Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Intervention am Beispiel des Programmes "9+12 – Gemeinsam gesund“


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,3

Julia Kersten (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzzusammenfassung

1. Einleitung
1.1 Ernährungssituation in Deutschland
1.2 Ursachen, Risikofaktoren und Folgen
1.3 Maßnahmen der Gesundheitspolitik

2. Das Projekt "9+12 - Gemeinsam gesund
2.1 Konzept und Umsetzung
2.2 Evaluation
2.3 „9+12“ – ein gesundheitswissenschaftliches Projekt

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Kurzzusammenfassung

Die stetige Zunahme von Übergewicht, insbesondere Adipositas sowie der demographische Wandel stellen das Gesundheitswesen vor immer größer werdenden finanziellen und versorgungstechnischen Herausforderungen. Das Projekt „9+12 – Gemeinsam gesund“ der Initiative „pep – plattform ernährung und bewegung e.V.“ hat das Ziel eine gesunde Ernährung und Lebensweise von der Empfängnis an zu fördern und dadurch das Übergewichtsrisiko von Beginn an zu senken. Die Projektevaluation sowie die gesundheitswissenschaftliche Relevanz sind aus der vorliegenden Arbeit zu entnehmen.

1. Einleitung

Die Förderung einer gesunden Ernährung in unserem Bundesgebiet gewinnt immer mehr an Bedeutung, da Umfrage- und Untersuchungsergebnisse einen kontinuierlichen Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas sowie deren Folgen verzeichnen. Für die Gesundheitspolitik bedeutet das einen dringenden Interventionsbedarf und die Schaffung von Maßnahmen, um einem gesundheitsförderlichen Lebensstil, insbesondere eine gesunde Ernährung der Bevölkerung, zu gewährleisten und zu unterstützen. Integrative Projektarbeit trägt dazu bei das Ernährungsverhalten dort zu beeinflussen, wo es entsteht: im geschützten Rahmen der Familie. Dieses Setting – Ansatz ist Bestandteil des Projektes „9+12 – Gemeinsam gesund“, das in der vorliegenden Arbeit vorgestellt wird.

Im ersten Teil der Hausarbeit erhält der Leser einen Überblick über diverse Daten und Fakten der Ernährungssituation in Deutschland sowie über die erhobenen Nahrungsmittelvorlieben und Ernährungsgewohnheiten in Deutschland. Ebenso werden auslösende Faktoren, soziale Hintergründe und Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas beschrieben. Abschließend wird ein kurzer Einblick über einige Institutionen der Gesundheitspolitik gegeben. Der zweite Teil dieser Arbeit beschreibt das Projekt „9+12 – Gemeinsam gesund“ und geht dabei auf Inhalt, Umsetzung, Evaluation sowie deren gesundheitswissenschaftliche Bedeutung ein. Eine abschließende Beurteilung der Rechercheergebnisse und Ausblick über themennahe Module im weiteren Studienverlauf sind dem dritten Teil der Arbeit zu entnehmen.

1.1 Ernährungssituation in Deutschland

Ein gut ausgebautes Grundsicherungssystem im westlichen Industriestaat Deutschland sorgt für eine gedeckte Existenzsicherung der Bürger. Der Zugang zu Nahrungsmitteln ist für alle Menschen gewährleistet und besonders hochkalorische Lebensmittel sind leicht erhältlich. Durch dieses Überangebot wird ein von Übergewicht geprägter Lebensstil geführt und besonders Adipositas ist immer häufiger unter den Deutschen vertreten.

Der Anteil an übergewichtigen Erwachsenen in Deutschland im Alter von 18 bis 79 Jahren beträgt bei den Männern 67% und bei den Frauen 53%. Im Vergleich zu den 1990er Jahren ist die Gesamtsumme nicht gestiegen, jedoch geht der Trend hin zur adipösen Überernährung. Stark übergewichtig sind bereits 23,3% der Männer und 23,9% der Frauen (Jordan et al. 2012: 11).

Die Basiserhebung der KIGGS – Studie ermittelte bei den Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren einen 15%igen Anteil an Übergewichtigen. Davon waren 6,3 % der Befragten adipös. Seit den 1980er Jahren erhöhte sich die Anzahl der übergewichtigen und adipösen Kinder um 50% (RKI 2008: 42).

