewählter Fachliteratur ebenfalls Online-Quellen verwendet. Dabei ist zu beachten, dass verwendete Quellen von Organisationen wie beispielsweise dem WWF, dem Vegetarierbund Deutschland oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz nicht objektiv sind, da diese Organisationen ein bestimmtes Anliegen haben bzw. ein bestimmtes Ziel verfolgen.

4.2 Qualitative Sozialforschung

Neben den Recherchearbeiten stellt das qualitative Interview die zweite gewählte Methode zur Gewinnung von Daten für diese Bachelor Thesis dar. Bei qualitativen Daten handelt es sich um „wissenschaftliche Beschreibungen eines sozialen Gegenstandes“ (Heinze 2001: 13).

Ein sozialer Gegenstand meint dabei „Menschen, Handlungen und die Formen der Vergesellschaftung, die Menschen eingehen oder denen sie unterworfen sind“ (Heinze 2001: 14).

Die qualitative Sozialforschung steht in Abgrenzung zur quantitativen (Strübing 2013: 1). Im Gegensatz zur quantitativen Sozialforschung hat die qualitative ein anderes Erkenntnisziel, außerdem wird hierbei mit einer wesentlich kleineren Fallzahl gearbeitet. Bei der quantitativen Forschung bestehen bereits Theorien, aus denen dann Hypothesen zu einem interessanten sozialen Sachverhalt entwickelt werden, die mithilfe von Variablen überprüft werden sollen. Die qualitative Sozialforschung zielt gegenteilig dazu nicht auf die Überprüfung, sondern auf die Entdeckung von Theorieaussagen ab. (Brüsemeister 2008: 19)

Allgemein stellen Befragungen eine häufig verwendete Technik in der empirischen Sozialforschung dar, mit deren Hilfe Fakten, Wissen, Meinungen, Einstellungen oder Bewertungen sozialer Gruppen ermittelt werden. Dazu zählen auch offene, auf qualitativen Methoden basierende Interviews. (Brüsemeister 2008: 15)

Das qualitative Interview zielt bewusst darauf ab, die Fragen an die Interviewsituation angepasst zu formulieren. Bei standardisierten Befragungen, wie z.B. Fragebogenerhebungen, sind mögliche Antwortalternativen bereits vorformuliert und die Antworten damit eingeschränkt. Im Gegensatz dazu sollen die Befragten bei qualitativen Interviews ihre Antworten selbst formulieren. (Strübing 2013: 81)

Eine typische Form qualitativer Forschungsinterviews stellen Leitfadeninterviews dar, gekennzeichnet sind diese durch die Nutzung eines Interviewleitfadens (Strübing 2013: 92). Eine weitere häufig verwendete Variante ist das Experteninterview, das als Untertyp zur Gruppe der Leitfadeninterviews zählt. Als Experten gelten hierbei Menschen, die im untersuchten Handlungsfeld eine besondere Position einnehmen, in der sie über Wissen verfügen, über das andere nicht ohne weiteres verfügen. (Strübing 2013: 96)

Im untersuchten Handlungsfeld meiner Bachelorarbeit sind Experten demnach Personen, die selbst eine Position im Bereich des Veganismus belegen und über Wissen darüber verfügen. Ich habe die Methode der qualitativen Experteninterviews gewählt, da ich Motive und Auslöser direkt von Personen erfahren möchte, die sich zu einem veganen Lebensstil entschieden haben. Weiterhin sollte mit den Betroffenen darüber gesprochen werden, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Veganismus mit sich bringt. Im Zuge dessen wurden vier leitfadengestützte Interviews mit Personen durchgeführt, die den Veganismus als Lebensstil angenommen haben. Dafür wurde zunächst ein allgemeiner Leitfaden erstellt, der für alle Interviews verwendet wurde. Dieser vermittelt zwischen den beiden gegensätzlichen Anforderungen, der Strukturiertheit und der Offenheit, die im Interview relevant sind. Außerdem enthält der Leitfaden eine Reihe relevanter Themen und Fragerichtungen, ohne aber die Frageformulierung und die Themenabfolge einzuschränken. Zentrale Fragen, die im Interview auf jeden Fall thematisiert werden sollen, werden im Leitfaden ausformuliert. In Stichworten können auch Ergänzungs- und Vertiefungsfragen im Leitfaden verzeichnet werden. Mögliche Antwortalternativen werden ebenfalls notiert. (Strübing 2013: 92/93)

