Die Weltmarktfabrik im Globalisierungskontext


Masterarbeit, 2006

69 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung

2. Globalisierung
2.1. Begrifflichkeit
2.1.1. Kapital- und Warenverkehr
2.1.2. Globalisierung der Kultur
2.2. Neoliberalismus
2.2.1. Ordoliberalismus
2.2.2. Monetarismus
2.3. Global Sourcing
2.4. Local Buying/ Beschaffungsstrategie

3. Standortmanagement
3.1. Standorttheorie
3.2. Standortstrukturtheorien
3.3. Theorien der unternehmerischen Standortwahl
3.4. Verhaltenswissenschaftliche Ansätze
3.5. Allgemeine Gleichgewichtstheorie
3.6. Standortplanung

4. Internationales Standortmanagement
4.1. Der Weltmarkt
4.2. Die Weltmarktfabrik
4.3. Systemdienstleister
4.4. Produktionsstandorte
4.5. Die Parallelproduktion
4.6. Die Verbundsproduktion
4.7. Produktionsstufen
4.8. Produktionsverbundsysteme
4.8.1. Schlankes Management
4.8.2. Kooperation und Kooperationsverbünde
4.9. Geographische Dezentralisierung

5. Ausdehnung des Welthandels
5.1. Geschichte der Globalisierung
5.1.1. Neoliberaler Positionen
5.1.2. Globalisierung als Krisenstrategie
5.2. Vom Multi- zum Transnationalen Konzern
5.2.1. Umfang der transnationalen Konzerne
5.2.2. Die drei Phasen der Entwicklung
5.2.3. Trendwandel in den 1980ern
5.3. Kritik an Weltmarktfabriken
5.3.1. Arbeitsbedingungen
5.3.2. Flexibilisierung der Arbeitsmärkte
5.4. Transnationale Netzwerke
5.4.1. Hierarchien
5.4.2. Dezentralisierung
5.4.3. Know How und Fusionen
5.4.4. Strategische Allianzen
5.4.5. Handel, Geld und Investitionen
5.4.6. Länder im Norden und Süden
5.4.7. Umwelt und Arbeitsbedingungen

6. Fragmentierungsgrad der Produktion
6.1. Nationale Verbundproduktion
6.2. Nationale Parallelproduktion
6.3. Internationaler Produktionsverbund
6.4. Internationale Parallelproduktion

7. Produktionssysteme
7.1. Toyota Produktionssystem (TPS)
7.2. Just in Time Fertigung (JIT)
7.3. Autonomation (Jidoka)
7.4. Kaizen

8. Schlussbetrachtung

Personenverzeichnis/Begriffserläuterung

1. Einführung

1.1. Problemstellung

Zu den wichtigsten ökonomischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zählen die Intensivierung der weltwirtschaftlichen Vernetzung und die zunehmende Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit. Fast doppelt so schnell wie das reale Welt-Bruttosozialprodukt wächst seit Jahren das Welthandelsvolumen. Mehr als zwanzig Prozent der weltweit produzierten Güter werden heute grenzüberschreitend gehandelt. Die treibenden Kräfte hinter Exportboom und Globalisierungsschub liegen in der zunehmenden Angleichung der Kaufkraft und den wachsenden Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten. Diesem Sog kommt auch ein starker Druck von der Anbieterseite entgegen, da schnell steigende Entwicklungs- und Fertigungskosten sich in immer kürzeren Produktlebenszyklen getilgt werden müssen, so dass ausreichendes Absatzvolumen nur bei Bedienung internationaler Märkte zu erzielen ist.

1.2. Gang der Untersuchung

Vor dem Hintergrund dieser Problematik gliedert sich die Arbeit in sechs Hauptteile. Der erste Teil dient der begrifflichen Erläuterung der Globalisierung, der zweite Teil mit der begrifflichen Erläuterung des Standortmanagements. Hieraus lässt sich bereits ableiten, wie das konzeptionelle Planen in einer Weltmarktfabrik voran geht. Der dritte Hauptteil beschäftigt sich mit dem internationalen Standortmanagement, beleuchtet in Grundlagen einzelne Produktionssysteme und gibt Beispiele für Weltmarktfabriken des 21.Jahrhunderts. Das vierte Kapitel systematisiert die Ausdehnung des Welthandels, die Entstehung von transnationalen Konzernen und Netzwerke und beleuchtet auch Kritikpunkte, mit denen sich Unternehmen dieser Größe auseinander zu setzen haben. Die letzten beiden Kapitel umfassen den Fragmentierungsgrad der Produktion sowie geben Aufschluss auf verschiedene Produktsysteme, welche neben den Maschinen, Betriebsmittel, Produktionsstätten, etc. auch das Regelwerk und die Methode darstellen, nach denen bestimmte Prozesse in der Produktion geführt werden

Die Schlussbetrachtung betrachtet nochmals die Arbeit und gibt einen Ausblick für die Zukunft.

