Ist ein Embryo keine Person? Aktuelle Rechtslage in Deutschland zum Thema Schwangerschaftsabbruch


Essay, 2018

7 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Rechtslage in Deutschland

Position der Philosophie am Beispiel von Norbert Hoerster
Fötus als menschliches Individuum
Fötus als Person
Argumente für den Lebensschutz

Resümee und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Es gibt kaum ein Problem in unserer Gesellschaft, welches in der Vergangenheit, sowie auch in der Gegenwart, immer wieder so stark diskutiert wurde bzw. wird, wie das Thema des Schwangerschaftsabbruchs. Dies steht wohl im Zusammenhang mit den hohen Zahlen der Abtreibungen in den letzten Jahren. Denn allein in Deutschland fanden im Jahr 2018 rund 100.000 Schwangerschaftsabbrüche statt[1]. Auf Grund dieser hohen Zahlen kommen immer wieder Streitigkeiten über die Abtreibung und die aktuelle Rechtslage auf. Es stehen viele Fragen im Raum, wie zum Beispiel: Hat ein Fötus kein Recht auf Leben? Ist ein Embryo eine Person und ein Mensch? Diese Fragen werden gegenwärtig nicht nur in der Öffentlichkeit erörtert, sondern auch in der philosophischen Ethik. Es gilt sich diesen Fragen anzunehmen und in vorurteilsloser Abwägung zu den Argumenten Stellung zu beziehen. So tut dies auch der Philosoph Norbert Hoerster, auf dessen Argumenten dieses Essay aufbaut. Hier soll genauer untersucht werden, ob ein Embryo ein Recht auf Leben hat, ob er als Mensch und Person anerkannt werden sollte.[2]

Die Arbeit soll zunächst Aufschluss über die aktuelle gesetzliche Regelung in Deutschland geben und somit klären unter welchen Umständen eine Abtreibung, laut Gesetz, in Deutschland erlaubt ist. Im weiteren Abschnitt wird die Position von Norbert Hoerster genauer beleuchtet und die Frage geklärt, ob ein Embryo als Person und Mensch gesehen werden sollte, um so die Fragestellung der Arbeit schlussendlich beantworten zu können.

Rechtslage in Deutschland

In Deutschland gibt es seit dem Jahr 1995 eine Neuregelung des Gesetzes in Blick auf den Schwangerschaftsabbruch. Seit her greift der §218 Strafgesetzbuch, hier heißt es, dass ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar ist, jedoch gibt es in Deutschland einige Ausnahmefälle. Denn es gibt die so genannte „Fristenregelung mit Beratungspflicht“, bis zur 12 Schwangerschaftswoche ist eine Abtreibung frei von Strafe, allerdings nur nach einer vorherigen Beratung. Außerdem ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht rechtswidrig bei medizinischer oder kriminologischer Indikation.[3]

Die deutsche Fristenregelung mit Beratungsschutz betont das Lebensrecht des Kindes, dennoch wird es dem Interesse der Mutter untergeordnet und ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt.

Position der Philosophie am Beispiel von Norbert Hoerster

Fötus als menschliches Individuum

Um gegen den Schwangerschaftsabbruch mit der Menschlichkeit argumentieren zu können, wird zu nächst erst mal vorausgesetzt, dass der Embryo überhaupt ein menschliches Individuum ist. Auf einigen Plakaten war lange der Slogan „Mein Bauch gehört mir!“ zu lesen, dieser Slogan geht davon aus, dass der Fötus lediglich ein Körperteil oder ein Organ der schwangeren Frau sei und somit also offensichtlich kein menschliches Individuum. Diese Sichtweise ist, durch die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, jedoch eindeutig widerlegt. Natürlich ist der Fötus unselbstständig in dem Sinn, dass er nicht von sich aus, ohne fremde Hilfe überleben kann, dies kann aber auch kein Kleinkind und dieses wird auch als menschliches Individuum gesehen. Das ändert daher nichts an der Tatsache, dass ein Embryo, nicht anders als der geborene Mensch, bereits unverwechselbar ein menschliches Wesen ist. In der befruchteten Eizelle des Fötus sind bereits alle psychischen und physischen Eigenschaften anlagemäßig enthalten, die sich nach der Geburt kontinuierlich entwickeln. Schon die befruchtete Eizelle ist demnach ein menschliches Individuum. Die Annahme, dass ein Embryo vor der Geburt einfach nur ein Teil der Schwangeren sei und sich erst nach der Geburt zu einem Menschen entwickelt ist somit widerlegt, denn der Fötus ist von Beginn an ein menschliches Individuum.[4]

