Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Autonomen Kunst in der Kulturindustrie. Dabei wird untersucht, ob es Kunst geben kann, die im Raum der Kulturindustrie autonom und möglich ist. Hierfür wird sie zunächst auf den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der kritischen Theorien eingehen und anschließend Adornos normativen Kunstbegriffes nachzeichnen.
Ein besonderer Fokus der Arbeit liegt hierbei auf die Veränderung des Warencharakters der Kunst, weil sie ausschlaggebend für den Verlust der Autonomie der Kunst ist. Die "Warenförmigkeit der Kunst" soll dann ins Verhältnis zur gesellschaftlichen Funktion der autonomen Kunst gesetzt werden, um hinsichtlich des Erkenntnisziels der Arbeit zu untersuchen, in welchen Konstellationen die autonome Kunst im Raum der Kulturindustrie möglich ist. Hierbei wird anhand des Vergleiches zwischen ernster und leichter Musik das Spannungsverhältnis näher erläutert.
Im Begriff der Kulturindustrie versuchen Adorno und Horkheimer den strukturellen Wandel einer transformierenden Gesellschaft zu begreifen. Auf einer abstrakt-theoretischen Ebene steht der Begriff für das System der industrialisierten Produktion von Kulturgütern unter den Primat ökonomischer Verwertbarkeit. Die Kulturindustrie fungiert in dem Zusammenhang als Herrschaftsmittel, in dem das Denken und Handeln der Menschen in den Konsum umgelenkt und drauf beschränkt wird. Auf einer weiteren, viel konkreteren Ebene, handelt es sich beim Begriff um die Veränderung der Funktion von Kultur, in der alle kulturellen Erzeugnisse zur Profitmaximierung und Herrschaftssicherung auf ihren Warencharakter reduziert werden und ausschließlich als Mittel zur Befriedigung der Konsumbedürfnisse der Menschen dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kulturindustrie als Analysebaustein der Kritischen Theorie
2.1. Zum Begriff der Kulturindustrie
2.2. Kritik der Warenform
3. Autonomie und Warencharakter der Kunst im Spannungsfeld der Kulturindustrie
3.1. Adornos Kunstbegriff
3.2. Warenförmigkeit der Kunst
4. Autonome Kunst als vermeintlicher Gegensatz der Kunst in der Kulturindustrie
4.1. Unterschiede zwischen Autonomer Kunst und Kulturindustrie
4.2. Zur ernsten und leichten Musik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Paradoxon, ob autonome Kunst im Raum der Kulturindustrie überhaupt existieren kann. Ausgehend von der Kritischen Theorie von Adorno und Horkheimer wird analysiert, inwiefern die zunehmende Warenförmigkeit von Kulturgütern den Handlungsspielraum für eine wahrhaft autonome Kunst einschränkt oder gar aufhebt.
- Kulturindustrie als Herrschaftsinstrument
- Transformation der Kunst zur Ware
- Adornos normativer Kunstbegriff
- Spannungsfeld zwischen autonomer und kommerzieller Kunst
- Vergleich von ernster und leichter Musik
Auszug aus dem Buch
3.1. Adornos Kunstbegriff
Ein erster Hinweis wie Adornos Kunstbegriff nachzuzeichnen sei, findet sich im o.g. Zitat von Angela Keppler. In dem die Kunst sich reflexiv auf die Widersprüche des gesellschaftlichen Systems bezieht und sie im Bereich des Möglichen dialogisch gegenüberstellt, zeig sich – ganz in der Tradition der kritischen Theorien – ein dialektischer Kunstbegriff. Zwar wenden sich Adorno und Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung, an vereinzelten Stellen zum Zustand der autonomen Kunst; aber wird auf das Verständnis ihres Kunstbegriffes per se nicht eingegangen. Vermeintlich an einer Stelle, kommt Adornos dialektischer Kunstbegriff im Ausgang vom [autonomen] Kunstwerk und der Zauberei zum Ausdruck. So nehmen Adorno und Horkheimer an, dass das Kunstwerk mit der Zauberei einen jeweils eigenen, „in sich abgeschlossenen Bereich“, wo „besondere Gesetzte“ herrschen gemeinsam hat. (DA: 32). In dem die Kunst „das reine Bild in Gegensatz zur leibhaften Existenz“ rückt und deren Elemente in sich aufhebt (ebd.), vermittelt sich eine Anschauung des [Un]Möglichen, also etwas, was über die subjektive Erfahrung hinausgeht und nicht mit Worten per se zu Identifizieren sei (vgl. ebd.).