Für die Erstellung der Leitfäden wurden zunächst Überkategorien gebildet, die die im Interview zu behandelten Themen voneinander abgrenzen und zu einer übersichtlicheren Struktur beitragen. Zu jeder Kategorie wurden passende Fragen zugeordnet. Anschließend wurden Unterkategorien mit konkreten Fragen zur passenden Leitfrage erstellt, diese stellen die Ergänzungs- und Vertiefungsfragen dar. In der Spalte „Check“ wurden Stichwörter und Antwortmöglichkeiten aufgezählt, die aus den Augen des Interviewers zu erwarten waren. Diese Spalte sollte dem Interviewer zur Überprüfung dienen, welche Aspekte bereits genannt wurden bzw. was nochmal durch genaueres Nachfragen erfasst werden musste. Der Leitfaden wurde für jedes Interview verwendet, um eine einheitliche Ausgangsituation zu schaffen. Allerdings wurde die Fragestellung an die jeweiligen Interviewpartner bzw. die jeweilige Interviewsituation angepasst.

Bei der Durchführung der Interviews ist die Rolle des Interviewers von Frage zu Frage zu moderieren, dabei den Gesprächsfluss zu erhalten und zugleich möglichst alle geplanten Themen im Interview zu bearbeiten (Strübing 2013: 93).

Nach der Durchführung der Interviews wurden diese verschriftlicht. Im Anschluss erfolgte die Auswertung der Interviews. Dabei wurde nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring vorgegangen. Die Inhaltsanalyse ist eine Auswertungsmethode, was bedeutet, dass mit bereits fertigem sprachlichen Material gearbeitet wird. Zu Beginn muss zunächst festgelegt werden, welches Material der Analyse zugrunde liegt. (Mayring et al. 2015: 54)

4.2.1 Festlegung des Materials

Im Falle dieser Bachelor Thesis stellen die Verschriftlichungen der durchgeführten Interviews das zu analysierende Material dar. Insgesamt sind vier solcher Verschriftlichungen vorhanden.

4.2.2 Analyse der Entstehungssituation

Für die Interviews wurden fünf Personen ausgewählt, die einen veganen Lebensstil führen. Die Befragten stellen Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts dar. Des Weiteren gehören sie dem Lebensstil des Veganismus unterschiedlich lange an. Die Interviewpartner befinden sich in unterschiedlichen Lebensphasen, um mögliche Unterschiede von Motiven und Beweggründen sowie deren Stimmungen über den Veganismus festzustellen. Tabelle 1 fasst die Interviewpartner mit ihren Daten zusammen. Die Interviews fanden auf freiwilliger Basis statt und wurden persönlich oder telefonisch durchgeführt. Die ersten drei Interviews fanden traditionell in einer Zweiersituation statt, d.h., dass nur zwei Personen am Interview teilnehmen, der Interviewer und der Befragte. Das vierte Interview fand mit zwei Befragten gleichzeitig statt, da diese in einer Partnerschaft leben und deren veganer Lebensstil somit im gleichen Lebensraum stattfindet. Wenn zwei oder mehr Interviewte gleichzeitig befragt werden, spricht man von einem „Gruppeninterview“ (Mey et al. 2007: 265). Die Rahmenbedingungen der Interviews sind Tabelle 1 zu entnehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Analyse der Entstehungssituation 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Analyse der Entstehungssituation 2

4.2.3 Formale Charakteristika des Materials

Die Interviews wurden während der Durchführung digital aufgezeichnet und anschließend ohne Software transkribiert. Dabei wurden die Transkriptionsregeln von Lamnek beachtet (Lamnek et al. 2016). Transkriptionen sind Verschriftlichungen gesprochener (Alltags-) Sprache (Strübing 2013: 105).

4.2.4 Richtung der Analyse

In einem weiteren Schritt muss die Richtung der Analyse beschrieben werden, denn bei sprachlichem Material können Aussagen in verschiedene Richtungen getroffen werden. So kann der im Text behandelte Gegenstand beschrieben werden, aber auch der Textverfasser oder die Wirkung auf die Zielgruppe. (Mayring et al. 2015: 58)

Durch die Interviews sollen die Befragten angeregt werden, über ihre vegane Lebensweise zu berichten. Grundsätzlich soll die Analyse das im Interview behandelte Thema bzw. den behandelten Gegenstand des Veganismus aus Sicht der befragten Personen berücksichtigen.

