Die Arbeit soll auf theoretischer Ebene einerseits (er)klären, wie eine "feindliche"Haltung gegenüber Schwulen zustande kommt und andererseits eine mögliche Bewältigungsstrategie aufzeigen.
Homosexualität ist oft noch immer ein Stigma. Gerade für homosexuelle und besonders schwule Jugendliche ist es meist schwierig in ihrem sozialen Umfeld offen mit ihrer sexuellen Orientierung umzugehen. Männer, die offen schwul leben sehen sich nicht selten Beleidigungen und Ausgrenzung ausgesetzt. Auf Grund solcher Erfahrungen geouteter schwuler sehen viele Jugendliche ein Outing nicht als Option und verstecken ihre sexuelle Orientierung.
Dazu werden drei größere Theoretische Ansätze herangezogen. Der erste ist der "Doing Gender" Ansatz nach West und Zimmerman. Dieser beschreibt allerdings nur die allgemeine Konstruktion von Geschlecht. Um die Konstruktion von Männlichkeit und auch die damit einhergehende Probleme nachzuzeichnen, wird der Ansatz von Männlichkeitskonstruktion nach Cornell genutzt. Die dritte Theorie ist die "dramaturgische Handlungstheorie" nach Goffman, und kann deshalb keinen oder nur einen sehr vagen Bezug zur Praxis leisten. Entsprechend gering fällt der Anteil dieser Theorie im Rahmen der Arbeit aus. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Frage, Ziel und Vorgehen
2. Schwul ist uncool?! – Geschlechter- und Männlichkeitskonstruktionen
2.1. Sex ≠ Gender – gesellschaftliche Geschlechterkonstruktion
2.2. Doing Gender und Heteronormativität als ein gesellschaftliches Ideal
2.2.1. Homosexualität = Devianz?!
2.3. „Der gemachte Mann“ – Connells Männlichkeitskonstruktionen
2.3.1. Probleme mit der Männlichkeit?
3. Was am Ende übrig bleibt – Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf theoretischer Ebene, warum Homosexualität für schwule Jugendliche eine gesellschaftliche Problematik darstellt und welche Herausforderungen sich daraus für eine geschlechterreflektierte Jugendarbeit ergeben.
- Theoretische Grundlagen zur Geschlechterkonstruktion (Sex vs. Gender)
- Analyse des Doing Gender-Ansatzes in Bezug auf Geschlechterstereotype
- Bedeutung der Heteronormativität als gesellschaftliches Ideal
- Connells Männlichkeitskonstruktionen und ihre Auswirkungen auf schwule Jugendliche
- Herausforderungen für die soziale Arbeit durch Diskriminierung und Stigmatisierung
Auszug aus dem Buch
2.3 „Der gemachte Mann“ – Connells Männlichkeitskonstruktionen
Geschlecht ist nicht gleich Geschlecht. So viel sollte bis zu diesem Punkt der Arbeit klar geworden sein. R. W. Connell geht allerdings noch einen Schritt weiter und postuliert: männlich ist nicht gleich männlich. Auch hier gibt es Unterschiede. Grundsätzlich erkennt Connell vier dynamische Archetypen von Männlichkeit: Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft und Marginalisierung (vgl. Connell 2006: 97f).
Hegemonie – egal in welchem Kontext von ihr die Rede ist – beschreibt immer eine gewisse Vormachtstellung. Hegemoniale Männlichkeit ist laut Connell die Konstruktion von Männlichkeit, die in ihrer Funktion die Legitimation des Patriachats garantiert (vgl. Connell 2006: 98). Im Alltagsverständnis der Gesellschaft würde man hegemonial männlich konstruierte Individuen wahrscheinlich als ‚Alpha-Männchen‘ bezeichnen (auch wenn dieses Bild mit einem starken Bezug zur Soziobiologie anstößig wirkt, illustriert es doch anschaulich was gemeint ist). Es sind die Männer, die im Sinne von Pierre Bourdieu (1983) die beste Kapitalienausstattung besitzen und die daraus resultierenden Vorteile und Chancen am geschicktesten zu nutzen wissen.
In der ‚Rangordnung ‘steht unter der hegemonialen die untergeordnete Männlichkeit. Geht man davon aus, dass die hegemoniale Männlichkeit die gesellschaftliche Norm für Männer vorgibt, so gibt die untergeordnete Männlichkeit die Abweichung von dieser Norm wieder. In einer heterosexuell dominierten Gesellschaft fallen vor allem homosexuelle Männer in diese Konstruktion. Sie werden von der ‚übergeordneten‘ Männlichkeitskonstruktion im Sinne einer Stigmatisierung dominiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Frage, Ziel und Vorgehen: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Problematik homosexueller Jugendlicher in einer heteronormativen Gesellschaft und legt das methodische Vorgehen der theoretischen Aufarbeitung dar.
2. Schwul ist uncool?! – Geschlechter- und Männlichkeitskonstruktionen: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen der Geschlechterkonstruktion, den Doing Gender-Ansatz und die Konzepte der Heteronormativität sowie Connells Männlichkeitsarchetypen.
3. Was am Ende übrig bleibt – Zusammenfassung: Die Zusammenfassung fasst die zentralen theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer geschlechterreflektierten Jugendarbeit, um soziale Schubladendenken und Diskriminierung zu dekonstruieren.
Schlüsselwörter
Geschlechtertheorie, Jugendarbeit, Homosexualität, Doing Gender, Heteronormativität, Männlichkeitskonstruktion, Connell, Stigmatisierung, Diskriminierung, Sozialisation, Geschlechterrollen, Undoing Gender, Identität, Geschlechterstereotype, soziale Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert gendertheoretische Grundlagen, um die Problemlage schwuler Jugendlicher in einer heteronormativ geprägten Gesellschaft theoretisch zu beleuchten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen Geschlechterkonstruktionen, das Konzept der Männlichkeit, soziale Identitätsbildung sowie die Auswirkungen von Heteronormativität und Homophobie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welchen Problemen schwule junge Männer ausgesetzt sind und warum ein geschlechterreflektiertes Vorgehen in der Jugendarbeit notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Übersichtsarbeit, die auf der Analyse existierender gendertheoretischer Literatur und Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Geschlechterkonstruktion, den Doing Gender-Ansatz, die Bedeutung der Heteronormativität sowie die verschiedenen Formen der Männlichkeitskonstruktion nach R.W. Connell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Doing Gender, Heteronormativität, hegemoniale/untergeordnete Männlichkeit, Stigmatisierung und geschlechterreflektierte Pädagogik.
Wie unterscheidet sich hegemoniale von untergeordneter Männlichkeit?
Hegemoniale Männlichkeit bildet die gesellschaftliche Norm und Vormachtstellung, während untergeordnete Männlichkeit – wie sie oft schwulen Männern zugeschrieben wird – die Abweichung von dieser Norm markiert und mit Stigmatisierung einhergeht.
Warum wird im Text der Begriff „Undoing Gender“ erwähnt?
Das Konzept beschreibt als notwendige Gegenmaßnahme die aktive Problematisierung und Dekonstruktion bestehender Geschlechterstereotype, um den sozialen Druck auf Jugendliche zu mindern.
- Arbeit zitieren
- Alexander Köneke (Autor:in), 2015, Wer schwul sein will muss leiden? Gendertheoretische Grundlagen geschlechterreflektierter Jugendarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510677