2. Globalisierung

2.1. Begrifflichkeit

Der aus der Ökonomie und Soziologie stammende Begriff Globalisierung, der 1961 erstmals in einem englischsprachigen Lexikon auftaucht, dringt nach 1990 in die öffentlichen Debatten und bezeichnet einen mehrdimensionalen Prozess der Zunahme der nationenübergreifenden, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen.

Der Begriff der Globalisierung definiert nicht nur einen Zustand sowie einen Prozess, sondern zugleich die Folgen derselben und wird dadurch schwerer verständlich, aber auch universeller verwendbar. Die Grundlage der globalen Ökonomie besteht in einem neuen weltumspannenden (globalen) Wettbewerb und Wirtschaften. In dieser vernetzten Wirtschaft beziehen sich Kapitalströme, Arbeitsmärkte, Management, Informationen, Organisation und Rohmaterial auf verschiedene Länder; sie sind internationalisiert sowie vollständig und wechselseitig voneinander abhängig.[1]

Eine andere, wenig gebräuchliche Bezeichnung ist Mondialisierung (nach dem im Französischen bevorzugten Begriff Mondialisation). Einige bezeichnen den beschriebenen Prozess nicht als Globalisierung, sondern als Entnationalisierung oder Denationalisierung, um auszudrücken, dass der Nationalstaat im Zuge der Globalisierung immer mehr an Macht und Bedeutung verliert.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-1: Globalisierung

2.1.1. Kapital- und Warenverkehr

Der weltweite statistisch nachweisbare Warenhandel stieg zwischen 1950 und 1998 um das 17-fache, während die statistisch dokumentierte Produktion von Gütern sich nur um das sechsfache vergrößerte. Als ein Beleg für die Globalisierung der letzten Jahrzehnte kann die Zahl der direkten Auslandsinvestitionen zwischen 1970 und 1998 angesehen werden, welche von 21 auf 227 Milliarden US-Dollar stiegen.

- Einfluss der Industriestaaten - Industrieländer brauchen eine globale Weltwirtschaft, um ihre spezialisierten hochqualitativen Waren auf größeren, weniger gesättigten Märkten absetzen zu können. So beträgt z. B. der Exportanteil des deutschen Maschinenbaus 70 Prozent. Im Gegenzug wollen die Länder, in die diese Waren exportiert werden, ihre Waren in den Industrieländern absetzen können. Dabei ist die staatliche Handlungsfähigkeit dadurch eingeschränkt, dass es bei zu hohen Steuern zu Firmenabwanderung kommt und andererseits die Staatsverschuldung begrenzt bleiben muss. Dies bedeutet letztlich einerseits einen Impuls, aber auch einen begrenzten Handlungsspielraum der Politik für unliebsame, aber vielleicht notwendige Veränderungen (Sozialabbau, z. B. Rentenkürzungen).
- Einfluss der Schwellenländer - Es zeigen sich Chancen auf Anschluss an die Weltwirtschaft und verhältnismäßigen Wohlstand durch relativ niedrige Löhne bei relativ niedrigen Lebenskosten. Andererseits drastischer Niedergang von nicht wettbewerbsfähigen Unternehmen in diesen Ländern wie zum Beispiel China. Diese Länder haben ein hohes Rohstoffvorkommen.
- Einfluss der Entwicklungsländer - Durch politische Instabilität und schlechte Infrastruktur ist selbst bei niedrigsten Löhnen eine Produktionsverlagerung in diese Länder nicht immer wirtschaftlich lohnend. Somit entsteht eine Abgrenzung von der Globalisierung, und weitere Rückständigkeit. Zudem wird durch Einfuhrzölle der Industriestaaten und Förderung der dortigen Bauern ein Export von landwirtschaftlichen Produkten weitestgehend unterbunden, was zu weiterer Verarmung führt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-2: Entwicklungsländer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Entwicklungsländer