4.2.5 Theoretische Differenzierung der Fragestellung

Weiterhin kann durch die theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung festgelegt werden, was durch die Interviews herausgefunden werden soll. So wurde vorrangig abgefragt, wie sich der vegane Lebensstil der befragten Personen gestaltet, was deren Beweggründe sind und wie deren physische und psychische Verfassung durch den Lebensstil aussieht. Dabei soll besonders darauf geachtet werden, ob sich die Motive der Befragten mit den in der Literatur beschriebenen Motiven decken. Weiterhin soll berücksichtigt werden, welche Faktoren vegane Lebensstile gestalten. Theoriegeleitet bedeutet in diesem Fall, dass die Interviews mit einem aus der Theorie entwickelten Leitfaden durchgeführt wurden, dessen Kategorien dann auch in der Inhaltsanalyse berücksichtigt werden. (Mayring et al. 2015: 59/60)

4.2.6 Analysetechnik und Ablaufmodell

Im Folgenden musste die passende Analysetechnik sowie das Ablaufmodell bestimmt werden. Zuvor mussten jedoch die passenden Analyseeinheiten festgelegt werden. Dabei legt die sogenannte Kodiereinheit fest, welches der kleinste Textbestandteil ist, der zur Analyse herangezogen werden darf. Im Gegensatz dazu legt die Kontexteinheit den größten Textbestandteil fest. Im Falle dieser Arbeit stellt die kleinste mögliche Texteinheit ein Wort dar und ist somit die Kodiereinheit. Die Aussage einer Person auf eine Frage wurde als Kontexteinheit festgelegt. Diese können aus mehr als einem Satz bestehen und sich über mehrere Zeilen ziehen. Auch eine sprachliche Unterbrechung durch den Interviewer ist dabei denkbar. Zusätzlich legt die Auswertungseinheit fest, welche Textteile nacheinander ausgewertet werden, die bei dieser Arbeit die einzelnen Transkripte der vier Interviews darstellen. (Mayring et al. 2015: 61)

Grundsätzlich sind bei dem Umgang mit sprachlichem Material drei voneinander unabhängige Grundformen des Interpretierens zu unterscheiden. Die Zusammenfassung, die Explikation und die Strukturierung. Bei der zusammenfassenden Analyse wird versucht das gesamte Material zu berücksichtigen und durch systematisches Vorgehen auf das Wesentliche zu reduzieren. So soll ein überschaubarer Corpus geschaffen werden, der aber immer noch das ursprüngliche Material abbildet. Die Explikation dient durch zusätzliches Material zur genaueren Erläuterung von fraglichen Textstellen. Bei der Strukturierung sollen Aspekte aufgrund zuvor festgelegter Kriterien herausgefiltert werden. (Mayring et al. 2015: 67/68)

Als Interpretationsanalyse wurde bei dieser Arbeit die Zusammenfassung gewählt. Dabei wurde nach dem Ablaufmodell der zusammenfassenden Inhaltsanalyse von Mayring vorgegangen (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ablaufmodell Zusammenfassung (Mayring et al. 2015: 70)

Die im Ablaufmodell als Schritt eins beschriebene Bestimmung der Analyseeinheit fand bereits statt. In Schritt zwei, der Paraphrasierung, wurden alle vier Transkripte nacheinander Zeile für Zeile durchgegangen. Alle inhaltstragenden Textbestandteile wurden dabei auf eine einheitliche und grammatikalisch richtige Kurzform gebracht. Wiederholungen, ausschmückende sowie wenig inhaltstragende Bestandteile der Transkripte wurden gestrichen. Unter dem zuvor bestimmten Abstraktionsniveau konnten die Paraphrasen generalisiert werden. (Mayring et al. 2015: 70)

