Schlegels Rede über die Mythologie

Die neue Mythologie als Antwort auf ein Vermittlungs- und Erkenntnisproblem


Hausarbeit, 2018
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Grundzüge der Transcendentalphilosophie

2. Die Rede über die Mythologie
2a) Das Vermittlungs- und Erkenntnisproblem
2b) Konservierung von Enthusiasmus
2c) Setzen eines Mittelpunktes für die Poesie
2d) Möglichkeit zur Ironie
2e) Synthese von Realismus und Idealismus
2f) Warum eine neue Mythologie?

Schluss: Zusammenfassung und offene Fragen

Literaturverzeichnis

Technische Hinweise

- Die Zitate im Text, die von Schlegel stammen, werden in den Fußnoten mit folgenden Abkürzungen nachgewiesen:

- RM = Rede über die Mythologie
- GP = Gespräch über die Poesie
- TP = Transcendentalphilosophie
- AF = Athenäums-Fragmente
- PL = Philosophische Lehrjahre
- SA = Studiums-Aufsatz (Über das Studium der Griechischen Poesie)
- ÜP = Über die Philosophie. An Dorothea
- RF = Reise nach Frankreich
- FL = Fragmente zur Litteratur
- ÜU = Über die Unverständlichkeit
- JW = Jacobis Woldemar
- LU = Lucinde

- Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich bei Schlegel-Zitaten immer auf die Kritische Gesamtausgabe (KA). Die römischen Ziffern kennzeichnen dabei den entsprechenden Band der Kritischen Gesamtausgabe. Bei Fragmenten ist zusätzlich in eckigen Klammern [] die entsprechende Fragment-Nummer angegeben.
- Eckige Klammern [] in Schlegel-Zitaten kennzeichnen Erläuterungen und Hinzufügungen von den Herausgebern der Kritischen Gesamtausgabe. Alle Erläuterungen, Hinzufügungen, Auslassungen und Veränderung, die durch den Verfasser dieser Arbeit vorgenommen worden sind, werden in geschweiften Klammern {} gekennzeichnet.
- Spitze Klammern <> in Schlegel-Zitaten kennzeichnen Schlegels eigene Randbemerkungen, Ergänzungen etc.

Einleitung

Schlegels Rede über die neue Mythologie ist ein Bestandteil des im Jahre 1800 entstandenen, fiktiven Gespräch über die Poesie. Der Teilnehmer Ludoviko, der im Rahmen des Gesprächs die Rede über die neue Mythologie hält, fordert in aller Deutlichkeit eine neue Mythologie: „Es fehlt{…} unserer Poesie an einem Mittelpunkt {…}. Wir haben keine Mythologie. {…} {E}s wird Zeit, daß wir ernsthaft dazu mitwirken sollen, eine hervorzubringen.“1

Diese Forderung ist aber keinesfalls gänzlich neu. Der erste, der Ähnliches ausdrücklich formuliert ist Herder, der sich gegen die geläufige Mythologiekritik der Aufklärung wendete, welche die Mythologie deutlich als ein System naiver und irrationaler Weltvorstellungen betrachtete.2 Herder dagegen formuliert schon 1766 -1767 in den Fragmenten Über die neuere deutsche Literatur in aller Deutlichkeit das Ziel, „eine ganz neue Mythologie zu schaffen“.3 Schlegel war allem Anschein nach recht gut mit Herders Werken vertraut, zumindest hat er Herders Humanitätsbriefe gelesen und rezipiert,4 in denen sich zwar nirgends eine solch deutliche Forderung nach einer neuen Mythologie findet, die aber durchzogen sind mit Betrachtungen der Mythologie der Griechen, die zumindest auch Herders Wunsch nach einer neuen Mythologie suggerieren.5 Die Parallelen zwischen Herder und Schlegel sind insbesondere in Bezug auf die Vorstellung von einer neuen Mythologie ganz erstaunlich. Beiden geht es nicht so sehr um den konkreten Inhalt der Mythologie, sondern mehr um den Geist, in dem sie verfasst wurde und vor allem auch um den von Herder als „idiotisch“ bezeichneten Sprachgebrauch. Gemeint ist damit die unscharfe und sogar widersprüchliche Verwendung von Begriffen, die aber gerade zur Kommunikation des poetischen Sinns geeignet ist.6 Ähnlich zur „idiotischen Sprache“ verhält sich Schlegels „hieroglyphischer Ausdruck“7, wie der Verlauf dieser Arbeit zeigen wird. Eine weitere Forderung nach einer neuen Mythologie findet sich auch in Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus. Diese Schrift stammt aus dem Nachlass Hegels, die Autorenschaft ist allerdings ungeklärt, und wird auf 1796 oder 1797 datiert. Dort heißt es: „Zuerst werde ich hier von einer Idee sprechen, die soviel ich weiß, noch in keines Menschen Sinn gekommen ist – wir müssen eine neue Mythologie haben“8. Schlegel kannte das Älteste Systemprogramm durch Auseinandersetzungen mit Lessing und durch Kants Schrift Zum ewigen Frieden.9 Dennoch unterscheidet sich Schlegels Vorstellung von dieser neuen Mythologie maßgeblich von der, die im Ältesten Systemprogramm angestrebt ist. Denn dort soll die neue Mythologie „im Dienste der Ideen stehen“ und „eine Mythologie der Vernunft werden“10. Bei Schlegel allerdings soll die Mythologie (und die gesamte Poesie) gerade „die Gesetze der vernünftig denkenden Vernunft {aufheben} und uns wieder in die schöne Verwirrung der Fantasie {…} versetzen.“11