Hauptnahrungsmittel bei Männern und Frauen ist Brot, gefolgt von Milch und Käse. An dritter Stelle stehen bei den Frauen Süßwaren und bei den Männern Fleisch und Wurst (Max-Ruber-Institut 2008: 92 und 93).

Auch bei Kindern und Jugendlichen bestehen die aufgenommenen Lebensmittel überwiegend aus Brot, Milchprodukten und Süßwaren. Säfte und Limonaden werden besonders häufig von Jungen in der Altersgruppe zwischen 12- bis 17 Jahren konsumiert (Mensink et al. 2007: 41).

Beim Gemüseverzehr der 6- bis 11Jährigen erreichen 6% der Jungen und 7% der Mädchen die altersgemäß empfohlene Menge. Beim Obstverzehr sind es 15% der Jungen und 19% der Mädchen (Mensink et al. 2007: 57).

55% der Deutschen favorisieren eine einfache und schnelle und Zubereitung der Nahrung. Dies ist besonders wichtig für die 19 bis 29jährigen. 60% der jungen Erwachsenen ernähren sich häufig von Fertiggerichten. Termindruck sowie Zeitgründe sind dabei entscheidende Faktoren (BMEL 2017: 6-10).

54,8 % der 12- bis 17Jährigen haben Erfahrung mit der Zubereitung Pfandkuchen, Eierkuchen oder Crêpes. Dagegen haben nur 15,9 % der Jugendlichen schon einmal Kartoffeln, Gemüse oder Braten mit Soße zubereitet. 24% der Mädchen und 10% der Jungen aus dieser Altersgruppe haben bereits mindestens eine Diäterfahrung (Mensink 2007: 73-76).

1.2 Ursachen, Risikofaktoren und Folgen

Übergewicht bezeichnet einen BMI- Wert zwischen 25 bis 30. Werte darüber hinaus gelten als Adipositas (Kellnhauser et al. 2004: 239).

Um einen konstanten BMI- Wert aufrecht zu erhalten sind bestimmte Regulationsmechanismen im Körper verantwortlich, über diese unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl gesteuert wird. Ein wichtiges Hormon des Fettgewebes, das für diese Art der Regulation zum Einsatz kommt, ist das Leptin. Es gelangt über den Blutweg zum zentralen Nervensystem und löst dort eine Hemmung des Appetits aus. Es wird angenommen, dass beim Übergewicht dieser Mechanismus aufgrund einer Leptinresistenz gestört ist (Huch und Bauer 2003: 250).

Dadurch setzt das Sättigungsgefühl später ein, die Nährstoffaufnahme übersteigt den Energieverbrauch und es kommt zum Übergewicht. Darüber hinaus können Gefühle wie Kummer, Stress, Angst, Frustration und Langeweile zu einem Nicht- Beachten des persönlichen Sättigungsgefühls führen und so die individuelle Nahrungsaufnahme steigern (Kellnhauser et al. 2004: 239).

Auch Erziehungsregeln wie „ man muss den Teller leer essen “ tragen dazu bei den natürlichen Hunger-, Sättigungsmechanismus zu stören. Betroffene erlernen eine von äußeren Reizen gesteuerte Nahrungsaufnahme und verlieren die Sensibilität für die eigenen Körpergefühle (Benecke und Vogel 2005:14).