Die genaue Bestimmung des Abstraktionsniveaus oder auch Abstraktionsebene genannt, ist bei der zusammenfassenden Inhaltsanalyse ein wichtiger Bestandteil (Mayring et al. 2015: 69). Zu Beginn wurde das Niveau noch nicht zu hoch gesetzt. Die Paraphrasen waren somit noch sehr nah am Text formuliert. Anschließend fand die erste Reduktion statt, bei der bedeutungsgleiche Paraphrasen innerhalb einer Auswertungseinheit gestrichen wurden. Durch eine Heraufsetzung des Abstraktionsniveaus, können ebenfalls Paraphrasen gestrichen werden, die nun als unwesentlich erscheinen. Durch die zweite Reduktion können Paraphrasen zusammengefasst werden. Die Erhöhung der Abstraktionsebene war in diesem Falle dazu da, Aussagen zu verallgemeinern, so wurde beispielsweise „Vermeidung von Tierleid“ und „Schutz der Tiere“ unter dem Begriff Tierschutz zusammengefasst. Das Ablaufmodell besagt, dass bei großen Mengen die Schritte zwei (Paraphrasierung) bis fünf (zweite Reduktion) zu einem Schritt zusammengenommen werden können. (Mayring et al. 2015: 71/72)

Bei dieser Arbeit wurden aufgrund dessen schon bei der Durcharbeitung des Textes bedeutungsgleiche Textstellen nicht in die Paraphrasierung mit aufgenommen. Dennoch fanden die Generalisierung und die beiden Reduktionsschritte mit den vorhandenen Paraphrasen statt. Durch dieses Vorgehen konnten aus jedem Transkript Kategorien herausgearbeitet werden.

Zur weiteren Reduktion und zur besseren Zusammenfassung wurde das Abstraktionsniveau erneut heraufgesetzt. So konnten die einzelnen Kategorien im sechsten Schritt fallübergreifend zusammengeführt werden. Dazu wurden alle Kategorien, die aus den vier Transkripten gewonnen wurden, in ein Kategoriensystem übernommen. Durch eine erneute Generalisierung und Reduktion konnten fallübergreifende Kategorien gewonnen werden. Der letzte Schritt ist die Überprüfung der Repräsentativität der Kategorien durch eine Rücküberprüfung am Ausgangsmaterial. Erweist sich diese als erfolgreich, so ist das Ziel der zusammenfassenden Inhaltsanalyse erreicht. Die große Materialmenge der vier Transkripte konnte zusammengefasst und gekürzt werden. Um die Entstehung dieser Kategorien besser nachvollziehen zu können, wurde eine weitere Tabelle angelegt, in der zu jeder Kategorie passende Textstellen aus den Interviews aufgeführt wurden. Zur besseren Übersicht wurden die einzelnen Kategorien verschiedenen Oberkategorien zugeordnet, welche zum Teil anhand des Leitfadens und zum anderen Teil neu gebildet wurden.

5 Ergebnisse

Über die im vorherigen Abschnitt erläuterten Methoden, wurden Ergebnisse generiert. Im folgenden Kapitel werden diese, im Zuge der Thesis herausgearbeiteten Ergebnisse, dargelegt. Im ersten Teil des Kapitels wird auf die Ergebnisse der Literaturanalyse eingegangen, im zweiten Teil auf die der qualitativen Sozialforschung.

5.1 Ergebnisse der Literaturanalyse

Die Ergebnisse der Literaturanalyse lassen sich zunächst in die historische Entwicklung des Veganismus, die aktuelle Situation in Deutschland und der Welt sowie in allgemeine Merkmale unterteilen. Zudem wird auf die Motive eingegangen, die Betroffene zu einem veganen Lebensstil geführt haben.

5.1.1 Historische Entwicklung des Veganismus

In der Geschichte sind die Grenzen zwischen Vegetarismus und Veganismus nicht eindeutig voneinander abgegrenzt und eher fließend (Grube 2009: 25). Generell kann gesagt werden, dass es in den Millionen Jahren der Menschwerdung Phasen mit überwiegend vegetarischer Ernährung, als auch mit hohem Fleischkonsum gab (Leitzmann et al. 2010: 37).

„Die frühen Vorfahren des Menschen ernährten sich über Jahrmillionen überwiegend oder ausschließlich von Pflanzen. Erst in der Zeit der Sammler und Jäger wurde Fleisch fester, aber auch unsicherer Bestandteil der Kost“ (Leitzmann 2018: 31).

Im 6. Jahrhundert v. Chr. gingen die ersten bewussten Auseinandersetzungen mit der fleischlosen Ernährung von den Orphikern aus. Die sogenannte Orphik ist eine Mysterien- und Erlösungsreligion um die mythische Gestalt des Orpheus. Für die Anhänger stand das Leben in Enthaltsamkeit im Vordergrund. So vermieden sie den Verzehr von allem „Beseelten“ und verzichteten deshalb auf Fleisch sowie auf Eier. Mit dem Glauben kam ebenfalls das Verbot Wolle zu tragen auf. Zur gleichen Zeit legten im asiatischen Raum Menschen wie Buddha den Grundstein für eine fleischlose Ernährung. (Leitzmann 2018: 32 ff.)