Damit ist ein wesentliches Charakteristikum der neuen Mythologie nach der Vorstellung Schlegels bereits skizziert: Sie soll gerade hieroglyphisch und in einem gewissen Maße unvernünftig sein. Eine entscheidende Frage, die sich daraus ergibt, ist, warum Schlegel gerade eine solche Mythologie als so dringend notwendig erachtet. Oder anders formuliert: Welche Funktion kommt der neuen Mythologie zu? Und daran schließt sich unmittelbar die Frage an, welche Eigenschaften die neue Mythologie aufweisen muss, um diese Funktion zu erfüllen. Es sind genau diese beiden Fragen, auf die ich in dieser Arbeit eine Antwort geben möchte.

Die Form der Rede über die Mythologie stellt dabei allerdings eine große Interpretationshürde dar. Es handelt sich hier nicht um eine nüchterne und systematische Entwicklung eines philosophischen Konzepts, sondern eben um eine durch den Pathos des fiktiven Sprechers durchzogene Rede, die reich an rhetorischen Mitteln und bildhafter Sprache ist, der aber dadurch die sprachliche Präzision und die systematische Bestimmung von Begriffen abgeht. So erreicht Schlegel zwar eine gewisse Synthese von Form und Inhalt, die zweifelsohne ihren Reiz hat, allerdings wird das Verständnis deutlich erschwert.

Den Schlüssel zur Deutung der Rede über die Mythologie kann man meines Erachtens Schlegels Transcendentalphilosophie entnehmen.12 Hierbei handelt es sich um eine Vorlesung, die Schlegel 1800-1801 in Jena hielt. Die Transcendentalphilosophie und die Rede über die Mythologie sind also mehr oder weniger zeitgleich entstanden. In der Transcendental-philosophi e legt Schlegel zum ersten Mal systematisch dar, was man seine Metaphysik nennen könnte. Vor diesem Hintergrund kann verständlich gemacht werden, warum eine neue Mythologie nach Ansicht Schlegels so dringend benötigt wird und was sie für Eigenschaften aufweisen muss. Aus diesem Grunde werde ich im ersten Teil dieser Arbeit einige Grundzüge der Transcendentalphilosophie darstellen, bevor ich mich im zweiten Teil dann der Rede über die Mythologie zuwende.

In diesem zweiten Teil werde ich dann die Thesen vertreten, dass der neuen Mythologie übergeordnet a) eine Vermittlungs- und Erkenntnisfunktion zukommt, für deren Erfüllung sie b) Enthusiasmus konservieren, c) der Poesie einen Mittelpunkt geben, d) dem Poeten die Möglichkeit zur Ironie erhalten und e) Realismus und Idealismus synthetisieren muss. Die Eigenschaften, die die Erfüllung dieser Funktionen gewährleisten sollen, sind, dass die Mythologie dem Poeten eine Symbolik bereitstellt, die i.) konventionell, ii.) flexibel und iii.) reell ist. Was dies im Einzelnen zu bedeuten hat, wird freilich im Verlauf der Arbeit zu klären sein. Die Abschnitte b) – e) stellen Unterfunktionen der neuen Mythologie dar, die sie erfüllen muss, um der übergeordneten Funktion gerecht werden zu können. Aus ihnen wird ersichtlich, welche Eigenschaften die Mythologie aufweisen muss, um ihre Funktionen zu saturieren. Oder anders gesagt: Es wird deutlich, warum gerade eine Mythologie gebraucht wird. In einem weiteren Abschnitt f) werde ich dann untersuchen, warum es sich um eine neue Mythologie handeln muss.

1. Grundzüge der Transcendentalphilosophie

Die Transcendentalphilosophie nimmt insofern eine Sonderstellung in Schlegels Werk ein, als sie systematisch ist. Schlegel versteht sonst das Werk des Romantikers, zu denen er sich sicherlich auch selbst zählt, als „Gedanken-Dichtung[…], für die logische Unschärfe und unsystematische Willkür bestimmend werden.“13 Genau aus diesem Grund ist der Blick auf die Transcendentalphilosophie aber besonders hilfreich für ein Verständnis von Schlegels anderen Arbeiten.

Hierbei werde ich allerdings nur soweit auf diesen Text eingehen, wie er dem Verständnis der Rede über die Mythologie zuträglich ist. Es geht an dieser Stelle auch nicht darum, Schlegels Transcendentalphilosophie kritisch zu bewerten und auf Plausibilität und Stringenz hin zu untersuchen.14 Ziel des folgenden Abschnitts ist es vielmehr einen entscheidenden Punkt von Schlegels Denken zu skizzieren, um so erklären zu können, warum Schlegel eine neue Mythologie fordert, welche Funktionen sie übernehmen und welche Eigenschaften sie aufweisen soll.