Quelle: Human Development Report 2004

- Rolle von produzierenden Unternehmen - Um die Existenz der Firma zu sichern, sind diese zum Teil zur Arbeitsplatzverlagerung gezwungen,. Andere Firmen handeln nur aus Profitdenken. Führungen von Aktiengesellschaften sind zum reinen Profitdenken verpflichtet. Durch lokale Entscheidungen von Firmen ändern sich in der Summe globale Parameter; durch die profitable Arbeitsstättenverlagerung vieler Firmen steigen in Deutschland die Arbeitslosenversicherungsabgaben, und die Verbrauchermärkte schrumpfen. Einige Firmen und Branchen sind machtlos der Globalisierung ausgeliefert, wie zum Beispiel Speditionsbetriebe oder In- und Exportunternehmen.
- Einfluss von Banken und Finanzwesen - Diese gelten dank moderner elektronischer Datenverarbeitung als die Hauptbeschleuniger der Globalisierung und Fortschritts in der Industrienalisierung, denn es lassen sich Milliardenbeträge innerhalb von Sekunden über den Globus verschieben. Andererseits stehen sie selbst unter einem globalen Wettbewerbsdruck, der sie zu Geldanlagen mit den höchsten Profitchancen ohne Rücksicht auf soziale Folgen zwingt. Die eigentliche Macht haben somit die, die das Geld haben, ihnen steht es frei ihre Finanzmittel auch sozial- und umweltverträglich bei etwas geringeren Zinsen z. B. bei der Gemeinschaftsbank anzulegen.
- Macht und Verantwortung von Verbrauchern - Diese können entscheiden zwischen dem Kauf von Fair-trade -Produkten oder einer „Geiz ist geil“ -Mentalität (siehe Werbung Media-Markt). Die Bevorzugung von im eigenen Land produzierten Produkten kann sinnvoll sein, um mit eigenem Verhalten die heimische Volkswirtschaft zu stärken.
- Auswirkungen auf die Umwelt - Durch Produktionsverlagerung in Länder mit den niedrigsten Umweltstandards. Überproduktion von Waren ohne existenzielle Bedeutung von teilweise minderer Qualität aus Billiglohnländern verschwendet die Ressourcen der Erde.
- regionale Ausbildungen der Globalisierung - Die EU-Osterweiterung lässt eine Arbeitsplatzverlagerung in Länder mit den niedrigsten Produktionskosten befürchten. Andererseits fließt von Deutschland aus Kapital in Länder mit niedrigeren Steuern (Schweiz, Österreich). In anderen Regionen laufen ebenfalls Entwicklungen zu Freihandelsräumen: in Nordamerika die NAFTA-Zone, in Südamerika der Mercosur und in Asien der ASEAN-Raum.
- Die Zahl der Personen-Kilometer im internationalen Flugverkehr hat sich seit 1950 mehr als verhundertfacht, so auch die Menge der Luftfracht. Der Umfang der im Schiffverkehr transportierten Güter steigt seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stark. Mit der Ausweitung des Zug-, Automobil- und Luftverkehrs weiten sich der grenzüberschreitende Personenverkehr und der Tourismus aus.
- Die Zahl der Telefonanschlüsse am weltweiten Telefonnetz hat sich seit 1960 verzehnfacht. Neben dem Telefon entwickeln sich mit dem Mobiltelefon, der VoIP-Telefonie, dem Videoconferencing, dem Fax und dem Internet neue Kommunikationstechnologien. Internetbasierende Telefonie ermöglicht eine global vernetzte Zusammenarbeit durch eine praktisch kostenlose permanente Kommunikationsverbindung in hoher Qualität. Vor allem über das Internet haben sich die grenzüberschreitenden Kommunikationsprozesse vervielfacht und die Zahl der Internetanschlüsse steigt weiter exponentiell, allerdings über den Globus sehr ungleich verteilt und in totalitär regierten Ländern streng überwacht.[3]

2.1.2. Globalisierung der Kultur

Befürworter einer Globalisierung der Kultur sehen darin eine Entwicklung zur weltweiten Verfügbarkeit von Elementen aller Kulturen (beispielsweise Restaurants deutscher Tradition in Amerika, amerikanische Musik in Deutschland, die Inbesitznahme der englischen oder französischen Sprache durch ehemalige Kolonien). Die Verdrängung der einheimischen Kulturen spiele sich, sagen sie, häufig nur auf einer oberflächlichen Ebene ab. Einflüsse würden lokal modifiziert und in die eigenen kulturellen Wertvorstellungen eingebunden. Außerdem verbessere sich die Situation von vielen Menschen, bzw. Menschengruppen durch den Kontakt mit der westlichen Kultur, so dass sich eine „universale“ Kultur herauskristallisiert.