Im alten Griechenland und im alten Rom stand der Verzicht von Fleisch im Gegensatz zur damals herrschenden Genusssucht (Biesalski et al. 2015: 350). Über eine vegetarische bzw. vegane Lebensweise im Mittelalter ist so gut wie nichts bekannt. Im Zeitalter der Industrialisierung, die Ende des 18. Jahrhunderts in England begann, gab es die ersten dokumentierten Veganer, die sich ausschließlich rein pflanzlich ernährten. Seit den 1850er Jahren stieg der Fleischkonsum stetig an, aber auch die Anzahl an Zivilisationskrankheiten. Diese Entwicklung brachte viele Kritiker in den Vordergrund, die die derzeitige Lebensweise vor allem aus gesundheitlichen Gründen kritisierten. In dieser und der folgenden Zeit wurden in England und Deutschland die ersten Zusammenschlüsse und Organisationen gegründet. Im Jahr 1884 gab es bereits elf Vegetarier-Vereinigungen in Deutschland. Dabei entstand auch der Vegetarierbund Deutschland, der heute noch unter dem neuen Namen proVeg existiert. Als Gegenstrom zur rasanten gesellschaftlichen Veränderung der Industrialisierung gelangte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Bewegung des Vegetarismus erstmals in Europa und den USA an die breite Öffentlichkeit. Die Anfänge des heutigen Veganismus werden demnach dem 19. Jahrhundert zugeschrieben. Nach dem zweiten Weltkrieg stieg ab den 1950er Jahren der Konsum der Bevölkerung an, bezeichnet wurde diese Entwicklung als „Fresswelle“. Ab ungefähr 1970 wurden die Bedrohung des globalen Ökosystems und Umweltschutzthemen populär, viele Vegetarier waren Teil einer aufkommenden Umweltschutz-Bewegung. In der Zeit von Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre ging der Fleischkonsum um mehr als 10% zurück, Grund dafür waren unter anderem Tierrechtsbewegungen. Seit dem Jahr 2000 ist eine pflanzliche Lebensweise immer populärer geworden. (Leitzmann 2018: 31 ff.)

5.1.2 Aktuelle Situation in Deutschland und der Welt

Wird der Blick auf die Ernährung der Menschen weltweit gerichtet, dann kann gesagt werden, dass sich ein großer Teil der Weltbevölkerung überwiegend pflanzlich ernährt. Jedoch sind Beweggründe für diesen Lebensstil, im Gegensatz zur westlichen Welt, meist ökonomische Zwänge oder der Glaube der Menschen. (Leitzmann 2018: 40)

Trotz der vielen Menschen, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, steigt der weltweite Fleischkonsum insgesamt an. Im Jahr 2018 lag dieser bei über 260.000 Tonnen, einbezogen wurden dabei Schweine-, Hühner-, Rind- und Kalbfleisch. (Statista 2019)

Diese weltweite Entwicklung hängt im Allgemeinen mit der sozialen Verbesserung der sogenannten Schwellenländer zusammen. Denn grundsätzlich kann gesagt werden, dass eine soziale Verbesserung zu einem Anstieg des Fleischkonsums führt. (Klottter 2016: 31)

Wird der Blick auf Deutschland gerichtet, so vollzog sich diese Entwicklung in den 1950er und 1960er Jahren. Da Fleisch zu diesem Zeitpunkt im Überfluss vorhanden war, fand ein Wandel in die entgegengesetzte Richtung statt, durch den sozial Bessergestellte auf den Konsum von Fleisch verzichteten (Klotter 2016: 31). Seit dem Jahr 2011 sinkt der Fleischkonsum in Deutschland (Fleischatlas 2018: 12). Weiterhin kann die rein pflanzliche Ernährungsweise betrachtet werden. Wie bereits erwähnt, ernährt sich ein großer Teil der Weltbevölkerung überwiegend pflanzlich. In Deutschland verzichtet ein eher geringer Anteil auf tierische Produkte, was folgende Zahlen belegen. Im Jahr 2016 ernährten sich rund 9% der deutschen Bevölkerung vegetarisch (Statista 2016). Die Angaben über die Anzahl an Menschen, die komplett auf tierische Lebensmittel verzichten gehen weit auseinander. In der Position „Vegane Ernährung“ der DGE wird davon ausgegangen, dass sich in Deutschland zwischen 81.000 und 810. 000 Menschen für eine vegane Lebensweise entschieden haben (Richter et al. 2016: 1). Laut einer Befragung des Marktforschungsinstituts Skopos ernähren sich rund 1,6% der deutschen Bevölkerung vegan, das entspricht einer Anzahl von 1,3 Millionen Menschen (Skopos 2016).