Die Risikofaktoren von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 3- bis 17 Jahren können isoliert oder als „multifaktorielles Modell“ betrachtet werden. Spricht man von isolierten Faktoren wird jeder Faktor einzeln betrachtet und steht nicht unmittelbar in Verbindung zueinander. Im „multifaktoriellen Modell“ korrelieren diese Einflussfaktoren miteinander und werden gleichermaßen berücksichtigt. So stellt der soziale Status das bedeutsamste Risiko zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas dar. 20,7 % der Kinder und Jugendlichen mit niedrigen sozialen Status sind übergewichtig. Dagegen erreichen nur 9,4 % aus hohem Sozialstatus ein Übergewicht. Untergeordneter, aber mit dem Sozialstatus in direkter Verbindung stehender Faktor, ist der Migrationshintergrund. Der größte Anteil von Kindern mit einer Übergewichtsproblematik stammt aus Familien mit Migrationshintergrund. Dabei spielt das Übergewicht der Eltern eine bedeutende Rolle, da Eltern ihre Verhaltensweisen übertragen. Kinder werden dadurch geprägt und zeigen im späteren Verlauf ihres Lebens ähnliche Verhaltensmuster. Übergewichtige Kinder übergewichtiger Eltern sind zu 26,1% vertreten, wohingegen der Anteil übergewichtiger Kinder normalgewichtiger Eltern 5,7% beträgt. Wird dies als isolierter Faktor betrachtet, so rückt es in seiner Wichtigkeit an erste Stelle, denn Kinder übergewichtiger Eltern haben ein achtmal höheres Risiko selbst einmal übergewichtig oder ädipös zu werden. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen der Mutter, Hohes Geburtsgewicht, Medienkonsum (Fernsehen/Video/Spielkonsole/Computer), mangelnder familiärer Zusammenhalt. Zu weiteren, isoliert betrachteten Risikofaktoren zählen unter anderen ein niedriger Bildungsstand, das Aufwachsen in Ein-Eltern-Familien, mangelnde körperliche und sportliche Aktivität, Schlafmangel, hohe Gewichtszunahme und Rauchen in der Schwangerschaft, hohes Geburtsgewicht des Kindes, Nicht-Stillen. Als wichtiger präventiver Faktor zur Vorbeugung einer Übergewichtsprävalenz gilt das möglichst lange Stillen des Säuglings durch die Mutter. Empfehlenswert ist hier mindestens sechs Monate nach der Geburt ganz auf Flaschennahrung zu verzichten. Bei Säuglingen, die mindestens sechs Monate gestillt wurden ist eine spätere Adipositas nur zu 3,8% vertreten. Dagegen sind es 9,0% der ehemals nicht gestillten Säuglinge (RKI 2008: 45-48).

Folgen:

Mit steigendem BMI- Wert im Zusammenhang mit Bewegungsmangel oder anderer Risikofaktoren wie beispielsweise Tabakkonsum erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer oder mehrerer Folgeerkrankungen von Adipositas. Neben Bluthochdruck (häufigste Begleiterkrankung) können auch eine koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus Typ 2, Schlaganfall, Schlafapnoe- Syndrom, Erkrankungen des Bewegungsapparates oder weitere akute oder chronische Krankheiten auftreten (Benecke und Vogel 2005: 15-17).

Um eine medizinische, therapeutische oder pflegerische Versorgung der Betroffenen zu gewährleisten, müssen enorme Aufwendungen getroffen werden. Eine hohe finanzielle Belastung seitens des deutschen Gesundheitssystems wird somit unabdingbar.

Im Jahr 2003 beliefen sich die Gesamtausgaben der Adipositas und die mit ihr in Verbindung stehenden (assoziierten) Erkrankungen auf insgesamt rund 12,75 Mrd. Euro. Bei der Berechnung wird in direkte und indirekte Kosten unterschieden. Direkte Kosten entstehen unmittelbar durch die Behandlung der Adipositas. Für Medikamente, stationäre und ambulante Kosten wurden im Jahr 2003 rund 85,7 Mio. Euro ausgegeben. Die Kosten der Adipositas assoziierten Erkrankungen betrugen 12,27 Mrd. Euro. Dazu zählen beispielsweise Ausgaben für die Behandlung eines, durch einen Bluthochdruck initiierten Schlaganfalls. Als indirekte Kosten werden Ausgaben bezeichnet, die über Umwege (Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Mortalität) das Gesundheitssystem belasten. Auf diesem Wege kamen im Jahr 2003 rund 1,4 Mrd. Euro zustande (Knoll 2010: 47-85).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Intervention am Beispiel des Programmes "9+12 – Gemeinsam gesund“
Hochschule
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Veranstaltung
Einführung Gesundheitswissenschaften
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V510777
ISBN (eBook)
9783346092823
ISBN (Buch)
9783346092830
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Übergewicht, Adipositas, Gemeinsam Gesund, Gesunde Ernährung, Schwangere, Säuglinge
Arbeit zitieren
Julia Kersten (Autor), 2018, Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Intervention am Beispiel des Programmes "9+12 – Gemeinsam gesund“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510777

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