Schlegels Transcendentalphilosophie beginnt mit dem Versuch den Charakter der Philosophie zu bestimmen. Zu diesem Zwecke legt Schlegel zunächst axiomatisch fest, dass „{d}ie Tendenz der Philosophie {…} aufs Absolute {geht}.“15 Auf der Suche nach dem Absoluten muss von allem abstrahiert werden, das nicht absolut ist, bzw. es muss das gesucht werden, was das Gegenteil von Relativität ist. Und das ist Schlegel zufolge das Unendliche16, oder genauer: das unbestimmte Unendliche. Denn sobald etwas bestimmt ist, ist es bestimmt in Abgrenzung zu etwas von ihm Verschiedenes und in diesem Sinne relativ. Nun bleibt aber neben dem Unendlichen in der Rechnung immer noch der übrig, der das Unendliche gedacht hat. „Es bleibt also außer dem Unendlichen noch ein Bewußtseyn des Unendlichen.“17 Damit sind für Schlegel die beiden Elemente oder Pole aller Philosophie gefunden: das Unendliche und Bewusstsein.18

Die gesamte Transcendentalphilosophie ist von einem Dualismus durchzogen, demzufolge „{a}lle Realität {…} das Produkt entgegengesetzter Elemente {ist}“19 oder auch ihr „IndifferenzPunkt“.20 Nun sind die Elemente der Philosophie das Unendliche und das Bewusstsein, beide sind einander entgegengesetzt. Da das Unendliche unbestimmt ist (oder den höchsten Grad an Unbestimmtheit aufweist), ist das Bewusstsein als das ihm entgegengesetzte Element im höchsten Grade bestimmt. Dies ist leicht zu plausibilisieren. Das Bewusstsein ist deutlich reflexiv, es bestimmt sich selbst in Abgrenzung zu dem, was es nicht ist. Und es bestimmt auch alles andere. Die konkreten Natur-Dinge gibt es nur für das Bewusstsein.21 Zwischen den beiden Elementen, dem Bewusstsein und dem Unendlichen, „muß Synthesis gedacht werden“,22 denn gesucht wird die Realität und diese liegt im Indifferenzpunkt der beiden.

Diese Synthese zwischen Bewusstsein und dem Unendlichen vollzieht sich in einer einzigen, unendlichen und ewig unvollendeten kosmischen Bewegung. Am Anfang23 dieser Bewegung steht das unbestimmte Unendliche. In diesem könnte sich aber überhaupt kein Bewusstsein entwickeln, da es völlig strukturlos ist und auch nicht angeschaut werden kann.24 Folglich könnte sich das Bewusstsein im unbestimmten Unendlichen gegen nichts abgrenzen, was es nicht ist und es könnten überhaupt keine Bewusstseinsakte vollzogen und Bewusstseinsinhalte gebildet werden. Die erste Frage, die Schlegel also beantworten muss, ist, wie sich aus unbestimmten Unendlichem Bewusstsein entwickeln konnte. Schlegels Antwort: „Das Unbestimmte geht aus sich selbst heraus und bestimmt sich“.25 Dieser Prozess des Überganges des Unbestimmten ins Bestimmte ist letztlich Naturgeschichte. Die Natur ist für Schlegel das werdende Universum.26 Sie ist mit all ihren Formen und Strukturen aber nicht starr oder beharrlich, sondern in stetiger Veränderung. Nichtsdestoweniger sind die konkreten Natur-Dinge notwendige Bedingung für Bewusstsein. Es liegen nun Strukturen vor, derer das Bewusstsein bedarf, um sich gegen anderes abgrenzen zu können. Das Bewusstsein entspringt also der Natur und markiert eine bestimmte, genauer gesagt die letzte, Phase im Prozess des Überganges des Unbestimmten ins Bestimmte. Mit dem Entstehen des Bewusstseins hat das Universum gewissermaßen den höchsten Grad an Bestimmtheit erreicht. Hier findet sich nicht länger eine nur diffus strukturierte Natur, sondern Individuen, die sich ihrer selbst bewusst sind, die die Natur anschauen können und den konkreten Dingen der Natur Namen geben, also Bewusstseinsakte vollziehen und Bewusstseinsinhalte bilden. Das Unendliche ist dabei aber nicht etwa gänzlich verschwunden. Man könnte sagen, es versteckt sich in der Bestimmtheit. In allen konkreten Natur-Dingen ist immer noch das Unendliche widergespiegelt.27 Ab diesem Punkt der kosmischen Bewegung sind also beide Extreme, Bewusstsein und Unendliches, vorhanden. Nun sollen beide synthetisiert werden. Gemäß seiner Methode, die Schlegel selbst ein „transcendentales Experimentieren“28 nennt, muss dafür „das eine auf das anderen über{tragen}“29 werden. Auf diese Weise erhält man einen neuen Begriff: „bewusstes Unendliches“, das Schlegel auch „Gottheit“ nennt.30 Darunter ist nichts anderes zu verstehen als ein sich seiner selbst bewusstes Unendliches. Die Gottheit markiert den Zielpunkt der kosmischen Bewegung, die also vom unbestimmten Unendlichen zum bewussten Unendlichen reicht. Die entscheidende Frage ist nun, wie man sich den Übergang vom Universum, das seinen höchsten Grad an Bestimmtheit realisiert hat, zur Gottheit vorzustellen hat.