Grundsätzlich ist bei dieser Gegenüberstellung jedoch wichtig, dass die Beweggründe für einen pflanzlichen Lebensstil weltweit anderen Aspekten zu Grunde liegen, als in Deutschland. Wie schon angesprochen, ist der hohe Anteil an Menschen, die sich weltweit überwiegend pflanzlich ernähren, meist auf Armutsverhältnisse oder den Glauben zurückzuführen (Leitzmann 2018: 40). Wohingegen in Deutschland eine pflanzliche Ernährungsweise meist mit einer bewussten Entscheidung zusammenhängt (Leitzmann 2018: 20 ff.). Unterschiedliche Motive können einer solchen Entscheidung zugrunde liegen, die im weiteren Verlauf der Arbeit herausgestellt werden.

5.1.3 Allgemeine Merkmale

In der Vergangenheit waren die Grenzen zwischen Vegetarismus und Veganismus nicht eindeutig. In der heutigen Zeit kann grundsätzlich gesagt werden, dass der Vegetarismus keine homogene Ernährungsform darstellt. In der Einleitung wurde aufgeführt, dass unter dem Begriff des Vegetarismus vielmehr verschiedene Ernährungsformen zusammengefasst werden können. Diese unterscheiden sich in der Lebensmittelauswahl, vor allem aber in ihren Zielen und Beweggründen. Als strenge Form des Vegetarismus, wird der Veganismus zu einer dieser Ernährungsformen gezählt, die unter diese Begrifflichkeit fallen. (Leitzmann et al. 1996: 20 ff.)

Laut Leitzmann treffen auch soziodemografische Merkmale von Veganern gleichermaßen auf Vegetarier zu. So ist der durchschnittliche Veganer bzw. Vegetarier weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und lebt in einer größeren Stadt. Die stärkere Auseinandersetzung mit ihrem Körper, ihrer Gesundheit und Ernährung vieler Frauen, wird als Grund dafür gesehen, dass eine pflanzliche Ernährung eher vom weibliche Geschlecht verfolgt wird. Die kulturelle Bedeutung von männlicher Kraft und Stärke, die mit dem Fleischverzehr assoziiert wird, hält auch in unserer heutigen Gesellschaft viele Männer von einer pflanzlichen Ernährung ab. (Leitzmann 2018: 19 ff.)

Der von Leitzmann beschriebene Durchschnitts-Veganer wird von Daten des Marktforschungsinstituts Skopos unterstrichen. So ist die Gruppe der Veganer in Deutschland zu 81% weiblich, nur 19% der Veganer in Deutschland sind Männer. Meist entscheiden sich jüngere Menschen zum Veganismus. 60% der deutschen Veganer sind 20-39 Jahre alt. (Skopos 2016)

5.1.4 Motive einer veganen Lebensweise früher und heute

Der Veganismus ist weit mehr als nur eine Ernährungsweise, er entspricht einer ganzen Lebensweise. Veganer entscheiden sich bewusst dafür, keine tierischen Produkte zu verzehren und auf rein pflanzlicher Basis zu leben. Ihr Lebensstil betrifft jedoch nicht nur die Ernährung, sondern hinterfragt auch andere Bereiche ihres Lebens. Trotz der Tatsache, dass Personen, die sich pflanzlich ernähren, alle zur Gruppe der Veganer gezählt werden, sind nicht alle von ihnen gleich. So liegen unterschiedliche Erfahrungen, Lebensumstände und Erwartungen vor, aus denen sich verschiedene Motive für die Wahl zu einem veganen Lebensstil entwickeln. (Leitzmann 2018: 20 ff.)