Kritiker sehen aus ihrer Sicht in der bestehenden „westlichen“ Dominanz die Ausbreitung „westlicher“ Wertvorstellungen und Lebensstile. Eine massive Verbreitung dieser Werte finde vor allem über das Fernsehen und das Kino statt, aber auch Musik und Mode würden weltweit vom Westen beeinflusst. Der Massentourismus in die exotischen Urlaubsländer allerdings führe – so die Kritiker – dort immer häufiger zum deutlichen Rückgang der kulturellen Traditionen, weil im Zuge einer wachsenden Abhängigkeit fast nur noch für die Touristen gelebt und gearbeitet werde. Beispiele hierfür sind sicherlich der starke Tourismus in südasiatischen Ländern, aber auch in Nordafrika.

Globalisierung führt aber nicht nur zu einer Verbreitung der „westlichen“ Kultur, sondern auch der globale Einfluss „östlicher“ Kulturen wird deutlicher. „Westliche“ Unternehmer und Politiker führen öfter die für sie im „östlichen“ Ausland besseren Umgebungsbedingungen an und stellen damit das, was für „westlich“ gehalten wird, teilweise in Frage. Das Verhalten eines Teils der „asiatischen“ Arbeitnehmer beispielsweise wird im „Westen“ nicht selten als positives Beispiel für die Wirkung „asiatischer Werte“ gesehen, die als „Dynamik“ verstanden wird, von denen man lernen könne.

So stößt nicht nur die Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen und Lebensstile auf Kritik, sondern andererseits sehen sich auch konservativere Vertreter einer Kultur, die sie als „christlich-abendländische“ Kultur charakterisieren, von Globalisierungseffekten bedrängt. Die Auswirkungen dieser Ängste zeigen sich dann beispielsweise in der Diskussion um Quotenregelungen bei Rundfunkanstalten für deutschsprachige und nicht deutschsprachige Musik oder hier zu Lande in der Debatte um "Leitkultur" oder der "Kopftuchdebatte".

Die Globalisierung macht die Arena nicht nur freier für den Kampf der Kulturen selbst, sondern wir erleben – weil Toleranz in unterschiedlichen Kulturen einen unterschiedlichen Stellenwert hat – auch einen harten Kampf um die Spielregeln des Kulturkampfes.

2.2. Neoliberalismus

Als Neoliberalismus bezeichnet man zusammenfassend ein sozialphilosophisches und wirtschaftspolitisches Konzept, das auf dem klassischen Liberalismus und der neoklassischen Theorie basiert und den Einfluss des Staates auf das Wirtschaftsgeschehen minimieren will, im Unterschied zum Laissez-faire des klassischen Liberalismus allerdings ein regulierendes Eingreifen des Staates zur Sicherstellung funktionierender Märkte als notwendig ansieht.

Der Begriff Neoliberalismus wurde von den Ökonomen Friedrich Hayek, Wilhelm Röpke, Walter Eucken und anderen auf einer Konferenz in Paris im Jahre 1938 im Zuge der Entwicklung eines Konzepts für eine langfristige Wirtschaftspolitik geprägt, welche sich als Mittelweg zwischen reinem Kapitalismus und Sozialismus verstand. Demnach sind Eingriffe in die Wirtschaft nur dann gerechtfertigt und notwendig, wenn sie beispielsweise Marktverzerrungen durch Monopole oder Kartelle verhindern.[4]

2.2.1. Ordoliberalismus

Als Ordoliberalismus bezeichnet man die deutsche Variante des Neoliberalismus. Als Grund für die Notwendigkeit einer Rahmenordnung sieht der Ordoliberalismus die Tendenz ungeregelter Märkte, den eigenen Wettbewerbsmechanismus aufzulösen. Anbieter schließen sich zusammen, bilden Kartelle und Preisabsprachen, streben nach Monopolen und können so den Markt diktieren. Schädigungswettbewerb kann das Übergewicht gegenüber Leistungswettbewerb erlangen. Die Aufgabe des Staates ist es, einen Ordnungsrahmen zu entwickeln, der faktisch vor allem aus Kartell- und Wettbewerbsgesetzen besteht, Markttransparenz und freien Marktzugang fördert sowie für Preisniveaustabilität sorgen soll. Dies beschreibt die soziale Marktwirtschaft, bei der der Sozialgedanke und das Leistungsprinzip miteinander kombiniert werden soll. Wichtiges Ziel des Ordoliberalismus ist dabei eine De-Monopolisierung.[5]