Der entscheidende Punkt an dieser Stelle ist, dass das Bewusstsein ein Produkt der Natur ist und diese wiederum ein Produkt des Unendlichen. Somit sind Bewusstsein und Natur immer auch mit dem Unendlichen verbunden. Deshalb „{sind wir} Gottes Gedanken, sein Bewusstsein.“31 Mit anderen Worten: wenn die Menschheit sich dem Unendlichen bewusst wird, wird das Unendliche selbstbewusst und zur Gottheit. Das erfordert von den Menschen aber nicht weniger als eine Erkenntnis des Unendlichen und eine Identifikation mit demselben. Dies erfolgt aber nicht, wie man denken könnte, durch einen rückläufigen Prozess, also dem Rückgang vom Bestimmten ins Unbestimmte. Die Bewegung geht nur in eine Richtung.32 Das „Bestimmte bestimmt sich immer mehr {meine Hervorhebung} bis es sich zum Unbestimmten und ins Unbestimmte bestimmt {…}.“33 Von dem Punkt aus, an dem die Begriffe von Ich und Nichtich34 klar und deutlich im individuellen Bewusstsein liegen, muss jeder Versuch der weiteren Bestimmung des Ichs zu einer Annäherung an die Erkenntnis dessen Ursprungs im Unendlichen führen und damit auch zu einer Erkenntnis der Totalität des Universums. Ab einem gewissen Punkt führt also jede weitere Bestimmung des Ichs zu einer sukzessiven Identifizierung mit dem Nichtich. Auch hier ist entscheidend, dass das Bewusstsein nicht verschwindet, vielmehr dehnt es sich aus. Es erfasst immer mehr Facetten des Unendlichen, sodass sich in der kosmischen Bewegung Bewusstsein und Unendliches immer weiter annähern - bis zu ihrem Indifferenzpunkt, der Gottheit. Allerdings wird die Gottheit wohl nie reell werden.35 Denn das Unendliche wird für das Bewusstsein letztlich immer unerkennbar bleiben, denn „die unmittelbare Anschauung d[er] Schöpfung fehlt uns ewig“36 und „{z}u dem Maximum {der Synthesis} gelangen wir nur durch Approximation.“37

Die für diese Arbeit entscheidenden Punkte von Schlegels Transcendentalphilosophie lassen sich also wie folgt zusammenfassen: Es gibt eine einzige, ewige, kosmische Bewegung vom unbestimmten Unendlichen über die Natur und das aus ihr hervorgehende Bewusstsein hin zum bewussten Unendlichen, der Gottheit. Es fehlt ein letztes Detail für den Schlüssel zum Verständnis der Rede über die Mythologie. Dieses besteht darin, dass Schlegel die Menschheit an einem bestimmten Punkt in der kosmischen Bewegung angekommen sieht. Das Bewusstsein hat in der „Epoche der Vernunft“38 „seine höchste Stufe erreicht“.39 Schlegel sieht das Universum also an dem Punkt angelangt, wo es seinen höchsten Grad an Bestimmtheit realisiert hat. Die Trennung von Ich und Nichtich, von Individuum und Ganzem, ist so klar wie nie zuvor, doch das führt auch zu einer innerlichen Zerrissenheit des Menschen im Zeitalter der Aufklärung. Wie Brauers zeigt, zieht sich dieser „Topos der Zertrennung des Ganzen in abgesonderte Eigentümlichkeiten“40 durch die gesamte Frühromantik und sogar noch bis zu Hegel. Schlegel selbst schreibt 1803 in der „Reise nach Frankreich“: „Die Trennung hat nun ihr Äußerstes erreicht {…} das ist es, was das Wesen unseres Zeitalters ausmacht {…} die absolute Erstorbenheit der höhern Organe.“41 Aus diesem Grunde ist Schlegels gesamtes Werk und nicht zuletzt auch die Rede über die Mythologie von einer Aufforderung zur Revolution durchzogen. Es ist für Schlegel an der Zeit die Synthese von Bewusstsein und Unendlichem einzuleiten: „Wir sind jetzt auf d[em] Punkt wo wir Gott und ewiges Leben {…} erkennen müssen.“42 Gleichsam ist Schlegels gesamte Philosophie aber auch von dem Bedürfnis nach echter Kommunikation angetrieben. Schlegel sieht den modernen Menschen isoliert und innerlich zerrissen, sodass „das gewöhnliche Beisammensein ein wahres Alleinsein“43 ist. Deswegen hat die von Schlegel angedachte Revolution immer auch die Aufgabe, Menschen aus ihrer Isoliertheit zu befreien, denn „{d}as Spiel der Mitteilung und der Annäherung ist das Geschäft und die Kraft des Lebens“.44 Die beiden Bestrebungen Schlegels, die Synthese von Bewusstsein und Unendlichem einzuleiten und Menschen durch echte Kommunikation aus ihrer Isoliertheit zu befreien, sind klarer Weise eng miteinander verknüpft. Im Kern geht es um ein Gefühl der Verbundenheit, mit anderen Menschen und der Natur. Zudem wird auch die Synthese von Bewusstsein und Unendlichem letztlich nur möglich, wenn wahre Kommunikation stattfindet und „das Geschwätz auf{hört}“.45 Um aber sowohl echte Kommunikation als auch die Synthese von Bewusstsein und Unendlichem erreichen zu können, bedarf es eines geeigneten Erkenntnis- und Vermittlungsmodells; und genau diese Leerstelle soll die neue Mythologie füllen.

