Die Zeit nach 1945 war eine Schnittstelle zwischen den Zeitgeschichten, es ging einerseits um die Bewältigung der Folgen des Krieges, des Nationalsozialismus und des Faschismus und andererseits um die Herausbildung neuer Strukturen und den Beginn der neuen Formatierung.
Die hier vorgestellte Zeit, die den Zeitraum von Juni 1945 bis April 1946 umfasst, gibt einen Eindruck darüber, wie aus den beiden einzelnen Parteien SPD und KPD die Einheitspartei SED wurde. Es werden nur einzelne subjektive Ausschnitte der Handlungsweisen und Strukturen der jeweiligen Organe und Parteien gezeigt. Die Aufgabe dieser Arbeit wird es sein, punktuell nachzuprüfen, wie sich die Zwangsvereinigung vollzog und welche Rollen einzelne Funktionäre, die Parteibasis, die Parteiführung und nicht zuletzt die sowjetische Besatzungsmacht spielten. Der Ablauf der Arbeit wird chronologisch verlaufen, nicht jedoch ohne dabei auf eine systematische Abfolge zu verzichten, um die inhaltlichen Komplexe der Vereinigungsgeschichte zu berücksichtigen.
Als erstes gilt es, den Stand der heutigen Forschungssituation und der Quellenlage darzulegen, ebenso wie die gegenwärtige Diskussion in der Öffentlichkeit und bei anerkannten Historikern. Danach untersucht die Arbeit die Wirkungsweise und Handlungen beider Parteien hinsichtlich der Frage, Zusammenarbeit oder Zusammenschluss, um sich dann dem Schwerpunkt der Sechziger Konferenzen, ihrem Verlauf sowie Inhalt und Wirkungen ebenso wie Schwierigkeiten zu widmen. Es soll gezeigt werden, dass die Vereinigung nicht auf freiwilliger Basis verlief ohne dabei den ganzen Ablauf unter den Begriff der Zwangsvereinigung zu stellen. Die These der Vereinigung wurde in vielen umfangreichen Arbeiten behandelt, für die vorliegende Arbeit besonders hilfreich waren die Werke von Bernd Faulenbach/Heinrich Potthoff und Beatrix Bouvier, stützend waren dabei sowohl gedruckte Quellen als auch Fachliteratur angesehener Historike
Inhaltsverzeichnis
1 Grundpositionen der gegenwärtigen wissenschaftlichen und publizistischen Diskussion
1.1 Quellenlage
1.2 Gegenwartsbedeutung des historischen Geschehens
2 Die Anfänge beider Parteien
2.1 Die Situation nach der Kapitulation
2.2 Zusammenarbeit oder Zusammenschluss
2.2 Situation ab Herbst 1945
2.2.1 Im Vorfeld der Sechziger-Konferenzen
2.2.2 Kurt Schumacher und die Einheitsfrage
3 Die Sechziger Konferenzen und die folgende Vereinigung
3.1 Die erste Sechziger-Konferenz
3.1.1 Ablauf der ersten Konferenz
3.2 Die Reaktion der Sozialdemokraten
3.2 Die Einheitskampagne der KPD
3.3 Exkurs: Die Rolle der SMAD
3.4 Die zweite Sechziger Konferenz
3.4.1 Ausnahme Berlin
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den historischen Prozess der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED zwischen Juni 1945 und April 1946. Dabei steht die Analyse der Handlungsspielräume einzelner Akteure sowie der Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht im Zentrum der Untersuchung.
- Analyse der machtpolitischen Rahmenbedingungen in der SBZ
- Untersuchung der Rolle der SMAD im Vereinigungsprozess
- Chronologische Aufarbeitung der Sechziger Konferenzen
- Darstellung der innerparteilichen Konflikte innerhalb der SPD
- Reflektion über Freiwilligkeit versus Zwang bei der Parteienverschmelzung
Auszug aus dem Buch
3.3 Exkurs: Die Rolle der SMAD
Sowjetische Kommandanten waren in den Prozess der innerparteilichen Willensbildung der SPD eingeschalten und erlaubten keine freie Entscheidungsfindung oder öffentliche Artikulation von Gegenargumenten. Der Einfluss der örtlichen sowjetischen Kommandanten und der Militärverwaltungen verstärkten die Gleichschaltungsstrategie.