2.2.2. Monetarismus

Außerhalb des deutschen Sprachraums war die ordoliberale Variante des Neoliberalismus nie sehr bekannt, dort und mittlerweile auch hier werden mit Neoliberalismus vor allem die Ideen des Monetarismus der Chicagoer Schule mit ihrem bekanntesten Vertreter Milton Friedman verbunden. Der Monetarismus geht grundsätzlich von der Stabilität des privaten Sektors aus. Eine Begründung für das Vertrauen in den Markt und in die Privatwirtschaft finden wir bei Karl Brunner in „The Monetarist Revolution, 1973“: „Der private Sektor federt Ausschläge ab und formt sie in eine stabilisierende Bewegung um […] die Hauptinstabilitäten und Unsicherheiten des ökonomischen Prozesses [gehen] auf das Verhalten des staatlichen Sektors zurück. Die Unsicherheiten sind im Besonderen den Steuer- und Ausgabenprogrammen zuzurechnen sowie den Maßnahmen eingreifender Instanzen. Die Instabilität ist vor allem der Geld-, Kredit- und Fiskalpolitik zuzuschreiben.“ Auch bei der Entstehung von Monopolen vertraut der Monetarismus, im Unterschied zum Ordoliberalismus, auf den freien Markt und geht davon aus, dass auf lange Sicht die Selbstregulierungsmechanismen des Marktes zu einem Marktgleichgewicht führen werden.[6]

2.3. Global Sourcing

Der weltweite Einkauf ist heute fundamentaler Bestandteil einer marktorientierten Beschaffungspolitik. Unter dem derzeitigen Kostendruck vieler Unternehmen ist das Auffinden von weltweit günstigen Beschaffungsquellen fast die einzige Chance, sich mit seinen Produkten am Markt zu behaupten. Gleichzeitig gilt es, neue internationale Produktionsstandorte mit einer lokalen Lieferantenbasis zu unterstützen und wirtschaftlich zu gestalten. Hier gilt das Motto: global production with local supply source . Es ist daher mehr als nur die Suche nach den weltweit günstigeren Beschaffungsquellen. Der Zugriff auf weltweite Technologie- und Prozesskenntnisse, Erfüllung von Local Contents, Erweiterung der weltweiten Lieferantenbasis, Unterstützung der globalen Vertriebs- und Produktionsstrategien und die Überprüfung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Umfeld sind nur einige Gründe, warum Global Sourcing bei vielen Unternehmen ganz an den Anfang der Prioritätenliste gesetzt wird.

Der immer härter werdende internationale Wettbewerb und die damit verbundene Globalisierung nahezu aller Bereiche der Wirtschaft zwingen den Einkäufer, sich auch außerhalb der Grenzen Deutschlands und damit in anderen Rechts-, Sprach- und Kulturbereichen nach günstigen Beschaffungsmöglichkeiten umzusehen.[7]

2.4. Local Buying/ Beschaffungsstrategie

Das Gegenstück zum Global Sourcing, das Local Buying, die Beschaffung in nationalen und regionalen Märkten, wird durch den verstärkten weltweiten Einkauf ebenfalls beeinflusst. Die lokalen Hersteller in der Nähe können langfristig nur überleben, wenn sie sich an den Weltmarktpreisen und Weltmarktleistungen orientieren bzw. durch neue und innovative Dienstleistungen Kundenbeziehungen aufbauen und festigen können. Die Automobilbranche zeigt dabei den Weg in die Internationalisierung. Zuerst folgten die ersten Zuliefererunternehmen den Automobilherstellern, heute sind es eine Vielzahl mehr Lieferanten, die sich nach Osteuropa, Amerika oder Asien begeben. Wird dieser Weg nicht begangen, werden lokale Anbieter wesentliche Marktanteile erobern und deutsche Zulieferer vom Markt verdrängen.[8]

3. Standortmanagement

3.1. Standorttheorie

Standorttheorien gehören zu den Raumwirtschaftstheorien der Wirtschaftsgeografie. Sie untersuchen das Standortverhalten der Wirtschaftssubjekte – wie Haushalte, Unternehmen und auch staatliche Einrichtungen sich an einem bestimmten Ort ansiedeln –, und versuchen dieses Verhalten in Modellen darzustellen.