[...]


1 Schlegel, RM, KA II, 312.

2 Vgl.: Gockel (1990), S. 135.

3 Herder (1982 [1761]), S. 59.

4 Vgl.: Hans Eichner (1956), 1019. Eichner behauptet sogar, Schlegel hätte die Humanitätsbriefe zunächst nur oberflächlich gelesen, sie später aber genauer studiert.

5 So heißt es dort z.B.: „Die Mythologie ist eine belebte Welt. Nur mit Entzücken kann ich daran denken, wie viel Geist, Sinn und Gemüth man in flüchtige Erscheinungen, in wandelbare Gestalten der Natur gelegt hat, allen Menschen zur Ansicht und dem menschlichern Menschen zur Bildung und Lehre. Wer irgend eine schöne Dichtung der alten Mythologie und Naturlehre uns neu ins Gemüth zu rufen weiß, hat eine Blume vom Kranz der Mutter der Götter gepflückt und in unsre Gürten verpflanzt.“ [Herder (1794), S. 74.] Zudem wird Herder von Schlegel auch in dessen Studiums-Aufsatz ausdrücklich und augenscheinlich voller Bewunderung, erwähnt: „ Herder vereinigt die umfassendste Kenntnis {der griechischen Mythologie} mit dem zartesten Gefühl und der biegsamsten Empfänglichkeit“ [Schlegel, SA, KA XV, 364.] Die Vermutung, dass Schlegel auch andere Werke von Herder kannte, liegt nahe. Dies lässt sich allerdings wohl kaum zweifelsfrei nachweisen.

6 Vgl.: Baróti-Gaál (2004), S. 42.

7 Schlegel, RM, KA II, 318.

8 Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, o.V., hier zitiert nach: Hegel (1979 [1796/97], S. 236.

9 Vgl.: Zeller (2017), S. 321.

10 Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, o.V., hier zitiert nach: Hegel (1979 [1796/97], S. 236.

11 Schlegel, RM, KA II, 319.

12 Die anonyme Nachschrift dieser Vorlesung wurde 1927 durch Josef Körner entdeckt und erst 1935 erstmals publiziert. Nichtsdestoweniger gilt es als durch zeitgenössische, teilweise wortgenaue Kommentare und die von Körner angestellten Vergleiche mit Schlegels Notizheft gesichert, dass es sich bei der Nachschrift tatsächlich um die Vorlesung Schlegels handelt. [Vgl.: Arndt (2017), S. 201.]

13 Elsässer (1991), S. XV.

14 Hier böten sich zweifelsfrei zahlreiche Ansatzpunkte. Insbesondere auch zur Schlegels Methode, die er selbst als „transcendentale Experimente“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.] bezeichnet, wäre einiges zu sagen.

15 Schlegel, TP, KA XII, 4.

16 Elsässer ist der Meinung, dass „Unendliches“ synonym ist zu „Universum“, „Substanz“ und „Gottheit“. [Vgl.: Elsässer (1991), S. XXIX und S. XXVI.] Meines Erachtens begeht Elsässer an diesem Punkt aber schon einen entscheidenden Fehler. „Gottheit“ ist in der Transcendentalphilosophie bestimmt als ein „bewußtes Unendliches“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.], während das strukturlose unbestimmte Unendliche sicherlich nicht bewusst ist. (S. dazu auch Fußnote 32, S. 9 dieser Arbeit.) „Universum“ und „Substanz“ (letzteres deutlich im Anschluss an Spinoza) sind zwar synonym zueinander, aber nicht synonym zu „unbestimmtes Unendliches“. Sie sind beide Synonyme für „Natur“. Die Natur ist aber nicht mehr das unbestimmte Unendliche, sondern unendlich werdendes Bestimmtes. Das unbestimmte Unendliche ist hier schon aus sich selbst herausgetreten und hat sich selbst bestimmt (Erläuterung folgt unten). [Vgl.: Schlegel, TP, KA XII, ?26.] Dies ist leicht dem folgenden Zitat zu entnehmen: „Es gibt kein Universum als d[as] werdende, also die Natur[…]“[Schlegel, PL, KA XVIII, 157 [412].]