Fötus als Person

Die Frage ob ein Embryo als Mensch bezeichnet werden kann, ist somit nun geklärt, aber die Frage ob ein Fötus auch eine Persönlichkeit besitz bzw. eine Person ist, gilt es noch zu beantworten. Hoerster sagt, dass Personen über eine Vielzahl zukunftsbezogener Wünsche verfügen, demgemäß sind alle erwachsenen Menschen, Jugendliche und ältere Kinder, Personen. Bekanntermaßen haben diese zukunftsbezogene Wünsche und Interessen, wie unter anderem auch das Überlebensinteresse. Doch ab wann beginnt ein menschliches Individuum eine Person zu werden? Ist ein Fötus auch eine Person? Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, denn die Entwicklung zur eigenen Person ist ein kontinuierlicher Prozess, welcher individuell unterschiedlich verläuft. Nach Hoerster ist allerdings sicher, dass Neugeborene keinerlei Anzeichen von Personalität zeigen, weder im Verhalten noch in den neuropsychologischen Voraussetzungen. Dies kann nicht nur durch die Alltagserfahrung gezeigt werden, sondern auch durch die Wissenschaft. Diese streitet ab, dass Neugeborene so etwas wie ein „Ichbewusstsein“ haben. Schlussendlich kann der Embryo in der Entwicklung nicht weiter sein als ein Neugeborenes, wenn also ein Neugeborenes nach Hoerster nicht als Person gesehen werden kann, kann somit ein Fötus auch keine Personalität besitzen. Die Folge daraus ist, dass der Fötus in jedem Fall unter dem Gesichtspunkt der Personalität keinen Anspruch auf Lebensrecht stellen kann.[5]

Argumente für den Lebensschutz

Nach der Definition von Norbert Hoerster ist ein Embryo keine Person bzw. hat keine Persönlichkeit, da er eine Person auf zukunftsbezogene Wünsche, Interessen und das Ichbewusstsein festlegt. Demzufolge lässt sich der Lebensschutz des Fötus nicht durch die Persönlichkeit begründen.[6] Ungeachtet dessen ist ein Embryo aber ein menschliches Individuum, welches alle Anlagen und Voraussetzungen hat, um sich zu einer Person zu entwickeln. Wenn sich also ein Lebensrecht für alle menschlichen Individuen begründen lässt, so wäre damit auch ein Abtreibungsverbot begründet. In kurzen Worten ist ein Embryo ein menschliches Individuum wie jeder andere Mensch auch und hat daher genauso ein Recht auf Leben.[7] Ein weiterer Grund für ein Lebensrecht ist das so genannte „Überlebensinteresse“, das personale Wesen haben. Zwar sind menschliche Individuen nicht gleich auch personale Wesen, aber ihnen kann trotzdem ein Überlebensinteresse zu gesprochen werden. Denn ein Embryo wird sich unter normalen Umständen zu einem Menschen mit Ichbewusstsein entwickeln und ist somit ein „potentiell personales oder vorpersonales Wesen“.[8] Zudem ist nach Hoerster ein weiteres Argument für den Lebensschutz des Fötus das „Gattungsinteresse“. Hier wird argumentiert, dass Embryonen Menschen sind, welche sich in der ersten Entwicklungsphase befinden. Das bedeutet, dass jeder Mensch und jede Person auch einmal in dieser Phase war. Würden wir also alle Embryonen einfach töten, dann gäbe es uns Menschen auch nicht mehr.[9] Es wäre in der Tat wohl sehr absurd, wenn wir verschiedene Tier- und Pflanzenarten wegen ihres Gattungswertes schützen, wie es beim aktuellen Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ auch tatsächliche geschieht[10], aber unserer eigenen Spezies keinen Schutz bieten. Dieser Schutz sollte ab der Befruchtung stattfinden, denn ab da besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Embryo innerhalb von neun Monaten ein Mensch heranwächst. Selbstverständlich muss sich das Embryo erst entwickeln und hat zu Beginn noch nicht alle menschlichen Fähigkeiten und Eigenschaften, aber dennoch sind sämtliche artspezifische Anlagen im frühesten Fötus bereits enthalten.[11]

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt.

[2] Vgl. Hallich.

[3] Vgl. StGb §218.

[4] Vgl. Hoerster 1991, S. 24ff.

[5] Vgl. Hoerster 1991, S. 79ff.

[6] Vgl. Hoerster 1991, S. 79ff.

[7] Vgl. Hoerster 1991, S. 24ff.

[8] Vgl. Hoerster 1991, S. 95f.

[9] Vgl. Hoerster 2002, S. 109ff.

[10] Vgl. Bund Naturschutz.

[11] Vgl. Hoerster 2002, S. 109ff.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Ist ein Embryo keine Person? Aktuelle Rechtslage in Deutschland zum Thema Schwangerschaftsabbruch
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V510576
ISBN (eBook)
9783346079022
Sprache
Deutsch
Schlagworte
embryo, person, aktuelle, rechtslage, deutschland, thema, schwangerschaftsabbruch
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Ist ein Embryo keine Person? Aktuelle Rechtslage in Deutschland zum Thema Schwangerschaftsabbruch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510576

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