3.2. Standortstrukturtheorien

Standortstrukturtheorien fragen nach der optimalen Anordnung von Betrieben im Raum und deren Veränderung mit der Zeit. Zu den Standortstrukturtheorien gehören die Thünenschen Kreise des Johann Heinrich von Thünen und das von Walter Christaller entwickelte System der Zentralen Orte.

- System der Zentralen Orte

Die Theorie eines Systems zentraler Orte wurde in den dreißiger Jahren des 20.Jahrhunderts vom deutschen Geographen Walter Christaller entwickelt. In seinem Modell entwickelt sich in idealtypischen, homogenen Räumen eine Struktur zentraler Orte auf unterschiedlichen Hierarchiestufen. Zentrale Orte höherer Hierarchiestufe, wie z.B. größere Städte. weisen dabei Ausstattungsmerkmale auf, die den zentralen Orten niedrigerer Hierarchiestufe fehlen. Ein Zentraler Ort weist damit einen Bedeutungsüberschuss für das ihn umgebende Ergänzungsgebiet auf. Christaller bestimmte die Zentralität oder den Bedeutungsüberschuss eines Ortes als das Verhältnis zwischen den Diensten, die insgesamt bereitgestellt werden (für den Ort und sein Ergänzungsgebiet) und den Diensten, die nur für die Bewohner des zentralen Ortes selbst benötigt werden. Je höher die Zentralität eines Ortes, desto größer ist die Anzahl von Dienstleistungen je Bewohner.[9]

3.3. Theorien der unternehmerischen Standortwahl

Die Theorien der unternehmerischen Standortwahl beschäftigen sich mit dem optimalen Unternehmensstandort.

Grundlegend für das Problem des optimalen Betriebsstandortes ist in der freien Marktwirtschaft das Gewinnmotiv, es wird der Ort gewählt, an dem sich der größtmögliche Profit erwirtschaften lässt. Die Vergrößerung des Marktanteils, und Zukunftssicherheit spielen aber auch eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Stehen diese Ziele fest, kann nach diesen Kategorien der optimale Standort gewählt werden. Dazu sind die Voraussetzungen (Standortfaktoren) auf verschiedenen räumlichen Ebenen zu vergleichen. Es gilt zu untersuchen, welches Land, welche Region und welche Gemeinde am Besten geeignet für eine Neuansiedlung sind.

Standortentscheidungen der Automobilindustrie werden heute in starkem Maße durch zwei Faktoren beeinflusst:

1. durch neu entstehende Absatzmärkte („emerging markets“) und
2. durch das Verlangen der nationalen Regierungen nach „local content“! Dieser wird zum Schutz der eigenen Arbeitsplätze auch von Industrienationen gefordert und ist keineswegs mehr ein Privileg der „emerging markets

Auch werden in den Werken der Automobilindustrie , so weit wie möglich, moderne Fertigungsverfahren wie Just in Time (JIT) eingesetzt, welche den Trend fördern, weitere Wertschöpfungsprozesse wie Forschung und Entwicklung in Schwellenländer zu verlagern.

Zeitgleich findet in dieser Branche ein wachsender Wandel von „international verteilten“ zu „global vernetzten“ Fertigungsstrukturen statt. Die Forderung nach „common tooling“, der Einsatz von weltweit einheitlichen Werkzeugen, welche an jedem Standort der Welt eingesetzt werden können, wird lauter.

- Neoklassische Standorttheorie

Alfred Weber stellte in seiner grundlegenden Arbeit Über den Standort der Industrien (1909) ein Modell zur Ermittlung optimaler Standorte für den industriellen Einzelbetrieb auf, das wesentlich vom Standortfaktor Transportkosten beeinflusst ist. Zu seinem Modell wurde von Anfang an kritisch bemerkt, dass seine Prämissen eher realitätsfern sind, so setzt Weber zum Beispiel ein unbegrenztes Arbeitskräfteangebot oder vollständige Information der Entscheidungsträger über die räumliche Verteilung der Märkte und der Standortfaktoren voraus. Auch ist Webers Theorie stark auf die Transportkosten als wesentlichen Faktor der Standortentscheidung ausgelegt und vernachlässigt damit alle anderen Produktionsfaktoren.