17 Schlegel, TP, KA XII, 5.

18 Eine Feinheit metaphysischer und epistemologischer Natur ist dabei allerdings stets mitzudenken: Das Unendliche ist eine „Erdichtung“ [Schlegel, TP, KA XII, 9.], insofern es nicht mehr ontologisch begründbar ist. Brauers formuliert treffend: „Die Gewißheit von der Existenz des Unendlichen gründet nur darin, dass es dem menschlichen Denken einen höchsten, göttlichen Bezugspunkt bietet. Außer dieser religiösen Grunderfahrung gibt es, vom erkenntniskritischen Standpunkt her, keinen Daseinsbeweis des Unendlichen.“ [Brauers (1996), S. 55f.] Diese Erdichtung ist für Schlegel aber nicht nur wie Kants regulative Ideen hermeneutisch hilfreich, sondern denknotwendig: „Unser Ich hat die Tendenz sich dem Unendlichen zu nähern, und dadurch, daß das Ich gleichsam hinströmt sich dem Unendlichen zu nähern, können wir nur das Unendliche denken.“ [Schlegel, TP, KA XII, 9.] In diesem Sinne ist das „einzige Objekt des Bewußtseyns das Unendliche“ [Schlegel, TP, KA XII, 6.] und deshalb setzt Schlegel das Unendliche als gegeben fest. Aus diesem Umstand ergibt sich allerdings eine wesentliche Schwierigkeit: An manchen Stellen spricht Schlegel vom Unendlichen, als sei es völlig unabhängig vom Bewusstsein und an anderen, als gehe es erst aus dem Bewusstsein hervor. Da es an dieser Stelle, wie gesagt, nur darum geht einige Grundzüge der Transcendentalphilosophie darzustellen, werde ich diese und ähnliche Schwierigkeiten aber übergehen und die Setzung Schlegels des Unendlichen als Absolutes für den weiteren Verlauf zugrunde legen.

19 Schlegel, TP, KA XII, 8.

20 Schlegel, TP, KA XII, 6.

21 Schlegel fasst das in diese Worte: „Es giebt keine Dinge außer uns. {…} Die objektive Welt ist nichts andres als das Resultat von geistigen Wesen.“ [Schlegel, TP, KA XII, 37.]

22 Schlegel, TP, KA XII, 6.

23 „Anfang“ benutze ich hier in Ermangelung eines angemesseneren Wortes. „Anfang“ impliziert schon Zeitlichkeit. Zeit ist aber schon eine Struktur, die dem unbestimmten Unendlichen nicht zukommt. Sie ist schon ein Phänomen der Natur.

24 Vgl.: Schlegel, PL, KA XVIII, 330 [74].

25 Schlegel, TP, KA XII, 26.

26 Vgl.: Schlegel, PL, KA XVIII, 157 [412].

27 Außerdem ist „Natur“ immer vierdimensional zu verstehen. Sie ist zeitlich unendlich und in stetiger Veränderung, sodass nach unendlicher Zeit alle möglichen, bestimmten Zustände realisiert worden sind. Die unendliche Summe dieser bestimmten Zustände ist dann aber wieder das unbestimmte Unendliche. Daher heißt es bei Schlegel auch, dass das „Unendliche unendlich endlich wird.“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.]

28 Vgl.: Schlegel, TP, KA XII, 25.

29 Schlegel, TP, KA XII, 25

30 Vgl.: Schlegel, TP, KA XII 25. Man erhält auch noch einen zweiten Begriff, nämlich „unendliches Bewusstsein“ von Schlegel dann „Denken“ genannt. Das „Denken“ kann für den Zweck dieser Arbeit aber getrost vernachlässigt werden, zumal es auch von Schlegel selbst nicht weiter ausgeführt ist.

31 Schlegel, PL, KA XVIII, 152 [350]. S. auch: Schlegel, PL, KA XVIII, 165 [495]: „Daß die Erde Bewußtsein hat, darum anzunehmen, weil sie eine wahre Einheit ist und sich Menschheit aus ihr entwickelt.“