Überredung und Begünstigung waren noch vergleichsweise harmlos, dazu kamen aber massiver psychischer und physischer Druck, personalpolitische Willkür, Rede- und Versammlungsverbote sowie die Steuerung der öffentlichen Meinung durch Weisungen, denen auch die sozialpolitische Presse Folge leisten musste.
Die SMAD war das ausführende Organ und das offizielle Sprachrohr der sowjetischen Staats- und Parteiführung in der Deutschlandpolitik. Ihr Kontakt zu den übergeordneten Moskauer Stellen war eng und Befehle und Anordnungen des Obersten Chefs der SMAD regelten die Gesetzgebung für die deutsche Zivilverwaltung. Sie hatten vielschichtige Formen und Methoden der besatzungshoheitlichen Willensübertragung, z.B. strenge Strafbestimmungen laut SMAD-Befehls Nr. 160 bei Verletzung von Besatzungsanordnungen wie drakonische Zuchthausstrafen und die Todesstrafe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundpositionen der gegenwärtigen wissenschaftlichen und publizistischen Diskussion: Dieses Kapitel thematisiert die lückenhafte Quellenlage und die Relevanz der historischen Auseinandersetzung mit der SED-Bildung für heutige Generationen.
2 Die Anfänge beider Parteien: Hier werden der parteipolitische Wiederaufbau nach 1945 sowie die erste Kooperationsbereitschaft zwischen SPD und KPD beschrieben, bevor der Konflikt zunahm.
3 Die Sechziger Konferenzen und die folgende Vereinigung: Dieses Hauptkapitel detailliert den Verlauf der zentralen Konferenzen, den wachsenden Druck der KPD und die schließlich erzwungene Vereinigung.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Vereinigung ein langfristig durch Zwang und Manipulation gesteuerter Prozess war und kein freiwilliger Akt.
Schlüsselwörter
Zwangsvereinigung, SPD, KPD, SED, SBZ, SMAD, Besatzungsmacht, Sozialismus, politische Geschichte, Gleichschaltung, Parteienbildung, Nachkriegszeit, Otto Grotewohl, Kurt Schumacher, Sechziger Konferenzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Prozess der politischen Vereinigung von SPD und KPD zur SED in der sowjetischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1946.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Interaktion zwischen den deutschen Parteien, der Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht und die innerparteilichen Spannungen innerhalb der SPD.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Vereinigung vollzog und welche Rollen die Funktionäre, die Parteibasis und die sowjetische Militäradministration dabei spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine chronologische Analyse historischer Ereignisse, gestützt auf die Auswertung gedruckter Quellen und existierender Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Sechziger Konferenzen, den zunehmenden Zwang durch die KPD und die Rolle der SMAD bei der Durchsetzung der Einheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Zwangsvereinigung, SBZ, SMAD, politische Manipulation und der Gegensatz zwischen SPD und KPD.
Welche Bedeutung hatte das Verhalten der SMAD konkret?
Die SMAD nutzte gezielten psychischen und physischen Druck sowie Kontrollmechanismen, um die Einheitspartei zu forcieren und oppositionelle Stimmen in der SPD zu unterdrücken.
Warum wird die Berliner Ausnahme erwähnt?
Berlin bildet eine Ausnahme, da hier durch die Viermächtestatus-Situation ein (teilweiser) Widerstand möglich war, der sich in der Urabstimmung gegen die sofortige Vereinigung manifestierte.
- Citation du texte
- Anja Engel (Auteur), 2003, Die Zwangsvereinigung der SPD und KPD zur SED, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51040