Die Ernährungsweise unserer frühen Vorfahren wurde im Gegensatz zur heutigen Zeit durch das vorhandene Nahrungsangebot bestimmt, das vor allem von geografischen, klimatischen und weiteren Faktoren abhängig war. Heutige Überlegungen von Menschen, die sich für den Vegetarismus bekennen, spielten damals keine Rolle. (Leitzmann et al. 2010: 37)

Motive für eine vegetarische/vegane Ernährung waren in der Vergangenheit vor allem durch das vorhandene Nahrungsangebot bestimmt (Leitzmann et al. 2010: 37). Weiterhin standen in der historischen Entwicklung ethisch-moralische und religiöse Beweggründe im Mittelpunkt. Erst im 19. Jahrhundert entwickelten sich zusätzlich ökologische, ökonomische und gesundheitliche Motive. (Grube 2009: 33)

Laut dem Marktforschungsinstitut Skopos sind gesunde Ernährung, Rechte der Tiere, Klimaschutz und Welternährung die meistgenannten Gründe für eine vegane Lebensweise. Dabei steht für viele der Aspekt Tierschutz an erster Stelle, welcher für 61% der Befragten das wichtigste Motiv darstellt. Die Gesundheit ist dagegen nur für 8% der wichtigste Punkt. (Skopos 2016)

Eine Änderung des Lebensstils zum Vegetarismus bzw. Veganismus hängt laut Leitzmann meist mit dem Erhalt von Informationen zusammen. Im Allgemeinen verläuft die Umstellung meist langsam und schrittweise. Allerdings können bestimmte Schlüsselerlebnisse auch zu einer spontanen und schnellen Änderungen der Ernährungsweise führen. (Leitzmann et al. 1996: 20).

Grundsätzlich kann dazu gesagt werden, dass heute meist ein Schlüsselerlebnis, Medienberichte oder ein Gespräch mit einem Veganer, zur Entscheidung beigetragen hat, fortan vegan zu leben (Leitzmann 2018: 20 ff.). Weiterhin wird beschrieben, dass eine Umstellung langandauernd und beschwerlich sein kann, auf Grund dessen, dass viele angehende Vegetarier/ Veganer auf Wiederstand und Unverständnis stoßen (Leitzmann et al. 1996: 36).

Im Folgenden werden einige Motive genauer dargestellt. Thematisiert werden dabei Motive der Ethik, Gesundheit, Ökonomie, Ökologie und Religion.

5.1.4.1 Motive der Ethik

Seit der Antike bestehen ethisch-moralische Aspekte, die für eine vegane Lebensweise sprechen, bis heute ist das eines der wichtigsten Motive (Grube 2009: 35). Der Begriff Ethik kommt aus dem Griechischen und ist auf den Philosophen Aristoteles zurückzuführen, der diese Bezeichnung erstmals verwendete. Das Wort Ethik geht auf das griechische Wort „ethos“ oder auch „aethos“ zurück und steht für Sitte, Brauch oder Gewohnheit. Somit ist damit das Handeln gemäß den im antiken Stadtstaat allgemein geltenden Handlungsregeln gemeint. Genauer beschreibt das ethische Handeln ein Verhalten, das aus Überlegung und Einsicht hervorgeht und somit dazu führen soll, dass in jeder Situation das Richtige getan wird. (Fenner 2008: 3)

Laut Leitzmann ist „das wichtigste Motiv der Veganer, die ethische Überzeugung, dass es ein Unrecht ist, Tiere auszubeuten und sie zu töten“ (Leitzmann 2018: 23).

So tritt im Veganismus der Tierschutz in den Bereich der Ethik. Der Begriff Tierschutz bezeichnet die Gesamtheit der gesetzlichen Maßnahmen zum Schutz von Tieren vor Quälerei, Aussetzung, Tötung ohne einsichtigen Grund (Duden 2019). Der §1 des deutschen Tierschutzgesetzes besagt:

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ (Bundesamt für Justiz: 2019).

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Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Veganismus als Lebensstil. Wie vegane Ernährung die gesamte Lebensweise beeinflusst
Autor
Jahr
2020
Seiten
86
Katalognummer
V510250
ISBN (eBook)
9783964871831
ISBN (Buch)
9783964871848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vegan, Vegetarismus, Tierschutz, Klimawandel, Ethik, Biodiversität
Arbeit zitieren
Marie Busch (Autor), 2020, Veganismus als Lebensstil. Wie vegane Ernährung die gesamte Lebensweise beeinflusst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510250

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