32 An diesem Punkt ist anzumerken, dass längst nicht alle Schlegel-Interpreten diese Ansicht teilen. So schreibt Elsässer bspw.: „Der Übergang des bewußtlosen Göttlichen zum bewußten Gottesbegriff und dessen Auflösung durch die Rückkehr ins ‚Unbestimmte‘ der Bewußtlosigkeit ist das unaufhörliche Changieren des Universums zwischen unendlicher Fülle und individueller Einzelheit […]“. [Elsässer (1991), S. XXVIII.] Der ersten Fehler, den Elsässer meines Erachtens begeht, ist, von einem „bewußtlosen Göttlichen“ oder sogar einer „unbewußten Gottheit“ zu sprechen. (Vgl.: dazu Fußnote 16, S.7 dieser Arbeit.)Viel entscheidender ist aber, dass Elsässer von einem „Changieren“ des Universums zwischen Unbestimmtheit und Bestimmtheit, zwischen Unendlichkeit und Bewusstsein, spricht. Dies widerspricht in meinen Augen aber gerade dem hervorragenden und eigentümlichem Merkmal der Philosophie Schlegels. So wie Elsässer Schlegel auslegt, sind Unbestimmtheit und Bestimmtheit, Unendlichkeit und Bewusstsein zwei sich grundsätzlich ausschließende Gegensätze, die sich in ständiger Arbeit gegeneinander verdrängen. Wo das eine ist, kann das andere nicht sein. Wäre dies wahr, könnte aber von einer Synthese der beiden niemals die Rede sein. Der entscheidende Punkt bei Schlegel ist meines Erachtens gerade, dass Unbestimmtheit und Bestimmtheit, Unendlichkeit und Bewusstsein zwar Gegensatzpaare sind, die sich aber nicht ausschließen, sondern in Einklang gebracht werden können. Nur dann kann Schlegel von „bewusstes Unendliches“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.], „< Anmerkung 1: unendliches Bewußtseyn>“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.], oder auch „unbestimmte Bestimmbarkeit“ [Schlegel, TP, KA XII, 28.], sprechen, ohne dass diese Begriffe lediglich Oxymora wären. Ferner könnte auch die Epoche des Verstandes („Verstand“ ist bestimmt als „bewusstes Universum“ [Schlegel, TP, KA XII, 13.]), die noch kommen soll, niemals kommen. (Zu den Epochen des Bewusstseins siehe auch Fußnote 38, S. 11 dieser Arbeit.) So gesehen, kann von einem „Changieren“, einer Pendelbewegung zwischen Unendlichem und Bewusstsein nicht die Rede sein. Vielmehr entsteht aus dem unbestimmten Unendlichen sein Gegensatz – das bestimmte Bewusstsein – und von diesem Punkt aus geht die Tendenz auf die Vereinigung der beiden. Somit gibt es, Schlegel zufolge, eine ewige kosmische Bewegung vom unbestimmten Unendlichen über das bestimmte Bewusstsein zum bewussten Unendlichen, der Gottheit. Meines Erachtens ist auch nur unter dieser Lesart der für Schlegel anscheinend sehr wichtige Satz zu verstehen, dass es „die unendliche Aufgabe der Natur [ist], die Gottheit zu realisieren.“ [Schlegel, TP, KA XII, 25.]. Zumindest wenn man hier unter „Gottheit“ das bewusste Unendliche versteht, was allein deshalb naheliegt, da Schlegel nur wenige Zeilen zuvor „Gottheit“ eben so bestimmt. Unter der Lesart Elsässers verkäme diese unendliche Aufgabe der Natur zu einer tragischen Sisyphos-Aufgabe. Kurz bevor die Gottheit realisiert werden kann, löst sich das Bewusstsein wieder auf und das Spiel beginnt von vorne. Dies passt allerdings gar nicht zu dem charakteristischen Zukunftsoptimismus der Frühromantiker, der sich auch bei Schlegel Bahn bricht: „Und so laßt uns denn, beim Licht und Leben! nicht länger zögern, sondern jeder nach seinem Sinn die große Entwickelung beschleunigen, zu der wir berufen sind. Seid der Größe des Zeitalters würdig, und der Nebel wird von Euren Augen sinken; es wird helle vor Euch werden.“[Schlegel, RM, KA II, 322.] Zwar wird bei Schlegel auch die Gottheit niemals reellisiert, aber es findet eine stetige Annährung statt. Um die Sisyphos-Analogie noch einmal zu bemühen, könnte man sagen, dass der Stein nicht am Gipfel des Berges wieder hinunter rollt, sondern dass der Berg unendlich hoch ist. Aber auch Brauers spricht davon, dass Schlegel eine Idee von Unendlichkeit habe, „die sich in kreishaften Bewegungen regeneriert“ und eben nicht eine „bloß linear[e] Vorstellung eines blind nach vorne gerichteten Marsches“ sei. [Brauers (1996), S. 101.] Brauers macht diese These an einem Zitat aus Lucinde fest: „Was soll also das unbedingte Streben und Fortschreiten ohne Stillstand und Mittelpunkt? Kann dieser Sturm und Drang der unendlichen Pflanze der Menschheit, die im Stillen von selbst wächst und sich bildet, nährenden Saft oder schöne Gestaltung geben? Nichts ist es, dieses leere unruhige Treiben, als eine nordische Unart“. [Schlegel, LU, KA V, S. 26f.] An dieser Stelle geht es aber klarer Weise nicht um die oben beschriebene kosmische Bewegung, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie Dichter und Denker die progressive Universalpoesie zu betreiben haben, damit sich eben die lineare kosmische Bewegung vollziehen kann. Und dies kann tatsächlich nicht dadurch geschehen, dass die Poesie ein Stück für Stück erarbeitetes Konzept von Unendlichkeit wird. Die progressive Universalpoesie ist daher zu verstehen, wie Brauers richtigerweise erkennt, als eine „Durchdringung des Unendlichen von immer mehr und verschiedenen individuellen Standpunkten“. [Brauers (1996), S. 101.] Der Punkt, den Schlegel an dieser Stelle in Lucinde also macht, ist, dass die progressive Universalpoesie nicht durch Fleiß (ein „Todesengel mit feurigem Schwert“ [Schlegel, LU, KA V, S.27.]) erarbeitet werden kann und so nicht in einem linearen Aufbau einer überindividuellen Ansicht über das Unendliche besteht, denn tatsächlich muss „die Kraft des Menschen sich nach allen Seiten {meine Hervorhebung} {…} ausbreiten“. [Schlegel, RM, KA II, 314.] Allerdings ist an dem von Braueres aufgeführten Zitat aus Lucinde meines Erachtens nicht festzumachen, dass Schlegel sich die übergeordnete kosmische Bewegung kreisförmig vorstellt. Selbiges gilt im Übrigen auch für andere Zitate, die bisweilen herangezogen werden, um zu belegen, dass Schlegels kosmische Bewegung kreisförmig aufzufassen ist. So z.B.: „Die Philosophie geht noch zu sehr gerade aus, ist nicht zyklisch genug.“ [Schlegel, AF, KA II, 171 [43].] Auch hier ist nur gemeint, dass es keinen festen Fluchtpunkt im Sinne eines zu setzenden Ideals geben kann, dem sich die Menschheit in aufklärerischer Perfektibilität annähern könnte. Jedes Setzen eines solchen Zielpunktes wäre schon eine Verfehlung der Fülle des Unendlichen. Daher muss sich die Philosophie gewissermaßen in konzentrischen Kreisen ausbreiten. So ist denn auch folgendes Zitat aus der Transcendentalphilosophie zu verstehen: „Von der Philosophie könnte man sagen, was ein Italienischer Dichter von Gott sagte: Die Philosophie ist ein Zirkel, dessen Centrum überall und dessen Peripherie nirgends ist. “ [Schlegel, TP, KA XII, 11.] Das grundlegende Missverständnis, dem meines Erachtens Brauers aufgesessen ist, besteht darin, verschiedene Bewegungen nicht zu trennen. Die eine ist die kosmische Bewegung, diese ist linear. Die andere ist die überindividuelle geistige Bewegung, die die Menschheit vollziehen soll, diese ist zu verstehen als sich konzentrisch ausbreitend.