Dieser reflexive Kunstbegriff wird unter anderen in Adornos Schrift Ästhetische Theorie (1970) im Hinblick auf das Naturschöne näher erläutert. So sei für Adorno die Kunst ohne das Naturschöne gar nicht zu verstehen. Dementsprechend verkörpert sie einen integralen Bestandteil in seinem Kunstverständnis (vgl. Sonderegger 2011, S. 415). Das Naturschöne, bezeichnet das Spiel von ineinander tretenden und „kaleidoskopisch“ wechselnden Naturerscheinungen (vgl. GS 7: 111). In der Natur drücke sich etwas zugrundeliegendes Schönes aus was nicht durch Menschenhand entstanden ist. Das Schöne, wird zwar vom Mensch wahrgenommen, doch zugleich, fällt es ihn schwer, die Masse an Elementen und ambivalenten Bewegungen innerhalb eines Naturschauspiels in Worte zu begreifen oder zueinander in Beziehung zu setzen. Jedoch lebt das Naturschöne, genau in dieser Dynamik: „Eines kann für das andere eintreten, und in der Fluktuation, nicht in der Eindeutigkeit der Beziehungen [...]“ (GS 7: 111).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsverhältnis zwischen autonomer Kunst und der Integration durch die Kulturindustrie ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Kulturindustrie als Analysebaustein der Kritischen Theorie: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Kulturindustrie innerhalb der Frankfurter Schule und analysiert die Kritik an der Warenform von Kulturgütern.
3. Autonomie und Warencharakter der Kunst im Spannungsfeld der Kulturindustrie: Hier wird Adornos Kunstverständnis unter Rückgriff auf das Naturschöne dargelegt und die zunehmende Warenförmigkeit der Kunst kritisch hinterfragt.
4. Autonome Kunst als vermeintlicher Gegensatz der Kunst in der Kulturindustrie: Das Kapitel untersucht die Unterschiede zwischen autonomer Kunst und Kulturindustrie sowie die Differenzierung zwischen ernster und leichter Musik.
5. Fazit: Das Fazit bestätigt das Paradoxon, dass autonome Kunst im System der Kulturindustrie kaum entkommen kann und nur noch in der Widerspiegelung gesellschaftlicher Brüche existiert.
Schlüsselwörter
Kulturindustrie, Kritische Theorie, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Autonome Kunst, Warencharakter, Warenförmigkeit, Dialektik der Aufklärung, Kapitalismus, Ästhetik, Naturschönes, Ernste Musik, Leichte Musik, Entfremdung, Massenkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Paradoxon der Kunst in der modernen Gesellschaft, konkret die Frage, ob autonome Kunst innerhalb des totalen Systems der Kulturindustrie überhaupt noch möglich ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritische Theorie, die Analyse des Warencharakters von Kunst sowie die Unterscheidung zwischen sogenannter "ernster" und "leichter" Musik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Verlust der Autonomie der Kunst durch ihre Reduktion zur Ware innerhalb der kapitalistischen Kulturindustrie nachzuzeichnen und zu prüfen, ob ein subversives Potenzial der Kunst bewahrt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse der Schriften von Adorno und Horkheimer, insbesondere die Dialektik der Aufklärung und die Ästhetische Theorie, um gesellschaftliche Strukturen und künstlerische Funktionen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kulturindustrie, die Erläuterung von Adornos Kunstbegriff sowie eine praktische Differenzierung anhand des Vergleichs von ernster und leichter Musik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kulturindustrie, Autonomie, Warencharakter, Kritische Theorie und die dialektische Auseinandersetzung mit der modernen Kunst.
Welche Rolle spielt das "Naturschöne" in der Argumentation des Autors?
Das Naturschöne dient Adorno als Referenzpunkt, um eine Kunstform zu definieren, die sich der vollständigen Identitätslogik und ökonomischen Verwertbarkeit entzieht und somit den Kern autonomer Kunst darstellt.
Warum wird zwischen "ernster" und "leichter" Musik unterschieden?
Die Unterscheidung dient als Materialbeispiel, um zu verdeutlichen, dass während die leichte Musik den Warencharakter vollumfänglich akzeptiert, die ernste Musik zumindest den Versuch unternimmt, durch ihre Struktur gesellschaftliche Widersprüche abzubilden.
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- Jack Mensah (Author), 2019, Autonome Kunst in der Kulturindustrie. Ein Paradoxon?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510705