1956 erweiterte Walter Isard Webers Standorttheorie um Andreas Predöhls Substitutionsprinzip und wertete damit die Standortentscheidung zu einer Substitutionsentscheidung zwischen Produktionsfaktoren in einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell um.

David M. Smith erweiterte diese Theorie um ein variables Kostenmodell, so dass im Rahmen eines Totalmodells alle raumabhängigen Kosten und Erlöse der Unternehmen betrachtet werden können. Smith führte auch Aspekte wie unternehmerisches Können, Regionalpolitik und regionale Steuern in das Modell ein.

Durch ihre Erweiterungen wurde die neoklassische Standorttheorie aussagekräftiger. Einige der bereits bei Weber kritisierten Vorraussetzung führen jedoch dazu, dass sich nicht alle tatsächlichen unternehmerischen Standortentscheidungen vernünftig durch neoklassische Modelle erklären lassen.

3.4. Verhaltenswissenschaftliche Ansätze

Theorie von Allan Pred

Während die neoklassischen Theorien sämtlich implizit von einer objektiven Sichtweise und einem einheitlichen Informationsstand ausgingen, unterstellte der US-amerikanischer Geograph Allan Pred, (Professor für Geographie an der Universität Berkeley) dass Unternehmer über verschiedene Informationen und Fähigkeiten zur Standortwahl verfügen.

Grundlegend für die Standortentscheidung der einzelnen Unternehmung ist in diesem Modell die Qualität von Entscheidungsfindungen, die er empirisch untersuchte. Preds Schlussfolgerungen waren:

- Informationsgewinnung: Sie ist mit Kosten verbunden und daher abhängig von den verfügbaren Ressourcen. Die Aufnahme von Informationen durch den Menschen ist als Filtern von geeignet erscheinender Information aus den unendlich vielen Informationen der Umwelt ein subjektiver Prozess.
- Informationsverarbeitung: Auch sie ist abhängig von den verfügbaren Ressourcen. Auch bei hoher Qualität der Informationsverarbeitung können niemals alle möglichen Alternativen durch die Entscheidungsträger geprüft werden. Entscheidungsträger finden sich daher tendenziell auch mit einer nur subjektiv befriedigenden Lösung ab.
- Entscheidung: Ziele und Wertsystem der Entscheidungsträger tragen maßgeblich zur Entscheidungsfindung bei.

Pred bezog außerdem die Zeit als zusätzliche Dimension in sein Modell ein, da sich der Informationsstand der Entscheidungsträger im Zeitverlauf ändern kann (etwa durch neue Kommunikationstechniken oder Informationsverarbeitungstechnologien, aber auch durch die Möglichkeit der Nachahmung erfolgreicher Unternehmer und ihrer Standortentscheidungen). Die Entscheidungen der Unternehmen werden nach Pred langfristig immer rationaler und wirken auf eine Verlagerung der unternehmerischen Standorte zum Standortoptimum hin.

Der verhaltenswissenschaftliche Ansatz Preds versuchte erstmals, die tatsächlichen Entscheidungen bei der Standortwahl nachzuvollziehen. Verhaltenstheoretische Erklärungsmodelle konnten mehrfach empirisch bestätigt werden. Kritisch wurde angemerkt, dass psychologisch-subjektive Beweggründe der Standortwahl überbewertet würden, da die klassischen Standortfaktoren im Rahmen dieses Modells kaum eine Rolle spielen und die Gegebenheiten der physischen Geographie und des Verkehrswesens nicht berücksichtigt sind. Ebenso wie die neoklassische Theorie den "homo psychologicus" vernachlässige, lasse der verhaltenswissenschaftliche Ansatz den "homo oeconomicus" weitgehend außen vor.[10]

3.5. Allgemeine Gleichgewichtstheorie

Die Allgemeine Gleichgewichtstheorie geht auf das mikroökonomische Totalmodell von Walras (1874) zurück, in dem durch vollkommen flexible Preise und Löhne bei vollständiger Konkurrenz auf allen Märkten Abweichungen zwischen Angebot und Nachfrage rasch geschlossen werden.