33 Schlegel, TP, KA XII, 26.

34 Die Begriffe „Ich“ und „Nichtich“ verwendet Schlegel klarer Weise und ausdrücklich in Anschluss an Fichte. [Vgl.: Schlegel, TP, KA XII, 4f.]

35 „Reell“ bezeichnet bei Schlegel immer schon den „Zustand der gegenseitigen Aufgehobenheit der Gegensätze von Idealismus und Realismus.“[Elsässer (1991), S. 118.] „Reell“ ist demnach nicht gleichzusetzen mit „real“. Zur von Schlegel angestrebten Synthese von Idealismus und Realismus siehe Abschnitt 2e) dieser Arbeit.

36 Schlegel, PL, KA XVIII, 160 [442].

37 Schlegel, TP, KA XII, 22.

38 Schlegel, TP, KA XII, 13. Das Bewusstsein (hier überindividuell verstanden) hat nämlich innerhalb der kosmischen Bewegung auch seine eigene Geschichte, die Schlegel anhand von sechs Epochen beschreibt: Die drei Epochen des Irrtums Empfindung, Anschauung und Vorstellung und die drei Epochen der Wahrheit Einsicht, Vernunft und Verstand. Die Epoche der Vernunft ist erreicht, was folgen muss, ist die Epoche des Verstandes, die eben durch die neue Mythologie eingeleitet werden soll. Schlegel unterscheidet also auch zwischen „Vernunft“ und „Verstand“. Vernunft ist dabei als das geistige Vermögen des Menschen zu verstehen, Ideen hervorzubringen. (Ideen sind in der Transcendentalphilosophie bestimmt als Wissen vom Ganzen. Siehe dazu Abschnitt 2e).) Die Vernunft richtet sich also schon auf das Unendliche, kann es alleine aber nicht erfassen. Sie muss erst mit allen anderen menschlichen Kräften (Fantasie, Liebe etc.) verbunden werden. Dies geschieht in der Epoche des Verstandes, welcher bereits bestimmt ist als „<Anmerkung 1: universelles Bewußtseyn, oder ein bewußtes Unendliches>“. [Schlegel, TP, KA XII, 13.] Dies ist einer der Punkte an denen sich eine ganz erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Hegel und Schlegel erkennen lässt. Hegel zufolge entwickelt sich das Bewusstsein stufenweise von der sinnlichen Gewissheit hin zum absoluten Wissen. [Vgl. dazu: Longato (2004), S. 637-639.]

39 Schlegel, TP; KA XII, 13.

40 Brauers (1996), S. 53.

41 Schlegel, RF, KA VII, 75f.

42 Schlegel, PL, KA XVIII, 164 [490].

43 Schlegel, ÜP, KA VIII, 55.

44 Schlegel, GP, KA II, 286.

45 Schlegel, RM, KA II, 322.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Schlegels Rede über die Mythologie
Untertitel
Die neue Mythologie als Antwort auf ein Vermittlungs- und Erkenntnisproblem
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
33
Katalognummer
V510428
ISBN (eBook)
9783346085689
ISBN (Buch)
9783346085696
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlegel, Frühromantik, Romantik, Rede über die Mythologie, Gespräch über die Poesie
Arbeit zitieren
Simon Ewers (Autor), 2018, Schlegels Rede über die Mythologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510428

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