Dabei ist jeder Anbieter so klein, dass er auf den Marktpreis keinen Einfluss nehmen und bei dem herrschenden Marktpreis jede von ihm produzierte Menge verkaufen kann. Er handelt also als Mengenanpasser und dehnt, da er mit steigenden Grenzkosten produziert, seine Produktion so weit aus, bis seine Grenzkosten die Höhe des Marktpreises erreicht haben.[11]

Die zentrale Existenzfrage der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie lautet nun, ob es ein Preissystem gibt, so dass alle Märkte geräumt werden, d.h. dass genau so viel von einem Gut angeboten wird wie nachgefragt wird. Weiter möchte man wissen, ob die natürlichen Marktkräfte die Ökonomie in Richtung eines Allgemeinen Gleichgewichts bewegen. Dies ist die so genannte Stabilität des Gleichgewichts.

Es geht also darum, ein umfassendes Verständnis einer marktwirtschaftlichen Ökonomie durch einen Ansatz zu finden, der "von unten nach oben" gerichtet ist: Man beginnt mit sämtlichen Individuen und Firmen, deren Präferenzen und Produktionsmöglichkeiten, und betrachtet die sich ergebende Interaktion. Die Makroökonomie hingegen fasst Akteure in verschiedene Aggregate zusammen, um die Beziehungen dieser Aggregate zueinander zu modellieren. Große Teile der heutigen Makroökonomie basieren auf der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie.[12]

3.6. Standortplanung

Standortentscheidungen sind auf Grund ihres langfristigen Charakters Entscheidungsprobleme im Sinne der strategischen Unternehmensplanung. Die Wahl eines Standortes ist zum einen, wenn die Entscheidung einmal umgesetzt wurde, wegen der hohen Kostenintensität und Kapitalbindung von Lagern und Produktionsstätten, kaum rückgängig zu machen. Zum anderen beeinflusst die Entscheidung für Produktions- und Lagerstandorte die internationale Wettbewerbspolitik der Unternehmung und bildet die strukturellen Rahmenbedingungen für das Entstehen eines Logistiksystems. Des weiteren hilft ein Standortvorteil die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, wenn es dem Unternehmen gelingt, sich durch eine optimale Standortwahl gegenüber sonst unter gleichen Bedingungen arbeitenden Konkurrenzunternehmen eine ,, Bequemlichkeitsrente" zu schaffen.[13]

[...]


[1] Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)

[2] www.mondialisierung.org

[3] Handbuch der Globalisierung, Fabian Schmidt

[4] Das Wirtschaftsstudium, 26. Jg., S. 727, Dr. Lothar Funk, Trier

[5] E. Wolfram Dürr: Wesen und Ziele des Ordo-Liberalismus, 1954

[6] Monetarisumus auf www.vwler.de

[7] Ulli Arnold: Beschaffungsmanagement. Stuttgart 1995, S. 96ff

[8] Ulli Arnold: Beschaffungsmanagement. Stuttgart 1995, S. 96ff

[9] Alf K. Fernau: Standortwahl als Komponente der Wettbewerbsfähigkeit. Ein quantitatives Werkzeug. DUV, Wiesbaden 1997

[10] Peter Gehrung: Räumliche Ansiedlungsdisparitäten. Empirische Analyse von Bestimmungsfaktoren im Rahmen theoretischer Standortentscheidungsüberlegungen. Lang, Frankfurt am Main 1996

[11] Arrow, Kenneth/Debreu, Gerard (1954), Existence of an Equilibrium for a Competitive Economy. ‘Econometrica’, Vol. 22, S. 265-290.

[12] Hal R. Varian: Grundzüge der Mikroökonomie. Oldenbourg Verlag, München 2003

[13] Stetige Modelle der Standortplanung in logistischen Netzwerken, Silke Wieland

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Die Weltmarktfabrik im Globalisierungskontext
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
69
Katalognummer
V51034
ISBN (eBook)
9783638471053
ISBN (Buch)
9783656811039
Dateigröße
1050 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zu den wichtigsten ökonomischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zählen die Intensivierung der weltwirtschaftlichen Vernetzung und die zunehmende Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit. Fast doppelt so schnell wie das reale Welt-Bruttosozialprodukt wächst seit Jahren das Welthandelsvolumen. Mehr als zwanzig Prozent der weltweit produzierten Güter werden heute grenzüberschreitend gehandelt.
Schlagworte
Weltmarktfabrik, Globalisierungskontext
Arbeit zitieren
Stefan Schweig (Autor:in), 2006, Die Weltmarktfabrik im Globalisierungskontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51034

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